eine gesamtgenealogie der griechisch-mediterranen mythologie
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aison
AISON / AESON Sohn des Kretheus 1 und der Tyro, Gatte der Alkimede 1; die Schriftsteller nennen sie auch noch Polymede 1, Polymele 1, Arne 7, Skarphe, Rhoio 2, Amphinome 2 und Polypheme. ….. Tyro war von Poseidon die Mutter von Pelias 1 und Neleus und heiratete später ihren Onkel Kretheus 1. Als Aison, der älteste Sohn der Beiden, König hätte werden sollen, verhinderte dies sein machthungriger Halbbruder Pelias 1. Der gewalttätige Usurpator verfolgte Aison ebenso wie seinen Bruder Neleus 1, den er verjagte, und gewann damit die Oberhoheit über ganz Thessalien. ….. Als Alkimede 1, Aisons Gattin, einen Sohn Iason gebar, wurde er aus Angst vor dem Thronräuber Pelias sofort als tot betrauert, tatsächlich aber dem weisen Kentauren Chiron zur Erziehung übergeben. ….. 21 Jahre später ging der erwachsene Iason nach Iolkos. Vor einem reißenden Fluss begegnete er einer runzeligen alten Frau. Die Göttin Hera war es. Sie hatte sich verwandelt, bat Iason sie an das andere Ufer zu bringen, denn sie wollte prüfen ob er für ihren Plan tauglich sei. Pelias hatte Hera schwer beleidigt und sie wollte tödliche Rache. Sanft hob Iason sie auf seine Schultern und trug sie durch das reißende Wasser. Dabei verlor er, verursacht durch Hera, denn es war Teil ihres Racheplanes, einen Schuh. Lächelnd bedankte sich die Göttin. Notgedrungen setzte er mit nur einem Schuh seinen Weg fort. ….. In Iolkos wurde das Fest des Poseidon, des Vaters des Pelias gefeiert. Pelias, der Usurpator, regierte, lebte aber in Angst. Ein Orakel hatte ihm verkündet, dass ein Aioide, ein Mann mit nur einem Schuh, ihm den Tod bringen werde. Zudem erschien ihm in einem Traum der Geist des Phrixos und verlangte von ihm, dass er die Seele des Phrixos und das Goldene Vlies von Kolchis zurückbringen muss. ….. Iason betrat die festliche Stadt und wurde wegen seiner Schönheit bewundert und wegen dem fehlenden Schuh belächelt. Man berichtete dem König. Pelias sprang sofort von seinem Wagen, eilte zu dem jungen Mann und fragte ihn wer er sei. Iason stellte sich vor und verlangte, unerschrocken, den ihm zustehenden Thron von Iolkos. Pelias erschrak: Iason, ein Aloide, ein Mann mit nur einem Schuh – sein Todbringer! Aus Angst vor Zeus, er war der Überwacher der Gastfreundschaft, wagte es Pelias nicht sofort mit Gewalt gegen Iason loszugehen. Mit geheuchelter Freundlichkeit begrüßte er ihn und fragte ihn, was er tun würde, wenn ein Orakel ihm verkünden würde, dass ein bestimmter Bürger ihn töten wolle. Iason antwortete: „Ich würde ihm befehlen, das goldene Vlies zurückzuholen.“ Der König nahm ihn beim Wort und befahl ihm, genau das zu tun. Iason startete die berühmte Fahrt der Argonauten. Freudig verabschiedete Pelias die Männer und nahm mit Sicherheit an, dass sie nie mehr zurückkehren werden und er unbehelligt seine Macht als König von Iolkos ausüben könne. Sofort nach der Abreise tötete Pelias seinen Halbbruder Asion und dessen kleinen Sohn Promachos 11. Alkimede, die Frau und Mutter der Ermordeten, beging Selbstmord. Iason verlor damit seine ganze Familie. ….. Nach jahrelanger Abwesenheit, „Die Fahrt der Argonauten“, kehrte Iason aber mit dem