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elektra 1,2,3,4,5,6,7
ELEKTRA 1,2,3,4,5,6,7 „Die Goldhelle“. Auch Elektre genannt. Elektra war ursprünglich wohl eine vorgriechische Lichtgöttin, die Heliostochter Elektryone verweist darauf, die im Zuge der Völkerwanderung besonders in den Westen zog. In Samothrake und Rhodos hielt sich ihr Kult lebendig. Auch als Stern, sie ist eine der Pleiaden, scheint die Lichtgestalt auf, ebenso in ihrer Tochter Iris, dem Regenbogen. Im griechischen Mutterland wurde sie mit mythischen Gestalten wie Agamemnon und Orestes vermischt und zu der Figur, die uns durch die Tragiker allgemein bekannt ist. Durch die Jahrhunderte dauernde Entwicklung in der Überlieferung erscheint Elektra nicht mehr einheitlich, sie spaltete sich auf und wurde in folgende Hauptrichtungen geteilt: A.) Örtliche Aufteilung; an folgenden Regionen ist sie nachweisbar: a.) In Theben als Schwester des Kadmos. Ein Tor der Stadt war nach ihr benannt. b.) In Arkadien als Tochter des Atlas und der Pleione wurde sie zur Pleiade. c.) In Messenien war ein Fluss nach ihr benannt; Pausanias IV 33, 6: "..... auch fließen dort die Flüsse Elektra und Koios. Es mag eine Sage über Elektra, die Tochter des Atlas, und Koios, den Vater der Leda, geben, Elektra und Koios können aber auch zu den einheimischen Heroen gehören." (Pausanias: Reisen in Griechenland. Band 1: Athen, die Bücher I - IV in der Übersetzung von Ernst Meyer. Düsseldorf / Zürich: Artemis & Winkler Verlag, 2001.) d.) In Elis; Strabon VIII 346. e.) In Argos ist sie als Tochter des Danaos und des Agamemnon beheimatet. Hier hat sie schon keinen Kult mehr ist aber in zwei große Sagankreise eingebaut. f.) An der Südküste von Kreta gab es einen Fluss Elektra. g.) Als Elektrone oder Alektrona war sie auf Rhodos bekannt. h.) Samothrake; Apollonios von Rh. I 915ff: "Und am Abend landeten sie unter der Orpheus`Weisung an der Insel der Atlastochter Elektra, auf dass sie, durch ehrfurchtsvolle Weihen kundig der unaussprechbaren Satzungen, sicher mit dem Schiff über die schaurige Salzflut führen." (Pausanias: Reisen in Griechenland. Band 1: Athen, die Bücher I - IV in der Übersetzung von Ernst Meyer. Düsseldorf / Zürich: Artemis & Winkler Verlag, 2001.) h.) In Italien war Elektra die Gemahlin des Korythos, des Gründers von Cortona. i.) Über ihren Sohn Dardanos, er ist nach Troia ausgewandert, war sie auch dort allgegenwärtig. Sie hat das berühmte Palladion gestiftet. Die arkadische, samothrakische und thebanische `Elektra` stehen in der Literatur in einem sehr engen Zusammenhang. B.) Aufteilung in der Literatur: 1. Okeanide, Tochter des Okeanos und der Tethys; Hesiod Theogonie 348. Theogonie 265ff: „Aber Elektra, die Tochter des tiefen Okéanosstromes, holte sich Thaumas zur Frau. Sie gebar ihm die reißende Iris und die gelockten Harpyien, Aéllo sowie Okypéte, die dem Brausen des Sturms und den Vögeln zu folgen vermögen, reißend ihr Flügelschlag; in den Lüften jagen sie vorwärts.“ [Hesiod: Theogonie. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4499 (vgl. Hesiod-W, S. 13) (c) Aufbau-Verlag] Hier ist sie die Gattin des Thaumas 1 und Mutter von Iris und den Harpien Aello und Okypetes. Andere Schriftsteller gaben ihnen noch Kelaino und Arke 2 als Töchter. Sie gilt aber auch als Süßwassernymphe, denn viele Quellen und Flüsse trugen ihren Namen. Nonnos nennt noch einen Sohn Hydaspis; 26,351ff: „Diese Heerscharen sammelten sich auf die Weisung des Königs. Oberster Kriegsherr für alle war der Gebieter der Inder, den einst der Stromgott Hydaspes bei innigem Liebesbund zeugte, als er die Tochter des Helios sich erkor als Gemahlin, Astris, die glücklich gebärende. Diese sollte von Keto stammen, einer Najade, Okéanostochter. Hydaspes schlich sich dereinst in ihr Zimmer, das mit den Wogen sich füllte, schlang um die Braut als Bräutigam fließend zur Hochzeit die Arme, er, ein echtbürtiger Sproß der Titanen. Als Gattin des Thaumas schenkte Elektra nämlich, die rosenarmige, einstmals Zwillingen glücklich das Leben; ihrem Schoße entsproßen einmal der Flußgott, zum andern die Botin der himmlischen Götter, Iris, die windschnelle, und die reißende Flut des Hydaspes, sie mit den Füßen die Lüfte durcheilend, er aber die Strömung. Beide vollziehen das gleiche, doch jeder auf eigene Weise: Iris im Kreise der Himmlischen, unter den Flüssen Hydaspes.