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deukalion 1,2,3
DEUKALION 1,2,3,4 1. Sohn des Minos 1 und der Pasiphae, Gatte der Kleopatra 7, Vater des Idomeneus (bekannt durch eine Oper von Mozart), Molos 1, Krete 2 und Minos 3. Teilnehmer am Argonautenzug und an der kalydonischen Eberjagd. In einer Daidalos-Nebensage verlangte er von Theseus die Auslieferung des geflüchteten Daidalos. Als Antwort begann Theseus einen Krieg und tötete Deukalion. RE V/1 261 2. Sohn des Prometheus 2 und der Pronoe 7, Gemahl der Pyrrha 1. Der Heros der mittleren der drei Sintfluten der griechischen Mythologie (Deukalion und Pyrrha). Hesiod erzählt in Werke und Tage 109ff die Geschichte von den fünf Geschlechtern der Menschen: Das Goldene, das Silberne, das Eherne, das Zeitalter der Heroen und das Eiserne, unser jetziges Zeitalter. Es wurde erzählt, dass Zeus bei der Deukalion-Sintflut das Eherne, also dritte Geschlecht vernichten wollte. Dieses Volk war völlig verdorben, liebte nur die jammervollen Werke des Ares, Brutalität und Gewalttätigkeiten. Als Zeus eines Tages in Arkadien als einfacher Wanderer verkleidet beim König Lykaon 3 zu Gast war und leise merken ließ, dass er ein Gott ist, stellte Lykaon ihn auf die Probe: Er schlachtete seinen jüngsten Sohn Nyktimos (oder seinen Enkel Arkas), ließ ihn kochen und braten und setzt ihn Zeus vor. Der König der Götter erkannte die Ungeheuerlichkeit, warf den Tisch um, vernichtete Lykaon und 49 seiner 50 Söhne (siehe Lykaon 3 >), stürmte wütend auf den Olymp, befahl alle Göttinnen und Götter zu sich und teilte ihnen mit, dass er den unumstößlichen Beschluss gefasst habe, dieses Menschengeschlecht mittels einer Sintflut zu vernichten. Alle hatten sofort mit der Arbeit zu beginnen. Poseidon, die Flussgötter und die Winde hatten die Hauptarbeit zu leisten. Als Prometheus dies erfuhr, gab er seinem Sohn Deukalion den Rat ein Boot zu bauen und es mit Vorräten zu füllen. Neun Tage und neun Nächte trieben Deukalion und Pyrrha in dem Boot herum ehe sie auf dem Berge Parnassos, auch die Berge Athos, Pallene, Othrys und Ätna werden genannt, landeten. Beide, tiefgläubig, errichteten auf dem Gipfel des Berges sofort einen Altar und opferten zuerst Zeus und dann den anderen Göttern. Einschub: Die Sintflut –Themen haben ihren Ursprung im Osten und sind von dort in die griechische Mythologie und in die Bibel eingeflossen. Die Berichte der Bibel über Noah fanden auch Eingang in die Erzählungen der späteren griechischen Schriftsteller. So schrieb Lukian von Samosata in de deo Syria, dass Deukalion in seinen Larnax (= kleiner Sarkophag) seine Kinder, seine Weiber (!) und paarweise Tiere mitgenommen habe. Da sie nicht alleine auf der Erde leben wollten befragten sie das Orakel der Artemis (oder Themis): „Verbindet die Augen, löst euere Gürtel und werft die Gebeine euerer Mutter über die Schultern.“, war die Antwort. Pyrrha verzweifelte, weinte, es war ihr unmöglich die sterblichen Reste ihrer Mutter zu schänden. Aber Deukalion verstand, Gaia, die Urmutter, die Steine waren ihre Gebeine. Ängstlich gehorchten sie, warfen Steine über die Schultern, und bei Deukalion entstand aus jedem Stein ein Mann, bei Pyrrha Frauen, und sie schufen ein neues Menschengeschlecht. Ovid met. 1,318ff: „Wie Deukalion hier - denn das übrige deckte die Meerflut - Mit seinem Ehegemahl den gebrechlichen Nachen an Land trieb, Beten sie an die Mächte des Bergs und korykische Nymphen Und, die jetzt das Orakel besaß, die enthüllende Themis. Nie war besser ein Mann als er und dem Rechten ergebner; Nie trug irgendein Weib mehr Scheu als sie vor den Göttern. Als nun Jupiter sieht in Morästen