eine gesamtgenealogie der griechisch-mediterranen mythologie
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antilochos
ANTILOCHOS Der älteste Sohn des Nestor und der Eurydike 8. Vater des Paion 3, des Stammvaters des angesehenen athenischen Geschlechtes der Paionidai. ….. Als Freier der Helena (Apollodor 1,95) muss er noch sehr jung gewesen sein, zog gegen den Willen seines Vaters, aber auf Fürsprache des Achilleus, der den jungen, schnellen und schönen Königssohn besonders liebte (Ilias 23,556), mit in den troianischen Krieg. Er ist eine der großen Figuren in Homers Ilias, ein verwegener Kämpfer, ein ausgezeichneter Athlet und zeichnete sich im mordenden Kampf mit tödlichem Mut wiederholt aus. ….. Er erschlug Thalysios; Ilias 4,457ff: „Gleich als erster erlegte Antilochos einen Trojaner, der im vorderen Treffen tapfer sich hielt, Echepolos. Er traf ihm den Bügel des roßhaarbuschigen Helmes, in die Stirn drang ihm die eherne Lanze, durchbohrte seinen Schädel; das Dunkel des Todes umfing ihm die Augen. Nieder stürzte er, wie ein Turm, im heißen Getümmel. Seinen Leichnam packte am Fuß der Held Elephenor, ….“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4737 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 74 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Dann erschlug er Mydon 1, den Sohn des Atymnios 2; Ilias 5,575ff: „Den Pylaimenes töteten sie - der schlug sich wie Ares -, den Gebieter der Paphlagonen, der mutigen Streiter. Diesen traf, wie er stand, Menelaos, der Meister im Speerwurf, mit der Lanze am Schlüsselbein und durchbohrte ihn völlig. Held Antilochos traf den Wagenlenker, den edlen Sohn des Atymnios, Mydon - der wendete eben das Fahrzeug -, mit dem Feldstein mitten am Ellbogen; nieder zum Staube sanken aus seinen Händen die elfenbeinschimmernden Zügel. Und Antilochos stieß ihm stürmend das Schwert in die Schläfe; röchelnd sank vom trefflich gebauten Wagen der Lenker, schlug, den Kopf voran, zur Erde mit Schädel und Schultern. Stecken blieb er, da er ein tiefes Sandloch getroffen, bis die Pferde ihn umrissen und auf den Erdboden streckten; denn Antilochos peitschte sie, trieb sie zum Heer der Achaier.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4771 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 94 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Und erschlug Ableros; Ilias 6,32f: „Nestors Sohn Antilochos streckte mit schimmerndem Spieß den Ableros nieder.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4789 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 106) (c) Aufbau-Verlag] ….. Antilochos kämpfte stets in der vordersten front; Ilias 13,384ff: „………………………Doch Asios kam, den Toten zu rächen, vor dem Gespanne. Sein Lenker hielt ihm dichtauf die Rosse, die ihm über die Schulter schnaubten. Er wünschte zu treffen den Idomeneus. Doch der warf schneller den Speer und durchbohrte unter dem Kinn ihm die Gurgel, hindurch fuhr tödlich die Spitze. Nieder stürzte er, wie die Eiche, die silberne Pappel oder die ragende Fichte stürzt, die Zimmerer schlagen, hoch im Gebirge, mit frischgeschliffenen Äxten, zum Schiffsbau. Ebenso lag er niedergestreckt vor Pferden und Wagen, heulte und wühlte dabei mit den Fingern im blutigen Staube. Aber der Lenker verlor den Mut, den er früher bewährte, konnte sich nicht einmal entschließen, den Wagen zu wenden und vor den Feinden zu fliehen; der tapfre Antilochos jagte mitten hinein in den Leib ihm die Lanze; sein eherner Panzer schützte ihn nicht, genau in den Unterleib traf ihn die Waffe. Röchelnd sank er vom kunstvoll gebauten Wagen hernieder; aber die Rosse entführte der Sohn des mutigen Nestor fort von den Troern, hin zu den trefflich