eine gesamtgenealogie der griechisch-mediterranen mythologie
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phaethon 1,2,3,4,5
PHAETHON 1,2,3,4,5 „Der Leuchtende“. Phaethon war auch der Planetenname des Iuppiters und später des Saturns. 1. Beiname des Helios, auch Helios selbst wurde so genannt; Homer Ilias 11,735; Odyssee 5,479. 2. Der Sohn des Helios und der Klymene 1. Aischylos, Die Heliostöchter: „Dort liegt westwärts jene Schale, Von Hephaistos einst geschaffen, Drin dein Vater stets zurücklegt Über wogendes Meer hin Die weite Rückfahrt, rasch entfliehend, Wenn mit Rapprossen sie naht, Hehrer Nacht schwärzestem Dunkel.“ (Aischylos, Tragödien und Fragmente. Herausgegeben und übersetzt von Oskar Werner. Ernst Heimeran Verlag, 1. Ausgabe, Seite 635. München, 1957) Auch Rhode 1 und Poseidon werden als Eltern genannt. ….. Bei Hesiod besteigt Phaethon heimlich den Sonnenwagen, bei der Fahrt erfasst ihn Angst und er stürzt in den Eridanos. Ein Blitz des Zeus vernichtet ihn, setzt die Erde in Brand, Zeus lässt die Flüsse überströmen und es entsteht eine Sintflut (siehe Deukalion >). Ovid erzählt wunderbar die Geschichte des Phaethon, met. 1,748-2,400 (Kurzfassung): Klymene 1, die Mutter des Phaethon, erzählt ihrem Sohn, dass nicht ihr Mann, der ägypt. König Merops 3, sondern Helios sein Vater sei (Ovid nennt Helios Apollon, weil zur Zeit um Christi Geburt Helios und Apollon oft als ein Gott betrachtet wurden.). Epaphos, ein Sohn der Jo und Freund des Phaethon, lachte ihn wegen der Abstammung vom Sonnengott Helios aus. Beleidigt wanderte Phaethon durch Aithiopien und Indien so lange nach Osten, bis er im Sonnenpalast Helios traf. Dieser bestätigte seine Vaterschaft und stellte Phaethon als Beweis einen Wunsch frei. Der unerfahrene hochmütige Jüngling wünschte sich einen Tag lang den Sonnenwagen über den Himmel führen zu dürfen. Heillos entsetzt erklärte Helios seinem Sohn, er werde, weil unerfahren, die Kraft dieser Pferde nicht bändigen können und warnte ihn vor diesem lebensgefährlichen Unterfangen. Der Jüngling wollte, wie alle Jünglinge, Männlichkeit und Mut beweisen und der Vater konnte sein Versprechen nicht zurücknehmen. Am nächsten Morgen bestieg Phaethon den Wagen und fuhr kühn davon. Kaum hatte er am Himmel seine Geschwindigkeit erreicht, merkten die Rosse die unsichere Hand an den Zügeln, gehorchten nicht mehr, schossen aus der vorgesehenen Laufbahn heraus, den Himmel empor, streiften das Himmelsgewölbe, Phaethon geriet in Panik, ließ die Zügel los, hielt sich verzweifelnd mit aller Kraft am schleudernden Wagen fest, die Pferde galoppierten über Lybien, tiefer, immer tiefer, streiften fast die Erde, glühend, die Hitze der Sonne vertrocknete alles Wasser, verbrannte das Land zur Wüste, die Menschen der Länder am Äquator wurden schwarz, das feurige Gespann stiegen wieder empor, rasend flog es dahin, drohte auf Griechenland abzustürzen, die Erde brannte schon, Phaethon schrie, verzweifelt, – ein Blitz des Zeus –, ein letzter Schrei und der Leichnam des Phaethon stürzte brennend in den Fluss. Der große Gott hat die Erde vor weiterem Schaden bewahrt und alles wieder in Ordnung gebracht. PHAETHON & HELIOS INCLUDEPICTURE "http://thanasis.com/phaetgc.jpg" \* MERGEFORMATINET Illustration by Giovanni Caselli fromThe Age of Fable Die Mutter und der Vater waren untröstlich über den Tod des Sohnes. Seine Schwestern Merope 8, Helie, Phoibe 4, Aetheris / Aetherie und Dioxippe 1, die Heliaden genannt, begaben sich zum Fluss, in dem der Leichnam des Bruders seine Ruhe fand. Sie weinten und weinten, bis sie in Pappeln verwandelt wurden. Ihre Tränen fielen als Tropfen des Bernsteines in den Sand. Sein bester Freund, der Musiker und König von Ligurien, Kyknos 3, war nicht zu trösten. Er verließ sein Land, wanderte zum Fluss Eridanos, setzt sich unter die Pappeln und sang so lange Totengesänge, bis Zeus ihn in einen Schwan verwandelte. Seit dieser Zeit zieht der Schwan traurig seine Kreise und sucht im Wasser seinen Freund, den Sohn der Sonne. ….. Stephanos Byzantios zählte Phaethon zu den Titanen. ……………………….. Diodor, Fünftes Buch 23. Bernstein "Jetzt kommen wir auf das sogenannte Electrum (Bernstein). Gegenüber dem jenseits Gallien gelegenen Scythien ist fern vom Land eine Insel im Ocean, Basilea (Es ist irgend eine Küste des Baltischen Meeres gemeint.) genannt, auf welcher die Wellen das Electrum, das sonst nirgens in der Welt vorkommt, in reicher Menge auswerfen. Bei Manchen der alten Schriftsteller finden sich über das Electrum ganz unglaubliche Fabeln, die durch die Erfahrung widerlegt werden. Viele Dichter und Geschichtschreiber erzählen nämlich so. »Phaethon, der Sohn des Sonnengottes, vermochte seinen Vater, daß er ihm, dem unerfahrenen Knaben, auf einen Tag sein Viergespann überließ. Als ihm Dieß zugestanden war, fuhr er mit dem Wagen davon; allein er konnte die Zügel nicht regieren; die Pferde achteten den Knaben nicht und lenkten von dem gewohnten Weg ab. Zuerst verirrten sie sich gegen den Himmel hin und richteten da einen Brand an, wodurch die sogenannte Milchstraße entstand. Nachher setzten sie eine weite Strecke auf der Erde in Flammen, so daß nicht wenige Länder verbrannten. Zürnend schleuderte Zeus, als Das geschah, den Blitz auf Phaethon und brachte die Sonne in ihre gewohnte Bahn zurück. Phaethon fiel bei der Mündung des Flusses nieder, der jetzt Padus (Po) heißt und ehemals Eridanus genannt wurde. INCLUDEPICTURE "http://www.bingo-ev.de/~ks451/schmuck/bilder/heliad-1.gif" \* MERGEFORMATINET Seine Schwestern beweinten seinen Tod mit tiefem Schmerze. Sie jammerten so übermäßig, daß die Natur sie umschuf und in schwarze Pappeln verwandelte. Diese vergießen jedes Jahr um dieselbe Zeit Thränen, woraus dann, wenn sie sich verdichten, das Electrum sich bildet, welches heller glänzt als alle ähnliche Stoffe und namentlich dann sich findet, wenn über einen verstorbenen Jüngling eine Klage angestellt wird.« Daß Alle, welche diese Fabel erzählen, sich geirrt haben; beweisen die Erfahrungen der spätern Zeit. Wir müssen uns also an die wahren Berichte halten. Das Electrum wird nämlich auf der oben genannten Insel gesammelt und von den Eingebornen nach der gegenüberliegenden Küste gebracht. Von dort aus verführt man es zu Lande bis in unsere Gegenden, auf dieselbe Art, wie vorhin angegeben wurde." (Kurt Scheuerer: Materialsammlung zur Archäologie in Bayern. Die Tränen der Heliaden. Diodor´s historische Bibliothek. Fünftes Buch) OVID Metamorphosen 1,748 – 2,400: „Ihr wird endlich geglaubt, daß Epaphus sei von des großen Jupiter Samen gezeugt, und rings in den Städten besitzt er Tempel, der Mutter gesellt. An Stolz war ihm wie an Jahren Phaëthon gleich, Sols Sohn. Als der einst prahlte mit Hochmut Und vor ihm nicht wich und sich rühmte des Phoebus als Zeugers, Trug's nicht Inachus' Sproß: »Du glaubst auch«, sprach er, »der Mutter Alles, du Tor! Dich blähet das Bild des erlogenen Vaters.