eine gesamtgenealogie der griechisch-mediterranen mythologie
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skylla 1,2,3
SKYLLA 1,2,3 „Zerzausen“, sprachverwandt mit skylax = junger Hund. 1. Tochter des Phorkys 1 oder Trienos und der Krataiis; Apollodor E7,20. Auch Lamia, die Kinderschreckgestalt, Styx, Echidna 1 und Hekate 1 wurde als ihre Mutter und Triton 1 und Typhon als ihr Vater bezeichnet. ….. Ursprünglich war Skylla ein schönes, aber alle Männer abweisendes Mädchen. Der Meergott Glaukos 8 verehrte sie vergeblich. Als Skylla ihn nicht erhörte, bat er Kirke, die Zauberin, um Rat. Doch Kirke verliebte sich in Glaukos - vergeblich - er wollte nur Skylla. Wütend vergiftete Kirke das Wasser in dem die Nereiden immer badeten. Nichts ahnend sprang Skylla in das Wasser und wurde in jenes Ungeheuer verwandelt, das heute noch in einer Felshöhle an der Straße von Messina sitzt, früher die vorbeifahrenden Schiffe überfiel und die Seeleute fraß. Sie hatte sechs lange Hälse und Köpfe mit je drei Zahnreihen und zwölf Füße. Odyssee 12,73ff: „Auf der anderen Seite drohen zwei Klippen. Mit spitzem Gipfel erreicht die eine den weiten Himmel, doch düstre Wolken umballen sie. Niemals weichen die Wolken, und niemals trifft auf den Gipfel das Licht, nicht im Sommer und auch nicht im Herbste. Schwerlich vermag ihn ein Mensch zu erklettern, ja kaum zu betreten, selbst wenn er zwanzig geschickte Hände und Füße bewegte; denn der Felsen ist glatt, als hätte man rings ihn beschliffen. Mitten im Felsen befindet sich eine dämmrige Höhle, deren Öffnung nach Westen, zur Unterwelt, blickt, nach der Seite, wo das gewölbte Schiff ihr vorbeilenkt, edler Odysseus. Von dem gewölbten Schiff aus trifft auch ein rüstiger Schütze niemals mit seinem Geschoß den Eingang der bauchigen Höhle. Drinnen haust die Skylla, das grauenhaft bellende Untier. Einem noch jungen Hunde entspricht die gräßliche Stimme; aber sie ist ein entsetzliches Scheusal; des grausigen Anblicks freute sich niemand, auch keine Gottheit, die plötzlich sie träfe. Beine besitzt sie, ein Dutzend, alle häßlich verkümmert, aber sechs Hälse von riesiger Länge; auf jedem von ihnen schwankt ein furchtbarer Kopf, drei Zahnreihen drohen in jedem, stark und dicht, der bittere Tod verbirgt sich in ihnen. Mitten hinein in die bauchige Höhle duckt sich ihr Körper, aber die Köpfe streckt sie hervor aus dem schaurigen Schlunde, tastet über die Klippen nach Beute, fängt Fische im Umkreis, Seehunde und Delphine, auch größere Tiere des Meeres, wie Amphitrite zahllos sie nährt, die rauschende Göttin. Noch kein Seemann rühmt sich, er sei dort vorübergefahren ohne Verluste; das Untier errafft mit jedem der Köpfe gierig sich einen Mann aus dem düstergeschnäbelten Schiffe.“ [Homer: Odyssee. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5754 (vgl. Homer-W Bd. 2, S. 186 ff.) (c) Aufbau-Verlag] „Derart befahl ich, und schnell gehorchten sie mir. Von der Skylla, diesem unabwendbaren Unheil, sprach ich nicht weiter, sollte die Mannschaft doch nicht in Schrecken geraten, das Rudern einstellen und sich entsetzt zusammendrängen im Schiffsbauch. Nunmehr dachte ich selber nicht mehr an die leidige Weisung Kirkes - sie hatte mir abgeraten, zum Kampf mich zu rüsten -, legte die ruhmreiche Rüstung mir an und ergriff auch zwei lange Lanzen; mit ihnen bestieg ich das Deck des vorderen Schiffes. Denn ich hoffte, von dort aus zuerst die Herrin des Felsens, Skylla, zu sehen, die meine Gefährten so furchtbar bedrohte. Doch ich erspähte sie nirgends; die Augen gingen mir über, während ich über die dunstumflossene Felsklippe starrte. Durch die Meerenge fuhren wir stöhnend. Es lauerte Skylla neben uns; drüben begann gerade die Göttin Charybdis fürchterlich einzuschlürfen die salzigen Fluten des Meeres. Spie sie das Wasser zurück, dann erbrauste es weithin in Wirbeln, wie im Kessel auf lodernder Flamme, und Schaumflocken stoben aufwärts, empor zu den Spitzen der beiden ragenden Felsen. Sog sie dann wieder hinein die salzigen Fluten des Meeres, bildete sich ein tosender Trichter, die Felswände dröhnten furchtbar im Umkreis, es wurde der Meeresgrund sichtbar mit seinem düsteren Sande; ein bleiches Entsetzen packte die Mannschaft. Dorthin blickten wir alle, vom tödlichen Schrecken geschüttelt. Da entraffte mir Skylla aus dem bauchigen Schiffe sechs der Gefährten, die stärksten an Kraft der rüstigen Arme. Als ich die Augen wandte ins Schiff und auf meine Besatzung, sah ich bereits hoch über mir schweben die Beine und Arme der in die Höhe gerissenen Opfer; sie riefen mich kläglich flehend beim Namen, zum letzten Male, in grausigen Ängsten. Wie ein Fischer an langer Rute, vom Vorsprung des Ufers, für die kleineren Fische den Bissen als Köder hinabläßt in das Meer und das Röhrchen vom Horn des Weidestiers auswirft, schließlich die zappelnde Beute im Bogen ans Land schwingt: genauso zappelten meine Gefährten, aufwärts gerissen am Felsen. Dort in dem Eingang zur Höhle verschlang sie das Untier; sie schrien, streckten verzweifelt die Hände nach mir in entsetzlichem Ringen. Schlimmeres habe ich niemals vor Augen bekommen bei allem, was ich an Schwerem erlitt beim Durchfahren der Bahnen des Meeres.“ [Homer: Odyssee. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5762 (vgl. Homer-W Bd. 2, S. 190 ff.) (c) Aufbau-Verlag] Bei Tzetzes Lyk. 45. 650 ist es Amphitrite die die schöne Skylla aus Eifersucht verwandelt. ….. Als Herakles mit den Herden des Geryones vorbeizog, tötete er Skylla, weil sie ihm eines der Rinder raubte. Ihr Vater Phorkys 1 verbrannte den Leichnam, kochte die Asche auf und gab ihr so das Leben zurück. Ihre Mythen wurden in hellenistischer Zeit phantastisch ausgeführt, allegorisch lebte sie bis in das Mittelalter. ….. Bei Nonnos ist Skylla eine Geliebte des Poseidon, die er nach dem Genuss in ein Riff verwandelte; Nonnos Dionysiaka 42,404ff: „…………………………………….Verschmähe den spitzen Dreizack, Beroë, meide das Donnern des rauschenden Meeres, meide Poseidons gefahrendrohende rasende Liebe! Einmal schon hat er mit einer Amymóne geschlafen, doch nach dem Beilager ward sie, mit gleichem Namen, zur Quelle. Skylla beschlief er und machte aus ihr ein Riff in der Salzflut, stellte Asteria nach - sie wurde zur einsamen Insel. Jungfrau Euboia verwurzelte er auf dem Grunde des Meeres.“ [Nonnos: Leben und Taten des Dionysos. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 9045 (vgl. Nonnos-W Bd. 2, S. 165) (c) Aufbau-Verlag] 2. Tochter des Nisos 1, des Königs von Nisos (Megara). .