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hyakinthos 1,2
HYAKINTHOS 1,2 1. Sohn des Amyklas 1 und der Diomede 2. Auch die Muse Kleio 1 und Pieros 2 werden als Eltern genannt. Man erzählt auch, dass er der Vater oder der Geliebte der Muse Erato 1 gewesen sein soll. Er war ein Heros von Amyklai und gilt als sehr früher vorgriechischer Vegetationsgott einer agrarisch strukturierten Urbevölkerung, der das Sterben und Aufleben der Natur versinnbildlichte; auch als Beschützer der Vieherden wurde er verehrt. Ursprünglich wurde er alt und bärtig, auch mit mehreren Armen und mehreren Ohren dargestellt. Sein Mythos war bereits im 2. Jahrtausend vor Chr. voll ausgebildet und ist ein Paradefall von späterer religiöser Überlagerung auf friedlichem Wege. ….. Vergleich: Ein heidnisches Fruchtbarkeitsfest, Eier, Kücken und Hasen dienten als Fruchtbarkeitssymbole, wurde vom Osterfest, der christlichen Feier des Todes und der Auferstehung Christi überlagert. Das heidnische Fruchtbarkeitsfest erwies sich als zu stark und konnte nie endgültig verdrängt werden. Ergebnis: Heute feiern wir den Tod und die Auferstehung von Christus mit bunten Ostereiern, Kücken, Nestern und Osterhasen, mit Symbolen der Fruchtbarkeit. ….. Mit dem Einzug Apollons in die griechische Religion und der Zunahme seiner Wichtigkeit (siehe Apollon >) wurde im Laufe der Zeit der Glaube an den Urgott Hyakinthos überlagert von der Macht und Bedeutung des Apollon (ist auch Unterordnung der Urbevölkerung unter die Macht der an Apollon glaubenden neuen Machthaber). Schließlich starb Hyakinthos - nie ist ein griechischer Gott gestorben, ausschließlich Urgötter der vorgriechischen Zeit hat man „sterben lassen“. In der „klassischen“ Ausprägung dieses Mythos wird aus dem alten bärtigen Urgott ein wunderschöner Jüngling - und erzählt von seinem Tode: Der jetzt sexuell begehrenswerte Jüngling Hyakinthos wird zum Geliebten des Apollon. Als sie sich eines Tages beim Spiel im Diskuswerfen messen, bläst der eifersüchtige Zephyros, der Westwind – auch er liebt, leider unerwidert, den schönen Jüngling – den Diskus des Apollon an eine Felswand, er prallt ab und trifft Hyakinthos am Kopf. Tödlich verwundet bricht der Geliebte zusammen. Nonnos Dion. 11,364: „Ein spartanischer Junge erschütterte Zephyros. Jener starb, doch der liebebedürftige Zephyros fand in dem schönen Jungen Kypárissos Trost für den toten Freund Hyakinthos.“ Apollon, verzweifelt, versucht alles, um seinen Geliebten zu retten. Vergebens. Er beweint den Toten und lässt aus dem Blut, das aus der Wunde rinnt, eine Blume, die Hyazinthe, wachsen – jeder Blutstropfen eine Blüte. Demeter, Kore, Aphrodite, Athena, Artemis, die Moiren und die Koren begleiten Hyakinthos in den Himmel. Sein Grab, Apollon soll es selbst geschaufelt haben, befindet sich in Amyklai. ..... Lukian von Samosta, ca. 120-180: „Wüthend verfolgte ich Zephyrn bis an den Berg, und verschoß alle meine Pfeile vergebens nach ihm: dem Knaben aber richtete ich zu Amyklä, an dem Orte wo ihn der unglückliche Diskus niederschlug, einen hohen Grabhügel auf; und aus seinem Blute, Merkur, mußte mir die Erde die schönste und lieblichste aller Blumen hervortreiben, und ich bezeichnete sie mit den Buchstaben der Todtenklage.“ (LUKIAN VON SAMOSTA: Lügengeschichten und Dialoge; XIV. Dialog Merkur und Apollo, Unglücklicher Tod des schönen Hyacinthus.) ….. Einige Quellen berichten vom Kitharspieler Thamyris, der als erster den Hyakinthos geliebt und verführt habe und nach Apollodor 1,3,3 damit der erste Päderast gewesen sein soll. …… Der Ablauf dieses religiösen Wandels von einem alten Urgott hin zu Apollon (der Alte wird zum Jüngling, Apollon liebt ihn, die Verliebten spielen, die unabsichtliche Tötung mit der Schuld eines anderen [Teileigenschuld des Hyakinthos, denn er liebte nebenher und wurde geliebt von Thamyris], Apollon weint bitterlich, 5 Göttinnen begleiten den Toten in den Himmel), wird abgeschlossen durch die Errichtung eines Grabmales in der Form eines gewaltigen Altares auf dem eine 13 Meter hohe archaische Bronzestatue des Apollon als sichtbares Siegeszeichen aufgestellt wird. Ca. 5oo v. Chr. wurde diese Statue mit einem 4 m hohen reich geschmückten Thron umgeben dessen Fundament bis heute erhalten geblieben ist. ….. Hyakinthos ist tot, es lebe Apollon – Paradefall eines Überlagerungsmythos. Die alte Religion, der alte Urgott verschwindet ohne viel Religionskonflikt durch ein zu beweinendes Unglück. Der neue Gott, Apollon, gebietet mehr als ca. 1700 Jahre bis 392 nach Chr., dann wurde auch er von Menschen abgesetzt und durch