gepanzerten Griechen. Held Dëiphobos näherte sich Idomeneus, voll Kummer über des Asios Tod, und warf die schimmernde Lanze. Jener spähte voraus, so vermied er die eherne Waffe; Deckung nahm er unter dem Schilde, dem gleichmäßig runden, den er trug; aus Stierhäuten und aus funkelndem Erze war er kunstreich gewölbt, trug innen zwei handliche Griffe. Unter ihn duckte er sich, es flog die Lanze darüber; dumpf erdröhnte sein Schild von der Reibung der streifenden Waffe. Trotzdem warf nicht umsonst aus kraftvoller Faust sie der Gegner; dem Hippasiden Hypsenor traf sie, dem Hirten der Völker, unter dem Zwerchfell die Leber und ließ ihm die Glieder erschlaffen. Gellend schrie Dëiphobos und rief frohlockend die Worte: »Wahrlich, nicht ungerächt liegt Asios; zieht er hinunter tief in das Reich des mächtigen Torschließers Hades, so wird er, hoffe ich, herzlich sich freuen: Ich gab ihm einen Geleitsmann!« Derart sprach er, und bitter quälte sein Hohn die Argeier, regte besonders Antilochos auf, den tapferen Streiter. Aber, dem Kummer zum Trotz, gedachte er treulich des Freundes, stellte sich rasch vor ihn hin und bot mit dem Schilde ihm Deckung. Auf die Schultern hoben ihn dann zwei teure Gefährten, Held Mekisteus, des Echios Sohn, und der edle Alastor, trugen den schmerzlich noch Stöhnenden hin zu den bauchigen Schiffen.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5027 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 242 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Gott Poseidon rettete ihn einmal aus tödlicher Gefahr; Ilias 13,545ff: „Held Antilochos hatte bemerkt, daß Thoon sich wandte, stürmte ihm nach, schlug zu und durchhieb ihm völlig die Ader, die sich den Rücken hinaufzieht und durchgehend reicht bis zum Nacken; diese durchtrennte er, in den Staub sank Thoon, nach hinten, streckte die Hände noch aus nach seinen teuren Gefährten. Auf ihn stürzte Antilochos, zog von den Schultern die Waffen, ringsum spähend; von allen Seiten versetzten die Troer Stöße ihm auf den breiten, schimmernden Schild; doch sie konnten nicht in die Deckung hinein ihm den schwellenden Körper mit hartem Erze verwunden; der Erderschütterer selber beschützte ringsum den Sohn des Nestor im Hagel der spitzen Geschosse. Niemals war er von Gegnern frei, er tummelte unter ihnen sich rastlos; nicht ruhte sein Speer, nein, wirbelte ständig, kraftvoll geschwungen; stets suchte Antilochos einen der Feinde werfend zu treffen oder sich auf ihn zu stürzen im Nahkampf. Da erspähte Adamas, des Asios Sohn, ihn beim Zielen in dem Getümmel, nahte heran und traf mit dem scharfen Erze den Schild in der Mitte; Poseidon, der dunkelgelockte, schwächte die Spitze, mißgönnte Adamas das Leben des Helden. Halb blieb stecken der Speer, wie ein Pfahl, im Feuer gehärtet, in dem Schild des Antilochos; liegen blieb nur das Reststück. [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5035 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 247 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Während einer Schlacht rettete ihm sein Bruder Thrasimedes das Leben; Ilias 16,311ff: „Held Menelaos, des Ares Freund, traf Thoas, als dieser neben dem Schilde die Brust entblößte, und ließ ihn erschlaffen. Meges belauerte scharf den Amphiklos, der stürmend ihn angriff, kam ihm zuvor mit dem Speerstoß und traf ihm den Schenkel, ganz oben, wo sich die Muskeln am dichtesten ballen; und rings um die Spitze rissen die Sehnen, und tödliches Dunkel umwob ihm die Augen. Einer der Söhne des Nestor, Antilochos, stieß mit dem scharfen Speer nach Atymnios, trieb ihm die Spitze von Erz durch die Weiche; vorwärts sank er. Über den Tod des Bruders erbittert, griff Held Maris Antilochos an mit dem Speere, im Nahkampf, trat vor den Toten. Aber der göttliche Held Thrasymedes kam ihm sogleich mit dem Stoße des Speeres zuvor, und er traf ihn gegen die Schulter; den Oberarm schnitt die Spitze des Speeres aus dem Verbande der Muskeln, riß herunter den Knochen. Dröhnend schlug er zu Boden, Dunkel umwob ihm die Augen.