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paris
PARIS Troianischer Prinz, Zweitgeborener von Hekabe und Priamos 1. Nach Tzetzes Lyk. 851 hatte er mit Helena die Söhne Bunikos, Korythos, Idaios und Aganos. Er wird mit zwei Namen bezeichnet. Der Name Paris ist ungriechisch, Alexandros griechisch; vom Ursprung her dürften zwei Figuren in eine zusammengeflossen sein. …….. Während Hekabe mit Paris schwanger war hatte sie einen furchtbaren Traum: Sie werde ein Feuer gebären, das Troia verbrennen werde; Apollodor 3,148. Aisakos 1, der prophetische Sohn des Priamos von Arisbe, weissagte, dass das Kind, das geboren werde, Troias Untergang verursachen werde und empfahl es sofort zu töten. Priamos übergab den neugeborenen Knaben seinem Hirten Agelaos 6 mit dem Befehl, das Baby am Berg Ida auszusetzen. Acht Tage nach der Aussetzung fand Agelaos das Kind wieder, kreuzfidel, eine Bärin hatte es gesäugt. Er nahm es mit in seine Hütte, gab es als sein Eigenes aus und zog es auf. Paris entwickelte sich zu einem wunderschönen starken Jüngling. Die Tapferkeit, mit der er die Herden gegen Räuber und wilde Tiere verteidigte, brachte ihm den Namen Alexandros (Verteidiger der Menschen) ein. Er wuchs zu einem schönen Jüngling heran und heiratete Oinone, die Nymphe einer Quelle des Berges Ida, und führte ein genüssliches Leben. HYPERLINK "http://www.wikipaintings.org/en/agostino-carracci/paris-and-oenone" \o "Paris and Oenone - Agostino Carracci" INCLUDEPICTURE "http://uploads4.wikipaintings.org/images/agostino-carracci/paris-and-oenone.jpg!xlMedium.jpg" \* MERGEFORMATINET Agostino Carracci (1557 - 1602), Paris et Oenone Priamos, jahrelang vom schlechten Gewissen gepeinigt, setzte Leichenspiele für ein früh verstorbenes Kind an und versprach als Siegespreis den schönsten Stier aus der Herde, die von Paris bewacht wurde. Um das schöne Tier nicht zu verlieren, meldete sich Paris zu den königlichen Spielen und gewann alle Wettbewerbe. Wütend wollten die Söhne des Priamos diesen dahergelaufenen Hirten töten. Paris flüchtete an den Altar des Zeus (Asyl). Kassandra, seine Schwester, die Seherin, erkannte ihn als jenes Kind, für das die Leichenspiele veranstaltet wurde und Paris wurde mit Freude in die Familie des Königs aufgenommen. Der Traum der Hekabe und die Weissagung des Aisakos wurden vergessen. Als Paris eines Tages gemütlich am Berge Ida seine Herde bewachte kamen vier Gestalten geflogen, die drei Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite und Hermes der Bote der Götter. Hermes erklärte Paris, dass er im Auftrage des Zeus Juror der ersten Misswahl des Weltenlaufes sein müsse und der schönsten der drei Göttinnen den mitgebrachten goldenen Apfel als Preis zu übergeben habe. Paris erschrak fürchterlich und wollte fliehen, doch Hermes hielt den Verängstigten fest. Die Göttinnen vergaßen, wie heute noch bei vielen Frauen in solchen Situationen üblich, die göttliche Würde der Frauen. Sie schmückten und parfümierten sich, poposten und buhlten, tänzelten einmal nackt und einmal angezogen vor ihm und versuchten den Schönen zu bestechen. Hera versprach ihm die Weltherrschaft, Athene, dass er alle Kriege gewinnen werde, Aphrodite aber, versprach ihm die Liebe der Helena, der Gattin des Menelaos, der schönsten Frau der Welt. Paris überreichte natürlich Aphrodite den goldenen Apfel. INCLUDEPICTURE "http://www2.germanistik.uni-freiburg.de/dafphil/internetprojekte/internetprojekte/projekte7/apfel/img/paris_klein.bmp" \* MERGEFORMATINET