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leda
LEDA Tochter des aitolischen Königs Thestios 1 und der Eurythemis 1. Aber auch - Deidameia, Tochter des Pleuron, bei Schol. Apoll. Rhod. I 146, - Laophonte, bei Pherekydes und - Panteidyia, nach Eumelos, werden als Mütter genannt Gattin des Tyndareos. Laut Kerenyi „Urfrau“. Ihr Sagenkreis umfasst wahrscheinlich vorgriechische Elemente, weil Frau auf lykisch „Lada“ heißt. Erstmals literarisch erscheint die Sage der Leda bei Homer; Odyssee XI 298ff: " Leda erblickte ich auch, des Königs Tyndareos Gattin; ihrem Manne gebar sie zwei mutige Söhne, den Kastor, Zähmer der Rosse, und Polydeukes, den Meister im Faustkampf. Wenn auch der nährende Boden sie deckt, sie leben noch beide; unter der Erde genießen sie ein vom Kroniden geschenktes Vorrecht: Sie leben gemeinsam, sie bleiben vereint auch im Tode, einen Tag um den andern, erfreuen sich göttlicher Ehren." [Homer: Odyssee. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5732 (vgl. Homer-W Bd. 2, S. 172-173) (c) Aufbau-Verlag http://www.digitale-bibliothek.de/band30.htm ] Dadurch, dass Homer die Sage als allgemein bekannt voraussetzt, kann ihr Ursprung in der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. angenommen werden. Ebenso unbekannt ist die Heimat der Leda. Mein Heimatland ist Sparta, nicht gering an Ruhm, Tyndareos mein Vater. Doch geht auch die Sage, daß Zeus in meiner Mutter Leda Schoß geflogen, in eines Schwans Gestalt, der sich vor einem Adler zu retten suchte, und mit dieser List an ihr das Liebeswerk vollzog – sofern die Sage stimmt! Ich heiße Helena. [Euripides: Helena. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 3421 (vgl. Euripides-W Bd. 2, S. 107) (c) Aufbau-Verlag http://www.digitale-bibliothek.de/band30.htm ] ….. Bekannt ist sie als Mutter der Dioskuren, von Phylonoe 2, Phoibe, Timandra, der Helene und der Klytaimnestra. Nach Pindar stammen Polydeukes und Helene von Zeus, Kastor, Phylonoe und Klytaimnestra von Tyndareos. Andere bezeichneten Kastor ebenfalls als Sohn des Zeus. Auf dem Kapitol in Rom stehen Kastor und Polydeukes, Michelangelo ließ diese Originalstatuen aus der römischen Epoche aufstellen, und beide haben Eierschalen auf dem Kopf. Die Künstler nahmen die Zuteilung – wer göttlich und wer nicht – nicht so genau. ……. Leda befand sich im Garten des Palastes, als Zeus, gemütlich auf dem Olymp sitzend, sie sah und in heftiger Liebe zu ihr entbrannte, nur – Leda galt als keusche und absolut treue Gemahlin des Tyndareos. Der Göttliche verwandelte sich in einen wunderschönen Schwan, flog Richtung Süden, landete im Teich des Palastgartens des Tyndareos und Leda war hoch erfreut beim Anblick des wunderschönen Tieres. Sie bot ihm Futter. Der herrliche Weißgefiederte näherte sich, wurde zutraulich, fraß Leda aus der Hand und – schon sprang er aus dem Wasser und begattete die Entsetzte. Bald darauf legte sie ein, zwei oder drei Eier aus denen nach einer angemessenen Frist des Brütens die Kinder schlüpften. Man erzählte auch, dass Leda gebadet habe, als Zeus sie außerehelich überraschte, er sie auf dem Berg Taygetos umarmt habe, auch, dass er sich in ihr Bett schlich, zur Ruhenden, nachdem sie bereits mit ihrem Gemahl aphrodisische Genüsse gekostet und Kastor empfangen habe. Von Zeus empfing sie dabei zusätzlich Helena und Polydeukes. In einer anderen Version half Aphrodite, die Göttin des Liebesgenusses, dem Zeus bei der Erreichung des angestrebten Zieles. Sie verwandelte sich in einen Adler und verfolgte zum Schein den göttlichen Schwan der sich Schutz suchend in die Arme der Leda flüchtete. Die Ahnungslose bot Schutz – und schon war sie befruchtet. Die Freiheit der Dichter kannte keine Grenzen, auch unsere muss keine haben. Auch von der Lebendgeburt der Kinder wurde berichtet. ….. Schon sehr früh nannte man Nemesis und nicht Leda als Mutter der Helene. Nach Stasinos, Kyprien frg. 7, stammt Helene von Zeus und Nemesis, der Göttin der Vergeltung, der Tochter der Nyx (Nacht). Nemesis, in panischer Angst um ihre Jungfräulichkeit, floh vor dem sich ihr nähernden lüsternen Zeus, verwandelte sich in einen Fisch und sprang in das Meer. Zeus folgte ihr, sie sprang aus dem Wasser und verwandelte sich blitzschnell in verschiedene andere Tiere. Zeus tat das Gleiche, schlussendlich verwandelte sie sich im attischen Rhamnus in eine Gans und - war etwas zu langsam. Denn Zeus verwandelte sich in einen Schwan, erwischte sie und fort war die Jungfräulichkeit. Bald darauf legte sie ein Ei. Nach Sappho frg. 56 findet Leda das Ei, bei Hygin astr. II 8 ist es Hermes und bei Apollodor III 127 ein Hirt. Jedenfalls erhielt Leda, die Königin von Sparta, das Ei. Ehrfurchtsvoll legte die Beschenkte das Ei auf einen Altar, in eine Kiste (Apollodor III 127), oder brütete es selbst aus und als Helene daraus schlüpfte, zog sie das göttliche Kind auf. …… Wir haben hier das Märchenmotiv der Verwandlungen eines Verfolgten und eine göttliche Mutter. In beiden Erzählungen erscheint das religiöse Motiv vom Weltei, dem in vielen Mythen vorkommenden Ursprung alles Bestehenden, z. B. das Weltei bei den Ägyptern und das Ei des Chronos bei den Orphikern. …… Im 2. Jh. n. Chr. schrieb Pausanias III 16,1 bei seinem Besuch in Sparta über das Heiligtum der Hilaeira und der Phoibe: "Hier hängt ein Ei von der Decke herab, mit Bändern umwickelt. Das soll das Ei sein das Leda geboren haben soll." (Pausanias: Reisen in Griechenland. Band 1: Athen, die Bücher I - IV in der Übersetzung von Ernst Meyer. Düsseldorf / Zürich: Artemis & Winkler Verlag, 2001.) ....... Auf einer Vielzahl von Vasen, Kratern, Trinkschalen u. ä. ist das Leda-Motiv abgebildet. Auch Bildhauer wurden immer wieder zu Meisterwerken inspiriert; allen voran die Leda im Kapitolinischen Museum in Rom. Hier ist sie in der Sagenversion mit dem von einem Adler verfolgten und bei Leda schutzsuchenden Schwan, der sie, die Beschützerin, aber soeben begattet, dargestellt. Leda hebt mit dem Arm den Schleier, damit die Sonne nicht die hinterlistige göttliche Befruchtung sehen kann. RE XII/1 1116