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kratos
KRATOS „Stärke; Kraft“. Personifizierung der Stärke und der Kraft. Styx (kommt von „stygein“ und bedeutet „hassen“) war der Name des Flusses der Unterwelt, einer Tochter der Tethys und des Okeanos. Personifiziert ist sie die Nymphe des Flusses und Gattin des Pallas 1. Ihre Kinder waren: Zelos (der Ehrgeiz), Bia (die Gewalt), Nike (der Sieg) und Kratos (die Kraft und Stärke); Hesiod theog. 383-388: „Styx, des Okeanos Tochter, verband sich mit Pallas und gebar im Palaste Zelos (Ehrgeiz) und Nike (Sieg) mit den schönen Fesseln, gebar auch Kratos (Macht) und Bie (Gewalt), die herrlichen Kinder. Diese wohnen nicht fern von Zeus, und sie nehmen nicht Sitz noch Weg, wo der Gott sie nicht anführt, sondern verweilen immer beim schwer donnernden Zeus.“ ….. Nach dem Sieg des Zeus über die Titanen rief er alle unsterblichen Göttinnen und Götter die ihm beim Kampf geholfen haben zu sich und versprach ihnen, dass sie ihre Wirkungsbereiche behalten dürfen. Denjenigen, die keine hatten, versprach er Ehre und Vorrecht. Auf Anraten ihres Vaters Okeanos kam Styx mit ihren Kindern als erste auf den Olymp, um im Kampf dem Zeus beizustehen. Zeus verlieh ihr dafür die Ehre des Götterschwures. Für alle Zeiten musste man mit „Bei den Wassern der Styx !“ schwören. Ihre Kinder, sie sind als jene Kräfte zu verstehen auf denen Macht beruht, behielt er bei sich. Mit ihnen hatte Zeus nun alle Macht, die Gewalt, den Ehrgeiz und mit Nike die Entscheidung über Sieg und Niederlage in der Hand – nun war er „König der Götter“! …… Später wurde noch Vis (die Notwehr oder die verbotene Anwendung von Gewalt) als fünftes Kind dazu gedacht. ….. In Aischylos` „Der gefesselte Prometheus“, 1-87, helfen Bia, die Gewalt und Kratos, die Kraft, als Symbole der unumschränkten Macht des Zeus dem Hephaistos den Prometheus an eine Felswand zu ketten. ……. Aischylos Prometheus in Fesseln Personen Kratos und Bia, Schergen des Zeus Hephaistos Prometheus Chor der Töchter des Okeanos Okeanos Io, Tochter des Inachos, Geliebte des Zeus Hermes Ort der Handlung: Meeresküste des Skythenlandes Felswand an der Meeresküste des Skythenlandes. Kratos und Bia schleppen Prometheus als Gefangenen herbei. Hephaistos folgt mit Handwerkszeug. KRATOS. An einem fernen Erdstrich sind wir angelangt, im Skythenland, in menschenleerer Einsamkeit. Hephaistos, du hast jetzt den Auftrag auszuführen, den dir der Vater gab, den Übeltäter hier am hohen Fels, der steil hinabstürzt, anzuschmieden in unlöslichen Banden, Ketten, hart, aus Stahl. Denn deinen Schatz, den Schöpfer aller Kunst, die Glut des Feuers, raubte er und brachte ihn den Menschen. Für solche Schuld muß er den Göttern Buße zahlen, damit er lernt, die Macht des Zeus geduldig zu ertragen und nicht länger Menschenfreund zu spielen! HEPHAISTOS. Du, Kratos, du auch, Bia, euch gilt der Befehl des Zeus als schon vollzogen, euch kann nichts mehr hemmen; mir aber fehlt der Mut, den stammverwandten Gott so grausam an den sturmgepeitschten Fels zu schmieden. Indessen muß ich zu der Tat ein Herz mir fassen; des Vaters Weisung zu mißachten ist gefährlich! Du, kühn entschloßner Sohn der einsichtsvollen Themis, ich soll dich, wider meinen, deinen Willen, mit stahlhartem Erz an diesen öden Felsen heften; da wirst du Menschen weder hören noch erblicken; versengt vom grellen Sonnenstrahl, wird deine Haut verwelken; heiß ersehnt von dir, wird dann die Nacht mit ihrem bunten Sternenzelt das Licht verhüllen, darauf den Frühreif wiederum die Sonne schmelzen; stets wird der Schmerz der Marter, die sich jeweils