einen neuen ersetzt. ….. In der bildenden Kunst ist Hyakinthos stark vertreten, nur, die meisten Marmorgruppen, die ihn mit Apollon zeigen, sind sehr fraglich. W. A. Mozart, Apollo et Hyazinthus, diese Oper wurde von Mozart im Alter von 11 Jahren geschrieben, UA 1767. ….. Ovid met. 10,162ff: „Du auch wärst, Amyclide, versetzt in den Himmel von Phoebus, Hätte das traurige Los nur Zeit ihm gegönnt zur Versetzung. Wie es erlaubt, bist ewig du doch. Denn stets, wenn den Winter Scheuchet der Lenz und dem nässenden Fisch nachfolget der Widder, Sprießest du fröhlich hervor und blühst im grünenden Rasen. Dich hielt vor allen am meisten wert mein Vater, und Delphi, Welches die Mitte der Welt einnimmt, war ohne den Schirmer, Weil den Eurotas der Gott und das mauerentbehrende Sparta Eifrig besucht. Nicht mehr stehn Leier und Pfeile in Ehren, Und er vergißt sein selbst und verschmäht nicht, Garne zu tragen, Hunde zu halten am Seil und über die rauhen Gebirgshöhn Mitzugehen, und nährt durch langes Gewöhnen die Flamme. Zwischen der kommenden Nacht und der letztentwichnen in Mitte War der Titan und stand gleichweit von dem zwiefachen Ende. Beide entkleiden den Leib, und vom Safte der fetten Olive Glänzend, beginnen sie jetzt mit gewichtigem Diskus den Wettkampf. Den nun schwingt und schleudert empor in die Leere der Lüfte Phoebus zuerst und zerteilt mit der Wucht die begegnenden Wolken. Erst nach langem Verzug fiel auf die gefestigte Erde Wieder die Last und bewies mit der Kunst zugleich auch die Stärke. Gleich lief ohne Bedacht im Eifer des Spieles, die Scheibe Aufzuheben, herbei der tänarische Knabe; doch jene Prallte zurück in die Luft und ward vom gediegenen Boden Dir ins Gesicht, Hyacinthus, geschnellt. So blaß wie der Knabe Wurde der Gott. Er hält die zusammengesunkenen Glieder, Und bald wärmet er dich, bald stillt er die traurige Wunde, Bald legt Kräuter er auf, die entfliehende Seele zu halten. Aber die Kunst hilft nichts. Unheilbar war die Verletzung. Wie wenn Veilchen die Hand und Mohn, den steifen, im Garten Oder Lilien knickt, mit goldenen Zungen im Kelche, Und ihr lastendes Haupt dann welk läßt sinken die Blume, Halt nicht länger bewahrt und erdwärts sieht mit der Krone: Also liegt sein sterbendes Haupt, entbehret der Spannkraft, Ist sich selber zur Last; es fällt auf die Schulter der Nacken. 'Oebalus' Sohn, du sinkst, um die Blüte der Jugend betrogen', Sagte der Gott, 'dich seh ich verwundet durch meine Verschuldung. Du bist nun mein Schmerz und Vergehn, und unsere Rechte Zeichnet mit Schuld dein Fall. Ich bin dir Bringer des Todes. Doch wie hab ich gefehlt, wenn Fehl nicht etwa zu nennen Heiteres Spiel, wenn Fehl nicht gar mein Lieben zu nennen? Daß doch wäre vergönnt, für dich mein Leben zu lassen Oder zugleich mit dir! Weil so uns bindet das Schicksal, Sollst du bei mir stets sein und im Sinn wie im Munde verbleiben; Dich soll besingen mein Lied und dich die geschlagene Leier; Unseren Schmerz auch sollst du in Schrift als Blume bezeichnen. Auch wird kommen die Zeit, da sich in die nämliche Blume Wandelt der tapferste Held und steht auf dem Blatte zu lesen.' Während Apollo dies untrüglichen Mundes voraussagt, Bleibt nicht Blut das Blut, das, niedergeflossen zur Erde, Hatte gezeichnet das Gras, und glänzend wie lyrische Röte, Sprießet die Blume hervor, die ganz wie die Lilie aussieht, Nur daß purpurn an ihr, an der Lilie silbern die Farbe. Phoebus jedoch - denn er war Geber der Ehre - begnügt sich Damit nicht, und er schreibt sein Weh auf die Blätter, und »ai, ai« Stehet darauf, und den klagenden Ruf zeigt deutlich die Blume. Auch schämt Sparta sich nicht der Geburt Hyacinths, und die Ehre Währt bis in unsere Zeit, und nach Sitte der Väter begangen, Werden mit würdigem Prunk Hyacinthien jährlich gefeiert.“ [Ovid: Verwandlungen (Metamorphoses). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 12909 (vgl. Ovid-W Bd. 1, S. 241 ff.) (c) Aufbau-Verlag] 2. Nach Apollodor 3,212 hatte der nach Athen zugezogene Lakedaimonier Hyakinthos vier Töchter: Antheis, Aigleis, Lytaia und Orthaia. Zwei dieser Töchter wurden, als Minos Athen bedrohte, von Hyakinthos zum Opfertod freigegeben und am Grabe des Kyklopen Geraistos geopfert. In einer anderen Überlieferung sind sie die Töchter des Erechtheus, sechs an der Zahl, zwei von ihnen, die Zahlen variieren, Protogeneia und Pandora, wurden bei der Bedrohung durch die Boioter auf dem Hügel Hyakinthos geopfert. Die anderen Schwestern begingen Selbstmord. …… Der Kern dieser Sagen verweist auf den frühgriechischen Brauch, Menschen bei drohender Gefahr zu opfern.