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5135 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 304 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Nach dem Tod des Patroklos überbringt Antilochos dem Achilleus die bittere Nachricht; Ilias 17,653ff: „Da sprach Aias zu Menelaos, dem Meister im Schlachtruf: »Günstling des Zeus, sieh zu, ob du unter den Lebenden einen Helden erspähst noch: Antilochos, Sohn des mutigen Nestor! Fordre ihn auf, zu Achilleus zu eilen, ihm Nachricht zu geben, daß sein treuester Freund den Tod im Kampfe gefunden!« Ihm gehorchte sogleich Menelaos, der Meister im Schlachtruf, …“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5201 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 340) (c) Aufbau-Verlag] Ilias 17,684ff: „Nahe zu ihm trat Held Menelaos, der blonde, und sagte: »Günstling des Zeus, Antilochos, komme, damit du die Nachricht hörst von dem Unglück - es hätte doch niemals eintreten sollen! Selber schon hast du vermutlich, mit eigenen Augen, gesehen, daß ein Gott auf die Danaer Lasten des Unheils herabwälzt, während die Troer siegen. Es fiel der beste Achaier, Held Patroklos, ein bittrer Verlust hat die Griechen getroffen! Eile sofort zu den Schiffen und bringe Achilleus die Botschaft; schnell in das Lager rettet vielleicht er den Leichnam, den nackten - trägt doch die Rüstung schon Hektor, der Held mit dem nickenden Helmbusch!« Schaudern ergriff Antilochos, als er die Nachricht vernommen. Lange verharrte er, ohne zu sprechen, es füllten die Augen ihm sich mit Tränen, die kraftvolle Stimme versagte. Er folgte dennoch der Weisung des Menelaos, er eilte vom Schlachtfeld, gab die Rüstung zuvor Laodokos, dem edlen Gefährten, der in der Nähe hin und her die Rosse ihm lenkte. Während er weinte, trugen die Füße ihn schnell aus dem Kampfe, ihn, den Boten des Unheils für den Peliden Achilleus.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5203 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 341 ff.) (c) Aufbau-Verlag] Ilias 18,2ff: „Aber der schnelle Antilochos brachte Achilleus die Botschaft. Vor den aufrecht gehörnten Schiffen fand er den Helden, der sich Vermutungen über das jetzt schon Vollzogene hingab. Sorge durchdrang ihn, und er, der Mutige, sprach zu sich selber: »Wehe mir, warum fliehen die haupthaarumwallten Achaier über die Ebene wieder zum Lager, voller Verwirrung? Daß nur die Götter bestätigen nicht mein bitteres Ahnen, wie es die Mutter mir sagte dereinst und Auskunft erteilte: unter den Myrmidonen der Tapferste sollte, zu meinen Lebzeiten noch, unter troischen Fäusten vom Sonnenlicht scheiden! Sicherlich fiel des Menoitios tapferer Sprößling, der dreiste! Sollte er doch nach Verdrängen der feindlichen Flammen ins Lager kehren sofort und ja nicht mit Hektor ernstlich sich messen!« Während er dies noch erwog, im Streit von Verstand und Empfindung, näherte ihm sich der Sohn des Nestor, des ruhmreichen Helden, bittere Tränen vergießend, und brachte die furchtbare Nachricht: »Wehe mir, Sohn des tapferen Peleus, ein schreckliches Unglück sollst du vernehmen - es hätte doch niemals eintreten sollen! Tot ist Patroklos; jetzt tobt der Kampf um den Leichnam, den nackten; Hektor besitzt schon die Waffen, der Held mit dem nickenden Helmbusch.