regt, dich plagen; dein Erlöser ist noch nicht geboren. Das brachte deine Menschenfreundlichkeit dir ein. Du hast dich ja, als Gott, nicht vor dem Götterzorn geduckt und gabst den Menschen Ehren, wider Recht; drum wirst du diesen schauderhaften Felsen hüten, hochaufgerichtet, schlaflos, unfähig, das Knie zu beugen; nutzlos wirst du Jammerschrei und Klagen ertönen lassen. Unerbittlich waltet Zeus; ein neuer Herr übt stets sein Amt mit Strenge aus. KRATOS. Los! Warum säumst du und zeigst Mitleid, ohne Sinn? Wie, hassest du den ärgsten Feind der Götter nicht, den Gott, der deinen Schatz den Menschen preisgegeben? HEPHAISTOS. Verwandtes Blut und Freundschaft knüpfen starke Bande. KRATOS. Ja. Doch wie kann man ungehorsam sein dem Wort des Vaters? Fürchtest du dich davor nicht viel mehr? HEPHAISTOS. Stets bist du unbarmherzig und nimmst keine Rücksicht. KRATOS. Es hilft zu nichts, ihn zu beklagen. Einem Dienst, der doch nichts fruchtet, brauchst du nicht, umsonst, zu frönen! HEPHAISTOS. Wie furchtbar wirst du mir verhaßt, Werk meiner Hände! KRATOS. Was grollst du ihm? Freiweg gesprochen: An dem Leid, das hier verhängt wird, trägt das Handwerk keine Schuld. HEPHAISTOS. Trotzdem - ein andrer hätte es erlernen sollen! KRATOS. Ein Handwerk ist doch alles, nur das Amt des Herrn der Götter nicht; denn frei ist niemand außer Zeus. HEPHAISTOS. Ich seh es heute ein und kann nicht widersprechen. KRATOS. Beeil dich also, ihm die Fesseln anzulegen, damit nicht erst der Vater wahrnimmt, wie du säumst! HEPHAISTOS. Hier sind die Fesseln, schon gebrauchsbereit, zu sehen. KRATOS. Leg sie um seine Arme, triff aus Leibeskräften sie mit dem Hammer, hefte sie am Felsen fest! HEPHAISTOS. Die Arbeit schreitet fort, es geht kein Hieb daneben. KRATOS. Schlag stärker zu, schnür ein, laß ja nicht nach! Er ist wohl fähig, auswegloser Enge zu entschlüpfen. HEPHAISTOS. Der eine Arm ist festgeschmiedet, unauflöslich. KRATOS. Jetzt hefte auch den andern fest, damit er lernt, daß er, trotz seiner Schläue, dümmer ist als Zeus! HEPHAISTOS. Nur er, kein andrer, dürfte nach Gebühr mich tadeln. KRATOS. Des Stahlkeils rücksichtslose scharfe Schneide treib nunmehr durch seine Brust hindurch mit aller Kraft! HEPHAISTOS. O weh, Prometheus, deine Qual muß ich bejammern! KRATOS. Du säumst schon wieder und beklagst die Feinde noch des Zeus? Du wirst dich selber eines Tags bedauern! HEPHAISTOS. Du siehst, wovor die Augen sich verschließen sollten. KRATOS. Ich sehe ihn die wohlverdiente Strafe leiden. Los, um die Hüften lege ihm den festen Gurt! HEPHAISTOS. Ich muß es tun, du brauchst nicht allzu grob zu treiben! KRATOS. Jawohl, antreiben will ich und dazu laut schreien! Steig tiefer, presse seine Schenkel in die Ringe! HEPHAISTOS. Es ist bereits vollzogen, ohne lange Mühe. KRATOS. Schlag wuchtig die Fußschellen fest, sie sollen tief einschneiden! Er, der deine Arbeit prüft, ist streng. HEPHAISTOS. So wie du aussiehst, so ertönt auch deine Stimme. KRATOS. Zeig du dich milde - meine Unerbittlichkeit und meine Härte brauchst du mir nicht vorzuwerfen! HEPHAISTOS. Nun laß uns gehen; seine Glieder sind gefesselt. KRATOS zu Prometheus. Hier sei jetzt überheblich, raube Göttergaben und schanze sie den Eintagswesen zu! Was können die Sterblichen an deinen Qualen dir erleichtern? Zu Unrecht nennen dich die Götter »Vorbedacht«; du brauchst ja selber einen Vorbedacht, um dich aus diesem kluggespannten Netz herauszuwinden! Ab mit Bia und Hephaistos. [Aischylos: Prometheus in Fesseln. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 640 (vgl. Aischylos-W, S. 0 ff.) (c) Aufbau-Verlag]