versumpfen den Erdkreis, Und daß übrig verblieb von all den Tausenden einer, Und daß übrig verblieb von all den Tausenden eine, Beide unsträflichen Sinns und beide Verehrer der Gottheit, Teilt er die Wolken und zeigt, da der Regen verscheucht von dem Nordwind, Wieder dem Himmel die Erde und wieder den Äther der Erde. Nicht bleibt zürnend die See. Hinlegend die zackige Waffe, Glättet die Flut der Beherrscher des Meers, und den bläulichen Triton Rufet er, der, an der Schulter bedeckt von haftenden Schnecken, Über der Tiefe sich hebt, und heißt in die tönende Muschel Blasen den Gott und heim mit gegebenem Zeichen bescheiden Wogen und Ströme zumal. Der nimmt das runde Signalhorn, Welches gewunden sich dehnt in die Breite vom untersten Wirbel, Jenes Signalhorn, davon, wenn es Luft inmitten des Meeres Aufnimmt, hallet der Strand, wo Phoebus sich senkt, wo er aufsteigt. Jetzt auch, wie es den Mund, der betaut vom triefenden Barte, Jenem berührt' und blies das Zeichen gebotenen Rückzugs, Scholl es zu allen gesamt, zu den Wellen des Landes und Meeres, Und zu denen es scholl, die alle gehorchten und standen. Fallend verliert sich die Flut; auftauchen sieht man die Hügel; Schon hat Küsten das Meer; voll wallen im Bette die Ströme; Boden ersteht, und es hebt sich das Land, wie die Wellen sich senken, Und nach langem Verzug nun zeigen die Wälder entblößte Wipfel und halten im Laub noch Schlamm, der haftengeblieben. Dastand wieder die Welt. Wie er leer sie sah und verlassen Und das verödete Land in schauriges Schweigen versunken, Sprach Deukalion so mit quellenden Tränen zu Pyrrha: »Schwester und Ehegemahl, du einziges Weib auf der Erde, Du, durch gemeinsame Herkunft, den gleichen Ahnherrn der Väter, Dann durch das ehliche Bett, jetzt auch durch Gefahr mir vereinigt: Von den Gefilden zumal, die der Morgen bestrahlt und der Abend, Sind wir beide das Volk. Das übrige raffte die Meerflut. Und noch immer ist nicht die Bürgschaft unseres Lebens Sicher genug; auch jetzt noch ängstigen Wolken die Seele. Wie, wenn dich das Geschick verschonete ohne den Gatten, Wäre dir jetzt, du Arme, zumut? Wie könntest du einsam Dann ertragen die Angst? Wer sollte dich trösten im Schmerze? Ich - das glaube gewiß -, wenn dich auch deckte die Meerflut, Folgte dir nach, mein Weib, und mich auch deckte die Meerflut. Könnt ich doch mit der Kunst des Vaters von neuem die Völker Schaffen und lebenden Geist einflößen gestalteter Erde! Nun ist übrig in uns, uns beiden, die sterbliche Gattung - So war Götterbeschluß -, wir bleiben als Beispiel der Menschen.« Sprach's und weinte mit ihr. Sie beschließen, der himmlischen Gottheit Betend zu nahn und Rat zu erflehn durch heiligen Ausspruch. Ohne Verzug gehn beide zugleich an den Strom des Cephisus, Der noch nicht sich geklärt, doch einhielt frühere Grenzen. Als sie die Finger darauf in die Wellen getaucht und mit Tropfen Kleider besprenget und Haupt, da lenkt zu der heiligen Göttin Tempel die Schritte das Paar. Noch war an dem Hause der Giebel Schmutzig von häßlichem Tang, und des Feuers entbehrte der Altar. Wie an den Stufen sie nun anlangeten, warfen sich beide Nieder, das kalte Gestein zu küssen mit bebendem Schauer, Und so huben sie an: »Wenn Himmlische rührt und erweichet Andachtsvolles Gebet, wenn göttliches Zürnen zu wenden, Themis, so sprich: Was sollen wir tun, den Verlust zu ersetzen Unsres Geschlechts? Hilf, Gütigste, auf dem versunkenen Leben.« Themis, gerührt, erteilte den Spruch: »Weg gehet vom Tempel, Hüllt euch beide das Haupt und löst die gegürteten Kleider, Und so werft das Gebein der großen Erzeugerin rückwärts.