« Phaëthon glüht' im Gesicht, und die Scham nur hemmte den Jähzorn, Und vor Clymene bracht er des Epaphus Schmähung und sagte: »Daß du, Mutter, es recht auch fühlst, ich habe geschwiegen, Ich, sonst trotzig und keck. O Schmach, daß jener den Vorwurf Uns zu sagen vermocht, und wir ihn nicht zu entkräften! Aber wenn anders ich bin aus himmlischem Samen entsprossen, Gib mir Beweis von dem hohen Geschlecht, mir den Himmel zu sichern.« Phaëthon sprach's und umfing der Zeugerin Hals, und bei Merops Und bei dem eigenen Haupt und den Hochzeitsfackeln der Schwestern Bat er sie, kundzutun durch ein Zeichen den wirklichen Vater. Clymene, mochte sie nun mehr folgen den Bitten des Sohnes Oder dem Zorn, den gab die Beschuldigung, streckte die Arme Beide zum Himmel empor, und schauend zum Glanze des Phoebus, Sagte sie: »Dort bei dem Licht in der Pracht hellblitzender Strahlen Schwöre ich dir, mein Sohn, bei dem Licht, das uns anhört und anblickt: Er, den droben du siehst, ja Sol, der Erquicker des Weltalls, Hat dich gezeugt. Ist Lüge mein Wort, dann geb er sich nimmer Mir zu schaun, dann scheine der Tag mir heute als letzter. Leicht ist die Mühe für dich, die Penaten des Vaters zu finden: Nah angrenzet das Haus, wo er aufsteigt, unserem Lande. Bist du gewillt, geh hin, und er wird dich selber belehren.« Phaëthon springt sogleich, als solches die Mutter geredet, Auf in freudiger Hast, und im Geist umfaßt er den Äther. Sein Äthiopiervolk durcheilet er rasch und die Inder Unter dem heißen Gestirn und erreicht Sols östliche Wohnung. Zweites Buch Phaëthon. Die Heliaden. Cycnus. Kallisto. Der Rabe. Die Krähe (Coronis). Nyktimene, Aesculapius. Ocyrrhoë. Battus. Aglauros (die Mißgunst). Europa Stattlich erhöht stand da Sols Burg auf ragenden Säulen, Hell von blinkendem Gold und von flammengleichem Pyropus. Glänzendes Elfenbein war oben die Zierde des Giebels; Strahlend prangten die zwei Torflügel im Lichte des Silbers. Über den Stoff noch siegte die Kunst. Dort hatte gebildet Mulcibers Kunst das Meer, wie es rings umgürtet die Länder, Und die gerundete Erd und den Himmel über der Rundung. Bläuliche Götter umschließet die Flut, den blasenden Triton, Proteus' Wandelgestalt und den Riesen Aegaeon, wie jener Drückt mit den Armen dem Wal den mächtigen Rücken, und Doris Und, die Doris gebar. Teils scheinen zu schwimmen die Jungfraun, Teils auf felsigem Riff sich die grünlichen Haare zu trocknen, Teils auf Fischen zu ruhn. Nicht gleich ist allen das Antlitz, Ohne verschieden zu sein, so wie es bei Schwestern geziemend. Männer besitzt und Städte die Erd und Wälder und Tiere, Flüsse und Nymphen dazu und die anderen Mächte der Fluren. Drüber stehet gewölbt das Gebilde des glänzenden Himmels, Und sechs Zeichen sind rechts und sechs auch links an dem Tore. Als nunmehr dorthin auf steigendem Pfade gelangt war Clymenes Sohn und trat in das Haus des bezweifelten Vaters, Lenkt er die Schritte sofort nach dem Antlitz seines Erzeugers; Fern dann bleibet er stehn; denn näher vermochte sein Auge Nicht zu ertragen das Licht. Da saß im Purpurgewande Phoebus auf prächtigem Thron, der glänzte von hellen Smaragden. Neben ihm stand Tag, Monat und Jahr zur Rechten und Linken, Die Jahrhunderte auch, und in gleichem Abstand die Horen, Stand frisch grünender Lenz, umwunden von blühendem Kranze, Stand mit dem Ährengeflecht im Haar der entkleidete Sommer, Stand der Herbst, mit dem Saft der gestampfeten Trauben besudelt, Endlich der Winter, beeist und wirr das ergrauende Haupthaar. Dort aus der Mitte des Raums ward Sol des betroffenen Jünglings, Der bang staunte, gewahr mit den alles erblickenden Augen. »Was trieb dich auf den Weg? Was suchest du, Phaëthon«, sprach er, »Hier in der Burg, du Sproß, der nicht zu verleugnen dem Vater?« Jener darauf: »O gemeinsames Licht des unendlichen Weltalls, Vater Phoebus, wofern du mir solche Benennung gestattest Und nicht Clymene Schuld mit falschem Gebilde verhehlet, Gib mir, Erzeuger, ein Pfand, das mich als wirklichen Sprößling Zeige von dir und unser Gemüt von dem Zweifel befreie.« Phaëthon sprach's. Ablegt der Erzeuger die blendenden Strahlen, Die umglänzen sein Haupt, und gebietet ihm näher zu treten, Und er umarmt ihn und spricht: »Wohl bist du der Meine zu heißen Würdig, und Clymene tat dir kund wahrhaftigen Ursprung. Daß du dem Zweifel entsagest, erbitte beliebige Gabe, Und ich gewähre sie dir. Der Pfuhl, bei welchem die Götter Schwören, von uns noch nimmer geschaut, sei Zeuge des Wortes!« Kaum war solches gelobt, als jener den Wagen des Vaters Heischt und das Recht, für den Tag die geflügelten Rosse zu lenken. Jetzo bereut sein Vater den Schwur, und er schüttelt im Unmut Drei-, viermal sein leuchtendes Haupt: »Durch dein Wort«, also sprach er, »Ward sinnlos das meine. Oh, wär es vergönnt, das Verheißne Nicht zu verleihn! Dies würd ich dir, Sohn - ich gesteh es -, versagen. Warnung jedoch ist vergönnt. Nicht ist dein Verlangen gefahrlos. Großes erstrebt dein Wunsch, o Phaëthon, was den geringen Kräften mitnichten geziemt noch so unmännlichen Jahren. Dir fiel sterbliches Los; nicht sterblich ist, was du begehrest. Höheres gar, als was zu erreichen den Himmlischen möglich, Forderst du ohne Bedacht. Sich selbst mag jeder genügen; Aber von allen vermag auf der feurigen Achse zu stehen Keiner denn ich. Der Beherrscher sogar des weiten Olympus, Der mit der schrecklichen Hand hinschmettert vernichtende Blitze, Lenkt nicht dieses Gespann: und was gleicht Jupiters Größe? Steil ist der Weg im Beginn, wo kaum in der Frühe die frischen Rosse sich mühen hinan. Hochsteigt er inmitten des Himmels, Wo tief unten das Meer und die Lande zu sehen mir selber Oftmals graut und die Brust mir erbebt vor banger Besorgnis. Jäh ist am Ende die Bahn und bedarf der sicheren Leitung. Dann ist Tethys sogar, die mich in dem Schoß der Gewässer Unten empfängt, in Furcht, daß schwindligem Sturz ich erliege. Denke dazu, daß, gerafft von ständigem Schwunge, der Himmel Mitzieht hohe Gestirn und in eiligem Wirbel herumdreht. Gegen ihn streb ich mit Macht, und der Kraft, die alles bewältigt, Trotz ich und lenke die Fahrt entgegen der wälzenden Kreisung. Laß dein sein das Gespann: Was tätest du? Kannst du dich stemmen Wider den rollenden Pol, daß nicht dich entführe die Achse? Haine vielleicht auch dort und Städte der Götter zu finden Wähnst du in deinem Gemüt, und Tempel mit reichen Geschenken: Doch durch Gefahren gehet der Weg und Gebilde von Tieren. Wenn du die Bahn auch hältst und nie abschweifst in die Irre, Mußt du durch das Gehirn des begegnenden Stieres dich winden, Durch des Zentauren Geschoß und den Rachen des grimmigen Löwen, Am Skorpion vorbei, der krümmet die drohenden Scheren Weit ausgreifend im Kreis, und am Krebs, der anders sie krümmet. Auch ist dir das Gespann, vom sprühenden Feuer getrieben, Das es verschließt in der Brust und aus Maul und Nüstern hervorschnaubt, Leicht zu bändigen nicht. Kaum leiden mich selber die Rosse, Wenn heiß dränget der Mut und der Nacken sich wehret der Zügel. Drum, daß nicht unselige Gabe von mir sei verliehen, Hüte dich, Sohn, und beßre den Wunsch, da noch es vergönnt ist. Daß du von unserem Blut dich glaubest erzeugt mit Gewißheit, Willst du ein sicheres Pfand. Ich gebe das Pfand durch Besorgnis: Väterlich Bangen erweist als Vater mich. Schau und betrachte Nur mein Gesicht! O könntest du mir in den Busen das Auge Senken und innen die Angst des liebenden Vaters erkennen! Ja, was immer die Welt - blick um dich - heget an Reichtum, Unter dem Köstlichsten all auf Erden, im Meer und im Himmel Wähle dir irgendein Gut: nicht soll eine Weigrung dich kränken. Steh von dem einen nur ab, was Strafe mit richtigem Namen, Ruhm nicht ist. Zum Geschenk, o Phaëthon, heischest du Strafe. Was umfängst du den Hals mir, Tor, mit schmeichelnden Armen? Zweifle nicht, du erlangst - ich schwor bei den stygischen Fluten -, Was du immer gewünscht; doch mußt du verständiger wünschen.