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peirithoos 1,2
PEIRITHOOS 1,2 „Umherläufer“. 1. Ursprünglich thessalischer, später auch attischer Heros, Herrscher der Lapithen. Sohn der Dia 12, der Gemahlin des Ixion, und des Zeus, Gemahl der Hippodameia 2 und Vater des Polypoites 2; Homer Ilias 14,31ff: „Ihr entgegnete Zeus, der wolkenballende Herrscher: »Dorthin kannst du auch künftig noch aufbrechen, Hera. Für heute wollen wir beide uns lagern und inniger Liebe uns freuen. Neigung zu einem göttlichen oder sterblichen Weibe hat mich noch niemals derart durchdrungen und ganz überwältigt, auch nicht, als ich Ixions Gemahlin begehrte, die nachher mir den Peirithoos schenkte, den göttlich klugen Berater, …..“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5067 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 265) (c) Aufbau-Verlag] Der Umstand, dass viele thess. Adelsgeschlechter Peirithoos 1 als ihren Stammvater bezeichnen, dürfte dazu geführt haben, dass auch Zeus als sein Vater bezeichnet wird. Diodor, Ovid, Hygin, Apollodor, Ephoros und andere nennen ihn aber Sohn des Ixion. Damit ist er Halbbruder des Kentauros, des Vaters der vielen Kentauren. …….. Zur Feier seiner Hochzeit mit Hippodameia 2 lud Peirithoos 1 auch die Kentauren, seine Halbneffen ein. Diese wilde Verwandtschaft, halb Pferd, halb Mensch, trank zu viel von dem ihnen ungewohnten Wein. Lüstern und unbeherrscht vergriff sich der Kentaur Eurytion 1 an der Braut, raubte sie und wollte mit ihr fliehen. Die anderen Kentauren, ebenfalls stockbetrunken und hoch erotisiert, wollten sich an anderen Frauen, ja sogar an Knaben vergehen. Entrüstete Hochzeitsgäste überwältigten Eurytion, schnitten ihm die Ohren und die Nase ab und warfen ihn aus dem Haus. Man erzählt, man habe ihn sogar getötet. Sofort begann ein fürchterlicher Kampf zwischen den Kentauren und den Lapithen, schaurig schön erzählt von Ovid met. 12,210ff. Er nennt 23 Lapithen und 55 Kentauren und beschreibt grässlich den Kampf und den vielfachen Tod. Die Kentauren wurden besiegt und verjagt. Aber noch viele Jahre kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen den beiden Gruppen – eine myth. Parallele zum Kampf der Griechen gegen barbarische Stämme. ……. Viel später entstandene Geschichten erzählen von der Freundschaft zwischen Peirithoos und Theseus, sie galten neben Achilleus und Patroklos als das klassische Freundespaar. Eine ursprünglich alte Rivalität wurde feierlich beendet und durch eine Verbrüderungsfeier besiegelt. Diese Verbrüderung wurde von den Schriftstellern vor die Hochzeit des Peirithoos eingeschoben, damit er am Kampf mit den Kentauren teilnehmen konnte. Gemeinsam erlebten sie viele Abenteuer: Im Alter wollten beide noch Töchter des Zeus zu Gattinnen haben und sich bei deren Entführungen gegenseitig helfen. Zuerst entführten sie für Theseus die zwölfjährige wunderschöne Helene, die Tochter der Leda und des Zeus. Theseus vergewaltigte und schwängerte die Kleine. Aber die Dioskuren befreiten ihre göttliche Schwester. Etwas später stiegen sie in die Unterwelt hinab und wollten die Persephone, die Gemahlin des Totengottes Hades für Peirithoos rauben. Hades empfing die ungebetenen Gäste mit aller Freundlichkeit, bat sie Platz zu nehmen und bewirtete sie gastlich. Nur, die Stühle waren die Stühle der Lethe, des Vergessens, und Peirithoos und Theseus vergaßen alles. Zudem erschienen Drachen und fesselten beide auf diese Stühle. Herakles erschien einige Zeit später und befreite Theseus. Peirithoos sitzt heute noch dort und hat für alle Zeit vergessen was er wollte; Apollodor epit 1,24. Viel nüchterner überliefert es Pausanias 1,17,4f: „Als Theseus bei den Thesprotern einfiel, um die Frau des Thesproterkönigs zu rauben, verlor er den größten Teil seines Heeres, und er selbst und Peirithoos wurden gefangen. Peirithoos, der seine Heirat betrieb, war mit von der Partie. Der Thesproterkönig hielt sie in Kichyros in Fesseln.