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amykos 2,3,4,5a,b,c,6,7
AMYKOS 2,3,4,5a,b,c,6,7 2. Sohn des Poseidon und der Bithynis / Pelia / Melope / Nymphe Melia 1c, Bruder des Mygdon 1, des Königs der Bebryker. Eponym des gleichnamigen bithynischen Hafens. Amykos gilt als der Erfinder der Boxhandschuhe. ….. Er verwehrte allen Fremden zu landen und Wasser aufzunehmen, bevor sie sich nicht mit ihm im Boxkampf gemessen hatten. Mit selbst angefertigten Boxhandschuhen aus Lederriemen besiegte er seine Gegner und tötete sie. Als die Argonauten auf ihrer Fahrt anlegen und zu einer Quelle wollten, nahm der Dioskure Polydeukes die Herausforderung an. Nach einem fürchterlichen Kampf erschlug Polydeukes mit einem dieser Handschuhe den Amykos; Apollonios v. Rhodos 2,1-98: Zweiter Gesang Dort befanden sich Ställe und Rindergehöfte des stolzen Amykos, der Bebryker Gebieter; Bithyniens Nymphe Melia hatte ihn einst dem Zeugungsgotte Poseidon Liebend geboren, den Mann, der stolzer und kecker als alle. Schmählich gebot er, es solle kein Fremder aus seinen Bereichen Weiterziehen, bevor er nicht versuchte, im Faustkampf Ihn zu bestehen. So hatte er viele Umwohner getötet. Nun auch schritt er zum Schiff, das Ziel der Fahrt zu erkunden, Und wer die Fremden wären, und höhnte sie dünkelhaft-trotzig. Und so trat er hinzu und rief sogleich in die Menge: »Hört, ihr Meerbefahrer, was euch zu wissen von nöten. Hier gilt das Gesetz, es darf kein Fremder, der jemals Zu den Bebrykern kam, nach Hause zu kehren begehren, Ehe er seine Fäuste nicht mit den meinigen kreuzte. Wählt mir aus eurer Schar darum den einzigen Besten, Daß er im Faustkampf sich hier auf dem Platze mir stelle. Wenn ihr euch aber sträubt und meine Gebote mißachtet, Würde ein grauses Geschick euch zwingend und fürchterlich treffen.« Also rief er voll Hochmut. Da faßte die Hörer ein wilder Zorn. Vor allen reizte den Polydeukes der Zuruf. Rasch trat er hervor für seine Freunde und brüllte: »Schweig, wer du auch seist, du sollst nicht länger mit frechem Zwange uns drohn. Wir fügen uns deiner verkündeten Satzung. Ich bin selber bereit, dir gleich entgegenzutreten.« Furchtlos rief er es aus, doch jener mit rollenden Augen Schaute ihn an wie ein Löwe, der pfeilgetroffen im Bergwald Rings von Männern umstellt; obwohl umdrängt vom Getümmel, Kümmern die andern ihn nicht, er schaut allein nur den Einen, Der ihn zuerst verwundet, doch ohne ihn niederzustrecken. Ab nun tat den Mantel, den dichtgewobenen, feinen, Tyndareus' Sohn; es gab ihn eine der Töchter von Lemnos Ihm als Gastgeschenk; zu Boden warf er den schwarzen, Doppelten Schafspelz mitsamt der Spange, den knotigen, harten Ölbaumhölzernen Krummstab, den er ja immer getragen. Gleich in der Nähe wählten sie einen geeigneten Kampfplatz, Hießen die Freunde gesondert in Reihen sich lagern im Sande. Aber sie waren nicht ähnlich an Wuchs und Formung zu schauen, Glich doch dem grausen Typhoeus der eine oder auch Gaias Ungeheuerm Geschlecht, wie es diese vor Zeiten voll Ingrimm Gegen Zeus geboren; der andre, des Tyndareus Erbe, Glich dem himmlischen Stern, wenn er im westlichen Dunkel Funkelnd durch die Nacht die schönsten Strahlen entsendet. So erschien der Sohn des Zeus, noch sproßte der erste Flaum um seine Wangen, noch