eine gesamtgenealogie der griechisch-mediterranen mythologie
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akis 1,2
AKIS 1,2 1. Ein Fluß, der am Fuße des Ätnas entspringt, heute „fiumi di Jaki“. 2. In der Sage ist dieser Fluss Sohn des Faunus und der Nymphe Symaithis, der Geliebte der Galateia / Galatea; Ovid met. 13,746ff, Erzählung der Galatea: „Als sie mit schneeweißer Hand die hatte getrocknet der Göttin Und sie getröstet zugleich, sprach Scylla: »Erzähle mir, Liebste, Hehle mir nicht - mir darfst du vertrauen - den Grund der Betrübnis.« Also gab Antwort dem Kind der Crataeis die Tochter des Nereus: »Acis, von Faunus gezeugt mit einer symäthischen Nymphe, War herzinnige Lust für den Vater wie auch die Mutter, Aber für mich noch mehr: er hatte mich einzig gefesselt. Schön war Wuchs und Gesicht, und die zart gerundeten Wangen Zeichnete zartester Flaum nach dem zweimal achten Geburtstag. Nach ihm trachtete ich, nach mir endlos der Zyklope. Wolltest du fragen jedoch, ob ich mehr Liebe dem Acis, Ob mehr Haß dem Zyklopen gehegt, so möchte ich sagen: Gleich war beides in mir. Wie weit, holdselige Venus, Reicht nicht deine Gewalt! Selbst jener entsetzliche Unhold, Wäldern ein Grauen sogar, den straflos nimmer ein Fremdling Schaute, des großen Olymp und der ewigen Götter Verächter, Wird, was Liebe, gewahr, und zu mir von Verlangen ergriffen, Glüht er und hat nicht acht auf das Vieh und die bergende Höhle. Schon nun bist du bedacht auf Putz und bedacht zu gefallen, Kämmst dein borstiges Haar sorgsam mit dem Karst, Polyphemus, Und es beliebt dir, den struppigen Bart mit der Sichel zu schneiden, Auch dein wüstes Gesicht im Wasser zu schaun und zu ordnen. Wildheit, Liebe zum Mord und der unersättliche Blutdurst Rasten, und ohne Gefahr nun kommen und gehen die Schiffe. Telemus, während der Zeit zum sikulischen Aetna verschlagen, Telemus, Eurymus' Sohn, den nimmer betrogen ein Vogel, Kommt zu dem Ungetüm Polyphemus: 'Das einzige Auge', Spricht er, 'inmitten der Stirn wird einst dir nehmen Ulixes.' Doch der lacht und versetzt: 'O dümmster der Seher, du irrst dich: Eine nahm es mir schon.' So spottet er sein, der vergebens Richtig gewarnt, und drückt bald schreitend mit mächtigem Fußtritt Schwer auf den Strand, bald kehret er müd in die finstere Höhle. Weit ragt vor in die Flut keilförmig ein Hügel mit langer Spitze; zur Rechten bespült ihn die Woge des Meers und zur Linken. Diesen ersteigt der wilde Zyklop und sitzt in der Mitte; Sein wolltragendes Vieh kam folgend, von keinem getrieben. Als er die Fichte darauf, die, Rahen zu tragen geeignet, Dienst ihm tat als Stock, vor die Füße gelegt und die Flöte Hielt am Munde, gefügt aus hundert vereinigten Rohren, Ward sein Hirtengepfeif von den Bergen gespürt in der Runde, Ward es gespürt von der Flut. Ich hörte, dem trautesten Acis Sitzend im Schoß und gedeckt vom Felsen, mit eigenen Ohren Folgende Worte von fern und behielt im Geist das Gehörte: Leuchtender, o Galatea, als Blatt vom weißen Liguster, Blühender als die Au und schlanker als ragende Esche, Glänzender noch als Glas und munterer noch als ein Böcklein, Glatter als Muscheln sogar, die das Meer beständig gerieben, Lieber mir als die Sonne im Winter, der Schatten im Sommer, Edler als Äpfel und stattlicher als die hohe Platane, Lichter als Eis und süßer bist du