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ate
ATE „Die Verblendung, Schuld“. Die Göttin der Verblendung. Bei Homer Il. 9,502ff. 19,91ff.126 ff. ist sie eine mutterlose Tochter des Zeus und damit personifiziert. Sonst erscheint sie nur als Allegorie. ….. Als Zeus, verblendet von Ate, einen Schwur leistete und von Hera überlistet wurde, erfasste er die Göttin der Verblendung an den goldenen Haaren, wirbelte sie zornig mit der Hand herum, warf sie auf die Erde und verbot ihr die Rückkunft in den Himmel. Seitdem schleicht sie durch die Köpfe der Menschen und treibt dort genüsslich ihr Unwesen. Homer Ilias 19,90ff: „Aber was hätte ich ausrichten können? Die Gottheit tut alles, Ate, des Zeus ehrwürdige Tochter; sie, die Verruchte, kann doch jeden betören! Zartfüßig ist sie, dem Boden naht sie sich nicht, schwebt über den Häuptern der Männer und schadet bitter den Menschen; wenigstens einen von zweien verstrickt sie. Einmal betrog sie sogar den Kroniden, den man als Höchsten unter den Menschen und Göttern verherrlicht. Es täuschte ihn Hera, sie, ein Weib, durch ihre tückischen Ränke, an jenem Tage, da in dem trefflich ummauerten Theben Alkmene Mutter des Herakles werden sollte, des kraftvollen Helden. Feierlich hatte es Zeus im Kreise der Götter verkündet: 'Höret, was ich erkläre, ihr Götter und Göttinnen alle! Aussprechen muß ich, wozu Verlangen und Willen mich spornen. Heute wird Eileithyia in Wehen den Helden zum Lichte bringen, der einmal beherrschen soll sämtliche Menschen im Umkreis, aus dem Geschlechte der Helden, die meinem Blute entsproßten!' Da sprach listigen Sinnes zu ihm die erhabene Hera: 'Dastehen wirst du als Lügner und wirst dein Wort nicht erfüllen. Schwöre mir denn, du Herr des Olympos, mit mächtigem Eide: Herrschen soll einmal über sämtliche Menschen im Umkreis, wer noch heute herabsinkt zwischen die Beine des Weibes, aus dem Geschlechte der Helden, die deinem Blute entsproßten!' Derart sprach sie, und Zeus ging ohne Verdacht in die Falle, schwor den gewaltigen Eid und büßte bitter den Irrtum. Hera schwang sich herab vom Fels des Olympos und eilte bis zum achaischen Argos; dort kannte sie nämlich die edle Gattin des Sthenelos, der dem Geschlechte des Perseus entstammte. Die ging schwanger mit einem Sohn, im siebenten Monat. Hera ließ sie das Kindlein, wenn auch zu früh noch, gebären, hemmte die Wehen Alkmenes, hielt Eileithyia ihr ferne. Botin der eigenen Tat, sprach dann sie zu Zeus, dem Kroniden: 'Zeus, Gebieter der Blitze, ich möchte dir etwas berichten. Nunmehr lebt der künftige Herrscher von Argos, der edle Held Eurystheus, des Sthenelos Sprößling, des Sohnes des Perseus, deines Geblütes; nicht unwürdig ist er als Fürst der Argeier.' Derart sprach sie; ihn traf zutiefst der bohrende Ärger. Schleunig packte er Ate bei ihren glänzenden Locken, schäumend vor Wut, und leistete den verbindlichen Eidschwur, nie mehr solle die Göttin, die jeden zu täuschen verstehe, den Olympos und den gestirnten Himmel betreten. Damit schwang er im Kreise umher sie und warf vom gestirnten Himmel sie nieder; sie fiel auf die Ackerfluren der Menschen. Ihrer gedachte Zeus mit Stöhnen beim Anblick des Sohnes, der sich im schweren Dienst des Eurystheus mühselig quälte. Ebenso konnte auch ich, als der Held mit dem nickenden Helmbusch die Argeier vernichtete in dem Kampf bei den Schiffen, niemals Ate vergessen, die mich nun einmal getäuscht hat.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5247 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 365 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Bei Hesiod ist sie eine Tochter der Eris, des Streites, der Tochter der Nyx, der Nacht. Eris brachte, ohne je einen Beischlaf genossen zu haben, eine unangenehme Brut auf die Welt, u. a. die Ate; Hesiod Theogonie 211ff: „Nyx gebar die schwärzliche Ker, den schrecklichen Moros, Thánatos, Hypnos gebar sie, gebar das Geschlecht der Oneíren. Ferner gebar die finstere Nyx, mit keinem der Götter zärtlich in Liebe vereint, die peinvolle Oizys, den Momos, die Hesperiden; am hehren Okéanos ferne bewachen jene die herrlichen Äpfel aus Gold und den Baum mit den Früchten. Schließlich gebar sie die Moiren und gnadenlos strafenden Keren, [Láchesis, Klotho und Átropos, die das Gute und Schlechte schon im Moment der Geburt den sterblichen Menschen bestimmen,] die die Vergehen verfolgen unter den Menschen und Göttern eher lassen die Göttinnen nicht vom schrecklichen Zürnen, bis sie die schlimme Strafe gezahlt, wer immer gefrevelt. Und die verderbliche Nyx gebar, den Menschen zum Unheil, Némesis; nach ihr gebar sie Täuschung und Liebesumarmung und das zerstörende Alter, gebar die trotzige Eris. Eris, die schaurige, aber gebar die leidvolle Mühsal, Hunger gebar sie, Vergessen und Schmerz, von Tränen begleitet, Schlachten und Kämpfe und Mord und das Niedermetzeln der Männer, Streit, Hintergehen, Rede und Gegenrede, Mißachtung jeglicher Ordnung, und Ate, beide einander benachbart; schließlich den Horkos. Dieser bringt den Menschen auf Erden schlimmsten Schaden, wenn einer wissentlich Meineid geleistet.“ [Hesiod: Theogonie. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4497 (vgl. Hesiod-W, S. 11 ff.) (c) Aufbau-Verlag]