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antenor 1,2,3,4
ANTENOR 1,2,3,4 1. Alte und weiser Bürger von Troia, Sohn des Aisyetes 1,2 oder des Hiketaon 2 (Schol. Homer Ilias 3,201) und der Kleomestra, Gemahl der Theano 1 und von ihr Vater von 2 Töchtern und 17 Söhnen. Nach Mythogr. Vatic. 1,204 war er ein Sohn des Laomedon 1. Er hatte auch einen außerehelichen Sohn; Homer Ilias 5,69ff: „Meges traf den Sohn Antenors zu Tode, Pedaios. Der war Bastard, doch hatte die edle Theano ihn sorgsam, gleich den eigenen Kindern, erzogen, dem Gatten zuliebe. Ihm kam nahe der Sohn des Phyleus, der Meister im Speerwurf, traf ihn, unten am Haupt, ins Genick mit der schneidenden Lanze. Zwischen den Zähnen hindurch zerfetzte das Erz ihm die Zunge. Hin sank er in den Staub und biß auf das frostige Eisen.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4746 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 80) (c) Aufbau-Verlag] ….. Homer nennt den weisen Greis, der, wie einige andere auch, wegen des hohen Alters vom Kriegsdienst befreit ist und nur noch die Schlacht beobachtet, einen einsichtsvollen Troier; Ilias 3,148ff: „Neben Priamos saßen Panthoos wie auch Thymoites, Lampos, Klytios und Hiketaon, der Sprößling des Ares, Ukalegon, dazu Antenor, einsichtsvoll beide, auf dem Skaiischen Tor, als Älteste ihrer Gemeinde, durch ihr Alter vom Kriegsdienst frei, doch tüchtig als Redner, den Zikaden vergleichbar, die in den Wäldern, auf Bäumen sitzend, ihr Stimmchen erschallen lassen, zart wie die Lilien. Derart saßen auf dem Turme die Führer der Troer. Als sie sahen, wie Helena sich dem Mauerturm nahte, raunten einander sie zu die im Fluge enteilenden Worte: »Nicht zu tadeln sind Troer und trefflich gewappnete Griechen, wenn sie um solch ein Weib so lange die Drangsal erdulden! Göttinnen ähnelt sie, wirklich, in ganz erstaunlicher Weise! Freilich, trotz ihrer Schönheit fahre zu Schiff sie nach Hause, bleibe nicht hier, für die Zukunft uns und den Söhnen zum Unheil!« Derart sprachen sie.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4699 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 52 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Er beherbergte Menelaos und Odysseus, als sie Helene zurückholen wollten; Ilias 3,199ff: „Helena gab ihm, die Tochter des großen Kroniden, zur Antwort: »Dieser Mann ist der Sohn des Laërtes, der kluge Odysseus, der im Gebiete der felsigen Insel Ithaka aufwuchs. Er versteht sich auf mancherlei Listen und kluge Entwürfe.« Das bestätigte ihr der besonnene, kluge Antenor: »Wirklich, Herrin, es stimmt genau, was du da berichtest. Kam doch schon einmal der edle Odysseus hierher, als Gesandter, deinetwegen, mit Menelaos, dem Liebling des Ares. Gastlich nahm ich sie auf und umsorgte sie eifrig im Hause, nahm das Äußre der beiden wie ihre Klugheit zur Kenntnis. Als sie auftraten in der Versammlung der Troer, da ragte, wenn sie standen, hervor Menelaos an Breite der Schultern. Saßen sie beide, bewirkte Odysseus den stärkeren Eindruck. Als sie ihr Sinnen und Planen vor der Versammlung enthüllten, sprach Menelaos in raschem Fluß, nur wenige Worte, aber weithin vernehmlich, gar nicht geschwätzig, mit jedem Ausdruck treffend; freilich, er war auch jünger an Jahren. Doch der kluge Odysseus stand, sobald er zum Reden sich erhob, und hielt den Blick auf den Boden geheftet, drehte auch nicht das Zepter nach vorn oder hinten, nein, ohne Regung hielt er es fest; er wirkte verlegen, man konnte ihn als mürrisch ansehen oder als ziellosen Dummkopf. Ließ er indes aus der Brust die gewaltige Stimme erschallen, Worte in dichtem Schwall, wie Schneegestöber im Winter, so nahm schwerlich ein anderer Mensch es auf mit Odysseus. Solches hatten, bei seinem Anblick, wir gar nicht vermutet.