« Also mahnte der Gott. Doch jener verschmähte die Warnung Und hält fest am Entschluß und brennt vor Begier nach dem Wagen. Drum, solang es vergönnt, noch säumig, geleitet der Zeuger An Vulcanus' Geschenk, den erhabenen Wagen, den Jüngling. Dran war golden die Achs und die Deichsel und ebenso golden Außen am Rade der Kranz und silbern die Reihe der Speichen. Chrysolithen am Joch und gereihte Edelgesteine Gaben die Strahlen zurück dem widergespiegelten Phoebus. Als noch dies und die Kunst der mutige Phaëthon staunend Musterte, sieh, da tut im geröteten Osten Aurora Wach das purpurne Tor schon auf und den rosenbestreuten Vorhof. Bald ist das Heer der Gestirne verscheucht, und den Zug schließt Lucifer, welcher zuletzt abzieht von der Wache des Himmels. Wie er der Erd ihn sah sich nahn und sich röten das Weltall Und gleichsam an dem Monde die Enden der Hörner vergehen, Heißt der Titan das Gespann anschirren die hurtigen Horen. Rasch ist getan das Gebot, und die glutausschnaubenden Renner, Die mit Ambrosiasaft sich gesättigt, führen von hohen Krippen die Göttinnen her und befestigen klirrende Zäume. Jetzo bestrich dem Sohne mit heiliger Salbe das Antlitz Phoebus und lieh ihm Kraft, zu bestehen die sengende Flamme, Und mit Strahlen umgab er sein Haar, und ahnend das Unheil, Drängte er Seufzer hervor aus bekümmertem Herzen und sagte: »Kannst du wenigstens hier des Vaters Ermahnungen folgen: Schone den Stachel, mein Sohn, und kräftiger brauche die Zügel. Selbst ja eilen sie schon. Müh ist's, ihr Streben zu hemmen. Auch nicht wähle die Bahn durch die fünf gradlaufenden Bogen. Schräg hin zieht sich ein Pfad in weit abbiegender Krümmung, Der, mit der Grenze begnügt von dreien der Zonen, vermeidet So den südlichen Pol wie am nördlichen Himmel den Bären: Dorthin führe dein Weg. Du erkennst noch deutliche Gleise. Und daß Himmel und Erde empfangen gleichmäßige Wärme, Senke du nicht, noch treib in die Höhe des Äthers den Wagen. Gehst du hinauf zu hoch, so verbrennst du die himmlischen Häuser; Gehst du zu tief, die Erd; am sichersten hältst du die Mitte. Daß auch nicht rechtsab zur gewundenen Schlange dich reiße, Noch dich führe das Rad linksab zum gesenkten Altare, Halte dazwischen die Bahn. Des weiteren walte Fortuna! Möge sie besser als du achthaben und helfen: ich wünsch es. Während ich rede, berührt ihr Ziel am hesperischen Strande Längst die tauige Nacht. Nicht freisteht längere Säumnis. Auf denn, es drängt! Hell glänzt, da geflohen das Dunkel, Aurora. Nimm die Zügel zur Hand! Doch bist im Gemüte du lenksam, Mache dir unseren Rat, nicht unseren Wagen zunutze, Da du es kannst und Stand noch hast auf gediegenem Grunde, Ehe du ratlos beschwerst die leider begehrete Achse. Daß du sicher es schaust, laß Licht mich geben den Ländern.« Leicht im Schwunge besteigt den flüchtigen Wagen der Jüngling Und steht oben und hält in der Hand die gegebenen Zügel Freudig und dankt von da dem Vater, der ungern es höret. Pyrois, Aethon indes und Eóus und Phlegon als vierter, Phoebus' Flügelgespann, erfüllen die Lüfte mit Wiehern Flammenden Hauchs und schlagen im Drang mit den Hufen die Schranken. Tethys schob diese zurück, sie ahnt nicht des Enkels Verhängnis, Und als frei nun lag der weite, unendliche Weltraum, Stürzen sie hastig dahin, und die Luft mit den Hufen zerteilend, Bahnen sie sich durch Wolken den Weg, und von Schwingen gehoben, Eilen dem Ost sie voraus, der weht von der nämlichen Gegend. Aber die Last war leicht und nicht zu verspüren dem edeln Sonnengespann, und das Joch entbehrte der sonstigen Schwere. So wie das bauchige Schiff, dem fehlt die gebührende Ladung, Schwankt und, weil es zu leicht, haltlos auf dem Meere dahintreibt, Also, befreit vom gewohnten Gewicht, tut Sprünge der Wagen, Und hoch wird er geschnellt in die Luft und erscheint wie ein leerer. Aber das Viergespann stürzt wild, wie es solches gewahret, Weg vom gebahnten Weg und läßt von der früheren Ordnung. Jener, in Angst, weiß nicht die geliehenen Zügel zu lenken Noch auch, welches der Weg, und wüßt er es, wär er doch machtlos. Jetzt erglühten zuerst von den Strahlen die kalten Trionen, Und sie versuchten umsonst, in verbotene Flut sich zu tauchen. Die sich gelagert zunächst dem eisigen Pole, die Schlange, Träge von Kälte zuvor und keinem ein Bild des Entsetzens, Tauete auf und schwoll von der Glut zu neuem Ergrimmen. Du auch flohest gestört, nach der Sage, von hinnen, Boótes, Ob auch säumig du warst und dich dein Wagen zurückhielt. Doch als Phaëthon jetzt, der unglückselige, schaute Hoch vom Äther hinab auf die tief, tief liegenden Länder, Ward er bleich, und die Knie erbebten in plötzlichem Schrecken; Und bei dem blendenden Licht umzog ihm Dunkel die Augen. Hätt er doch nie, so wünscht er, berühret die Rosse des Vaters! Hätt seine Herkunft er nimmer erkannt, nie erreicht das Erflehte! Merops' Sohn gern blieb er genannt. Nun irret er unstet Wie vor dem stürmenden Nord ein Schiff, wenn die Zügel in Ohnmacht Frei sein Lenker ihm gibt und es Göttern vertraut und Gelübden. Was nun tun? Viel hat er bereits vom Himmel im Rücken; Vor ihm dehnet sich mehr. Im Geiste ermißt er die Strecken. Vorwärts bald, wohin das Geschick zu gelangen ihm wehret, Schaut er, zum Untergang; bald rückwärts schaut er zum Aufgang. Ratlos starrt er in Angst und läßt die Zügel nicht fahren, Noch auch zieht er sie an, noch weiß er die Namen der Rosse. Hier und da auch sieht er mit Zittern am wechselnden Himmel Wundergestalten verstreut und Gebilde von drohenden Tieren. Südwärts zeigt sich ein Ort, wo die Scheren in doppelter Windung Krümmet der Skorpion und, beugend den Schwanz und die Arme, In den Bereich von zwei Sternzeichen die Glieder hinausreckt. Als ihn Phaëthon sah, wie er troff vom Schweiße des schwarzen Giftes und ihn mit dem Stich des gebogenen Stachels bedrohte, Ließ er vor eisigem Schreck sinnlos aus den Händen die Zügel. Als die aber erschlafft nun oben die Rücken berührten, Schweifen die Rosse vom Weg und sprengen, von keinem gehalten, Durch den entlegensten