“ Ca. im 6. Jh.v. Chr. war Peirithoos so berühmt, dass Schriftsteller begannen ihn in bereits bestehende Sagen einzubauen: - Mit Theseus wurde er zum Teilnehmer an der kalydonischen Eberjagd. - Bei Pindar hilft er dem Theseus beim Raub der Antiope. - Hygin macht ihn zu einem der Argonauten u.ä. Im späten Mittelalter näherte sich Chaucer mit seinem Roman „Roman de la rose“ der Eurydike-Orpheus-Sage an und ließ Theseus nach dem Tod seines heiß geliebten Freundes Peirithoos in den Hades nachreisen um ihn zu suchen. …….. Die Abenteuer des Peirithoos und speziell der versuchte Raub der Hippodameia und der Kampf mit den Kentauren ist auf einer Vielzahl von Vasen u. dgl. abgebildet. In Pompei hat ein Bild von der Hochzeit der Hippodameia fast 2000 Jahre überlebt. Dank Pausanias wissen wir auch von den Skulpturen der Kentauren; nur wenige sind noch erhalten. ……… Der Kampf der Lapithen gegen die Kentauren bei der Hochzeit der Hippodameia und des Peirithoos. Ovid met. 12,210-535: „Mit Hippodame hielt Hochzeit des verwegnen Ixion Sprößling und hieß zum Schmaus an gereiht dastehenden Tischen Lagern das Wolkengeschlecht in baumumschatteter Grotte. Edle Hämonier lud er zu Gast; Gast waren wir selber, Und von Gewirr und Gewühl war laut die festliche Hofburg. Horch, man singt Hymenäen; es rauchen von Feuer die Hallen; Jetzt auch naht, umringt von der Menge der Mütter und Töchter, Herrlich in Schönheit, die Braut. Wir priesen Pirithous glücklich, Daß sein solch ein Weib; doch fast war vergebens der Glückwunsch. Denn dir, Eurytus, glüht, dem grausesten von der Zentauren Grausem Gezücht, die Brust wie von Wein so auch von der Jungfrau Anblick, und es beherrscht dich der Rausch, von Begierde verdoppelt. Lärmend auf einmal stören das Mahl umstürzende Tische, Und an den Haaren gefaßt und geraubt wird frech die Vermählte. Eurytus raubt Hippodame, andre rauben nach Auswahl Oder wie jeder gekonnt, und ein Bild von eroberter Stadt bot's. Laut schallt Weibergeschrei durchs Haus. Auf springen wir alle Schleunig vom Sitz, und zuerst ruft Theseus: 'Was für ein Wahnsinn Treibt dich, Eurytus, an, den Pirithous also zu reizen Und, da ich leb, gleich zwei nicht wissend in einem zu kränken?' Daß auch nicht umsonst so spräche der streitbare Heros, Stößt er die Drängenden weg und entreißt die Geraubte dem Tollen. Jener versetzt kein Wort - rechtfertigen können ja Worte Nimmer das frevelnde Tun -, doch frech zum Gesichte des Schützers Hebt er die Faust und trifft ihm die edele Brust mit dem Schlage. Nah war gerade ein Krug, uneben von ragendem Bildwerk, Altertümlicher Art: den mächtigen, mächtiger selber, Hebt der Aegide empor und wirft ins Gesicht ihn dem Gegner. Dem strömt klumpiges Blut und Gehirn und Wein aus der Wunde Wie aus dem Mund, und er zappelt, gestreckt im befeuchteten Sande. Grimm ist entfacht vom Tode des Bruders den Doppelgeschöpfen: 'Auf zu den Waffen!' ertönt einstimmiger Ruf. 