« Derart sprach er. Die Wolke des Schmerzes umhüllte Achilleus. Rußigen Staub erraffte er mit den Händen und streute über sein Haupt ihn, entstellte sein wohlgebildetes Antlitz. Düstere Asche beschmutzte das Kleid, das so schön war wie Nektar. Wie ein Riese, weithin gestreckt, so lag er im Staube, zauste sein Haar und zerraufte es mit den eigenen Fingern. Jammernd klagten die Mägde vor Schmerz, die er und Patroklos einst als Beute gewannen, sie stürmten hervor aus dem Zelte, drängten sich um den tapfren Achilleus und schlugen die Hände sämtlich gegen die Brüste, es zitterten allen die Knie. Seinerseits klagte Antilochos, weinte und hielt des Peliden Hände umfaßt. Tief stöhnte auch er, aus mutigem Herzen, fürchtete, daß er sich selbst mit dem Eisen die Kehle durchschnitte. Furchtbar klagte Achilleus. Ihn hörte die würdige Mutter; neben dem greisen Vater saß sie, am Grunde des Meeres. Jammernd schluchzte sie auf. Die Göttinnen scharten sich um sie, ….“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5208 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 344 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Antilochos nahm an den von Achilleus veranstalteten Leichenspielen zu Ehren des gefallenen Patroklos teil. Beim Wagenrennen, Ilias 23,301ff, wurde er zweiter, beim Wettlauf letzter; Ilias 23,754ff: „Auf sprang Aias sogleich, der flinke Sohn des Oïleus, nach ihm der kluge Odysseus, darauf Antilochos, Nestors Sprößling; der schlug im Wettlauf sämtliche jüngeren Leute. Nebeneinander traten sie an, es wies der Pelide ihnen das Ziel. Von der Schranke liefen sie los. Und behende holte sich Aias den Vorsprung, nach stürmte der edle Odysseus, dichtauf, wie vor der Brust des reizvoll gegürteten Weibes sich der Webschaft befindet, den sie fest mit den Händen anzieht, indes durch den Aufzug das Schiffchen sie schießt und am Busen festhält. So nahe stürmte Odysseus und trat in des Aias Fußtapfen, ehe der wirbelnde Staub um die Eilenden hochstieg. Über den Kopf des Aias ließ Odysseus den Atem strömen, in emsigem Lauf. Zujauchzten alle Argeier seinem Kampf um den Sieg und spornten sein rasendes Rennen. Als sie den letzten Abschnitt des Laufes begannen, da flehte still Odysseus zu Pallas, der Göttin mit leuchtenden Augen: »Göttin, erhör mich, bringe im Wettlauf mir gnädige Hilfe!« Derart flehte er, ihn erhörte Pallas Athene. Seinen Gliedern verlieh sie Leichtigkeit, Füßen wie Armen. Ansetzen wollten sie schon zum letzten Sturm auf den Kampfpreis, da glitt Aias aus - ihn brachte Athene zum Stürzen -, dort, wo der Kot der geschlachteten brüllenden Rinder sich häufte, die der Pelide geopfert hatte, Patroklos zu Ehren. Mund und Nase beschmierte er sich mit dem Unrat der Rinder. Derart erhielt der göttliche Dulder Odysseus den Mischkrug, da er als erster eintraf, den Stier der stattliche Aias. Vor trat dieser, das Horn des weidenden Stiers in den Händen, immer noch Unrat speiend, und sprach im Kreis der Argeier: »Schrecklich, mich brachte die Göttin zu Fall, die seit je schon wie eine Mutter Hilfe und Beistand leistet dem Helden Odysseus!« Über ihn brachen sie sämtlich aus in herzliches Lachen. Aber Antilochos trug mit lächelnder Miene den letzten Kampfpreis davon und sprach im Kreis der Argeier die Worte: »Was ich euch sage, ihr Freunde, das wißt ihr alle: Auch heute geben die Götter noch immer den älteren Leuten die Preise! Zwar übertrifft mich Aias nur wenig an Jahren, Odysseus aber gehört zu einem früheren Menschengeschlechte. Freilich bezeichnet man ihn als rüstigen Alten; und schwerlich siegt ein Achaier im Wettkampf mit ihm, es sei denn Achilleus!« Derart sprach er und lobte den schnellen Läufer Achilleus. Ihm gab Antwort sogleich der Pelide: »Die ehrenden Worte sollst du, Antilochos, nicht umsonst hier vorgebracht haben; zusätzlich will ich ein halbes Talent von Gold dir gewähren.