Raum, und wohin sie treibt das Gelüste, Jagen sie ohne Gesetz, und an Sterne, die oben im Äther Fest stehn, rennen sie an und reißen den Wagen durch Wildnis. Bald in schwindelnde Höhn, bald fahren sie jäh in die Tiefe Auf abschüssigem Pfad und gehn ganz nah an der Erde, Und mit Verwunderung sieht tief unter dem ihrigen Luna Laufen des Bruders Gespann, und es dampfen versengt die Gewölke. Feuer ergreift nunmehr an den ragenden Höhen die Erde: Berstend zerreißt der Grund und lechzt, da die Säfte versiegen. Dürr entfärbt sich das Gras; mit dem Laube verbrennen die Bäume, Und die getrocknete Saat gibt Stoff dem eignen Verderben. Kleiner Verlust! Mit den Mauern vergehn großmächtige Städte; Ganze Länder sogar mitsamt den bewohnenden Völkern Wandelt in Asche der Brand. Mit den Bergen entbrennen die Wälder. Athos, Tmolus entbrennt, der kilikische Taurus und Oete, Ida, trocken nunmehr, vormals reichhaltig an Quellen, Helikons Jungfraunhöh und der später öagrische Haemus. Von der gedoppelten Glut brennt nun ins unendliche Ätna; Auch der geteilte Parnaß und Cynthus und Othrys und Eryx, Rhodope auch, nun endlich des Schnees entbehrend, und Mimas; Dindyma, Mykale brennt und, zur Feier erkoren, Cithaeron. Keinen Gewinn vom Frost hat Skythien: Kaukasus brennet, Ossa mit Pindus zugleich und groß vor beiden Olympus, Luftige Alpenhöhn und der wolkige Apenninus. Da sieht Phaëthon nun, wie auf jeglicher Seite der Erdkreis War von den Flammen erfaßt, und kann die Glut nicht ertragen. Kochende Luft, gleichwie dem Schlunde des Ofens entstiegen, Atmet er ein und fühlt, wie unter ihm glühet der Wagen, Und nicht kann er die Asch und die aufwärtsfliegenden Funken Länger bestehn, und es hüllet ihn rings heißqualmender Rauch ein. Schwarz von Dunkel umdrängt, weiß nicht er, wohin er sich wende Noch wo er sei, und er irrt nach Gefallen der fliegenden Rosse. Damals trat, wie man glaubt, das Blut Äthiopiens Völkern Bis in die äußerste Haut und brachte die dunkele Farbe. Libyen ward damals, weil Glut aufzehrte die Nässe, Trockener Sand. Mit zerstreuten Haaren beweinten die Nymphen Damals die Quellen und Seen. Es vermißt die pirenischen Wellen Ephyre, Argos vermißt Amymóne, Böotien Dirke. Flüsse sogar, deren Ufer weit auseinander liegen, Sind in Gefahr. Sieh, Tanais dampft inmitten der Wellen, Auch Penëus, der Greis, und der Teuthrantëer Caicus Und mit dem phegischen Strom Erymanthus der rasche Ismenos, Xanthos, bestimmt zu erneuetem Brand, und der gelbe Lykormas Und, der treibet sein Spiel mit geschlängelten Wellen, Maeandrus, Melas, Mygdoniens Fluß, und der Taenarusstrom Eurotas. Babylons Strom auch brennt, Euphrates; es brennet Orontes, Ganges, Phasis zugleich und der schnelle Thermodon und Ister. Siedend empört sich Alphëus, es brennt Sperchios' Gestade, Und von den Gluten zerfließet das Gold, das Tagus herabführt. Die mit hellem Gesang die mäonischen Ufer erfüllten, Fanden den Tod, die Vögel der Flut, im Bett des Kaystros. Fern ans Ende der Welt entwich der erschrockene Nilstrom, Und er versteckte das Haupt, das er jetzt noch birgt, und die sieben Mündungen lagen in Staub, nun sieben vertrocknete Täler. Gleiches Geschick entleert die Ismarier Hebrus und Strymon, Padus und Rhodanus auch und den Rhein, die hesperischen Ströme, Und, dem Obergewalt auf Erden verheißen, den Thybris. Allorts berstet der Grund; in den Tartarus dringt durch die Spalten Helle des Tags und schreckt, wie die Gattin, den König der Tiefe. Selbst auch das Meer sinkt ein, und ein Feld von trockenem Sande Steht, wo See jüngst war, und Höhen, die unter der Fläche Ruheten, steigen hervor und mehren zerstreute Kykladen. Rettung sucht auf dem Grunde der Fisch, und über die Wogen Wagt sich der krumme Delphin nicht mehr in die Lüfte zu schnellen. Leblos schwimmen, gestreckt auf den Rücken, die Leiber von Robben Oben umher auf der Flut. Selbst Nereus, meldet die Sage, Hielt sich mit Doris versteckt und den Töchtern in lauwarmen Grotten. Dreimal wagte Neptun aus dem Wasser zu heben die Arme Und sein finstres Gesicht, und dreimal vertrieb ihn die Hitze. Aber umströmt, wie sie war, hob jetzo die gütige Erde Zwischen den Wassern der See und all den geflüchteten Quellen, Die sich zusammengedrängt in den Schoß der dunkelen Mutter, Bis zum Halse gedörrt, ihr allerzeugendes Antlitz Und hielt schützend die Hand an die Stirn und bebte gewaltig, Alles erschütternd umher, und versank um weniges tiefer, Als sie gewöhnlich erscheint, und sprach mit dem heiligen Munde: »Willst du es so, und hab ich's verdient, was, Höchster der Götter, Zaudert dein Blitz? Laß mich, wenn ich doch durch Feuer vergehn soll, Durch dein Feuer vergehn! Im Verderben sei Trost der Verderber! Kaum noch kann ich die Kehl auftun, um solches zu reden (Dampf schloß eben den Mund); sieh hier die versengeten Haare; Siehe die Augen erfüllt und erfüllt von Asche das Antlitz! Gibst du mir solchen Dank und Lohn für gedeihliches Schaffen Und für treulichen Dienst, daß Wunden ich dulde vom Karste Und von gebogenem Pflug und ständig im Jahre gequält bin, Daß ich dem Vieh sein Laub und die harmlose Speise der Feldfrucht Reiche dem Menschengeschlecht und euch süß duftenden Weihrauch? Aber, wenn ich das Verderben verdient, was haben die Wellen, Was dein Bruder verwirkt? Warum denn fallen die Fluten, Die ihm das Los zusprach, und stehen vom Äther entfernter? Doch wenn weder zu mir noch zum Bruder Liebe dich rühret, Rühre dir doch dein Himmel das Herz. Schau hin nach den Polen: Beiden entsteigt schon Rauch. Wenn diese das Feuer versehret, Stürzet das himmlische Haus euch ein. Schwer mühet sich Atlas, Und kaum hält er gestützt mit den Schultern die glühende Achse. Geht zugrunde das Meer und die Erd und die Feste des Himmels, Dann in das Chaos zurück versinken wir. Rett aus den Flammen, Was noch übrig verblieb, und berate das Beste des Weltalls.« Also hatte die Erde gesagt; denn nimmer ertragen Konnte sie länger den Qualm noch Weiteres reden; das Antlitz Zog sie zurück in sich und in Höhlen, die näher den Manen. Aber die Himmlischen nimmt der allmächtige Vater zu Zeugen Und ihn selbst, der geliehn das Gespann, daß alles verderbe, Rett er nicht in der Not. Und er steigt auf die oberste Zinne, Wo er Gewölk anhäuft und weit umziehet die Lande, Wo er den Donner erregt und schleudert geschwungene Blitze. Aber Gewölk war nicht, womit er umzöge die Lande, Noch war Regen ihm jetzt zu Gebot, den er gösse vom Himmel. Donner erscholl, und rechts vom Ohr auf den Lenker des Wagens Sandt er im Schwunge den Blitz, und vom Leben zugleich und den Rädern Rafft' er ihn weg und bezwang mit schrecklicher Flamme die Flammen. Scheu fährt auf das Gespann und reißet im Sprung auf die Seite Schleunig den Hals aus dem Joch und verläßt die zersprengeten Riemen. Dorthin fällt das Gebiß, und dort, von der Deichsel gerissen, Lieget die Achs und hier die Speichen zerbrochener Räder, Und weit fliegen zerstreut vom zertrümmerten Wagen die Reste. Phaëthon aber, vom Brande die rötlichen Haare verwüstet, Stürzt kopfüber hinab, und im Strich langhin durch die Lüfte Flieget er, wie wenn ein Stern bisweilen dem heiteren Himmel, Wenn nicht wirklich entfällt, doch scheint, als ob er entfiele. Fern vom heimischen Land nimmt jenen im Westen der große Strom Eridanus auf und bespült sein rauchendes Antlitz. Den vom zackigen Strahl noch rauchenden Leichnam bestatten Nymphen hesperischer Flut und zeichnen den Stein mit dem Denkspruch: »Phaëthon ruht allhier, der lenkte den Wagen des Vaters. Wenn er ihn auch nicht hielt, doch sank er in großem Beginnen.