geforderten Vlies zurück und brachte seine Frau Medeia, eine Zauberin aus Kolchos, mit. Medeia bewies sofort ihre Zauberkünste: Sie schlachtete einen altersschwachen Widder, zerstückelte ihn, kochte ihn mit Zauberkräutern in einem Topf und, siehe da, ein junger schöner Widder sprang heraus. Erstaunt schauten die Töchter des Pelias, die Peliades, zu und wollten ihren geliebten altersschwachen Vater ebenso verjüng sehen. Hinterlistig (Die Rache der Hera!) forderte Medeia die Frauen auf ihren Vater zu töten und zu zerstückeln und gab ihnen Zauberkräuter. Freudig gehorchten sie, erdolchten und zerstückelten ihren alten Vater und kochten und kochten, aber mit falschen Kräutern – Pausanias 8,11,3 schreibt: „…. ihn aber bekamen die Töchter so zurück, daß er für die Bestattung nicht mehr tauglich war.“ Medeia jedoch übergab die nun befreite Stadt ihrem Mann Iason. Die irregeführten Töchter verließen schuldbeladen das Land und zogen nach Arkadien. Die Rache der Hera war vollzogen ! ….. In einer anderen Version der Sage wurde Aison nicht von Peleus ermordet, sondern erlebte die Rückkehr seines Sohnes als würdiger, aber alter runzeliger Greis. Iason bat Medeia um eine Verjüngung seines Vaters und Medeia, die Verliebte, öffnete ihrem alten Schwiegervater mit dem Dolch die Kehle, goss ihm in den Mund und in die Wunde einen Zaubertrank ein und verjüngte ihn um vierzig Jahre. Ovid met. 7,159ff: „Jetzt in Hämonien weihn mit den Müttern gealterte Väter Gaben zum Dank, daß die Söhne zurück, und es schmilzt in der Flamme Weihrauch, reichlich gehäuft, und mit Gold umzogen die Hörner, Blutet das Tier, wie gelobt. Doch fehlt bei den Fröhlichen Aeson, Der schon nahe dem Tod und vom lastenden Alter geschwächt war. Da sprach Aesons Sohn: »Du, der ich die Rettung zu danken Freudig bekenn, o Gattin, obgleich du mir alles gegeben Und unglaublich erscheint die Anzahl deiner Verdienste: Wenn dein Zauber es kann - und was nicht könnte der Zauber? -, Nimm von meinen Jahren, und teile sie zu dem Erzeuger.« Tränen entrannen dazu. Sie rühret des Bittenden Liebe; Ihr unähnliches Herz denkt an den verlaßnen Aeëtes, Doch sie bekennt nicht solches Gefühl. »Welch Frevel«, versetzt sie, »Sprach dein liebender Mund, o Gemahl! Mich glaubst du imstande, Überzutragen von dir auf andere Zeiten des Lebens? Das gönnt Hekate nie, und du wünschest vermessen; doch will ich Größeres, als du gewünscht, dir suchen zu geben, Iason: Daß ich dem Schwäher durch Kunst langwährendes Leben erstatte, Nicht durch Jahre von dir. Nur muß bei dem furchtbaren Wagnis Helfen und mir voll Huld nahstehn die dreifache Göttin.« Nächte gebrachen noch drei, bis ganz sich die Hörner vereinten Zum vollständigen Rund. Wie Luna, am vollsten erglänzend, Als ein gediegenes Bild auf die Lande der Erde herabsah, Gehet sie fort aus dem Haus, umhüllt von entgürteten Kleidern, Nackt an den Füßen und nackt auf die Schultern gegossen das Haupthaar. Ohne Geleit in Mitte der Nacht durch schweigende Stille Hebt sie den schweifenden Fuß. Tief ruhten, im Schlummer entfesselt, Menschen und Vögel und Wild; kein Flüstern erhebt sich im Zaune; Regungslos ist das Laub; es schweiget der tauige Luftraum; Sterne nur flimmern im Glanz. Zu diesen die Arme gehoben, Dreht sie sich dreimal um, sprengt