als zeitige Traube, Weicher als Schwanendaun und weicher bist du als Quark noch, Schöner, wenn nur du nicht fliehst, als gar ein bewässerter Garten, Wilder doch auch, Galatea, als Färsen, bevor sie gezähmt sind, Trüglicher als die Flut und härter als uralter Eichstamm, Zäher als Weidengestrüpp und weißliche Ranken am Weinstock, Brausender als ein Strom, unbeweglicher als dieser Felsen, Stolzer noch als der prächtige Pfau, mehr schmerzend als Feuer, Stachliger als Berberitz und grimmig wie säugende Bärin, Nicht ist so fühllos das Meer, so wild nicht getretene Natter! Doch, was vor allem zumeist ich gern dir möchte benehmen: Rascher bist du als der Hirsch, den jagt helltönendes Bellen, Flüchtiger noch als der Wind und als der geflügelte Lufthauch! Kenntest du mich nur recht, dich reute die Flucht, und das spröde Zaudern verdammtest du selbst und trachtetest mich zu erhalten. Tief im Berge, gewölbt von lebendigem Felsen, die Höhle Nenne ich mein, wo nie in der Schwüle des Sommers die Sonne, Nie mich Winter erreicht. Auch Obst an belasteten Zweigen Hab ich und Trauben, wie Gold an den rankenden Reben erglänzend, Purpurne auch sind mein: dir sparen wir diese wie jene. Schwellende Erdbeern auch, im waldigen Schatten gewachsen, Kannst du mit eigener Hand dir pflücken und herbstliche Kirschen, Pflaumen dazu, nicht bloß von dunkelem Safte gefärbte, Sondern veredelte auch, frisch glänzendem Wachse vergleichbar; Nie auch fehlet es dir an Kastanien, bist du die Meine, Noch an Arbutusfrucht: dir dient dann jeglicher Obstbaum. All dies Vieh ist mein; auch viele noch irren in Tälern, Viele noch heget der Wald, und in Ställen sind viele in Höhlen. Wenn du mich fragtest danach, nicht könnt ich dir sagen die Anzahl: Arme Leute nur zählen ihr Vieh. Von dem Lobe des meinen Glaube mir nichts aufs Wort; komm selbst und betrachte die Schafe, Wie mit den Beinen sie kaum umgehen das strotzende Euter. Hier sind, jüngere Zucht, in gewärmten Ställen die Lämmer; Dort, gleichen Alters, sind in anderen Ställen die Zicklein. Schneeige Milch ist immer zur Hand; die heb ich zum Trinken Teils mir auf, teils wird sie verdickt von erweicheter Labe. Nicht bloß schaff ich dir auch mühlos zu erlangende Kurzweil, Gaben gewöhnlicher Art, wie Reh und Hasen, ein Böcklein Oder von Tauben ein Paar, aus dem Wipfel genommene Nester: Unlängst hab ich entdeckt, für dich ein ergötzliches Spielzeug, Ganz einander sich gleich, daß kaum du vermagst sie zu scheiden, Hoch auf erklommenem Berg zwei Junge der zottigen Bärin; Diese entdeckt ich und sprach: 'Die heben wir auf für die Liebste.' Hebe das niedliche Haupt nun auch aus dem bläulichen Meere, Komm, Galatea, herauf und verschmäh nicht unsere Gaben. Wahrlich, ich kenne mich wohl: ich sah mich im Spiegel des Wassers Unlängst, und es gefiel mir meine Gestalt bei dem Anschaun. Siehe, wie groß ich bin! Nicht ist in dem Himmel an Wuchse Jupiter größer als ich. (Ihr pflegt euch ja zu erzählen, Daß da herrsche ein Mann wie Jupiter.) Reichliches Haar hängt Über mein ernstes Gesicht und beschattet wie Wald mir die Schultern. Daß auch rauh und dicht mir am Leib stehn starrende Borsten, Achte für häßlich es nicht. Laublos sind häßlich die Bäume, Häßlich das Roß, hüllt nicht ihm die Mähne den bräunlichen Nacken; Vögel bekleidet ihr Flaum; zur Zierde ist Wolle den