…. Androgeos, der bewundernswert schöne und starke Sohn des kretischen Königs Minos 1, war Sieger der ersten Panathenaien (Feier für Athena) und zu Gast bei Aigeus, dem König von Athen. Aigeus, selbst noch kinderlos, wurde von blankem Neid gequält und beschloss den Jüngling zu beseitigen. Es wird erzählt, er habe Androgeos umbringen lassen. Die meisten Schriftsteller berichten jedoch, dass er ihn, tödlich hinterlistig, beauftragt habe den gefährlichen Stier von Marathon zu töten. Poseidon schenkte einst dem Minos diesen weißen Stier. Weil er ihn nicht, wie versprochen, opferte, zeugte das Vieh mit Pasiphae, der Gattin des Minos, den Minotauros. Herakles fing im Auftrag von Eurystheus (achte Arbeit) das göttliche Tier, brachte es nach Tiryns und setzte es in Marathon aus. Androgeos gehorchte, fand den Stier, verlor aber im Zweikampf sein Leben. Sein Vater, König Minos von Kreta, gab Aigeus die Schuld am Tod seines Sohnes und erklärte Athen den Krieg. Es folgte der Rachezug des Minos der mit der Eroberung von Nisa (Megara) begann und der Niederlage von Athen endete. Nisos und seine Männer verteidigten ihre Stadt verbissen und hätte sicher gesiegt, wenn Skylla 2, seine Tochter, sich nicht in Minos unsterblich verliebt hätte (Ovid met. 8,1 – 151). Da sie wusste, dass das Leben ihres Vaters und die Existenz ihrer Heimatstadt von seinem roten Haar, oder einer einzelnen purpurnen Locke ihres Vaters abhing, schnitt sie ihm Skylla während des Schlafes ab (vergleiche Samson und Dalila). Als sie die geraubten Haare Minos überreichen wollte und Dank und Zuneigung erwartete, wies dieser sie entsetzt zurück und ließ die Anker lichten. Es entsprach nicht der Ehre eines kretischen Königs und Nachkommen des Zeus auf diese Weise eine Stadt zu erobern. Entsetzt und vollkommen verzweifelt sprang Skylla in das Meer, schwamm der Flotte nach und hing sich an das Heck des königlichen Schiffes. Ein Seeadler erschien und wollte sie zerfleischen. Es war ihr Vater, Zeus hatte ihn in einen Seeadler verwandelt. Aber Skylla konnte fliehen, weil Zeus auch sie in einen Vogel verwandelte. Der größte Feind dieses Wasservogels ist heute noch der Seeadler. ….. Ovid met. 8,1 – 151: Als nun heiteren Tag, fortscheuchend die nächtlichen Stunden, Lucifer wieder erschließt, da legt sich der Ost, und es hebt sich Feuchtes Gewölk. Dem Cephalus gibt und des Aeacus Mannen Rückfahrt friedlicher Süd, von welchem getrieben sie glücklich Vor der erwarteten Zeit anlangen am Ziele des Hafens. Minos indessen verheert die Gestade lelegischer Stämme, Und er versucht die Stärke des Heers an Alcathoës Mauern Erst zu Beginn, wo Nisus gebot, dem mitten am Scheitel Haftete zwischen dem Grau des Ehrfurcht heischenden Hauptes Glänzend von Purpur ein Haar, die Bürgschaft mächtigen Reiches. Sechsmal war's, daß Luna erhob aufgehend die Hörner: Immer noch schwankte das Glück des Krieges, und zwischen den beiden Schwebete lange der Sieg unschlüssig mit irrenden Flügeln. Eigen dem König, erhob sich ein Turm an der tönenden Mauer, Wo der letoische Gott nach der Sage die goldene Leier Einstmals niedergelegt. Ihr Klang blieb haften am Steine. Dorthin pflegte sich oft zu begeben die Tochter des