INCLUDEPICTURE "http://media.kunst-fuer-alle.de/img/41/m/41_00104403.jpg" \* MERGEFORMATINET Peter Paul Rubens HTMLCONTROL Forms.HTML:Hidden.1 HTMLCONTROL Forms.HTML:Hidden.1 HTMLCONTROL Forms.HTML:Hidden.1 HTMLCONTROL Forms.HTML:Hidden.1 HTMLCONTROL Forms.HTML:Hidden.1 HYPERLINK "http://www.kunst-fuer-alle.de/deutsch/kunst/kuenstler/kunstdruck/peter-paul-rubens/6193/139/110966/das-urteil-des-paris" \l "#" HYPERLINK "http://kulturundwein.beepworld.de/files/Buehne/troja18gr.jpg" \t "" INCLUDEPICTURE "http://kulturundwein.beepworld.de/files/Buehne/troja18kl.jpg" \* MERGEFORMATINET HYPERLINK "http://www.missgermany.de/uploads/pics/Wandel-der-Zeit-02.jpg" INCLUDEPICTURE "http://www.missgermany.de/typo3temp/pics/a3822cd2d9.jpg" \* MERGEFORMATINET Weil er dazu noch Hera und Athene mit dummen Äußerungen beleidigte, begannen beide Paris zu hassen und mit ihm seine Heimatstadt und beschlossen auf der Stelle den Tod des Paris und den Untergang von Troia. Begeistert kehrte er in den väterlichen Palast zurück und erklärte seiner Frau Oinone und seiner Familie, er müsse sofort nach Sparta um Helene zu holen. Kassandra (Lykophron 348ff; 1451ff), seine Schwester, sein Bruder Helenos 1, beide hatte die Gabe der Voraussehung, und seine Frau, sie hatte die Seherkunst bei Rhea gelernt, prophezeiten ihm seinen Tod und den Untergang Troias, wenn er Helena ihrem Mann entführen werde. Himeros, der Gott der Liebessehnsucht, hatte aber im Auftrage von Aphrodite Paris bereits fest im Griff. Trotz heller Aufregung am Hofe des Priamos und innigster Bitten seiner Frau schiffte er sich nach Sparta ein. Beim Abschied erklärte ihm Oinone, dass, falls er einmal verwundet werde, nur sie ihn heilen könne. Dann kehrte sie in ihre Quelle am Berg Ida zurück. ……. Die gesamte Legende vom „Urteil des Paris“ ist vorhomerischen Ursprungs und wird in Homers Ilias 24,27-29 erstmals literarisch erwähnt: „Sondern sie haßten, wie schon zuerst, das heilige Troia, Priamos und sein Volk nur wegen des Paris Verblendung, Welcher die Göttinnen kränkte, die ins Gehöft ihm gekommen, Und diejenige pries, die ihm brachte die leidige Buhlschaft.“ (Homer: Ilias, in der Übersetzung von Roland Hampe. Stuttgart: Phillip Reclam jun. Gmbh. & Co, 1979.) Erst ca. 4oo Jahre später taucht die Legende in Fragmenten bei Sophokles und Euripides wieder auf. In der Form wie wir die Legende vom „Urteil des Paris“ heute kennen ist sie erst nach weiteren ca. 400 Jahren bei Ovid, Lukian u. a. festgehalten worden. Bildnerisch dargestellt wurde sie sehr oft und bereits ab dem 7. Jh. v. Christi. Pausanias beschreibt eine Abbildung auf der aus dem 6. Jh. v. Chr. stammenden Kypseloslade; 1,19,5: „Und Hermes führt die Göttinnen zum Schönheitsurteil zu Alexandros, Priamos´ Sohn. Auch bei diesen steht eine Beischrift: ´Hermeias hier unterweist Alexandeos, Richter zu sein über die Schönheit zwischen Hera, Athena und Aphrodita.´ …….. Kaum eine Begebenheit der griechischen Mythologie wurde öfters auf Vasen und dgl. abgebildet als „Das Urteil des Paris“. …….. Als troischer Prinz wurde Paris, begleitet von Aineias, zuerst von den Dioskuren in Amyklai und dann von Menelaos, dem König von Sparta, freundlich empfangen und aufgenommen. Nach neun Tagen musste Menelaos zur Bestattung seines Großvaters Katreus nach Kreta reisen und beauftragte Helena sich um den Gast zu kümmern. Aphrodite schickte Eros, ein Pfeil, und Helena verliebte sich in den wunderschönen jungen Prinzen hoffnungslos; andere erzählen, dass sie den vielen