blitzten ihm strahlend die Augen. Mut und Kraft aber schwollen ihm auf, als wär er ein Wildtier. Seine Arme schwang er, ob sie noch wie früher behende Und nicht völlig erschöpft und durch das Rudern ermattet. Amykos aber erprobte sich nicht, und schweigend von ferne Stand er, den Blick auf den Gegner geheftet, laut pochte die Brust ihm Wild vor Verlangen, das Herzblut des Gegners rasch zu vergießen. Mitten im Kreise nun legte des Amykos Diener Lykoreus Vor die Füße der Männer für jeden zwei lederne Riemen, Ungegerbt und rauh und überaus hart zu berühren. Dann aber rief der Herrscher die übermütigen Worte: »Wähle dir, welche du willst. Ich gebe sie, ohne zu losen, Willig und gern, damit du mich nicht hinterher scheltest. Aber nun gürte die Faust, dann kannst du andre belehren, Wie ich Rinderhäute so gut zu trockenen Riemen Schneiden kann, um Männergesichter mit Blut zu bespritzen.« Riefs, doch eiferte nicht der andere Streiter dagegen. Milde lächelnd ergriff er, was grade zu Füßen ihm dalag, Wortlos ohne Bedenken, und neben ihn traten der große Talaos, Bias' Sohn, und Kastor und schlangen die Riemen Rasch ihm um und mahnten ihn heiß zu mutiger Abwehr. Ornytos und Aretos umschnürten den andern, nicht ahnend, Daß sie ihn schlimmem Schicksal zum letzten Male gewappnet. Als so riemengerüstet sie gegenüber sich standen, Hoben sie vor ihr Antlitz sofort die wuchtigen Arme Aufwärts, und gegeneinander begannen beide den Angriff. So wie die Welle des Meeres in wildem Gewoge heranstürmt Gegen das Schiff, und dieses geschickt vom Steuermann seitwärts Leicht gedreht entweicht, obwohl in die Wände des Fahrzeugs Gierig die Welle sich drängt, so suchte der Fürst der Bebryker Tyndareus' Sohn zu bedrängen und gönnte ihm keine Erholung. Der aber unverletzt und stets mit kluger Berechnung Wich dem Stürmenden aus, und rasch durchschaute er diesen Rohen Kämpfer, wo nicht die Wucht verwundbar und wo sie Leichter verletzlich; so stand er fest und wechselte schlagend Hieb auf Hieb. Wie Zimmerleute mit wuchtigen Nägeln Rasch sich kreuzende Planken des Schiffes durch mächtiges Hämmern Schlag auf Schlag vereinen; es folgt der eine dem andern Schallend nach: so krachten auf beiden Seiten des Gegners Wangen und Kinn; es dröhnten von unaufhörlichen Stößen Ihre Zähne, sie ließen nicht nach, sich eng aneinander Beulen zu schlagen, bis beide mit keuchendem Atem ermattet. Seitlich traten sie nun, die Stirn von der Menge des Schweißes Abzutrocknen, sie rangen nach Luft in schwerer Ermüdung. Bald aber griffen sie wieder sich an, als wärens zwei Stiere, Die sich um eine Kuh auf der Weide wütend bekämpfen. Amykos reckte sich nun auf den äußersten Spitzen der Zehen Hoch empor und schwang die wuchtende Faust wie ein Schlächter Auf den Gegner herab. Der wich dem Ansturm und beugte Seitlich das Haupt, da wurde nur leicht die Schulter getroffen Von dem Arme. Nun schlug Polydeukes, die Knie an die Kniee Eng gedrängt, dagegen ihn über dem Ohr, daß die Knochen Barsten. Da stürzte vor Schmerz er in die Kniee, die tapfern Minyer jauchzten. Und rasch entschwand dem andern das Leben.“ [Apollonius von Rhodos: Die Argonauten. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 970 (vgl. Apollonios-Argon., S. 50 ff.) (c) Sammlung Dieterich Verlagsgesellschaft mbH] ….. Sophokles schrieb ein Satyrspiel Amykos. 