Schafen: Männern geziemet der Bart und struppige Borsten am Leibe. Nur ein Aug ist inmitten der Stirn mir, aber vergleichbar Einem gewaltigen Schild. Wie? Sieht von der Weite des Himmels Sol nicht alles umher? Ein einziger Kreis ist die Sonne. Füge dazu, daß in euerem Meer mein Vater gebietet: Der soll Schwäher dir sein. Hab endlich Erbarmen, erhöre Mein inständiges Flehn. Denn dir nur lieg ich zu Füßen. Ich, der Jupiter höhnt und den schmetternden Blitz und den Himmel, Scheue mich, Nymphe, vor dir: dein Zorn ist schlimmer als Blitzstrahl. Eher ertrüg ich noch mit Geduld auch diese Verachtung, Miedest du alle zugleich. Warum, den Zyklopen verschmähend, Liebst du den Acis und wählst vor meinen Umarmungen Acis? Mag der aber an sich, magst du, Galatea, Gefallen Finden an ihm - mein Wunsch ist's nicht -, wenn ich ihn erwische, Wird ihm gezeigt, wie die Kraft auch stimmt zu der Größe des Leibes. Lebend reiß ich ihm aus die Geweid und streu ihn in Fetzen Über die Felder und dir - vereinigt euch dann! - in die Wellen. Denn heiß brennt es in mir, und gestört braust wilder die Flamme; Ja, mich dünkt, als trüg ich mit seinen Gewalten den Ätna Hier in den Busen versetzt, und nichts rührt dich, Galatea. Als er umsonst so hatte geklagt - denn alles bemerkt ich -, Springt er empor und tobt wie ein Stier, dem die Kuh man genommen, Kann nicht rasten und irrt durch gewohnete Triften und Wälder. Da wird Acis und mich, die nichts argwöhnend und harmlos Saßen, der Wilde gewahr. 'Ich seh euch', ruft er, 'und diesmal Pflegt ihr fürs letzte, das schwör ich euch zu, einmütiger Liebe.' Machtvoll scholl sein Ruf, so laut, wie nur ein Zyklope Zornig die Stimme erhebt. Vor dem Toben entsetzt sich der Ätna. Ängstlich verbarg ich mich in der Tiefe der nahen Gewässer. Bang auch hatte zur Flucht sich gewandt der symäthische Jüngling: 'Rette mich, ach, Galatea, ich bitt euch, rettet mich, Eltern!' Rief er. 'In euer Gebiet gebt mir, dem Verlorenen, Einlaß!' Hinter ihm kommt der Zyklop, und ein Stück, vom Berge gerissen, Schickt er ihm nach, und wiewohl zu jenem die äußerste Ecke Nur von dem Berge gelangt, ward ganz doch Acis verschüttet. Was uns aber zu tun von dem Schicksal einzig vergönnt war, Taten wir: daß sich die Kräfte des Ahns aneignete Acis. Unter der Masse hervor floß punisches Blut, und nach Ablauf Kurz andauernder Frist fing an zu verschwinden die Röte; Farbe des Stroms, den Regen getrübt, ist nun zu gewahren; Die auch klärt sich gemach. Drauf spaltet sich berstend die Steinlast; Schlank aufsteigend ersteht aus den Ritzen lebendiges Schilfrohr, Und der geöffnete Fels tönt rauschend von quellendem Wasser. Plötzlich, o Wunder, entragt bis zur Mitte des Leibes den Wellen, Um sein neues Gehörn Rohrflechten gewunden, ein Jüngling, Der, nur größer zu sehn und bläulich im ganzen Gesichte, Acis glich. Auch so noch war er, gewandelt zum Strome, Acis, und ständig verblieb bei dem Fluß vormaliger Name.« Damit war Galatea am Schluß, und die Töchter des Nereus Trennten sich nun und schwammen, zerstreut, in ruhigen Wellen.“ (Ovid: Verwandlungen (Metamorphoses). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 13062(vgl. Ovid-W Bd. 1, S. 328) (c) Aufbau-Verlaghttp://www.digitale-bibliothek.de/band30.htm. Der Text folgt der von Liselot Huchthausen bearbeiteten Übersetzung von Reinhart Suchier.)