'Zu den Waffen!' Mut gab ihnen der Wein, und es fliegen geschleuderte Becher, Bauchige Näpfe zuerst im Streit und zerbrechliche Töpfe, Sonst zum Mahle bequem, nunmehr zum Kämpfen und Morden. Amycus, Sohn des Ophion, vermaß sich zuerst, zu berauben Ihres geweihten Gerätes die heilige Statt: von dem Altar Riß er die Ampel hinweg, die leuchtende Dochte umkränzten. Hoch dann hob er sie auf, gleichwie wenn einer des Farren Schneeigen Nacken sich müht zu durchhauen mit opferndem Beile, Und traf Celadons Stirn, des Lapithen, und in dem entstellten Antlitz ließ er, verwirrt ineinander, die Knochen. Die Augen Quollen heraus, und durch die zerschmetterten Knochen des Mundes Wurde die Nase gequetscht und haftete mitten im Gaumen. Doch ihn streckt mit dem Bein, das dem Ahorntisch er entrissen, Pelates hin, der Pelläer, das Kinn nach der Brust ihm zerschlagend. Während er Zähne gemengt nun spie mit schwärzlichem Blute, Schickt ein erneuter Streich ihn hinab zu des Tartarus Schatten. Gryneus stand ihm zunächst; der schaute mit schrecklicher Miene Hin auf den rauchenden Herd: 'Warum nicht brauchen wir diesen?' Sprach er und hob, mit dem Feuer darauf, den gewichtigen Altar, Hob und warf ihn hinein in das dichte Gewühl der Lapithen: Broteas wurde zermalmt von der Wucht und Orius. Orius Nannte sich Mykales Sohn, die oft, wie man wußte, des Mondes Hörner mit bannendem Spruch trotz seines Erwehrens herabzog. 'Du sollst büßen dafür, steht Waffe mir nur zu Gebote!' Rief Exadius nun, und er nimmt als dienliche Waffe Hoch von der Fichte herab ein Hirschgeweih, heilig dem Gotte. Mit dem gedoppelten Ast dann stößt er hinein in des Gryneus Augen und drängt sie heraus, und es klebt ein Teil an den Zacken, Anderes fließt in den Bart und hängt, mit Blute geronnen. Sieh, ein brennendes Scheit vom Pflaumenbaum raffte sich Rhoetus Mitten vom Opferaltar und zerschlug am Haupt des Charaxus, Rechtsher schmetternd, die Schläfe, die blond umwallte das Haupthaar. Rasch wie trockene Saat, vom reißenden Feuer ergriffen, Stand in Flammen das Haar, und das Blut, in der Wunde gesenget, Zischte mit schrecklichem Ton, so wie, von der Hitze gerötet, Eisen zu tönen pflegt, das mit der gebogenen Zange Zieht aus der Esse der Schmied und taucht in die Kufe; doch jenes Zischt und sprühet noch fort auch unter der lauwarmen Welle. Wieder vom struppigen Haar abschüttelnd das gierige Feuer, Wühlte der Wunde vom Grund und hob auf die Schulter die Schwelle, Last, für den Wagen genug; doch schuld war eben die Schwere, Daß sie den Feind nicht traf, und den eignen Genossen Cometes, Der so weit nicht stand, drückt nieder die steinige Masse. Hoch ist Rhoetus erfreut und verhehlt's nicht: 'Möchte doch', ruft er, 'Auch solch tüchtige Kraft dartun dein übriges Kriegsvolk!' Und mit dem glimmenden Ast erneuete Wunde verdoppelnd, Sprenget er drei-, viermal mit gewichtigem Streiche des Schädels Fugen und treibt in das flüssige Hirn die zerschmetterten Knochen. Corythus wählte sich nun und Euagros und Dryas der Sieger. Als er den einen gefällt, dem Flaum erst deckte die Wangen, Corythus, rief Euagros ihm zu: 'Was hast du für Ehre, Daß dir ein Knabe erlag?' Nicht läßt der erbitterte Rhoetus Weiteres reden und stößt dem sprechenden Mann in den offnen Mund und hinab durch den Mund in die Brust die gerötete Flamme. Dir auch rückt er zu Leib, streitfertiger Dryas, das Feuer Drohend geschwungen ums Haupt; bei dir war aber der Ausgang Nicht so. Ihm, der prahlt mit des ständigen Mordes Gelingen, Bohrst du geglüheten Pfahl dicht neben dem Hals in die Schulter. Da stöhnt Rhoetus und reißt mit Mühe den Pfahl aus dem harten Knochen und flieht nun selber, benetzt von dem eigenen Blute. Lykabas auch sucht Heil in der Flucht, Ornëus und Medon, Rechts an der Schulter verletzt, nicht minder Pisenor und Thaumas; Auch, der alle im schnellen