3. Sohn des Talos 2. Er vertrieb den Idomeneus aus Kreta; Tzetzes Lyk. 431. 4. Kentaur, Sohn der Ophion 3. Bei der Hochzeit des Peirithoos erschlug er den Lapithen Keladon und wurde selbst von Pelates erschlagen. ……….. Zur Feier seiner Hochzeit mit Hippodameia 2 lud Peirithoos 1 auch die Kentauren, seine Halbneffen ein. Diese wilde Verwandtschaft, halb Pferd, halb Mensch, trank zu viel von dem ihnen ungewohnten Wein. Lüstern und unbeherrscht vergriff sich der Kentaur Eurytion an der Braut, raubte sie und wollte mit ihr fliehen. Die anderen Kentauren, ebenfalls stockbetrunken und hoch erotisiert, wollten sich an anderen Frauen, ja sogar an Knaben vergehen. Entrüstete Hochzeitsgäste überwältigten Eurytion, schnitten ihm die Ohren und die Nase ab und warfen ihn aus dem Haus. Man erzählt, man habe ihn sogar getötet. Sofort begann ein fürchterlicher Kampf zwischen den Kentauren und den Lapithen, schaurig schön erzählt von Ovid met. 12,210ff. Er nennt 23 Lapithen und 55 Kentauren und beschreibt grässlich den Kampf und den vielfachen Tod. Die Kentauren wurden besiegt und verjagt. Aber noch viele Jahre kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen den beiden Gruppen – eine myth. Parallele zum Kampf der Griechen gegen barbarische Stämme. Ovid met. 12,245ff: „Amycus, Sohn des Ophion, vermaß sich zuerst, zu berauben Ihres geweihten Gerätes die heilige Statt: von dem Altar Riß er die Ampel hinweg, die leuchtende Dochte umkränzten. Hoch dann hob er sie auf, gleichwie wenn einer des Farren Schneeigen Nacken sich müht zu durchhauen mit opferndem Beile, Und traf Celadons Stirn, des Lapithen, und in dem entstellten Antlitz ließ er, verwirrt ineinander, die Knochen. Die Augen Quollen heraus, und durch die zerschmetterten Knochen des Mundes Wurde die Nase gequetscht und haftete mitten im Gaumen. Doch ihn streckt mit dem Bein, das dem Ahorntisch er entrissen, Pelates hin, der Pelläer, das Kinn nach der Brust ihm zerschlagend. Während er Zähne gemengt nun spie mit schwärzlichem Blute, Schickt ein erneuter Streich ihn hinab zu des Tartarus Schatten.“ [Ovid: Verwandlungen (Metamorphoses). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 13001 (vgl. Ovid-W Bd. 1, S. 292 ff.) (c) Aufbau-Verlag] 5. a.) Sohn des Priamos, Gefährte des Aineias. Er ertrank bei einem Seesturm vor Libyen; Vergil Aeneis 1,216ff: „Als sie den Hunger gestillt und die Reste abgeräumt hatten, fragten sie eifrig einander nach ihren verschollenen Freunden, schwankten zwischen der Furcht und der Hoffnung: Ob sie noch lebten, ob sie ertranken und Stimmen von Rufenden gar nicht mehr hörten. Innig klagte, für sich allein, der treue Aeneas, daß der kühne Orontes, Amykos auch, starben, daß Lykos schrecklich ertrank, der tapfere Gyas, der wackre Kloanthos.“ [Vergil: Lied vom Helden Aeneas. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 17533 (vgl. Vergil-W, S. 146) (c) Aufbau-Verlag] b.) Vergil verwendet den Namen Amykos für mehrere Troianer. U. a. auch für einen zweiten Sohn des Priamos, den Bruder des Diores 4, den er, Aeneis 5,324, „ein Sproß des fürstlichen Priamosstammes“ nennt und der im Kampf um die Vormachtstellung in Italien von Turnus getötet wurde; 12,500ff: „Wer besingt mir, und sei er ein Gott, das bittre Geschehen, Morden auf beiden Seiten, das Sterben der Feldherrn, die Turnus hier und Aeneas dort auf dem Schlachtfelde abwechselnd jagte? Ließest du, Jupiter, wirklich zwei Völker so wild sich bekämpfen, die doch gemeinsam leben sollten in ewigem Frieden? Sucro, der Rutuler, brachte den Angriff der Teukrer als erster endlich zum Halten, doch kurz nur: Aeneas bohrte ihm seine grausame Klinge zwischen den Rippen hindurch in den Brustkorb, dort, wo die Wunde am schnellsten das Leben auslöscht. Und Turnus warf aus dem Sattel Amykos und dessen Bruder Diores, traf dann im Fußkampf den einen, der angriff, mit mächtiger Lanze, doch mit dem Schwerte den andern, enthauptete beide und hängte beide bluttriefenden Köpfe vor weiterer Fahrt an den Wagen.“ [Vergil: Lied vom Helden Aeneas. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 18058 (vgl. Vergil-W, S. 460 ff.) (c) Aufbau-Verlag] c.) Ein von Vergil erfundener Gefährte des Aineias, der ihn nach dem Untergang von Troia auf der Flucht nach Italien begleitete. In einer brutalen Schlacht zwischen den Troiern und den Rutulern wurde er neben vielen anderen von Turnus getötet; Aeneis 9,760ff: „Phaleris traf er, verwundete Gyges die Kniekehle, raffte Lanzen vom Boden und stieß sie den beiden, die fortlaufen wollten, tief in den Rücken. Juno verlieh ihm den Mut und die Kampfkraft. Halys erschlug er dann, Phegeus, den an den Rundschild er spießte, weiter Verteidiger, die an den Schanzen nichtsahnend, noch fochten, Halios und Alkandros, Prýtanis, nach ihm Noëmon. Lynkeus wandte sich gegen ihn, rief auch Gefährten zu Hilfe. Turnus, rechts seitlich des Walles, kam mit geschwungener Klinge jäh ihm zuvor und hieb ihm mit einem gewaltigen Schlage Schädel und Schutzhelm zugleich weit fort von dem Rumpfe, erlegte Amykos dann, den erfolgreichen Jäger, der weithin am besten Schußwaffen tränkte mit Gift und wirksam auch einsetzen konnte, Klytios, Sprößling des Aiolos, schließlich den Kretheus, den Liebling, Freund und Begleiter der Musen, der Singen und Lautenspiel ständig pflegte, den Liedern mit Saitenklang taktmäßig folgte, auch immer Rosse besang und Waffen von Helden und blutige Schlachten.“ [Vergil: Lied vom Helden Aeneas. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 17921 (vgl. Vergil-W, S. 378 ff.) (c) Aufbau-Verlag] 6. Ehemann der Theano 1, Vater des Mimas 7, des Gefährten des Aineias und ehemaligen Freundes des Paris, der nach der Flucht aus Troia bei einer Schlacht in Italien von König Mezentius getötet wurde; Vergil Aen. 10,699ff: „Latagus traf er mit einem gewaltigen Block aus dem hohen Felsengebirge auf Mund und Gesicht, durchtrennte dem Palmys kraftvoll die Kniekehle, daß er gelähmt sich dahinwand; die Rüstung gab er dem Lausus zur Nutzung, den Helmbusch als Hauptschmuck. Euanthes schlug er dann nieder, den Phryger, und Mimas, den Altersgenossen, Freund auch, des Paris. Ihn hatte Theano dem Gatten Amykos einstmals geboren, in jener Nacht, da auch Hekabe ihre »Fackel«, den Paris, gebar. Der ruht in der Heimatstadt, Mimas aber erhielt als Fremdling sein Grab an der Küste Laurentums.“ [Vergil: Lied vom Helden Aeneas. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 17965 (vgl. Vergil-W, S. 404) (c) Aufbau-Verlag] 7. Sohn eines Elatos; Hygin fab. 128.