dreimal, schöpfend im Flusse, Wasser sich über das Haar, stößt dreimal lautes Geheul aus, Läßt dann nieder das Knie an den drückenden Boden und betet: »Nacht, Vertrauteste du tiefheimlichen Tuns, und Gestirne, Die ihr den Gluten des Tags nachfolgt mit der goldenen Luna, Dreihaupt Hekate auch, die du weißt um unser Beginnen Und als Helferin nahst, ihr bannenden Künste des Zaubers, Die du dem Zauberer leihst krafthaltige Kräuter, o Erde, Lüfte und Winde zudem, ihr Seen, ihr Ströme und Berge, All ihr Götter der Nacht, ihr Götter der Wälder: erscheinet, Durch die, wenn ich es will, zum Staunen der Ufer die Flüsse Kehren zur Quelle zurück, aufgärende Flut sich beruhigt, Ruhende Flut aufgärt, durch die ich verscheuche die Wolken Oder sie führe herauf, fortweis und rufe die Winde, Giftigen Vipern den Schlund aufbreche mit Spruch und Beschwörung, Wurzelnde Felsen im Grund und vom Sitze gerissene Eichen Rüttele, Wälder beweg und heiße die Berge erbeben Und dumpf dröhnen den Grund und die Manen entsteigen den Gräbern. Dich auch zieh ich heran, o Mond, ob Temesas Erze Dir auch mindern die Not. Blaß färbet den Wagen des Ahnes Unsere Kunst: blaß wird durch unseren Zauber Aurora. Ihr habt jüngst mir die Glut der Stiere gekühlt und den Nacken, Der noch nie sich bequemt, mit gebogenem Pfluge belastet; Ihr habt des Drachens Brut zum Kampf miteinander getrieben, Ihr den Wächter betäubt, der entbehrte des Schlafs; und das Goldvlies Sandtet ihr in das grajische Land und täuschtet den Rächer. Nun sind Säfte mir not, durch welche das Alter, erneuert, Kehre zur Blüte zurück und wieder erlange die Jugend. Ja, ihr gewähret sie mir: Umsonst nicht blitzten die Sterne; Nicht ist der Wagen umsonst, den Hälsen geflügelter Drachen Folgend, genaht.« Nah stand, aus dem Äther gesunken, ein Wagen. Wie sie diesen bestieg und der Drachen gezäumete Hälse Streichelte und mit der Hand leichtschwebende Zügel bewegte, Wird sie gerafft in die Höh, und auf das thessalische Tempe Schaut sie hinab und lenkt nach verlässigen Höhen die Schlangen. Was nur Ossa erzeugt, was Pelion, Othrys an Kräutern, Was das Pindusgebirg und, größer als Pindus, Olympus, Mustert sie kundig und rauft, was tauglich erscheint, mit der Wurzel, Oder sie schneidet es ab mit der krummen ehernen Sichel. Auch am Eridanusstrom und an des Amphrysos Gestaden Wählte sie manches Gewächs; nicht zinsfrei warst du, Enipeus; Auch die spercheische Flut gab her; nicht minder Penëus Steuerte bei sein Teil und das Binsengestade der Boebe. Auch das belebende Gras am euböischen Sund bei Anthedon Rupfte sie, das noch nicht Ruhm hatte von Glaucus' Verwandlung. Als neunmal der Tag, neunmal die Nacht sie gesehen, Wie sie geforscht allorts, von den fliegenden Drachen gezogen, Kehrte sie heim. Den Geruch nur hatten empfangen die Drachen, Dennoch legten sie ab die Haut vieljährigen Alters. Vor der Schwell und der Türe verbleibt sie nach ihrer Zurückkunft; Über ihr steht der Himmel allein, und der Männer Berührung Meidet sie, und sie erbaut zwei Opferaltäre von Rasen, Einen für Hekate rechts und den anderen links für die Jugend. Als sie mit heiligem Kraut und Büschen umflochten die Herde Und ganz nahe dabei zwei Höhlen gewühlt in dem Erdreich, Opfert sie drüber und stößt schwarzwolligem Schaf in die