Geschenken nicht widerstehen konnte. Die glücklich Verliebten raubten den Goldschatz des Menelaos, bestiegen das Schiff des Paris und flüchteten nach Troia (Die Flucht des Paares wird in verschiedensten Variationen erzählt.). INCLUDEPICTURE "http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/hd/km/samml/porzell/parishelena.jpg" \* MERGEFORMATINET Frankenthaler Porzellan: Der Raub der Helena durch Paris Auf der Insel Kranae erlebten sie, Ilias 3,445: „uns einend in Liebe und Lager“, ihre erste Aphrodisia. HYPERLINK "http://www.flickr.com/photos/29960668@N08/4058399440" \t "4058399440" INCLUDEPICTURE "http://farm3.static.flickr.com/2486/4058399440_ee2be42cd4_m.jpg" \* MERGEFORMATINET sculpture Paris, Paris, jardin du luxembourg Die Würfel waren gefallen, es kam zum troianischen Krieg. ………. Bei Homer ist Paris meist Bogenschütze und erscheint in seiner Persönlichkeit sehr unausgeglichen: bezaubernd schön, aber untüchtig und eher feig. Immer wieder muss er sich beschimpfen lassen; Ilias 3,38ff: „Hektor erblickte und schalt ihn mit den beschämenden Worten: »Schandbube Paris, du Hübscher, du weiberbeseßner Verführer, wärst du doch gar nicht geboren oder ledig gestorben, ja, das wünschte ich mir, und es wäre doch wesentlich besser, als ein solcher Schmachfleck zu sein, von andern verachtet! Wahrlich, es lachen vor Hohn die haupthaarumwallten Achaier; glaubten sie doch, ein Held sei der Vorkämpfer, weil er so stattlich aussah - doch jetzt entpuppt er sich als saftlos und kraftlos! Du hast wirklich, in meerebefahrenden Schiffen, mit einer Schar vertrauter Gefährten die See überquert und dich unter Fremde gemischt und ein herrliches Weib entführt übers Meer aus fernem Land, ein Weib, das mit tapferen Männern verwandt ist? Deinem Vater, der Heimat und allem Volke zum Unglück, unseren Feinden zu hämischer Freude, dir selber zur Schande! Hältst du nicht stand dem Fürst Menelaos, dem Liebling des Ares? Dann begriffest du, wem die blühende Gattin du raubtest! Gar nichts nützten dir Harfe und, was Aphrodite dir schenkte, Haartracht und stattliches Aussehen, wenn du im Staube dich wälztest. Leider, die Troer sind feige! Sonst trügest du lange den Leibrock schon aus Steinen, für all das Böse, das du verbrochen!«“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4694 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 49 ff.) (c) Aufbau-Verlag] Im Zweikampf mit Menelaos wich er zuerst zurück. Erst diese harten Worte Hektors bewegen ihn zum Kampf. Als er fast unterliegt hüllt ihn Aphrodite, die Göttin der Liebe, in eine Wolke und entführt ihn direkt in das Schlafgemach der Helene. Auch Helene beschimpfte Paris wegen seiner Feigheit, aber er kannte ein Wundermittel und beruhigte sie; Ilias 3,448: „Beide ruhten sie dann im gutdurchzogenen Bette.“ Auch Diomedes beschimpfte Paris; Ilias 11,384ff: „Unerschrocken erwiderte ihm der Held Diomedes: »Schießer, Maulheld, Glanzstück mit Locken, Mädchenbegaffer, mäßest du dich doch gewappnet mit mir in offenem Kampfe! Schwerlich sollten dann Bogen und zahlreiche Pfeile dir nützen. Nunmehr bläst du dich auf, weil du mir den Fußspann geritzt hast! Das gilt mir, als träfe ein Weib mich oder ein dummer Junge; denn stumpf ist der Pfeil des feigen, nichtswürdigen Mannes. Kräftiger wirkt ein spitzes Geschoß - und sollte es knapp nur streifen - aus meiner Faust, es führt zum schleunigen Tode. Des Getroffenen Gattin zerfleischt sich die Wangen, die Kinder sind verwaist; selbst rötet mit Blut er die Erde und modert, hat mehr Vögel zum Fressen um sich als Weiber zur Klage.