« Denn sein Vater verbarg trostlos in schmerzlicher Trauer Sein umhülltes Gesicht, und - wofern wir glauben der Sage - Ohne die Sonne verging ein Tag. Die Lohe gewährte Helle des Tags, und so bot doch einigen Nutzen das Unheil. Clymene aber, nachdem sie gesagt, was alles zu sagen Bei so schwerem Geschick, durchwanderte jammernd und sinnlos Mit am Busen zerrissenem Kleid die sämtlichen Lande; Suchend die Glieder zuerst, bald nur die Gebeine des Toten, Fand die Gebeine sie doch am fremden Gestade begraben, Warf an der Stätte sich hin und begoß mit Zähren den Namen, Den auf dem Marmor sie las, und wärmt' ihn am offenen Busen. Ebenso weihn Wehklage und Tränen des Helios Töchter, Eitele Gabe, dem Tod, und die Brust mit den Händen sich schlagend, Rufen sie ihn, der nimmer vernimmt die schmerzlichen Klagen, Phaëthon, Tag und Nacht und werfen sich über das Grabmal. Viermal war's, daß Luna den Kreis mit vereinigten Hörnern Füllete: jene nach Brauch - Brauch ward aus dem steten Gebaren - Schrien ihr Ach und Weh. Da klagt Phaëthusa, der Schwestern Älteste, als sie den Leib auf die Erde gedachte zu lagern, Daß ihr die Füße erstarrt. Die lichte Lampetië trachtet Helfend der Schwester zu nahn und haftet an plötzlicher Wurzel. Als mit den Händen das Haar sich wollte zerzausen die dritte, Raufet sie Laub. Die siehet mit Angst, wie die Schenkel ein Stamm hält; Jene, wie länger gedehnt zu Ästen ihr werden die Arme. Während sie staunen darob, umzieht schon Rinde die Weichen, Und nacheinander um Bauch und Brust und Schultern und Hände Schlingt sie sich; frei war nichts als der Mund, der rief nach der Mutter. Was kann diese noch tun, als hierhin eilen und dorthin, Wo sie das Herz hinzieht, und küssen, solang es vergönnt ist? Das nicht bloß: sie versucht von den Stämmen zu reißen die Leiber Und mit der Hand das zarte Gezweig zu brechen. Da rinnen Blutige Tropfen herab, gleichwie aus offener Wunde. »Mutter, o schone doch mein!« ruft jegliche, wie sie verletzt wird. »Schone doch mein! Mein Leib ja wird in dem Baume zerrissen. Lebe denn wohl!« Und Rinde verschloß die redenden Lippen. Tränen noch fließen heraus und erstarren, vom jungen Gezweige Tropfend, am sonnigen Strahle zu Bernstein, welchen der klare Strom aufnimmt und sendet zum Schmuck den latinischen Frauen. Zeuge des Wundergeschicks war Cycnus, des Sthenelus Sprößling, Welcher, obwohl durch Blut dir verwandt von seiten der Mutter, Näher dir, Phaëthon, stand durch treue Gesinnung. Verlassen - Denn der Ligurer Volk und mächtige Städte beherrscht' er - Hatt er sein Reich und erfüllt mit Klagen die grünenden Ufer Und des Eridanus Strom und den Wald, den mehrten die Schwestern. Siehe, geschwächt ist die Stimme dem Mann, und weißes Gefieder Macht unkenntlich das Haar, und lang von der Brust in die Höhe Streckt sich der Hals, und ein Band verknüpft die geröteten Zehen; Fittiche wachsen ihm an; stumpf ragt ein Schnabel am Munde. Neu wird Cycnus als Schwan, und er traut nicht Jupiters Himmel, Stets gedenkend der Glut, die jener gesendet mit Unrecht; Weiher bewohnt er und offene Seen; und hassend das Feuer, Hat er gewählt zum Sitze das Wasser, feindlich den Flammen. Phaëthons Vater indes im Trauergewand und entbehrend Selber der schimmernden Pracht, wie er pfleget zu sein, wenn er finster Fern ist der Welt, verwünschet das Licht und sich mit dem Tage, Senkt in Trauer das Herz und fügt noch Groll zu der Trauer, Und er verweigert der Welt den Dienst. »Unruhig«, begann er, »War zur Genüge mein Los von der Zeiten Beginn, und es reut mich Jetzo der Mühn, die ich ohn End, ohn Ehre bestanden. Fahre denn nun, wer will, den Licht herführenden Wagen, Und mag keiner, gestehn ihre Ohnmacht sämtliche Götter, Fahr er selbst, daß doch, wenn er unsere Zügel versuchet, Einmal ruhe der Blitz, womit er verwaiset die Väter. Hat er gespüret die Kraft der feurigen Renner, so sieht er, Daß nicht Tod schon verdient, wer sie nicht tüchtig gelenket.« Als so redete Sol, umstehen ihn alle die Götter: Daß er mit finsterer Nacht nicht wolle verhüllen das Weltall, Bitten sie flehenden Tons. Das geschleuderte Feuer entschuldigt Jupiter auch und fügt noch königlich Drohen zur Bitte. Da holt ein die vom Schreck noch betäubten und bebenden Rosse Phoebus und läßt dran aus mit Stachel und Geißel den Ingrimm; Denn Grimm hegt er und schiebt auf jene des Sohnes Verderben.“ [Ovid: Verwandlungen (Metamorphoses). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 12538 (vgl. Ovid-W Bd. 1, S. 26 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Nonnos Dion. 38,108ff: " Der Okéanosstrom, der rauschend das Weltall umwindet, sich in dem wogenden Flußbett, die Erde umfassend, dahinwälzt, war in der Vorzeit als Ahnherr vermählt mit Tethys und zeugte, Stromgott und Gatte, mit ihr Klyméne. Tethys, die Mutter, nährte an flutender Brust die Schönste von allen Najaden. Jugendfrisch war das Mädchen, mit lieblichen Armen. Durch ihre Schönheit entflammte sie Helios, der in zwölf Monaten seinen leuchtenden Umlauf vollzieht und den siebenzonigen Äther völlig umrundet. Den Feuergott quälte jetzt anderes Feuer. Über die strahlende Sonnenglut siegte die Glut der Eroten, als er über dem rosig erhellten Okeanosstrome, noch von den Wassern des Ostens umspült am flammenden Leibe, ganz aus der Nähe das Mädchen erspähte. Ohne Bekleidung tummelte sie sich schwimmend im Strome des Vaters, ihr Körper leuchtete weithin im Bade, wie wenn die nährende Mene, hat sie gefüllt die schimmernde Rundung zwischen den Hörnern, während der Abendstunden strahlend im Wasser sich spiegelt. Barfuß, nur halb zu sehen, stand jetzt das Mädchen im Wasser, traf mit den rosigen Wangen den Helios wie mit Geschossen. Ihre Gestalt hob ab sich vom Wasser, kein Gürtel verhüllte ihren Busen, die liebliche Rundung der silbernen Brüste schimmerte rötlich und warf ihr Licht weit über die Wellen. Mit dem himmlischen Lenker vermählte der Vater das Mädchen. Beifall zur Hochzeit Klymenes mit Helios, Bringer des Lichtes, spendeten die schnellfüßigen Horen. Die Nymphen der Fluten tanzten im Reigen. Auf dem vom Wasser umsprudelten Brautbett herrlich gelagert, vereinte die Braut sich dem leuchtenden Gatten, schlang um den glühendheißen Gemahl die eiskalten Arme. Licht für das Brautgemach bot die glitzernde Heerschar der Sterne, und Aphrodites Gestirn, der Morgenstern, Herold der Hochzeit, stimmte den Festgesang