Wettlauf erst neulich besiegte, Mermeros (jetzt langsamer im Gang von empfangener Wunde), Pholus und Melaneus auch und Abas, der Ebererbeuter, Er, der vergebens vom Krieg abmahnte die Seinen, der Seher Astylos. Der sprach auch zu dem Wunden befürchtenden Nessus: 'Flieh doch nicht, du bleibst ja bewahrt für Herkules' Bogen.' Aber Eurynomus nicht und Lycidas und mit Areos Imbreus mieden den Tod: die streckte die Rechte des Dryas Alle darnieder von vorn. Von vorn nicht minder empfingst du, Ob du den Rücken zur Flucht auch wandtest, Crenaeus, die Wunde. Umsehn wolltest du dich, als zwischen den Augen hineinfuhr, Wo sich die Nase der Stirn anfügt, das verderbliche Eisen. Bei so tobendem Lärm lag stets und ständig, in allen Adern befangen vom Schlaf, und nicht zu erwecken Aphidas, Der, auf dem zottigen Fell der ossäischen Bärin gelagert, In der erschlaffeten Hand noch hielt die gefüllete Kanne. Ihn, der nicht zum Gewinn das Gefecht mied, schaute von weitem Phorbas und fügt' in des Speers Wurfriemen die Finger und sagte: 'Trinke den Wein mit der Styx!' Mehr zaudert er nicht, und dem Jüngling Schwingt er entgegen den Spieß, und die eisenbeschlagene Esche Bohrte sich, wie er gerade so rücklings lag, in die Kehle. Fühllos litt er den Tod, und hervor aus strotzender Gurgel Rieselte schwarz auf den Pfühl und selbst in die Kanne der Blutstrom. Auszureißen versucht - ich sah's - Petraeus den Eichbaum, Der mit Eicheln behängt dastand; doch, wie er umklammernd Hin und her ihn bewegt und rüttelt am wankenden Stamme, Heftet Pirithous' Speer, in die Rippen geschnellt dem Petraeus, Fest die gestemmete Brust mit dem knorrigen Holze zusammen. Lycus erlag vor der Kraft des Pirithous, hörten wir sagen, Chromis erlag vor der Kraft des Pirithous. Aber die beiden Schafften geringeren Ruhm dem Sieger als Dictys und Helops. Helops sank von dem Spieß, der Bahn sich brach durch die Schläfe Und von dem rechten durchdrang, gebohrt, zu dem linken der Ohren. Dictys, der von des Bergs unsicherer Spitze hinabglitt, Während er zitternd entfloh vor dem drängenden Sohn des Ixion, Stürzt in die Tiefe hinab und zerbricht mit der Schwere des Leibes Eine gewaltige Esch und bezieht mit Gedärmen den Baumstumpf. Rächend ist Aphareus nah und müht sich, zu schleudern ein Felsstück, Das er vom Berg losriß. Den Bemühten erreicht der Aegide Eher mit eichenem Pfahl und zerschellt ihm die riesigen Knochen Mitten am Arm. Doch ganz den jetzt Machtlosen zu töten, Fehlte Zeit oder Lust. Auf den Rücken des hohen Bianor Schwingt er sich, der nur sich, sonst keinen zu tragen gewohnt war, Stemmt in die Rippen das Knie und zerrt nach hinten das Haupthaar, Das mit der Linken er packt, und zerschlägt mit dem knotigen Holze Ihm das Gesicht und den drohenden Mund und die knochigen Schläfen. Dann schlägt nieder das Holz den Nedymnus, den Schützen Lykopes, Hippasus, welchem die Brust von wallendem Barte bedeckt war, Ripheus, der mit dem Leib noch über die Wipfel der Wälder Ragete, Thereus auch, der in den hämonischen Bergen Bären zum öfteren fing und lebendig die brummenden heimtrug. Länger ertrug's nicht mehr Demoleon, daß für den Theseus Immer der Kampf sich entschied, und den Stamm vieljähriger Fichte Strebt er mit großer Gewalt aus dem dichten Gestrüppe zu reißen. Fruchtlos blieb der Versuch, und er warf sie geknickt nach dem Feinde. Theseus aber entging, wegtretend, dem kommenden Wurfe, Weil ihn Pallas gewarnt - so wollte er, daß man es glaubte. Doch nicht harmlos stürzte der Baum; dem stattlichen Krantor Riß er hinweg von der Kehle die Brust und die