« Damit reichte er ihm das Gold; der nahm es mit Freuden.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5391 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 447 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Nach dem Wagenrennen zur Ehre des Patroklos gab es Streit, der aber friedlich beigelegt wurde, denn Antilochos war nach dem Tod des Partoklos der engste Freund des Achilleus (Odyssee 24,79); Ilias 23,532ff: „Ganz am Schlusse erschien der Sohn des Admetos; den schönen Wagen schleppte er hinter sich her, trieb vor sich die Rosse. Mitleid ergriff bei seinem Anblick den edlen Achilleus, er stand auf in dem Kreise und sprach die enteilenden Worte: »Sehet, als letzter treibt der Beste die stampfenden Rosse! Geben wir ihm den zweiten Preis, das wäre nur billig! Aber der Sohn des Tydeus soll den ersten erhalten.« Derart sprach er, und alle lobten den Vorschlag. Er hätte ihm das Pferd auch gegeben, unter dem Beifall der Griechen, hätte sich nicht erhoben der Sohn des mutigen Nestor und den Anspruch des Rechtes gegen Achilleus verfochten: »Heftig, Pelide, muß ich dir grollen, verwirklichst du deinen Vorschlag; du willst mir den Kampfpreis entziehen, in der Erwägung, Schaden an Fahrzeug und Pferden habe Eumelos erlitten, wenn auch als tüchtigster Mann. Zu den Göttern hätte er flehen sollen, dann wäre er nicht im Rennen der letzte geworden! Hegest du aber Mitleid für ihn und magst du ihn gerne, nun, so besitzt du im Zelte Gold in Menge, dazu auch Erz und Vieh, und besitzt auch Mägde und stampfende Rosse; davon nimm doch und gib ihm einen noch höheren Kampfpreis, später oder auch jetzt, damit die Achaier dich loben! Doch auf die Stute verzichte ich nicht; soll jeder, der Lust hat, sich um ihren Besitz mit mir im Faustkampfe messen!« Derart sprach er. Achilleus lächelte, voller Freude über Antilochos; denn er schätzte ihn sehr als Gefährten. Antwort gab er und sprach die im Fluge enteilenden Worte: »Bittest du mich, Antilochos, für Eumelos noch einen weiteren Preis zu gewähren, so werde ich dies auch erfüllen, werde den Harnisch, den ich von Asteropaios erbeutet, ihm überlassen; er ist von Erz und ringsum von blankem Zinnguß umzogen. Er wird für Eumelos ein Wertstück bedeuten.« Derart sprach er und hieß Automedon, den teuren Gefährten, aus dem Zelte ihn holen. Der ging und brachte das Stück ihm, um der Pelide gab es Eumelos; der nahm es mit Freuden. Da erhob sich im Kreis Menelaos, in heftigem Ärger, gegen Antilochos maßlos erbittert; ihm legte ein Herold in die Hände das Zepter und gebot den Argeiern Schweigen; darauf begann der göttliche Streiter zu sprechen: »Was, Antilochos, hast du getan, dereinst so verständig? Meine Leistung hast du geschmälert, gehemmt mir die Rosse, drängtest die deinen nach vorn, die wesentlich schlechter doch waren! Auf denn, die ihr die Männer von Argos führt und beratet, schlichtet zwischen uns beiden, gerecht und ja nicht nach Willkür! Tadeln sollte doch keiner der erzgewappneten Griechen: 'Nur durch Betrug überwand der Atride Antilochos, führte fort ihm das Pferd - obwohl sein Gespann weit schlechter sich zeigte! Freilich, er war ihm voraus an rühmlichen Taten und Einfluß!' Selber schlage den Schiedsspruch ich vor, und keiner der Griechen dürfte ihn schmähen; er wird ja der Gerechtigkeit dienen. Hierher, Antilochos, Günstling des Zeus, nach geheiligtem Brauche tritt vor die Pferde und vor den Wagen, die schwankende Geißel halte in Händen, mit der du sie antriebst beim Rennen, berühre jetzt das Gespann, und beim Gott, der die Erde trägt und erschüttert, schwöre, nicht vorsätzlich-tückisch mein Fahrzeug behindert zu haben!