an. Nicht flackernde Kienspäne, sondern Göttin Selene geleitete strahlend die Hochzeitsgesellschaft. Die Hesperiden jauchzten. Mit Tethys, seiner Gemahlin, rauschte Okeanos freudig sein Lied aus quellendem Schlunde. Anschwellen ließ der wachsende Samen den Körper Klymenes. Reifend gedieh der Keimling. Dann brachte die Schwangere einen göttlichen, leuchtenden Jungen zur Welt. Der Äther des Vaters stimmte ein Lied an zu Ehren des eben geborenen Knaben. Des Okeanos Schwestern badeten nach der Entbindung sorglich das Kind und reinigten es in des Großvaters Strömung. wickelten dann es in Windeln. Die Sterne auch sprangen hellfunkelnd in den Okeanosstrom, das ihnen vertraute Gewässer, scharten sich um den Jungen. Selene, die Herrin der Wehen, nahte sich gleichfalls in vollem Glanze. Helios aber nannte den Sohn nach sich selbst, dem Äußren des Knaben entsprechend; denn auf dem Antlitz des Kleinen erkannte man deutlich des Vaters Helios eigentümliches, nicht zu verwechselndes Leuchten. Oftmals, nach Art des Umgangs mit Kindern, in heiterem Spiele, packte Okeanos seinen Enkel Phaëthon und hob ihn fest an den Hüften empor und warf ihn zur Höhe." kopfüber, schnell wie der Wind, die Lüfte durchwirbeln. Und kehrte erdwärts zurück der Junge, so fing ihn der Großvater sicher auf mit den Armen und warf ihn aufs neue. Oft mied dann Phaëthon die ihm entgegengestreckten Arme, wenn er zurückflog, purzelte, um und um wirbelnd, herab in das düstere Wasser, Seher des eigenen Todes. Der Alte sah es und seufzte, weil er das Zeichen durchschaute, verschwieg indessen sein Wissen. Wollte er doch die heitere Kindesliebe Klymenes durch Prophezeien des bitteren Schicksals Phaëthons nicht trüben. Als dann der Knabe zu zarter Jugend erblühte, verweilte bald er im Hause der Mutter Klymene, bald suchte die Auen er von Thrinakia auf, wo er in Lampétias Nähe oftmals sich aufhielt und Rinder wie Schafe als Hirte betreute. Auch schon den heiligen Wagen des Vaters wollte er lenken, baute geschickt sich aus Holzleisten eine Achse zusammen, formte so etwas wie Räder dem nachgemachten Vehikel, schnitt sich dann Riemen zurecht und schuf sich aus biegsamen Ruten blumenprangender Gärten die dreifach geflochtene Peitsche, schirrte vier junge Schafböcke unter ein kleines Behelfsjoch. Einen nicht üblen Morgenstern brachte aus grellweißen Blüten, rund wie ein richtiges Rad, er sinnreich zustande und setzte ihn als den Vorläufer ein für den trefflich rollenden Wagen, ganz wie das echte Gestirn der Frühe. Brennende Fackeln, aufwärts gerichtet, band er sich beiderseits fest um die Haare. Derart ahmte den Vater er nach mit künstlichen Strahlen, wenn das Gefährt um die meerumbrandete Insel er lenkte. Als er dann aber die volle Blüte des Jünglings erreichte, rührte er oft an die Flamme des Vaters, hob, wenn auch kurz nur, hoch das glutheiße Geschirr und die sternenglänzende Geißel, machte am Rad sich zu schaffen, betastete auch mit noch zarten Händen die Rosse, ein Spiel, das den Jungen herzlich erfreute, legte die Rechte sogar an die feuerumloderten Zügel. Rasend beherrschte der Drang ihn, die Pferde zu lenken. Er setzte sich auf die Knie des Vaters und flehte mit tränenden Augen, Flammengefährt und Himmelsgespann selbst lenken zu dürfen. Aber der Vater erlaubte es nicht. Da flehte der Jüngling inniger noch. Doch der Vater, hoch auf dem ragenden Fahrzeug, sagte zu seinem Sohne mit liebevoll-zärtlicher Stimme: ›Helioskind und herzlich geliebter Okeanosenkel, nenne mir andere Wünsche! Was schert dich der Wagen des Himmels? Lasse die Finger vom Lenken der Rosse! Du kannst noch nicht meinen Wagen beherrschen, ich leite ihn selber sogar nur mit Mühe! Niemals wappnete sich mit dem Blitz der stürmische Ares, nein, mit Trompeten schmettert sein Lied er anstatt mit dem Donner. Ebensowenig auch ballte Hephaistos die Wolken des Vaters, heißt auch ›der Wolkenballende‹ nicht wie der Sprößling des Kronos, nein, an der Esse versetzt er Schläge dem eisernen Amboß, läßt aus dem Blasebalg künstlich erzeugte Windstöße sausen. Einen gefiederten Schwan hegt Phoibos, doch niemals ein Rennpferd, schwingt und schleudert auch nie den feurigen Strahl des Kroniden. Hermes, als Träger des Stabes, trägt nicht die Aigis des Vaters. Wendest du ein: ›Er verlieh dem Zagreus den Funken des Blitzes‹ – höre denn: Zagreus erhob den Blitz und stürzte ins Unglück! Hüte dich, bitte, mein Sohn, ein entsprechendes Leid zu erfahren!‹ sagte zu seinem Sohne mit liebevoll-zärtlicher Stimme: ›Helioskind und herzlich geliebter Okeanosenkel, nenne mir andere Wünsche! Was schert dich der Wagen des Himmels? Lasse die Finger vom Lenken der Rosse! Du kannst noch nicht meinen Wagen beherrschen, ich leite ihn selber sogar nur mit Mühe! Niemals wappnete sich mit dem Blitz der stürmische Ares, nein, mit Trompeten schmettert sein Lied er anstatt mit dem Donner. Ebensowenig auch ballte Hephaistos die Wolken des Vaters, heißt auch ›der Wolkenballende‹ nicht wie der Sprößling des Kronos, nein, an der Esse versetzt er Schläge dem eisernen Amboß, läßt aus dem Blasebalg künstlich erzeugte Windstöße sausen. Einen gefiederten Schwan hegt Phoibos, doch niemals ein Rennpferd, schwingt und schleudert auch nie den feurigen Strahl des Kroniden. Hermes, als Träger des Stabes, trägt nicht die Aigis des Vaters. Wendest du ein: ›Er verlieh dem Zagreus den Funken des Blitzes‹ – höre denn: Zagreus erhob den Blitz und stürzte ins Unglück! Hüte dich, bitte, mein Sohn, ein entsprechendes Leid zu erfahren!‹ dritte eilt im Verlauf von sechzig Tagen der flammende Ares, deinem Vater benachbart. Ich selber benutze die vierte und überquere rundum den ganzen Äther zu Wagen, rolle dahin auf den vielfach gewundenen himmlischen Bahnen, bringe die Zeitmaße für die vier Horen, indem ich denselben Punkt umkreise wie sie, bis, wie üblich, die Strecke mit vollem Monde ich gänzlich durchlief und abschloß. Niemals verlasse ich unvollendet die Bahn, um mich rückwärts oder auch vorwärts wieder zu wenden, während ständig die andern Planeten auf den verschiedenen Bahnen auch in entgegengesetzter Richtung dahinirren, anhalten dann, ob vorwärts, ob rückwärts, nur bis zur halben Strecke gelangen und umkehren, deshalb meinen allseitigen Glanz nur von einer Seite empfangen. Unter ihnen erhellt die gehörnte Selene den Himmel weithin und bringt mit der Glut nach Vollendung der Kreisbahn den Monat klüglich zustande, als Halbmond, zur Sichel gekrümmt, und als Vollmond. Mene entgegen bringe ich, rollendem Balle vergleichbar, strahlenden Glanz, den Ernährer garbenbringenden Wachstums, auf der vom Tierkreis gebildeten Strecke in ewiger Kreisbahn, schaffe die Maße der Zeit und vollende, von Wohnstatt zu Wohnstatt ziehend, mit Abschluß des einen Umlaufs die Ganzheit des Jahres. Aber du hüte dich vor dem Kreuzungspunkt, komm nicht zu nahe! Soll doch der Kegel des Schattens, umrundest du ihn mit dem Wagen, ja nicht verdunkeln dein Fahrzeug und allen Glanz ihm entziehen. Weiche