Nisus Und mit kleinem Gestein nach dem hallenden Quader zu werfen, Als noch Frieden bestand. Im Krieg auch pflegte sie oftmals Dort vom Turme zu schaun auf die Kämpfe des grimmigen Mavors. Schon in des Krieges Verlauf auch lernte sie kennen der Fürsten Namen und Rosse und Waffen und Tracht und kydonische Köcher; Aber vor allen zumeist die Gestalt des europischen Führers War ihr bekannt, mehr als ihr gefrommt. Nach ihrem Erachten War, wenn das Haupt ihm deckte der Helm mit den buschigen Federn, Minos schön in dem Helm, und hatte den Schild er genommen, Der hell strahlte von Gold, sah stattlich er aus mit dem Schilde. Wenn er den schwankenden Speer ausholend erhob in der Rechten, Lobte die Kunst im Verein mit der Kraft die bewundernde Jungfrau. Hatt er, das Rohr auflegend, gekrümmt den geschweifeten Bogen, Schwur sie, wie er, so stehe, den Pfeil in der Rechten, Apollo. Wenn er das Erz nun erst abnahm und entblößte das Antlitz Und auf schneeigem Roß, das prangte in buntem Gedecke, Saß im Purpurgewand und das schäumende Maul ihm zurechtwies, War kaum ihrer bewußt, kaum mächtig der Sinne des Nisus Tochter. Sie nannte beglückt den Spieß, den Minos berührte, Nannte die Zügel beglückt, die er in den Händen bewegte. Oft schon war sie gewillt, jungfräuliche Schritte zu lenken - Ziemt' es sich nur - durch die feindliche Schar; oft war sie gewillt auch, Hoch vom Turme den Leib in das gnosische Lager zu stürzen Oder das eherne Tor gar aufzuschließen dem Feinde Oder was Minos von ihr sonst forderte. Wie sie nun dasaß, Schauend das weiße Gezelt des diktäischen Königs, begann sie: »Ob mich der traurige Krieg mehr freun soll oder betrüben, Zweifl ich im Sinn. Mich betrübt, daß Minos der Liebenden Feind ist. Und doch, ohne den Krieg, wie wär er bekannt mir geworden? Aber er könnte vom Krieg abstehn, mich nehmen als Geisel Und zur Begleiterin mich, mich haben zum Pfande des Friedens. Wenn sie ähnlich wie du, o Schönster von allen, gewesen, Die dich gebar, ward Liebe mit Recht in dem Gotte entzündet. Oh, wie war ich beglückt, wenn ich könnte mit Schwingen die Lüfte Teilen und schweben hinab in das Lager des gnosischen Königs, Daß ich gestände die Glut und ihn fragete, was er zur Mitgift Fordere. Nur nicht dürft er die Feste des Vaters begehren. Eher entsag ich dem Glück des erwarteten Lagers, als daß mir Dazu hülfe Verrat - obwohl schon oft die Besiegung Vielen zum Heile gewandt großmütige Milde des Siegers. Sicherlich führt er gerechten Krieg für des Sohnes Ermordung; Ihn macht mächtig das Recht und die Recht verfechtenden Waffen. Ihm wird, glaub ich, der Sieg. Wenn dieses Geschick zu erwarten, Warum sollte denn Mars, nicht unsere Liebe dem König Öffnen die Mauern der Stadt? Viel besser, er hätte die Obmacht Ohne Verzug und Mord und Aufwand eigenen Blutes. Denn stets bin ich in Furcht, daß einer die Brust dir verwunde, Minos, ohne Bedacht. Wer wäre so harten Gemütes, Daß er es wagte, den Speer auf dich vorsätzlich zu richten? Wohl denn, es sei! Feststeht der Entschluß, samt mir ihm zur Mitgift Zuzubringen die Stadt und ein Ende zu setzen dem Kriege. Was hilft Wollen jedoch? Stets hütet die Wache den Zugang, Und von dem Vater geschützt ist der Tore Verschluß. Vor dem Vater, Wehe mir, bangt