«“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4958 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 203) (c) Aufbau-Verlag] In weiteren Kämpfen verletzt er mit seinen Pfeilen Diomedes, Machaon, den Lagerarzt der Achaier und Eurypylos. Kurz vor Ende des 10-jährigen Krieges tötet Paris, wie vom sterbenden Hektor vorausgesagt, mit einem vergifteten Pfeil Achilleus. Apollon, der Gott, lenkte das Geschoß an die verwundbare Stelle, die Achillesverse. Einige Zeit später traf ein Pfeil, vom rächenden Philoktetes abgeschossen, Paris tödlich. Parthenios von Nicaea, geb. ca. 100 v. Chr., schrieb: "..... Alexandros aber wurde, nachdem der Krieg begonnen hatte, beim Bogenschusswechsel mit Philoktetes verwundet. Da kam ihm das Wort der Oinone wieder in den Sinn, als jene gesagt hatte, daß er nur von ihr geheilt werden könne; er schickte daher einen Boten zu ihr mit der Bitte, sie möge ihm rasch zu Hilfe kommen und das Vergangene vergessen, weil es nur nach dem Ratschluss der Götter so gekommen sei. Sie aber antwortete aber trothig, daß er zu Helena gehen und sie bitten müsse. Tatsächlich jedoch eilte sie sogleich dorthin, wo er nach ihren Erkundigungen liegen sollte. Da aber der Bote das von Oinone gesagte schneller gemeldet hatte, verzweifelte Alexandros und starb. Oinone aber, die ihn bei ihrer Ankunft tot auf dem Boden liegen sah, schrie auf und brachte sich unter lautem Wehklagen selber um." (BRODERSEN, Kai: Liebesleiden in der Antike. Die "Erotica Pathemata" des Parthenios. Eingeleitet, herausgegeben und übersetzt von Kai Brodersen mit 36 Vasenbildern aus dem Reiss-Museum Mannheim. Primus-Verlag, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2000.) Apollodor 3,154f: "Hektor heiratete die Andromache, die Tochter des Eëtion, Alexandros die Oinoe, die Tochter des Fluss(gott)es Kebren. Diese hatte von Rhea die Seerkunst gelernt und dem Alexandros geraten, nicht wegen Helena in See zu stechen. Sie konnte ihn aber nicht überreden und sagte ihm deshalb, solle er, wenn er verwundet werde, zu ihr zurückkehren; sie allein nämlich könne ihn heilen. Er habe Helena aus Sparta geraubt, sei während des Krieges um Troia von Philoktetes mit den Pfeilen des Herakles verwundet worden und kehre nun zu Oinoe auf den Ida zurück. Sie aber war ihm noch böse und weigerte sich, ihn zu heilen. Alexandros wurde daraufhin nach Troia gebracht und starb dort; Oinone aber hatte ihre Haltung geändert und noch die Zaubermittel gebracht, nahm nun aber wahr, dass er tot sei, und erhängte sich." (Apollodor: Götter und Helden der Griechen. Eingeleitet, herausgegeben und übersetzt von Kai Brodersen, Edition Antike, WBG Darmstadt, 2012.) Andere Schriftsteller berichten, dass sich Paris zum Berg Ida tragen ließ. INCLUDEPICTURE "http://www.mlahanas.de/Greeks/Mythology/Images2/ParisOenone.jpg" \* MERGEFORMATINET Doch Oinone weigerte sich den Untreuen zu heilen, sterbend kehrte er nach Troia zurück. Als die verlassene Gemahlin ihren Hass bedauerte und ihm mit Wunderkräutern nacheilte, kam sie zu spät. Bereuend nahm sie sich das Leben. Im "Der Fall von Troia" 10.266ff und 10.411ff erzählt Quintus Smyrnaeus sehr dramatisch von der Weigerung der Oinone Paris zu heilen und von ihrem Selbstmord auf dem Scheiterhaufen. Bakchylides, Fragment 20D, berichtet, dass sie sich von einem Felsen gestürzt habe. Menelaos schändete den Leichnam grausam und zerstörte, hasserfüllt, die noch im Tod erkennbare Schönheit des Paris. Troianische Freunde fanden den entstellten Leichnam und bestatteten ihn. Das gemeinsames Grab von Oinone und Paris wurde in Kebren gezeigt. _____________________________________________-- Alkaios von Lesbos, ca. 630-580 v. Chr.: Paris und Helena ………………………..