linke der Schultern. Waffenträger war der für deinen Erzeuger, Achilles; Aeacus' Sohn empfing ihn vom Doloperkönig Amyntor, Den er im Kriege besiegt, als Gewähr und Bürgen des Friedens. Als so gräßlich zerfetzt ihn Peleus sah aus der Ferne, Sprach er: 'Sühnung im Tod, o liebster der Jünglinge, Krantor, Sollst du empfangen!' Im Schwung auf Demoleon sandt er mit starkem Arme, dazu mit den Kräften des Zorns, die eschene Lanze, Welche der Rippen Geflecht durchbrach und haftend im Knochen Schwankte. Heraus riß jener den Schaft, doch ohne die Spitze; Kaum auch folgte der Schaft, fest blieb in der Lunge das Eisen. Eben der Schmerz gab Kräfte dem Mut: der Verwundete bäumt sich Gegen den Feind und tritt nach dem Mann mit gehobenen Hufen. Doch mit dem Helm und dem Schild fängt jener die schallenden Hiebe, Hält sich die Schulter gedeckt und stemmt abwehrende Waffen, Und zwei Brüste durchbohrt ein Stoß in den Bug des Zentauren. Vorher hatte der Held den Phlegraeus getötet und Hyles Aus der Ferne, im nahen Gefecht mit Iphinous Clanis. Dorylas teilt ihr Los, der über die Schläfe ein Wolfsfell Hatte gedeckt und trug anstelle verderblicher Waffe Krummes Gehörn vom Stier, mit reichlichem Blute gerötet. Diesem erging mein Ruf - denn Stärke verlieh mir die Kampflust -: 'Sieh, wie weit dein Horn vor unserem Eisen zurücksteht!' Und ich entsandte den Speer. Weil ihm nicht war zu entgehen, Hielt er die Rechte zum Schutz der mit Wunde bedroheten Stirne. Fest an die Stirn anspießt ich die Hand. Laut schrien die andern; Doch ihn traf, wie er hing und von bitterer Wunde besiegt war, Peleus, näher als ich, mit dem Schwert in der Mitte des Bauches. Wild springt Dorylas auf und schleift sein Gedärm an der Erde, Tritt das geschleifte, zerreißt das getretene, wird mit den Beinen Gar noch drinnen verstrickt und fällt mit geleeretem Bauche. Dir auch, Cyllarus, bracht im Streit nicht Rettung die Schönheit, Wenn je von Schönheit bei solch einem Wesen zu reden erlaubt ist. Schwach erst keimte der Bart und war goldfarbig, und golden Wallete nieder das Haar bis mitten zum Bug von den Schultern. Frisch und jugendlich war das Gesicht; Hals, Schultern und Hände Und die Brust kamen nah den gerühmten Gebilden der Künstler - Alles, soweit er ein Mann. Auch war untadlig der Roßleib Drunter und nicht nachstehend dem Mann. Gib Nacken und Haupt ihm, Und er ist Kastors wert: so bietet der Rücken zum Sitz sich, So prall hebt sich die Brust. Pechschwarz ist er über und über, Aber am Schweif schneeweiß; weiß auch ist die Farbe der Beine. Viele begehreten sein der zentaurischen Weiber: Doch einzig Nahm ihn Hylonome hin, so schmuck wie keine von allen, Welche bewaldete Höhn mit den Halbgetieren bewohnten. Durch zutrauliches Tun, durch Lieb und der Liebe Geständnis Fesselt sie Cyllarus' Herz. Auf Putz auch wendet sie Sorgfalt, Wie ihn der Wuchs zuläßt: daß glatt vom Kamme das Haar ist, Daß bald Rosmarin, bald Rosen sie oder Violen Flicht in das Haar, oft auch hellfarbige Lilien wählet Und das Gesicht in dem Quell, der rinnt von pagasischer Waldhöh, Zweimal wäscht am Tag, zweimal sich badet im Strome, Daß von erlesenem Wild und nur schön kleidende Felle Über die Schulter sie deckt an der Linken und über die Seite. Gleich liebt jedes vom Paar; sie schweifen vereint im Gebirge, Gehen in Höhlen vereint. Auch in die lapithische Wohnung Traten zusammen sie ein und standen zusammen im Mordstreit. Dunkel ist, wer es getan: linksher kam plötzlich ein Wurfspieß Auf dich, Cyllarus, zu und ereilte dich unter der Stelle, Wo sich die Brust anfügt an den Hals. Nur