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rhadamanthys
RHADAMANTHYS Sohn des Zeus und der Europa 1, den er nach dem „Raub der Europa“ auf Kreta gezeugt hat, Bruder von Sarpedon 1 und Minos 1. Als Zeus sich zurückzog verheiratete er Europa mit Asterion 5, dem König von Kreta, der die drei Brüder adoptierte und sie, weil er selbst keine Söhne hatte, in die Thronfolge einsetzte. Gemahl der Alkmene und von ihr Vater von Erythos, Athymbros, Gortys 4 und Oinopion. ….. Rhadamanthys und seine Brüder Sarpedon 1 und Minos 1 waren Rivalen um die „Liebe“ des hübschen jungen. Asterion hatte vor seinem Tod sein Reich, die Insel Kreta, unter den drei Ziehsöhnen Minos, Sarpedon und Rhadamanthys aufgeteilt. Die sozusagen gleichgeschlechtlichen Verliebtheit der Brüder in Miletos, „Die Liebe der drei Brüder zu Miletos“, ist tatsächlich das politische Verlangen der Teilbereiche nach Zusammenarbeit mit dem Festland. Der schöne Jüngling Miletos (= die Stadt Milet) entscheidet sich für Sarpedon (= der von Sarpedon regierte Teil Kretas) als Liebhaber (= zur Zusammenarbeit). Minos, eifersüchtig auf das Liebespaar (auf die beschlossene Zusammenarbeit), erklärt Sarpedon den Krieg, vertreibt ihn von Kreta und übernimmt nach der Ausschaltung des Rhadamanthys die Alleinherrschaft auf der Insel (Zepter des Zeus). Rhadamanthys flüchtete und wurde in Okaleai aufgenommen. …… Er muss in Mittelgriechenland einst große Bedeutung gehabt haben. ….. In einer anderen Version übergab ihm Minos, weil Rhadamanthys myth. Gesetzgeber auf Kreta und deshalb sehr beliebt war, einige Inseln zur Verwaltung. In Haliartos zeigte man sein und Alkmenes Grab, die ihm, als er in das Elysium entrückt wurde, als Gattin nachfolgte. Im Elysium wurde er wegen seiner berühmten Gerechtigkeit Richter über das Leben der Verstorbenen. …………….. Literarisch erstmals erwähnt wurde er in Homers Ilias 14,312ff: „Ihr entgegnete Zeus, der wolkenballende Herrscher: »Dorthin kannst du auch künftig noch aufbrechen, Hera. Für heute wollen wir beide uns lagern und inniger Liebe uns freuen. Neigung zu einem göttlichen oder sterblichen Weibe hat mich noch niemals derart durchdrungen und ganz überwältigt, auch nicht, als ich Ixions Gemahlin begehrte, die nachher mir den Peirithoos schenkte, den göttlich klugen Berater, oder die Danaë mit den schlanken, reizenden Füßen, die den Perseus gebar, den ausgezeichneten Helden, oder die Tochter des weithin berühmten Phoinix, die später Minos und Rhadamanthys, den göttlichen König, geboren, …..“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5067 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 265) (c) Aufbau-Verlag] ….. Als Aineias, dem Auftrag des Geistes seines Vaters folgend, nach der Ankunft in Italien mit der Sibylle von Cumäa in die Unterwelt hinab stieg, traf er im Reich der Schatten den Rhadamanthys; Aeneis 6,546ff: „Jäh überrascht, erblickte Aeneas zur Linken, am Fuße felsiger Schroffen, ein riesiges Bauwerk mit dreifacher Mauer. Ringsum ergoß sich ein reißender Fluß von sausenden Flammen; Felsblöcke wälzte er donnernd, Phlegethon, der Tartaruswildstrom. Vorne erhob sich ein riesiges Tor mit stählernen Säulen; keinerlei Menschengewalt, nicht einmal die Himmelsbewohner sollten es aufbrechen können. Hoch ragte ein eiserner Turmbau; lauernd, in blutrotem Umhang, hockte auf ihm Tisiphone; ohne zu schlafen, bewachte sie, nachts wie bei Tage, den Zugang. Schmerzensgeschrei erscholl aus der Richtung und Klatschen von rohen Schlägen; es klirrte von Eisen, laut rasselten Ketten. Aeneas, jäh von dem Lärmen erschreckt, blieb stehen, er konnte nicht weiter: »Was für Verbrecher leiden hier? Sag es mir, Jungfrau! Und welche Strafen erhalten sie? Was für ein Jammer durchhallt hier die Lüfte?« Darauf begann die Prophetin zu sprechen: »Ruhmreicher Feldherr Trojas, kein Schuldloser darf die Schwelle des Frevels betreten. Hekate hieß mich jedoch die avernischen Haine betreuen, zeigte mir dabei genau die Strafen, die Götter verhängen. Hier regiert Rhadamanthys von Knossos mit äußerster Strenge, macht im Verhör zunichte die Ausreden, zwingt zum Geständnis dessen, was mancher Verbrecher im Leben, froh seiner geschickten, freilich vergeblichen Lügen, nicht sühnte, nein, aufschob zum Tode. Über die Schuldigen schwingt als Rächerin gleich Tisiphone höhnend die Geißel, droht mit den grausigen Schlangen in ihrer Linken und ruft die wilden Schwärme der Schwestern zur Stelle. Dann erst, mit gräßlichem Kreischen der Angeln, weichen die Flügel dieses verwunschenen Tores. Du siehst, wer als Wächter im Vorhof lauert, was für ein Ungetüm dort die Schwelle behütet. Furchtbarer noch liegt drinnen, mit fünfzig schwarzgähnenden Rachen, eine gewaltige Schlange. Dann öffnet der Tartarus selber jäh in die Tiefe sich, doppelt so weit hinab in das Dunkel, wie man am Lichte hinaufblickt ……..“ [Vergil: Lied vom Helden Aeneas. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 17770 (vgl. Vergil-W, S. 285 ff.) (c) Aufbau-Verlag]