Gurgel Schneidenden Stahl und beströmt mit dem Blute die offenen Gruben. Flüssigen Wein sodann ausgießend darob aus der Kanne, Lauwarme Milch dann auch ausgießend aus anderer Kanne, Murmelt sie Worte dazu und beschwört die Gewalten der Erde, Samt dem entführeten Weib anflehend den König der Schatten, Daß sie dem siechenden Leib nicht eilen den Atem zu rauben. Als sie diese versöhnt mit Gebeten und langem Gemurmel, Heißt sie zum Doppelaltar den entkräfteten Körper des Aeson Bringen und streckt ihn, versenkt durch Zauber in völligen Schlummer, Einem Gestorbenen gleich auf untergebreitete Kräuter. Aesons Sohn nun weist sie hinweg und die Diener und warnt sie, Daß sie das heimliche Tun nicht stören mit weltlichen Blicken. Folgsam gehen sie fort. Nachahmend die Art der Bacchanten, Schreitet mit fliegendem Haar um die brennenden Herde Medea, Taucht Kienspäne hinein in die Gruft voll schwärzlichen Blutes, Zündet, befeuchtet, sie an auf den beiden Altären, und dreimal Weiht sie den Greis zum Werk mit Feuer, mit Wasser, mit Schwefel. Aber das Zaubergebräu, das stand auf dem Feuer im Kessel, Siedet und sprudelt indes und ist weiß vom schwellenden Schaume. Wurzeln kocht sie darin, im hämonischen Tale geschnitten, Samen und Blumen zugleich und Säfte von ätzender Schärfe, Wirft auch Steine hinein, im entlegensten Osten gelesen, Sand auch, welchen gespült des Oceanus ebbende Strömung; Tau auch tut sie hinzu, von nächtlichem Monde gefangen, Dann mit dem Fleische zugleich die verrufenen Flügel der Eule Und das zerhackte Gedärm von dem Werwolf, welcher verwandelt Tierischen Leib zu Menschengestalt. Auch fehlte mitnichten Drunter der schuppige Balg der cinyphischen dünnen Chelyder. Vom lang lebenden Hirsch auch mischte sie drunter die Leber Und von der Krähe den Kopf, die gelebt neun Menschengeschlechter. Als sie von dem und vielem dazu, was Namens entbehret, Hatte die Gabe gebraut, die sollte dem Sterblichen frommen, Rührt sie zurecht das ganze Gemisch mit des friedlichen Ölbaums Längst vertrocknetem Ast und vermengt mit dem Obern das Untre. Sieh, da wird zum Beginn, wie er kreist in dem siedenden Kessel, Grün der verdorrete Stumpf; kurz währt der Verzug, und mit Blättern Kleidet er sich und ist plötzlich behängt mit schweren Oliven. Doch, wo Schaum hinwirft aus dem hohlen Gefäße das Feuer Oder wohin auf die Erd ein glühender Tropfen gefallen, Grünet der Boden und sprießen Blumen und schwellende Weide. Rasch, wie sie das gewahrt, stößt zu mit dem Schwerte Medea, Öffnet die Kehle dem Greis, und entlassend das alte Geblüte, Gießt sie den Saft ihm ein. Als diesen der liegende Aeson Aufnahm teils mit dem Mund, teils auch mit der Wunde, verlieren Bart und Haare das Grau und gewinnen die vorige Schwärze; Hagere Dürre vergeht; es entweichet das Gelb und die Welkheit; Frisch ansetzendes Fleisch füllt aus hohlgehende Runzeln; Stark ist in Fülle der Leib. Mit Bewunderung fühlet sich Aeson Ganz so wieder wie einst vor vierzig entwichenen Jahren.“ [Ovid: Verwandlungen (Metamorphoses). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 12765 (vgl. Ovid-W Bd. 1, S. 159 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Nach Aison war eine Stadt in Thessalien benannt. Ihre Lage konnte bis heute noch nicht genau festgestellt werden.