« Da erteilte Antilochos ihm verständig die Antwort: »Fürst Menelaos, beruhige dich! Ich stehe an Jahren weit dir nach, du bist ja älter, auch höher an Leistung. Dir ist bekannt, wie jüngere Leute zum Übermut neigen: Hitzig entschließen sie sich, doch überlegen nur wenig! Deshalb erweise mir Nachsicht! Ich lasse dir willig die Stute, die ich gewann. Und verlangtest darüber hinaus du von meinem Gute noch mehr, so würde sofort ich, ohne Bedenken, lieber es geben, als dir für immer entfremdet zu werden, Günstling des Zeus, und bei den Göttern als Frevler zu gelten!« Damit führte der Sohn des mutigen Nestor die Stute dem Menelaos zu. Es freute der Fürst sich von Herzen; wie wenn Tautropfen sich auf die Ähren der wachsenden Saaten setzen, erquickend, zur Zeit der üppig bestandenen Felder, ebenso freutest du dich von Herzen, Fürst Menelaos. Und er sagte zu ihm die im Fluge enteilenden Worte: »Jetzt, Antilochos, möchte ich selber dem Zorne entsagen; denn dich beherrschten vorhin durchaus nicht Leichtsinn und Torheit. Nur überwand das Feuer der Jugend die Kräfte der Einsicht. Hüte dich künftig, den Besseren überlisten zu wollen! Schwerlich hätte ein andrer Achaier so bald mich begütigt, aber du hast ja auch manches erlitten und manches geleistet, mir zuliebe, genau wie dein wackerer Vater und Bruder. Deshalb gewähre ich dir die Bitte und möchte auch meine Stute dir lassen. Die hier Versammelten sollen erkennen, daß ich durchaus nicht unerbittlich und trotzig verharre!« An den Freund des Antilochos gab er damit die Stute, an Noëmon; er selber nahm sich den glänzenden Kessel. Held Meriones gewann zwei goldne Talente, als vierter - so war er auch gefahren -; der fünfte Kampfpreis blieb übrig, die zweihenklige Schale. Achilleus gab sie an Nestor, brachte sie ihm durch den Kreis der Argeier, trat zu ihm und sagte: »Nimm sie, Alter, ein kostbares Stück sollst du auch erhalten, zum Gedenken an des Patroklos Bestattung; nie wieder wirst du im Kreis der Argeier ihn sehen. Ich gebe dir hiermit kampflos den Preis. Denn teilnehmen wirst du weder am Faustkampf noch am Ringen oder am Speerwerfen, auch nicht am Laufen. Nieder drückt dich bereits die Bürde des leidigen Alters.« So übergab er dem Greis die Schale. Der nahm sie mit Freuden, dankte dem Spender ……“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5380 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 441 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Den Tod erlitt Antilochos durch Memnon, indem er sich für seinen Vater Nestor opferte; Pindar Pythien 6,28ff: „Es war schon früher Antilochos, der gewaltige, solchen Sinnes, der für seinen Vater starb, als er standhielt dem männertötenden Heerführer der Aithiopen, Memnon. Denn Nestors Wagen hemmte ein Pferd, von Paris' Pfeilen durchbohrt. Und jener schleuderte den mächtigen Speer. Des messenischen Alten gehetzter Sinn schrie nach dem Sohn. Und er warf nicht nutzlos zu Boden sein Wort: dort hielt aus der göttliche Mann und kaufte mit Tod die Rettung des Vaters und schien den Jüngeren des alten Geschlechts - da er ein riesiges Werk vollbracht - als der Edelste gegen die Eltern an heldischer Tat.“ [Pindar: Pythien. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 9374 (vgl. Pindar-D, S. 104) (c) Insel-Verlag]. Quintus v. Smyrna 2,243ff: "Als er die erschlagen hatte, griff er Neleus Sohn a, voll Gier, ihn zu töten; vor diesen aber trat der gottgleiche Antilochos und schleuderte seien großen Speer; er verfehlte ihn aber, da er ein wenig auswich, doch er tötete seinen Gefährten, Aithops, den Pyrrasossohn. Jener aber grollte um des Getöteten willen und stürzte auf Antilochos wie ein starkmütiger Löwe auf einen Eber, der auch selbst zu kämpfen weiß gege Menschen