(kam zum) roß(reichen Sparta) und erweckt` in Helenas Brust ein Sehnen, in der Griechin Herzen ach ihm, dem Troer, der das Gastrecht brach, und sie folgt` berückt ihm mit in die Fremde, ließ daheim die Tochter zurück, entehrte ihres Mannes prächtig gedecktes Lager. Sinnbetört durch die Liebe zu Paris war die Tochter der Leda. Doch er trank (?) (den bitteren Rest) des Wahnes, sah der Brüder viele im Kampf erliegen: auf dem Blachfeld sanken sie hin vor Troia Helenas wegen; viele Wagen liegen im Sand zertrümmert, viele junge Krieger, die blanken Auges ausgezogen, ließen ihr Leben, tödlich (traf sie) Achilleus. (Alkaios: Griechisch und deutsch herausgegeben vom Max Treu. Ernst Heimann Verlag München, 2. Auflage, 1962) Ovid: Briefe berühmter Frauen,V. Oenone an Paris [Ihrem Paris, ob auch der Ihre zu sein er sich weigre, Sendet zu lesen vom Berg Ida die Nymphe den Brief.] Liest du ihn? Oder verbietet's die neue Gemahlin? Ja, lies ihn! Von des Mykeners Hand kommt er geschrieben dir nicht. Ich, die Najad Oenone, berühmt in Phrygiens Wäldern, Nennend - vergönnst du's - dich mein, klage, beleidigt von dir. Welches Gottes Gewalt steht meinen Wünschen entgegen? Welches Vergehn soll mich hindern, die Deine zu sein? Was man leidet aus Schuld, das muß man gelassen erdulden. Schmerzen verursacht, was ohne Verschulden man büßt. Als mir Nymphe genügte, der Tochter des mächtigen Flußgotts, Deine Gemahlin zu sein, standest so hoch du noch nicht. Du, nun Priamus' Sohn, warst (scheue dich nicht vor der Wahrheit!)nos Sklave; der Ehe mit dir weigert ich Nymphe mich nicht. Oftmals ruheten wir mit den Herden im Schatten der Bäume, Rasen, mit Laub bestreut, bot oft zum Lager sich dar. Oftmals schützten wir uns, auf Stroh in niedriger Hütte Und auf geschichtetem Heu liegend, vor grau-weißem Reif. Wälder, zu Jagden geeignet, und Felsenschluchten, worin sich Birgt mit den Jungen das Wild, sage, wer zeigte sie dir? Oftmals spannt ich dir maschige Netze als deine Gefährtin, Hetzte durch weites Gebirg flüchtige Hunde dir hin. Eingeschnitten in Buchen, von deinem Messer gezeichnet, Wird mein Name bewahrt, liest man »Oenone« noch jetzt. Und es erwächst mein Name so hoch, wie erwachsen die Stämme. Wachst nur und recket euch auf, einst meine Grabschrift zu sein! (Einer Pappel gedenk ich, gepflanzt an des Stromes Gestade Steht sie; meiner gedenkt, was sie Geschriebenes trägt.) Pappel, erhalte dich nur, gepflanzt am Rande des Ufers, Die du in runzligem Stamm wörtlich die Zeilen enthältst: »Wenn es je Paris vermag, zu leben getrennt von Oenone, O so strömt auch gewiß Xanthos zur Quelle zurück.« Eile nur, Xanthos, zurück; strömt rückwärts zur Quelle, ihr Wasser! Wohl hält Paris es aus, fern von Oenone zu sein. Ach, mein klägliches Los, daß deiner veränderten Liebe Trauriger Winter begann, führte der Tag mir herbei, Als sich Minerva (weit schöner doch ist sie gewappnet!) und Juno Stellten mit Venus vereint nackt deinem Schönheitsentscheid. Als du mir dies erzähltest, da pochte mir angstvoll der Busen, Eiskalt lief mir der Schreck durch das erstarrte Gebein. Weil ich mich fürchtete, fragt ich die ältesten Männer und Frauen Drüber um Rat; es galt allen für böses Geschick. Tannen fällt man und zimmert