wenig verwundet, Wird mit dem Leibe das Herz gleich kalt, als der Speer dann entfernet. Aber Hylonome fängt, nicht säumend, die sterbenden Glieder, Legt ihm die lindernde Hand auf die Wund und naht mit dem Munde Liebend dem Mund und versucht der entweichenden Seele zu wehren. Als sie ihn tot nun sah, da sagte sie, was das Getöse Nicht ließ dringen zu mir, und stürzte sich rasch in die Waffe, Die ihn hatte durchbohrt, und umfing hinsterbend den Gatten. Er auch stehet mir noch, Phaeocomes, immer vor Augen, Der mit geschlungenen Knoten sechs Felle von Löwen zusammen Hatte verknüpft und das Roß damit und den Menschen bedeckte. Mit dem geschleuderten Klotz, den kaum zwei Gespanne bewegten, Traf er des Olenos Sohn, den Tectaphus, malmend am Scheitel. Weithin barst von der Wucht das bewegliche Haupt; aus der hohlen Nase zugleich und dem Mund, aus den Augen hervor und den Ohren Quillet das weiche Gehirn, wie aus dem Geflecht die verdickte Milch abfließt, wie Öl beim Drucke des löchrigen Durchschlags Tropfet heraus und träge sich drängt aus den engenden Löchern. Wie den Erlegten der Feind nun wollte der Waffen entkleiden, Streckte den Plündernden hin mein Schwert - dein Vater bezeugt es -, Tief in die Weichen gebohrt. Mit Teleboas auch ist erlegen Chthonios unserem Stahl. Der trug zweizackigen Prügel; Jenen bewehrt' ein Spieß. Ich war von dem Spieße verwundet: Schaue das Mal; noch zeigt sich davon die verwachsene Narbe. Damals mußte man mich zum Sturm gen Pergama senden; Damals hätt ich vermocht, wo nicht zu besiegen, zu hemmen Hektors gewaltige Macht. Noch nicht war Hektor am Leben Oder aber ein Kind. Nun bin ich entkräftet vom Alter. Wozu Periphas' Ruhm, der erschlug den Zentauren Pyraetus, Künden und Ampyx' Ruhm, der vorn in des Trabers Echecles Antlitz trieb, obwohl ihr die Spitze gebrach, die Kornelle? Vom pelethronischen Volk Erigdupus sank von dem Barren, Den ihm Makareus rannt in die Brust. Noch seh ich den Jagdspeer, Der, von Nessus geschnellt, sich barg in dem Bauch des Cymelus. Hege den Wahn auch nicht, daß bloß weissagte die Zukunft Mopsus, des Ampyx Sohn. Der doppelgestalt'ge Hodites Sank durch Mopsus' Geschoß und suchte vergeblich zu reden, Weil ihm die Zung ans Kinn und das Kinn an die Gurgel gespießt war. Caeneus sendete fünf in den Tod, Antimachos, Bromos, Styphelos, Elymus auch und den Streitaxtträger Pyractis. Wie, das ist mir entfallen; die Zahl und die Namen behielt ich. Sieh, mit der Beute bewehrt vom emathischen Kämpfer Halesus, Den er erlegt, dringt vor, an Gliedern und Leibe gewaltig, Latreus. Zwischen dem Greis und dem Jüngling stand er im Alter, Jugendlich war seine Kraft; grau waren die Schläfen gesprenkelt. Dieser, mit Schild und Schwert und mit makedonischer Lanze Stattlich zu sehn und gewandt nach jedem der Heere das Antlitz, Schüttelt das Kriegsgerät und trabet im sicheren Kreise, Und hochmütig ergießt er in ledige Lüfte die Worte: 'Was will Caenis allhier? Denn du bleibst immer ein Weib mir, Du bist Caenis für mich. Ist nicht der natürliche Ursprung Mahnung für dich, und bedenkest du nicht, welch Tun dir Belohnung, Was für ein Preis dir erwarb des Mannes betrüglichen Anschein? Sieh, was du von Geburt und was du gelitten! Den Rocken Nimm in die Hand und den Korb und dreh mit dem Daumen den Faden; Krieg laß Männern allein!' Dem Prahlenden öffnete Caeneus Mit dem geschleuderten Speer die vom Rennen gedehnete Seite, Wo an das Roß sich fügte der Mann. Wild tobet im Schmerze Jener und stößt in das nackte Gesicht des Phylleërs die Lanze. Aber sie prallte zurück, wie oben vom Dache der Hagel Oder wie kleines Gestein, wenn es fällt auf bauchige Pauke. Dicht nun geht er zu Leib und müht sich, dem Feind in die harte Seite zu bohren das Schwert: für das Schwert ist nirgends ein Durchgang. 