und wilde Tiere, sein Angriff ist unaufhaltsam: so stürmte er schnell heran, der aber traf ihn mit einem großen Stein, Antilochos. Dessen Herz aber löste sich nicht, weil den schmerzensreichen Tod sein starker Helm abhielt. Schlimm aber regte sich sein Herz in der Brust, als er getroffen war; ringsum dröhnte ihm der Helm; und er raste noch mehr gegen Antilochos, und die Kraft wallte in ihm. Deshalb traf er Nestors Sohn, obwohl der ein Speerkämpfer war, über der Brustwarze und bohrte den starken Speer ins Herz, wo für die Sterblichen schnelles Verderben ist." (Quintus von Smyrna: Der Untergang Troias. Band I. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Ursula Gärtner. Edition Antike. Herausgegeben von Thomas Baier, Kai Brodersen und Martin Hose. WBG Darmstadt, 2010.) Wütend stürzte sich Achilleus auf den Mörder seines Freundes. Zeus hob die Waage, legte die Lebenslose der beiden hinein, das Schicksal entschied. Achilleus tötete Memnon. Eos nahm weinend ihren toten Sohn in die Arme und übergab ihn zwei Windgöttern, die ihn davontrugen. ….. Odyssee 3,102ff, Nestor erzählt dem Telemachos: „Ihm entgegnete Nestor, Gerenias Kämpfer zu Wagen: »Freund, du erinnerst mich an das Elend, das wir in jenem Lande ertragen mußten, wir mutigen Söhne Achaias - alle die Streifzüge, die wir zu Schiff auf unendlichem Meere unternahmen nach Beute, wohin auch Achilleus uns führte - alle die Kämpfe, die gleichzeitig wir um des Priamos Festung führten -, dort fielen denn auch die tapfersten unserer Helden! Don liegt Aias, so tapfer wie Ares; dort liegt auch Achilleus, liegt auch Patroklos, als Ratgeber ebenso klug wie die Götter, liegt auch mein teurer Sohn Antilochos, tapfer, untadlig, überaus schnell im Wettlauf, überaus tüchtig im Kampfe! Andere furchtbare Leiden erduldeten wir noch zu diesen. Wer von den sterblichen Menschen könnte sie alle erzählen?“ [Homer: Odyssee. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5496 (vgl. Homer-W Bd. 2, S. 37) (c) Aufbau-Verlag] : Odyssee 4,185ff: „Allen erweckte er mit den Worten Verlangen zur Klage. Tränen vergoß die Argeierin Helena, Tochter Kronions, Tränen Telemachos auch und des Atreus Sohn Menelaos. Nestors Sohn auch konnte sich nicht der Tränen erwehren; an den untadligen Helden Antilochos mußte er denken, den der stattliche Sohn der strahlenden Eos erlegte.“ [Homer: Odyssee. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5526 (vgl. Homer-W Bd. 2, S. 54) (c) Aufbau-Verlag] ….. Nach der Feuerbestattung wurden die sterblichen Überreste, „die weißen Gebeine“ des Antilochos, neben denen des Patroklos und des Achilleus, welche in einem „doppelt gehenkelten“ goldenen Krug vermischt ruhten, bestattet. Unter einem Hügel ruhen die drei Kämpfer, die im Leben eine tiefe Freundschaft verbunden hat, gemeinsam, denn Antilochos war nach dem Tod des Patroklos der beste Freund des Achilleus; Odyssee 24,72ff, im Hades schildert die Seele des Agamemnon dem Achilleus wie er bestattet wurde: „Ihm gab Antwort darauf die Seele des tapfren Atriden: »Glücklicher Sohn des Peleus, göttergleicher Achilleus, glücklich, jawohl! Denn du fielest vor Troja, ferne von Argos; deinen Leichnam umkämpften die tapfersten Söhne der Troer wie der Achaier; du aber lagst im Staubwirbel, riesig, weithin gestreckt, und dachtest nicht mehr an das Lenken des Wagens. Über den ganzen Tag hin fochten wir, hätten auch schwerlich ausgekämpft, trennte nicht Zeus die Gegner durch Sturmwind und Regen. Anschließend trugen wir dich aus der Schlacht zum Lager der Schiffe, reinigten deinen stattlichen Körper mit lauwarmem Wasser, salbten mit Öl ihn und bahrten ihn auf, und die Danaer weinten heiße Tränen rings um die Bahre und schoren ihr