Gebälk, und der fertigen Flotte Schiffe, bestrichen mit Pech, bringt man zur bläulichen Flut. Scheidend weinetest du; o schäme dich doch, es zu leugnen; Mehr bringt die jetzige Lieb als die vergangne dir Schimpf. Ja, du weintest und sahst mein Auge von Tränen befeuchtet; Trauernd mischten wir beid unsere Tränen in eins. Nicht umschlingt so innig die Reb umklammernd den Ulmbaum, Als du, die Arme um mich schlingend, am Halse mir hingst. Ach, wie lachten, sooft du den Wind anklagtest als Hemmnis, Deine Gefährten so oft! Wehte doch günstig der Wind! Und wie gabst du so oft mir nochmals Küsse zum Abschied! Kaum ein: Lebe du wohl! brachte die Zunge hervor. Jetzt nun schwellt am starrenden Mast die leinenen Segel Säuselnde Luft, und die Flut schäumt, von den Rudern gepeitscht, Und die scheidenden Segel verfolg ich, so weit nur der Blick reicht; Tränen, vergossen von mir Armen, befeuchten den Sand. Baldige Rückkehr erbitt ich von Nereus' grünlichen Töchtern, Ja, daß bald du zurückkehrest zu meinem Verderb. Ja, und du kamst, wie ich flehte, doch mir nicht, nein, der verwünschten Buhlin zulieb, für sie schmeichelt ich ihnen - weh mir! Weithin beherrscht des Meers unmeßbare Tiefen ein Felsen; Es war ein Berg, und standhält er der wogenden Flut. Dorther erblickt ich zuerst von deinem Geschwader die Segel, Und in die Fluten hinab fühlt ich zu springen den Drang. Während ich zögre, so glänzt mir Purpur entgegen vom Vorschiff, Schrecken befällt mich: der Schmuck war ja der deinige nicht. Kaum ist genaht und gelandet das Schiff mit beflügelndem Winde, Werd ich - es zittert mein Herz - weibliche Wangen gewahr. Dieses genügte noch nicht: die schändliche Freundin (warum denn Zögert ich Rasende noch?) saß auf dem Schoße dir selbst. Jetzt zerriß mein Gewand ich, zerschlug mir die Brust, und mit starren Nägeln ritzt ich sogar weinend die Wangen mir auf; Und mit Klagegeschrei erfüllt ich den heiligen Ida; Hier verbarg ich mich dann weinend im Felsengemach. Traure so Helena auch und klage, vom Gatten verlassen; Was ich zuerst durch sie litt, das erfahre sie selbst! Welche dir folgen durch offene Meere und rechtlich verbundne Gatten verlassen, wie wohl passen nun solche für dich! Aber da arm du noch warst und weidetest Herden als Hirte, Gattin des Ärmlichen war einzig Oenone da noch. Schätze bezaubern mich nicht, mich reizt dein Königspalast nicht, Priamus' Tochter zu sein, wünscht ich - wie viele - mir nicht. Doch darf Priamus nicht sich weigern, mein Schwäher zu heißen, Hekuba schämen sich nicht, wär ihr ich Nymphe verwandt. Eines Gewaltigen Gattin zu sein verdien ich und wünsch ich, Sind mir doch Hände verliehn, denen ein Zepter geziemt. Hüte dich, weil ich mit dir einst lagert im Schatten der Buchen, Mich zu verachten! Mir ziemt purpurnes Lager noch mehr. Endlich: gefahrlos ist die Verbindung mit mir. Es erhebt sich Keinerlei Krieg noch bringt rächende Schiffe die Flut. Tyndarus' Tochter dafür, die entflohne, mit grimmigen Waffen Heischet man sie: solch ein Gut bringt dir, sich brüstend, die Braut. Soll man den Danaërn sie zurückerstatten? Den Hektor, Den Deïphobos auch, forsche Polydamas aus! Frage du selbst, was Priamus rät und Antenor, der ernste, Denen des Lebens Verlauf lange ein Lehrer schon war. Schmähliche Erstlingstat, der Geraubten zu opfern die Heimat, Schnöder Verrat! Ihr Gemahl führet die Waffen des Rechts. Bist du klug, so versprich vom lakonischen Weibe dir keine Treue! Sie gab sich so schnell deinen Umarmungen hin. So wie der jüngre