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chaos
CHAOS Als präkosmischer Status der „gähnende“ Urgrund. Bei Hesiod primäre Potenz einer mythisch-genealogisch verkleideten Kosmogonie, jedoch ohne eigentliche schöpferische Funktion; Theogonie 116ff: „Wahrlich, am Anfang entstand das Chaos; danach aber Gaia mit ihrer breiten Brust, stets sicherer Wohnsitz für alle Ewigen, die im Olymp die schneereichen Gipfel bewohnen oder den düsteren Tártaros tief in der wegweiten Erde; und mit ihr Eros, der schönste unter den ewigen Göttern, er, der Gliederlöser, der allen Göttern und Menschen klaren Verstand und besonnenen Rat bezwingt in der Seele. Érebos aber und Nyx, die dunkle, entsprossen dem Chaos; aber aus Nyx wiederum entstanden Heméra und Aíther, die sie, in Liebe von Érebos schwanger geworden, ihm austrug.“ [Hesiod: Theogonie. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4492 (vgl. Hesiod-W, S. 7 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Die regellose Mischung der Elemente vor der Erschaffung der Welt. Chaos wurde nicht abstrakt, sondern bereits gefüllt mit einem Urstoff des Nebels und der gähnenden unendlichen Finsternis gedacht. Es bildet den „Raum“ für die Entfaltung der positiv-schaffenden Gewalten Gaia und Eros, bringt, selbst negativ, nur die ihrerseits negativen Dunkelmächte Erebos und Nyx hervor. Die Ähnlichkeit mit der Chaos-Szene der Genesis ist unübersehbar. Gegenüber dem fertigen Kosmos behauptet das Chaos seinen Platz als unermesslich klaffender Weltraum im Unterschied zu Himmel und Erde oder als finsterer Abgrund der Unterwelt im Denken der Menschen seit tausenden von Jahren. ….. Ovid met. 1,5-21: „Vor dem Meer, dem Land und dem alles deckenden Himmel Zeigte die Natur in der ganzen Welt ein einziges Antlitz. Chaos ward es benannt: eine rohe, gestaltlose Masse, Nichts als träges Gewicht und, uneins untereinander, Keime der Dinge, zusammengehäuft in wirrem Gemenge. Damals spendete ihr Licht noch keine Sonne dem Weltall, Ließ kein neuer Mond im Wachsen entstehen seine Hörner, Schwebte noch nicht, ringsum von Luft umflossen, die Erde, Ausgewogen im gleichen Gewicht, und hatte den langen Rand der Länder noch nicht umreckt mit den Armen das Weltmeer. Und, wenn Erde darin auch enthalten und Wasser und Luft, so War doch die Erde nicht fest und war das Wasser nicht flüssig, Fehlte der Luft das Licht. Seine Form blieb keinem erhalten; Eines stand dem Anderen im Weg, denn in ein und demselben Körper lagen das Warme und Kalte, das Trockene und Feuchte, Weiches und Hartes im Zwist und Schwereloses mit Schwerem. Diesen Streit hat ein Gott und die bessre Natur dann geschlichtet. Denn er schied vom Himmel die Erde ……“