«“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4702 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 54 ff.) (c) Aufbau-Verlag] Weil Antenor die Abgesandten auch gegen körperliche Angriffe junger Troianer schützte, rettete ihm beim Brand von Troia Odysseus das Leben. ….. Als angesehener Mann, der den Mut hatte die ungern gehörte Wahrheit zu sprechen, trat er für die Rückgabe der geraubten Helena ein; Ilias 7,345ff: „Derart sprach er, die Könige spendeten sämtlich ihm Beifall. Auch die Trojaner hatten auf Ilions Burg sich versammelt, stürmisch erregt, vor dem Tore des Priamos, ihres Gebieters. Unter ihnen ergriff das Wort der kluge Antenor: »Höret auf mich, Trojaner, Dardaner, Bundesgenossen! Aussprechen muß ich, wozu Verlangen und Willen mich spornen. Auf, laßt uns die Argeierin Helena, mit ihr die Schätze, ausliefern an die Atriden! Jetzt führen wir Krieg als Verletzer fest beschworener Eide! Nicht besser, glaube ich, können wir das unsere tun, um dieses Verbrechen zu meiden!« Derart sprach er und setzte sich. Da stand auf in dem Kreise Held Alexandros, der lockigen Helena göttlicher Gatte. Der gab Antwort und sprach die flugs enteilenden Worte: »Was du vorschlägst, Antenor, ist kein Beweis mehr von Freundschaft. Du bist verständig genug, etwas Beßres zu raten als dieses. Solltest aber tatsächlich im Ernste den Vorschlag du machen, haben unstreitig die Götter selbst dich beraubt des Verstandes. Meinerseits will ich den rossezähmenden Troern erklären, offen bekennen: Niemals gebe heraus ich die Gattin! Was ich jedoch an Schätzen von Argos nach Hause mir brachte, will ich völlig erstatten, zulegen noch von den meinen.« Derart sprach er und setzte sich. Da stand auf in dem Kreise Priamos, Enkel des Dardanos, gleichend den Göttern im Rate. Einsichtsvoll ergriff er das Wort und sagte zu ihnen: …..“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4832 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 130 ff.) (c) Aufbau-Verlag] Doch Antenor forderte umsonst. Helena wurde nicht zurückgegeben, der Krieg wurde weitergeführt und verloren. Troia wurde zerstört und niedergebrannt, die Bewohner ermordet, wer überlebte wurde versklavt, nur wenige konnten entfliehen. Quintus Smyrnaeus 14,320ff.399ff erzählt, dass die Griechen den Leichnam der ermordeten Polyxena dem Antenor anvertrauten. Er bestattete ihre sterblichen Überreste und alle gefallenen Troier und verließ die Stadt. ….. Sieben seiner Söhne fielen beim Kampf um Troia. Nach römischer Tradition gründete Antenor als Flüchtling nach langen Irrfahrten mit seinen restlichen Söhnen in der Nähe von Venedig die Stadt Patavium; Vergil Aeneis 1,244ff: „Quer durch die Scharen der Griechen konnte Antenor entkommen, bis zur illyrischen Bucht gelangen, verlustlos in ihrem Winkel Liburnergebiet und Timavusquell hinter sich bringen, wo aus neun Schlünden unter gewaltigem Dröhnen des Berges gleichsam ein Meer hervorbricht und über die Fluren dahinrauscht! Dennoch gründete dort er Patavium, machte die Teukrer seßhaft und gab dem Volke den Namen; die troischen Waffen durfte er weihen, des Friedens behagliche Ruhe genießen.“ [Vergil: Lied vom Helden Aeneas. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 17533 (vgl. Vergil-W, S. 146 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Strabon 16,308: „…- Antenor und seine Söhne nun hätten sich mit dem Rest der Eneter nach Thrakien gerettet und wären von dort in das Land Henetika am Adriatischen Meer gelangt,…“ ….. In der späteren Literatur wurde Antenor als Staatsverräter gebrandmarkt. 2. Antenor hieß auch einer der 44 Freier der Penelope aus Zakynthos; Apollodor epit. 7,29. 3. Ein Tyrannen von Kephallenia zwang alle Jungfrauen der Insel vor der Eheschließung mit ihm zu schlafen. Ein sonst unbekannter Antenor schlich in Frauenkleidern in sein Schafzimmer, tötete ihn und wurde dann selbst zum Herrscher ausgerufen. Der Name des Tyrannen ist nicht überliefert. 4. Ein sonst unbekannter Antenor ist auf dem Vasenbild des Python abgebildet, wie er mit Amphitryon den Scheiterhaufen der Alkmene anzündet.