Haupthaar. Auf die Nachricht entstieg im Kreise der Meernymphen deine Mutter dem Meere. Laut hallte der Wehruf der Göttinnen weithin über die Fluten, Entsetzen packte sämtliche Griechen. Angstbebend wollten sie in die bauchigen Schiffe sich stürzen; aber es hielt sie zurück ein Held von reicher Erfahrung, Nestor; es hatte sein Rat sich bisher schon als trefflich erwiesen. Einsichtsvoll ergriff er das Wort und sagte zu ihnen: 'Halt, ihr Argeier, fliehet nicht weiter, ihr Männer Achaias! Hier entsteigt, mit den Nymphen des Meeres, die Mutter des Toten trauernd den Fluten, zur Teilnahme an der Bestattung des Sohnes!' Derart rief er; die mutigen Griechen flohen nicht weiter. Deinen Leichnam umringten die Töchter des Alten vom Meere, bitterlich klagend, und hüllten dich in ambrosische Kleider. Alle neun Musen trugen, im Wechselgesange, mit schönen Stimmen ihr Trauerlied vor. Da erblickte man keinen Argeier, der sich der Tränen enthielt. So erschütterte jeden das Grablied. Siebzehn Tage und Nächte beklagten wir ununterbrochen deinen Tod, unsterbliche Götter wie sterbliche Menschen, und übergaben am achtzehnten deinen Leichnam den Flammen, schlachteten rings um den Holzstoß gemästete Schafe und Rinder. Du verbranntest in Göttergewändern, man opferte reichlich Öl und erquickenden Honig. Viele achaische Helden tummelten sich gewappnet rings um den brennenden Leichnam, Fußvolk und Kämpfer zu Wagen; es scholl ein lautes Getöse. Völlig verzehrte dich die Glut des Hephaistos. Am Morgen sammelten wir dein weißes Gebein, Achilleus, in reinem Weine und Öl. Es brachte uns deine Mutter die goldne, doppeltgehenkelte Urne, die ihr Dionysos schenkte, wie sie erzählte, ein Werk des ruhmreichen Meisters Hephaistos. Darin ruht dein weißes Gebein, berühmter Achilleus, innig vereint mit dem des Menoitiossohnes Patroklos, aber gesondert von dem des Antilochos, den du am höchsten schätztest von allen Gefährten, nächst dem toten Patroklos. Um die Gebeine errichteten wir, die kraftvolle Heerschar der gewappneten Griechen, ein riesiges, herrliches Grabmal, über dem Vorsprung der Küste am breiten Sunde der Helle; weither vom hohen Meere sollen die Menschen es sehen, unsere Zeitgenossen wie auch die Menschen der Zukunft.“ [Homer: Odyssee. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 6068 (vgl. Homer-W Bd. 2, S. 368 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Auch im Hades sind sie unzertrennlich. Als Odysseus in den Hades hinab stieg um die Seele des Sehers Teiresias um Rat zu fragen traf er die Seelen von Achilleus, Patroklos, Antilochos und Aiax, die, auch im Tode noch vereint, gemeinsam durch die Lüfte der Unterwelt schwirrten; Odyssee 11,465ff: „Derart standen wir zwei im Gespräch mit traurigen Worten, bitter betrübt, und unsere Tränen quollen in Strömen. Nunmehr erschienen die Seelen des Peleussohnes Achilleus, die des Patroklos, auch die des Antilochos, jenes erprobten Helden, und die des Aias, des schönsten und stattlichsten Kämpfers unter den übrigen Danaern, nächst dem edlen Peliden. Mich erkannte die Seele des schnellen Aiakosenkels und sprach traurig zu mir die im Fluge enteilenden Worte: 'Zeusentsprossener Sohn des Laërtes, kluger Odysseus, welches noch größere Wagnis, du Schrecklicher, könntest du planen? Du unterfingst dich der Fahrt in den Hades, in dem doch die Toten hausen, ganz ohne Besinnung, nur Schatten verstorbener Menschen?' Derart sprach er, und ich gab Antwort ……“ [Homer: Odyssee. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5740 (vgl. Homer-W Bd. 2, S. 177 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Antilochos war auf dem Gemälde des Polygnot in Delphi abgebildet. Auf Vasen kann man ihn heute noch bewundern.