mir allein; nur er setzt Schranken den Wünschen. Machten mich doch die Götter verwaist! Doch wahrlich, ein Gott ist Jeder sich selbst, Fortuna ist abhold feigen Gebeten. Längst schon hätte gewiß, von solchem Verlangen entzündet, Freudig ein anderes Weib, was hemmte die Liebe, beseitigt. Sollt ich einer an Mut nachstehn? Durch Feuer und Schwerter Würd ich wagen zu gehn. Und Feuer so wenig wie Schwerter Sind ja vonnöten dabei; ein Haar ist vonnöten vom Vater. Das gilt höher für mich als Gold; dies purpurne Haupthaar Soll mir verschaffen das Glück und des sehnlichen Wunsches Gewährung.« Während sie redete, war die Pflegerin heimlicher Sorge Leise gekommen, die Nacht, und es wuchs ihr im Dunkel die Kühnheit. Ruhzeit nun hob an, da der Schlaf von den Sorgen des Tages Matte Gemüter befängt. Da tritt in die Kammer des Vaters Schweigend sie ein, die Tochter, entreißt - o Schande! - dem Vater Sein so kostbares Haar. Wie den ruchlosen Raub sie begangen, Nimmt sie des Frevels Gewinn mit sich und, entschritten dem Tore, Geht durch die Feinde sie hin - so gibt ihr Vertrauen die Großtat -, Kommt zum König und spricht zu dem höchst Verwunderten also: »Liebe bewog mich zur Tat. Ich, fürstliche Tochter des Nisus, Scylla, ich bringe dir hier des Landes und meine Penaten. Anderen Lohn nicht heisch ich als dich. Zum Pfande der Liebe Nimm dies purpurne Haar und glaube: das Haupt des Erzeugers Gebe ich dir in dem Haar.« Und es bot ihm die Rechte Dar das verruchte Geschenk. Doch weigernd erwehrt sich der Gabe Minos, entsetzt vor dem Bild unglaublicher Tat, und erwidert: »Daß dich aus ihrem Bereich ausstießen die Götter, du Schandmal Unserer Zeit! Daß Länder und Meer dir würden verboten! Wenigstens leid ich es nie, daß die Wiege des Jupiter, Kreta, Wo ich habe mein Reich, solch Ungeheuer betrete.« Minos sprach's, und nachdem als gerechtester Herrscher Gesetze Er den Besiegten bestellt, ließ gleich er die Taue der Flotte Lösen und rudern vom Land die kupferbeschlagenen Schiffe. Da nun Scylla gewahrt, wie, ins Wasser gelassen, die Kiele Schwammen und nicht ihr den Lohn des Verbrechens gewährte der Führer, Wandte sie sich, als Bitten erschöpft, zu gewaltigem Zorne; Rasend mit fliegendem Haar und die Hände gestreckt in Verzweiflung, Rief sie: »Wo fliehest du hin, die dir geholfen verlassend, Du, den höher ich hielt als das Heimatland, als den Vater? Wohin willst du entfliehn, Hartherziger, welchem den Sieg gab Unser Vergehn und Verdienst? So rührete unsere Gabe, Unsere Liebe dich nicht, noch daß ich einzig auf dich nur All mein Hoffen gesetzt! Wohin nun soll ich Verlaßne? Heim in die Stadt? Die liegt ja besiegt. Und gesetzt, sie bestände: Durch den Verrat ist mir sie gesperrt. Vor die Augen des Vaters? Dir ja gab ich ihn preis. Die Schuldige hassen die Bürger; Furcht weckt allen umher das Beispiel. Ausgesetzt bin ich, Völlig verwaist; mir bleibt nur Kreta als einzige Zuflucht. Wenn du mir das auch verweigerst und mich, Fühlloser, verlässest: Nicht Europa, fürwahr, unwirtliche Syrte, Charybdis, Die stets geißelt der Süd, ein armenischer Tiger gebar dich; Jupiter zeugte dich nicht, noch wurde vom Bilde des Stieres, Die dich geboren, berückt - so lügt ein Märchen die Abkunft -, Sondern ein wirklicher