'Doch nicht sollst du entfliehn; dich soll hinmorden die Schneide, Weil denn die Spitze gestumpft!' So spricht er und holt mit dem Schwerte Seitwärts aus und erreicht mit der Länge der Rechten die Lende. Hell klirrt's unter dem Streich, gleichwie an getroffenem Steinbild, Und abspringend zerbrach am geschlagenen Halse die Klinge. Als dem Erstaunten genug die gesicherten Glieder geboten Caeneus, rief er: 'Wohlan, dein Leib nun werde von unsrem Schwerte versucht!' Und er stößt in den Bug das verderbende Eisen Bis an das Heft und dreht und bewegt's in den innern Geweiden, Ohne zu sehn, mit der Hand und erneut in der Wunde die Wunde. Grimmig mit wüstem Geschrei anstürmen die Doppelgeschöpfe, Alle den einen bemüht zu erreichen mit Würfen und Streichen. Stumpf fällt jedes Geschoß, und undurchbohrt von den Stößen Allen und stets unblutig bleibt der elatische Caeneus. Höchlich erstaunt bei dem Wunder die Schar. 'Ha, Schmach und Beschimpfung!' Ruft jetzt Monychus aus. 'Uns viele besieget der eine, Kaum ein Mann; doch freilich ein Mann, wir aber in Schlaffheit Sind, was der einst war. Was nützen die riesigen Glieder, Was zwiefältige Kraft? Was nützt, daß doppeltes Wesen Einig verbindet in uns die stärksten Geschöpfe der Erde? Nicht - so dünket es mir - von der Göttin und nicht von Ixion Stammen wir, der so groß, daß sich zur erhabenen Juno Konnte versteigen sein Wunsch. Uns wird besiegen ein Halbmann. Auf, wälzt Felsen auf ihn, Baumstämm und ganze Gebirge, Und mit geworfenem Wald treibt aus das beharrliche Leben! Wald mag schnüren den Hals, und Last wird Wunden ersetzen.' Sprach's und packte den Stamm, der gerade vom tobenden Südwind Niedergestreckt dalag, und warf nach dem mächtigen Feinde. Beispiel war's für den Schwarm, und Othrys nach kurzem Verweilen Stand von Bäumen entblößt, und dem Pelion fehlte der Schatten. Caeneus aber, gedrückt von der Baumlast, mühte sich schnaubend Unter der gräßlichen Schicht und trug auf gehärteten Schultern Haufen von Holz. Als aber die Last nun über das Antlitz Wuchs und das Haupt und Luft nicht war, die zöge der Atem, Liegt ohnmächtig er bald, bald strebt er empor an die Lüfte Sich zu erheben umsonst und abzuwälzen die Stämme; Manchmal regt er sich auch, wie wenn der erhabene Ida, Den vor Augen wir sehn, von der Erde Erschütterung aufbebt. Ungewiß ist der Erfolg. Sein Leib, so sagten die einen, Sei von dem lastenden Wald in des Tartarus Öde gestoßen. Nicht so Ampyx' Sohn: der sah, wie hervor aus dem Haufen Flog in die lautere Luft mit gelbem Gefieder ein Vogel, Welchen zuerst damals und zuletzt damals ich erblickte. Wie er den Vogel gewahrt, der kreisete um der Gefährten Lager gemächlichen Flugs und mit schallendem Kreischen hinabrief, Da sprach Mopsus, zugleich mit dem Geist und den Augen ihm folgend: 'Sei mir gegrüßt, du Ruhm und Stolz des lapithischen Volkes, Trefflicher Mann vormals, nun einziger Vogel, o Caeneus!' Glauben erwirbt der Verkünder dem Wort. Schmerz mehrte den Ingrimm, Und wir gedachten mit Wut, wie viele den einen erdrückten, Und nicht standen wir ab, den Zorn mit dem Eisen zu kühlen, Bis teils Tod sie gerafft, teils Flucht und Nacht sie entzogen.« [Ovid: Verwandlungen (Metamorphoses). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 12999 (vgl. Ovid-W Bd. 1, S. 291 ff.) (c) Aufbau-Verlag] 2. Arkadischer Heros, Sohn des Aipytos 2.