auch während der Fahrt nicht aus der üblichen Richtung, lasse dich ja nicht verleiten, die fünf Parallelkreise etwa mit den so vielfach verschlungenen Kreisbahnen staunend zu mustern, abzukommen dabei von der üblichen Strecke des Vaters! Durchgehen dürfen die Pferde dir nicht und den Äther durchirren! Starre im Tierkreis auch nicht auf das ganze Dutzend der Zeichen, jage dabei nicht von einer Wohnstatt zur andern! Berührst du fahrend die Wohnstatt des Widders, so wage den Stier nicht zu stören! Wenn du die Waage durchfährst, such nicht den Boten des Herbstes, Anfang des Pflügens, den Skorpion, auf seiner Gestirnbahn, ehe du nicht die dreißig Grade dazwischen passiertest! Höre mir aufmerksam zu, ich erkläre dir alles jetzt einzeln! Wenn ich den Widder erreiche, den Mittelpunkt unseres Weltalls, Nabelgestirn des Olympos, dann lasse den Frühling aus meiner Höhe ich sprießen; am Wendekreis, der uns das Wehen des Westwinds ankündigt, jener Linie, da Tage und Nächte gleich lang sind, leite auf taufrischer Bahn ich die Hore der zwitschernden Schwalben. Trete ich in das tiefere Haus, gegenüber dem Widder, sende, im Zeichen der Scheren, für gleichlange Tage ich Strahlen, mache sie also ebensolang wie das nächtliche Dunkel, leite auf blätterschüttelnder Bahn die Hore des Herbstes, fahre mit schwächerem Licht in dem Monat des Laubfalls zum tiefer liegenden Wendepunkt. Danach bringe ich regendurchpeitschten Winter den Menschen, über dem Rücken des fischig geschwänzten Steinbocks, damit die fruchtbare Erde den Bauern Ertrag schenkt, wenn sie die bräutlichen Schauer empfängt mit den zeugenden Tropfen. Sommer erwirke ich, ährenspendenden Herold der Ernte, wenn ich die weizenwogende Erde mit heißeren Strahlen geißle und, grad gegenüber dem eiskalten Steinbock, den höchsten Punkt auf der Strecke, im Zeichen des Krebses, erreiche, zu gleicher Zeit auch den Nilstrom sowie die Weintrauben anschwellen lasse. Ziehe zu Anfang der Fahrt ganz dicht an Kerne vorüber, lasse den Morgenstern deinem Gespanne voranziehen. Leitet er dich, so kommst du vom Wege nicht ab. Auf der weiteren Strecke werden die zwölf stets kreisenden Horen die Richtung dir weisen. Derart mahnte er, setzte den goldenen Helm auf Phaëthons Haupt und umkränzte den Sohn mit seiner eigenen Flamme: Rings um die Locken wand er die sieben leuchtenden Strahlen, hängte ihm über die Hüften rundum den schimmernden Leibgurt, streifte sein eigenes Feuergewand ihm über den Körper, schnürte auch fest an die Füße des Jünglings die Purpursandalen. Dann übergab er dem Sohn das Fahrzeug. Schon brachten die Horen frisch vom Frühfutter her die feurigen Heliosrosse. Furchtlos begab sich der Morgenstern an das Fahrzeug und legte über die Nacken der Tiere zur Arbeit die glänzenden Riemen. Hoch auf den Wagen stieg nun Phaëthon. Ihm reichte der Vater Helios die hellstrahlenden Zügel zum Lenken, die prächtig schimmernde Geißel desgleichen. Er zitterte, schweigend. Er wußte, kurz nur würde sein Sohn noch leben. Die Mutter Klymene stand, nah der Küste, zur Hälfte im Wasser; sie sah den geliebten Sohn auf den feurigen Wagen steigen und bebte vor Freude. Nunmehr begann der Morgenstern, Spender des Taues, zu strahlen. Über den östlichen Rand der Erde erhob sich Phaëthon, tauchte empor vom Okeanos, seines Großvaters Fluten. Aufsteigend spähte der mutige Lenker der feurigen Rosse über den von dem Reigen der Sterne besprenkelten Himmel, den die sieben Zonen umgürteten. Auch die Planeten sah er einander entgegenkreisen, erkannte die Erde, die als der Mittelpunkt feststand, erhöht auf ragenden Schroffen, allseits befestigt von tief in Höhlen brausenden Winden. Flüsse erspähte er auch und den Rand des Okéanos. Dieser saugte soeben sein Wasser zurück in die eigene Strömung. Während den Blick er auf Äther und Sternenflut lenkte, auf rührig wimmelnde Erdengeschöpfe und ruhelos wogende Meere, ringsum die Stätten des grenzenlos weiten Weltalls sich ansah, jagten die leuchtenden Rosse im Joch auf ihrer vertrauten Strecke dahin, durchliefen die Bahn, die dem Tierkreise folgte. Doch da versetzte der unerfahrene Lenker mit seiner feurigen Geißel den Tieren Hiebe über den Nacken. Unter den Schlägen des rohen Fahrers scheuten die Pferde. Ohne es selber zu wollen, kamen sie ab von dem alten Wege und sprengten jenseits des Drehpunkts der Weltachse weiter. Nicht vom gewohnten Lenker stammte das Knallen der Peitsche. Unruhe spürte man gleich an der Grenze des Notos, genauso auch im Gebiet des Boréas. Die schnellfüßig eilenden Horen staunten, am Himmelstor, über den seltsamen Irrweg des Tages. Erigeneia erbebte. Der Morgenstern rief voll Bestürzung: 'Wohin rast du, mein Junge? Spielst den Verrückten, als Lenker? Laß doch die Peitsche in Ruhe, du Trotzkopf! Vor beiden Gefahren mußt du dich sorgfältig hüten: vor Fixsternen wie vor Planeten! Andernfalls schlägt dich der dreiste Oríon tot mit dem Schwerte, trifft dich der alte Bo?tes mit seinem feurigen Knüppel! Scheuche mir nicht das Gespann in die Irre, sonst wird dich im hohen Äther der Walfisch des Himmels in seinem Bauche begraben, wird dich der Löwe zerreißen, vielleicht auch der Stier des Olympos senken den Schädel, dich spießen mit seinen flammenden Hörnern! Hüte dich vor dem Schützen, er könnte von seiner gestrafften Sehne mit einem feuerbeschweiften Pfeil dich durchbohren! Laß nicht ein zweites Chaos entstehen, die Sterne nicht morgens aufgehen, lasse nicht Erigeneia, auf Irrwegen schwankend, mittags auf ihrem Wagen etwa Selene begegnen!‹ Trotz der Warnung jagte Phaëthon noch schneller das Fahrzeug, schoß zum Boréas, zum Notos, zum Zéphyros dann und zum Euros. Aufruhr ergriff den Äther und brachte des heiligen Weltalls sichere Ordnung zum Wanken. Sogar die Achse des Himmels, mitten gestreckt durch den kreisenden Äther, neigte sich seitwärts. Mühsam nur konnte der Libyer Atlas, unter die allzu lastende Bürde gebeugt, auf den Knien schon, das um die eigne Mitte sich drehende Sternengewölbe noch halten. Vom Bären weit schon entfernt, wand kratzend der Drachen eilig sich vorwärts auf dem Äquator und zischte beim Treffen mit dem verstörten Stier. Anbrüllte den glühheißen Hund der gähnende Löwe, wärmte den Äther mit züngelnder Flamme, zum Angriff gerüstet auf den achtfüßigen Krebs, mit gesträubter Mähne, verwegen. Dabei peitschte der trockene Schweif des himmlischen Raubtiers neben den hinteren Tatzen die nahe stehende Jungfrau. Diese erhob sich beschwingt zum Fluge, vorbei am Bo?tes, näherte sich der Achse und traf mit dem Bären zusammen. Gegen die Westgrenze sandte der Morgenstern taumelnd die Strahlen, stieß den Abendstern fort, der von dort entgegen ihm irrte. Erigeneia geriet aus der Bahn. Anstatt, wie üblich, den Hasen, packte der flammende Seirios gierig den trockenen Bären. Über den Himmel sprangen die beiden Fische, der eine nordwärts, der andere südwärts, und kamen dem Wassermann nahe. Purzelbaum schlagend, begann der Delphin sich behende zu tummeln und, an