Stier, der grimmig zu keiner der Färsen Liebe gefühlt, war's, der dich gezeugt. Vollziehe die Strafe, Vater, an mir! Frohlockt ob unserer Qualen, ihr Mauern, Die ich verriet! Ich bekenne, den Tod zu erleiden verdien ich. Einer von ihnen jedoch, die ich so ruchlos beleidigt, Bringe mich um. Warum willst du, dem unsere Schuld nur Sieg gab, rächen die Schuld? Ein Verbrechen dem Land und dem Vater, Muß es ein Dienst dir sein. Dich wahrlich verdient zum Gemahle Sie, die buhlend betrog mit dem Holze den trotzigen Farren Und mißleibige Frucht in dem Schoß trug. Aber mein Rufen, Dringt es zu Ohren dir auch? Wie, oder entführen die Winde, Wie sie entführen dein Schiff, Fühlloser, die eitelen Worte? Nun, nun wundert es nicht, daß Pasiphaë lieber dem Stiere War zu Willen als dir: du hattest noch größere Wildheit. Wehe mir! Er treibt zur Eile! Zerteilt von den Rudern, Rauschet die Flut, und mit mir bleibt unser Gestade dahinten. Eitles Bemühn, o du, der meiner Verdienste vergessen! Dir folg ich nach, zum Trotz, und das bauchige Schiffsheck umklammernd, Laß ich mich ziehn durchs Meer.« Sie sprach's, und im Nu in die Wogen Springt sie und kommt an das Schiff, da Kraft ihr verleiht das Verlangen, Und an dem gnosischen Kiel hängt fest die verhaßte Gefährtin. Wie sie der Vater erblickt - denn er schwebte bereits in den Lüften, Da er sich wandelte jüngst zum bräunlich befiederten Fischaar -, Kommt er geschossen und will sie zerreißen mit hakigem Schnabel. Jene, geschreckt, läßt fahren das Schiff; doch während des Falles Schien sie zu halten die Luft, daß nicht sie berührte die Wellen. Federn verwehrten den Fall; durch Federn zum Vogel gewandelt, Heißt sie Ciris und führt vom geschorenen Haare den Namen. [Ovid: Verwandlungen (Metamorphoses). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 12805 (vgl. Ovid-W Bd. 1, S. 182 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ……………… In einer anderen Version ließ Minos Skylla über Bord werfen. Ihr Leichnam wurde unweit von Troizen an Land gespült. Die Troizener bestatteten sie nicht, Seevögel zogen die Tote fort, benannten aber das Kap nach ihr – Kap Skyllaion und das Skyllaiische Vorgebirge; Pausanias 2,34,7f. 3. Nur bei Hygin fab. 170 eine der 50 Töchter des Danaos. In der Hochzeitsnacht hat sie den ihr wider Willen angetrauten Ehemann Proteus 2 erdolcht und geköpft. Bei Apollodor 2,16 heißt die mörderische Braut Gorgophone 1. ….. Aigyptos, durch die Flucht seines Bruders mächtiger König von Arabien, Ägypten und Libyen, hatte 50 Söhne und wünschte die Verheiratung mit den 50 Töchtern seines Bruders Danaos. Danaos lehnte ab, Aigyptos zog mit einem Heer und seinen Söhnen nach Argos und bedrohte die Stadt. Danaos willigte in die Hochzeit ein, verloste seine Töchter den 50 Söhnen des Aigyptos, gab aber allen vor der Hochzeitsnacht einen Dolch und den Auftrag, die frisch angetrauten Ehemänner zu ermorden. 49 Töchter gehorchten, nur Hypermestra 1 verschonte ihren Gatten Lynkeus 2, weil er ihrer Bitte, ihre Jungfräulichkeit zu schonen, entsprochen hatte. Sie verhalf ihm sogar zur Flucht. Ihre Schwestern schnitten den Toten die Köpfe ab, brachten sie Danaos als Beweis und bestatteten sie auf dem Berg Larisa. Die Körper begrub man bei Lerna.