“ [Nonnos: Leben und Taten des Dionysos. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 8669 (vgl. Nonnos-W Bd. 1, S. 387 ff.) (c) Aufbau-Verlag] RE V/2 2310 2. Als Tochter des Atlas und der Pleione wurde sie auf der Kyllene geboren und von Zeus Mutter von Dardanos 3, Iasion 1, Eetion 4, Emathios 5 und von Harmonia 1, oder, bei Aischylos, Mutter des Erichthonios 2. In dieser Funktion ist sie auch ein Stern der Sternengruppe der Pleiaden. Homer Il. XVIII 481ff kennt sie schon und beweist damit, dass das Wissen über sie weit in den vorhomerischen Glauben hineinreicht: " Erde und Meer und Himmel stellte er dar auf der Fläche, dazu die unermüdlich scheinende Sonne, den Vollmond, all die bekannten Gestirne, die rings den Himmel besetzen, die Plejaden, Hyaden und den starken Orion, weiter die Bärin, die man auch nennt mit dem Namen des Wagens, die um den Pol sich dreht und scheu den Orion betrachtet, einziges Sternbild, das dem Bad im Okeanos ausweicht." [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5234 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 358) (c) Aufbau-Verlaghttp://www.digitale-bibliothek.de/band30.htm ] Aratos Phainomena 252-267: „Eng bei seinem linken Knie fahren in einem Schwarm alle Plejaden. Der gar nicht große Platz fasst sie alle, und sie selbst sind nur schwach zu sehen. Siebenpfadig nennt man die nun unter den Menschen, obwohl nur ihrer sechs mit Augen zu sehen sind. Immerhin ist dieser Stern nicht ohne Nachricht aus dem Haus des Zeus verlorengegangen, nachdem wir auch von seiner Entstehung hören, vielmehr wird davon genauso gesprochen. Jene sieben aber heißen aufgesagt Alkyone und Merope, Kelaino und Elektra, und Sterope, Taygeta, und die hehre Maia. Die sind obzwar klein und glanzlos, doch nennenswert, früh und abendlich, Zeus ist der Grund, im Kreislauf; er gewährt ihnen das Amt, Sommers- und Winteranfang anzuzeigen und das Kommen der Pflügezeit.“ (Aratos: Phainomena. Sternbilder und Wetterzeichen. Übersetzt von Manfred Erren. Heimeran Verlag München, 1971.) ……. Orion, lüstern, begehrte die schönen Schwestern. In panischer Angst baten sie Artemis, die Göttin der Jungfräulichkeit, um Hilfe. Sie half und verwandelte die Bedrängten in Tauben. Aber Orion verfolgte die Davonfliegenden sieben Jahre um den Erdkreis bis sich, endlich, Zeus ihrer erbarmte und sie an den Himmel erhob, das Sternbild der Pleiaden. Ihre Auf- und Untergänge hatten schon sehr früh große Bedeutung für Bauern und Schiffsleute. Eine andere Geschichte erzählt, dass die Hyaden und Pleiaden Schwestern waren. Als ihr Bruder Hyas von einem Eber oder Löwen getötet wurde, beweinten die Hyaden den Bruder und Zeus hob sie als Sterne an den Himmel. Die Pleiaden beweinten nun das Verschwinden der Schwestern und wurden von Zeus ebenfalls in Sterne verwandelt. RE V/2 2311 3. Tochter des Danaos und der Polyxo 2. Sie erdolchte und köpfte in der Hochzeitsnacht ihren Bräutigam Peristhenes; Apollodor 2,19. ….. Aigyptos, durch die Flucht seines Bruders mächtiger König von Arabien, Ägypten und Libyen, hatte 50 Söhne und wünschte die Verheiratung mit den 50 Töchtern seines Bruders Danaos. Danaos lehnte ab, Aigyptos zog mit einem Heer und seinen Söhnen nach Argos und bedrohte die Stadt. Danaos willigte in die Hochzeit ein, verloste seine Töchter den 50 Söhnen des Aigyptos, gab aber allen vor der Hochzeitsnacht einen Dolch und den Auftrag, die frisch angetrauten Ehemänner zu ermorden. 