der Seite des Steinbocks, im Kreise ringsum zu tanzen. Den Skorpion auch verschlug es wirbelnd vom Pfade des Südens, nah dem Oríon kam er, berührte die Klinge des Jägers. Angstvoll erzitterte dieser, auch unter den Sternen, das Untier könne herankriechen, schmerzhaft erneut in die Ferse ihn stechen. Mene erhob sich zu Mittag bereits, mit einer sich düster färbenden Fläche, und strahlte nur halb so hell wie gewöhnlich; länger nicht konnte das Licht sie entleihen von männlicher Flamme, sog nicht mehr eigenen Glanz von der Heliosbahn gegenüber. Rund um den siebenzonigen Himmel dröhnte im Kreise laut das Geschrei der zusammengedrängten sieben Plejaden. Gegen sie stürmten, wild erregt, die Planeten und ließen tosendes Brüllen aus ebenso vielen Kehlen erschallen. Kypris prallte auf Zeus und Ares auf Kronos. Mein eigner Wandelstern glitt in die Nähe der frühlingsverkündenden Pleias, mischte sein Licht, als Verwandter, mit jenem der sieben Piejaden, stieg, nur halb sichtbar, empor bei meiner Mutter, der Maja, abseits des Sonnenwagens, den er sonst stets zu begleiten pflegt, als ein Vorläufer morgens, während er abends, wenn Helios abwärts dem Untergang naht, sein Licht von hinten entsendet; weil er dem Wagenkurs folgt und auf gleichem Grad ihn begleitet, nennen ihn ›Heliosherz‹ die gelehrten Kenner der Sterne. Auch der olympische Stier, Europas Bräutigam, reckte seinen von taufeuchten Schneeflocken triefenden Nacken und brüllte, hob den gekrümmten Huf zum Losstürmen; gegen Phaëthon neigte die Stirn er mit seinen schneidenden Hörnern und stampfte dröhnend das Himmelsgewölbe mit seinen feurigen Hufen. Kampfbereit riß Orion das Schwert aus der Scheide an seiner leuchtenden Hüfte. Bo?tes schwenkte drohend den Knüttel. Pegasos hob in gestrecktem Galopp die zu Sternen gewordnen Beine und wieherte; Libyens Roß erschütterte stampfend, halb nur zu sehen, den Himmel und sprengte in Eile zu seinem Nachbarn, dem Schwan, schlug wütend die Flügel, als wolle er wieder einen Reiter vom Äther her abschütteln, wie er schon früher Bellerophóntes vom Himmelsgewölbe hinabgestürzt hatte. Nicht mehr tanzten die beiden Bären Rücken an Rücken rings um den hohen nördlichen Pol, sie hatten sich vielmehr südwärts gewandt und badeten ihre sonst trockenen Tatzen ferne im westlichen Meer, im Okeanos, außergewöhnlich! Aber da schleuderte Vater Zeus den Phaëthon mit seinem Blitzstrahl zur Tiefe, ließ ihn hinab zum Erídanos rollen, festigte wieder die Ordnung des Alls nach ursprünglicher Weise, führte die Rosse dem Helios zu. Den Wagen des Himmels brachte zurück er zur Stätte der Abfahrt. Schnellfüßig folgten, wieder für Helios tätig, die Horen der richtigen Strecke. Heiter begann die Erde aufs neue zu lächeln. Vom Himmel reinigte Zeus belebend durch Regen sämtliche Fluren, löschte durch kräftige Güsse die weithin flackernden Brände alle, die wiehernd das Feuergespann, aus flammenumlohten Mäulern sprühend, auf Erden überall ausgelöst hatte. Helios rollte empor, er lenkte wieder sein Fahrzeug. Üppig ersproßten die Saaten, es lachten aufs neue die Gärten, durften genießen die alten belebenden himmlischen Strahlen. Aber Gott Zeus versetzte Phaëthon als Sternbild zum Himmel, gab ihm Gestalt und Namen des Lenkers. Mit leuchtendem Arme führt er die Zügel des fernhin strahlenden himmlischen Fahrzeugs, einem Fahrer entsprechend, der eben zum Aufbruch sich anschickt, gleichsam noch einmal erpicht auf die Sternfahrt im Wagen des Vaters. Auch der verbrannte Eridanos wurde auf Wunsch des Kroniden hoch an den Himmel versetzt; im weiten Reigen der Sterne schlängelt sich flammend der Strom als gewundene ›Milchstraße‹ weiter. Aber die Schwestern des früh dem Tode verfallenen Lenkers wurden in Bäume verwandelt. Aus ihren trauernden Kronen lassen vom Laub die Tränen sie rinnen, den kostbaren Bernstein.«" [Nonnos: Leben und Taten des Dionysos. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 8925(vgl. Nonnos-W Bd. 2, S. 93-94) (c) Aufbau-Verlag http://www.digitale-bibliothek.de/band30.htm ] ................................. Phaethon ist, genau so wie Ikaros, die Personifizierung der Verhaltensweisen von Buben, die ihre noch nicht vorhandene Männlichkeit beweisen wollen, und von unerfahrenen, vom Geltungsdrang geleiteten jungen Männern. Aber auch erwachsenen Männer, die nie zu tatsächlichen Männern gereift sind und ewig als Opfer ihres “Kind im Manne“ sich eine, ihre, scheinbare Männlichkeit beweisen müssen, verhalten sich so: bubenhaft – mit allen dramatischen Folgen für sie selbst und ihre Umwelt. Ihr mangelndes Selbstwertgefühl, ihr unstillbarer Durst nach Anerkennung, nach dem geliebt Werden und der sich daraus ergebenden Verantwortungslosigkeit, treibt sie ständig zu irrrationalen Verhaltensweisen die einen hohen Blutzoll fordern und oft in den eigenen Tod führen. Ob eine Runde mit dem Auto vom Papa, Komasaufen, das Rasen mit Motorrädern und Autos mit überdurchschnittlicher Kraft (z. B. Alva Romeo, VW Phaeton), Extrembergsteigen u. ä., die Motivation zu diesem Verhalten hat immer die gleiche Ursache – mangelnde Nestwärme und dadurch anerzogene Verhaltensstörung. Menschen, die der seelischen Ausgeglichenheit fern stehen und solche Typen nach ihrem selbst verursachten Tod auch noch als Helden verehren (siehe James Dean), beweisen: „Arm ist das Land, das Helden braucht.“ (Bertold Brecht) HYPERLINK "http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/72/Ermit%C3%A1%C5%BE_55.jpg" INCLUDEPICTURE "http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/72/Ermit%C3%A1%C5%BE_55.jpg/800px-Ermit%C3%A1%C5%BE_55.jpg" \* MERGEFORMATINET Der Fall des Phaeton; Sarkophag, Hermitage in Sankt Petersburg. 3. „Der Strahlende“. Verkörperung des Morgen- und Abendsternes. Eos, die Göttin der Morgenröte, raubte Kephalos 2, den wunderschönen und noch knabenhaften Sohn von Hermes und Herse 1, entführte ihn nach Syrien und zeugte mit ihm Tithonos, der ebenso schön war wie sein Vater. Apollodor 3,181 nennt Tithonos als Vater des Phaethon 3. Aphrodite entrückte und genoss Phaethon und machte ihn zum Hüter von einem ihrer Tempel in Syrien. Über seinen Sohn Astynoos wurde er Vorfahre des Adonis. 4. Die kolchische Benennung des Apsyrtos, des Bruders der Medeia. 5. Der Stern, der heute Jupiter genannt wird, ein Sohn von Astraios 4 und Eos. Astraios 4 war ein Titan und Sohn des Kreios und der Eurybia. Mit seiner Gemahlin Eos, der Morgenröte, zeugte er den Süd-, Nord- und Westwind (die Winde vor dem Sonnenaufgang) und die Planeten Heosphoros / Phosphoros / Luzifer (Abendstern), Venus (Abendstern), Phainon (Saturn), Phaethon (Jupiter), Pyroeis (Mars) und Stilbon (Merkur). Bei Hygin praef. 4 ist er ein Gigant. Er ist der Gott der Abenddämmerung und bezeichnet den Moment des Aufleuchtens der Sterne. ….. Johanna Doderer: „Astraios - Neues mit Naturgottheit“, kammermusikalisches Werk mit Orchester und zwei Frauenstimmen. Sensationell erfolgreiche UA am 26.10.2007 beim Feldkirch-Festival.