« Lang hält Staunen sie starr; dann bricht mit der Stimme das Schweigen Pyrrha zuerst und versagt dem Gebote der Göttin Gehorsam, Und sie fleht um Erlaß mit bebenden Lippen und schaudert, Durch das zerstreute Gebein zu kränken den Schatten der Mutter. Beide erwägen indes für sich des gegebenen Ausspruchs Dunkel verschleierten Sinn und prüfen die Worte genauer. Drauf mit tröstlichem Wort aufrichtend die Epimethide, Sagte Prometheus' Sohn: »Mich trügt entweder die Einsicht, Oder der Spruch ist gerecht und rät kein sträflich Beginnen. Zeugerin nennt er die Erd, und im Leibe der Erde die Steine, Deucht mir, sind das Gebein; die sollen wir hinter uns werfen.« Ob auch froh die Titane vernimmt des Gatten Enthüllung, Doch ist ihr Hoffen verzagt. So sind mißtrauisch die beiden Gegen das Göttergebot. Doch was mag schaden die Probe? Weg nun gehn sie, verhüllen das Haupt und entgürten die Kleider; Hinter sich werfen sie dann auf den Weg die geheißenen Steine. Und das Gestein - wer glaubt' es, wofern nicht zeugte das Alter? - Wird von der Spröde befreit und verlieret die starrende Härte, Wird allmählich erweicht und beginnt sich, erweicht, zu gestalten. Bald, wie es wachsend sich hob und zu milderem Wesen sich wandte, Trat schon sichtlich hervor, doch noch undeutlich im Umriß, Menschengestalt, gleichwie aus eben behauenem Marmor, Nicht vollendet genug und ganz wie rohe Gebilde. Was an den Steinen jedoch war feucht durchdrungen von Säften Und was erdiger Stoff, das ward zum fleischigen Leibe; Aber was unbeugsam und fest, geht über in Knochen, Und was Ader zuvor, das bleibt mit dem nämlichen Namen. Kurz nur währte die Frist, da gewann durch göttliche Fügung Alles Gestein, das der Mann entsendete, männliches Antlitz, Während vom weiblichen Wurf ein Weib neu trat in das Leben. Davon sind wir ein hartes Geschlecht, ausharrend in Mühsal, Und wir geben Beweis, woher wir genommen den Ursprung.“ [Ovid: Verwandlungen (Metamorphoses). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 12514 (vgl. Ovid-W Bd. 1, S. 12 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ……….. Der Mythos mit dem Steinwurf beruht zwar auf einer Volksetymologie, soll aber auch sicher eine Versinnbildlichung der Härte und Hartherzigkeit der gegenwärtigen Menschen sein. Ovid met. 1,414f : „Daher sind wir ein hartes Geschlecht, erfahren in Mühsal, Geben so den Beweis des Ursprungs, dem wir entstammen.“ ……….. Die aus den Steinen geborenen Menschen wurden zu Untertanen von Pyrrha und Deukalion. Sie selbst hatten noch die Kinder Protogoneia 1, Pandora 4, Melantho, Agamede 2, Pronoos 1, Amphiktyon 2, Orestheus, Thyia 1 und Hellen 1. Im lokr. Opus oder dessen Hafenstadt Kynos ließ sich das neue Menschengeschlecht nieder. Nach Stephanos Byz. soll Deukalion noch einen Sohn Kandybos gehabt haben von dem die lykische Stadt Kandyba den Namen erhielt. ...... Das Grab der Pyrrha zeigt man in Kynos. Deukalion wurde in Athen begraben, wo er als Stifter des alten Heiligtums des olympischen Zeus galt. RE V/1 262ff 3. Ein Troianer. Er wurde von Achilleus vor Troia getötet; Homer Ilias 20,478ff: „Weiter durchbohrte er dem Deukalion dort, wo die Sehnen sich an dem Ellenbogen vereinen, den Arm mit der Lanze, und der Getroffene harrte, den Arm von der Waffe belastet, seines Gegners, den Tod vor Augen; ihm trennte Achilleus mit dem Schwerte das Haupt vom Rumpf samt dem Helm; aus dem Rückgrat spritzte das Mark hervor; dahingestreckt lag er am Boden.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5289 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 389 ff.) (c) Aufbau-Verlag] RE V/1 262 4. Aristippos von Kyrene nennt einen Deukalion 4 als Sohn des Abas 3. RE V/1 272