Atrid ob entweihetem Bunde der Ehe Schreit und beklagt, daß ihn buhlend der Fremdling betrog, So wirst schreien auch du. Mit keinerlei Künsten ersetzbar Ist die entweihete Scham; einmal verliert man sie nur. Liebe entflammt' sie für dich? Menelaus auch war's, den sie liebte; Jetzt aber liegt, der zuviel traute, im einsamen Bett. Glücklich vereint ist dem treuen Gemahl Andromache sicher: Wie deinem Bruder sie's ist, sollt ich Gemahlin dir sein. Doch du bist leichter als Laub, wenn solches, von wogenden Winden Dürre gemacht, auffliegt ohne des Saftes Gewicht. Weniger hast du in dir an Gewicht als starrende, leichte Ährenspitzen, von Glut dauernder Hitze gesengt. Also sang weissagend mit wildzerflatterndem Haare Deine Schwester mir einst (wieder gedenk ich daran): »Ach, was beginnst du, Oenone? Dem Sand vertrauest du Samen? Wahrlich zu keinem Gewinn pflügst du mit Stieren den Strand. Eine grajische Kuh kommt, dir zum Verderb und der Heimat Und dem Geschlecht! Oh, sie kommt, wehr es, die grajische Kuh! Senket, solang es vergönnt noch bleibt, das schändliche Fahrzeug Nieder ins Meer! Wie viel führt es, ach! Phrygierblut!« Also sprach sie. Es fingen die Rasende reißenden Laufes Sklavinnen auf, doch mir sträubt' sich das goldene Haar. Wehe, du warst mir Armen nur allzu wahre Prophetin: Jene Kuh, ach, sie hält meine Gehege besetzt! Sei auch ihre Gestalt voll Reiz, doch Buhlerin ist sie, Ließ, vom Gaste betört, heimische Götter zurück! Täusch ich im Namen mich nicht, so entführte sie früher schon Theseus, Ja, ein Theseus doch wohl, listig dem heimischen Land. Kam sie zurück wohl dann vom feurigen Jüngling als Jungfrau? Fragst du, woher ich's mag wissen? - Ich liebe ja selbst. Nenn es auch immer Gewalt und verhülle die Schuld mit dem Namen! Wer so oft schon entführt, bot zur Entführung sich an! Aber es bleibt Oenone getreu dem betrügenden Gatten, Wär ich zu täuschen auch dich deinem Gesetz nach befugt. Mich verfolgte der lüsterne Schwarm der flüchtigen Satyrn Eilenden Schritts (versteckt lag ich im Waldesgebüsch) Und selbst Faunus, mit stachliger Ficht umkränzt das gehörnte Haupt, auf weitem Gebirg, wo nur der Ida sich türmt. Trojas Befestiger auch, durch die Töne der Leier berühmt, war Hold mir, die Jungfrauschaft nahm er zur Beute dahin; Doch auch dieses mit Kampf: ich zerrauft mit den Händen das Haar ihm, Und mit den Fingern zerkratzt ward ihm die Wange von mir. Gold nicht heischt ich noch Edelgestein als Lohn der Umarmung, Schmählich, wenn edle Gestalt sich um Geschenke verkauft! Selber würdigt' er mich, mir ärztliche Künste zu weisen; All seine Gaben, er legt' mir in die Hände sie selbst. Welcherlei Kraut mit helfenden Kräften und welcherlei Wurzel Wächst in der Erde Gebiet, nützlich zum Heilen: mir dient's! Wehe mir Armen! Die Lieb ist allein nicht heilbar mit Kräutern; Mir Kunstfertigen nun mangelt die Hilfe der Kunst. Selbst der Erfinder der Kunst war Hüter der Rinder zu Pherae, Und es verwundete ihn flammende Liebe zu mir. Du nur vermagst mir zu helfen, wie weder der Gott noch die Erde, Reich an der Kräuter Gewächs, mir noch zu helfen vermag. Ja, dies kannst du; auch hab ich's verdient. O erbarme dich meiner, Die mit den Danaërn doch blutige Waffen nicht trägt! Nein, ich bin nur die Deine, mit dir durchlebt ich die Jugend: Und so lang ich noch leb, fleh ich, die Deine zu sein. [Ovid: Briefe berühmter Frauen (Heroides). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 13359 (vgl. Ovid-W Bd. 2, S. 105 ff.) (c) Aufbau-Verlag]