49 Töchter gehorchten, nur Hypermestra 1 verschonte ihren Gatten Lynkeus 2, weil er ihrer Bitte, ihre Jungfräulichkeit zu schonen, entsprochen hatte. Sie verhalf ihm sogar zur Flucht. Ihre Schwestern schnitten den Toten die Köpfe ab, brachten sie Danaos als Beweis und bestatteten sie auf dem Berg Larisa. Die Körper begrub man bei Lerna. RE V/2 2313 4. Zur Schwester des Kadmos macht sie irrtümlich Pausanias IX 8,4: „In Theben gab es in dem Ring der alten Stadtmauer sieben Tore, und die sind noch jetzt vorhanden. Von ihren Namen erfuhr ich, daß das eine nach Elektra, der Schwester des Kadmos, genannt wurde, ….“. (Pausanias: Reisen in Griechenland. Band 1: Athen, die Bücher VIII - X in der Übersetzung von Ernst Meyer. Düsseldorf / Zürich: Artemis & Winkler Verlag, 2001.) Auf der Stadtmauer neben dem Elektrator soll Kapaneus bei der Schlacht der „Sieben gegen Theben“ gegen Zeus gefrevelt haben. Zeus erledigte den Fall mit einem Blitz. RE V/2 2312 5. Eine Tochter von Agamemnon und der Klytaimestra, nach Euripides El. 1249 Gemahlin des Pylades, Mutter von Strophios 2 und Medon 6, Schwester von Laodike 2, Iphianassa, Iphigenie, Chrysothemis 2 und von Orestes. Laodike 2 und Iphianassa dürften den vorhomerischen Sagen angehören, weil sie in der späteren Literatur verschwinden und Iphigenie und Elektra 5 dafür dazu kommen. Agamemnons Tochter Elektra, die dem Epos noch unbekannt ist, erscheint erstmals in Stechisoros Orestie, oder, nach von Wilamowitz, in einem delphischen Epos aus dem 7. Jh. v. Chr. auf. Erst durch die Tragiker, die sie als tragende Figur in die Tantalidensage eingebaut haben und sie an der Ermordung ihrer Mutter Klytaimestra und ihres Buhlen Aigisthos beteiligten, wurde sie zu einer der großen Figuren der Weltliteratur und auf den Opernbühnen (Aischylos, Euripides, Sophokles, Händel, Richard Strauss u. a.). Lies „Die Tantaliden-Sage“. RE V/2 2313 6. Meeresnymphe, auch (siehe 1) eine der Okeaniden, der Töchter der Tethys und des Okeanos. Sie war eine der Gespielinnen der Persephone und anwesend, als Hades Persephone raubte; Homerische Hymnen, Hymnos auf Demeter 414ff: „…….Wie er mich aber, dank dem tückischen Rat des Kroniden, meines Vaters, entführte, hinab in die Tiefen der Erde, will ich genau dir, deiner Frage entsprechend, erzählen. Allesamt spielten wir heiter auf der lieblichen Wiese, Phaino und Leukippe, Elektra wie auch Ianthe und Melite, Iache, Rhodeia, dazu Kallirhoë, und Melobosis und Tyche und, mit rosigem Antlitz, Okyrhoë, Chrysëis auch, Ianeira, Akaste und Admete, Rhodope und Pluto, Kalypso, die schöne, Styx, Urania und Galaxaure, die reizende, Pallas, Herrin der Schlachten, und Artemis, treffend mit Pfeilen - wir alle trieben fröhliche Spiele und pflückten liebliche Blumen, nebeneinander freundliche Krokusse, Iris, auch rote Rosen, Rittersporn, Lilien, ein erstaunlicher Anblick, und die Narzisse, die weithin der Boden, dem Krokus gleich, nährte. Freudigen Eifers pflückte ich sie. Da klaffte die Erde jäh auseinander, herausfuhr der mächtige Fürst Polydegmon, riß mich auf seinem goldenen Wagen mit in die Tiefe, wenn ich auch heftig mich sträubte, auch gellend den Hilferuf ausstieß. Damit berichte ich, tief betrübt, dir den wirklichen Hergang.«“ [Anonyma: Homerische Hymnen. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 41 (vgl. Griech. Lyrik, S. 14) (c) Aufbau-Verlag] Pausanias 4,30,4. RE V/2 2311 7. Auf Rhodos wurde Elektra als Lichtgöttin kultisch verehrt. Als Väter gab man ihr Helios und Rhodos; Diodoros V 56. Schol. Pindar Ol. VII 24. RE V/2 2313 …… Heute ist nach ihr die Elektrizität, die uns neben anderen Vorteilen auch die „Goldhelle“ in die Nacht bringt, benannt.