eine gesamtgenealogie der griechisch-mediterranen mythologie
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myrrha 1,2
MYRRHA 1,2 Myrrha ist ein Lehnwort aus der semitischen Sprache. 1. Myrrha ist das Harz aus dem echten Myrrhenbaum, das wegen seines Wohlgeruches sowohl sakral als auch profan verwendet wurde. Auch das aus dem Holz gepresste Öl fand vielfache Verwendung. 2. Die Geschichte von Kinyras und Myrrha entstand ca. im 6. Jh. v. Chr. und wurde durch die Erzählung in den Metamorphosen des Ovid, 10,298-518, weltberühmt. ..... Myrrha, auch Smyrna genannt, war die überaus schöne Tochter der Kenchreis und des Kinyras. Die Mutter prahlte, dass ihre Tochter schöner sei als Aphrodite. Man erzählt auch, Myrrha habe alle Männer abgewiesen und sich geweigert der Göttin der Liebe zu dienen. Aphrodite bestrafte die Schöne mit sündiger, verwerflicher Liebe zu ihrem Vater. Mit „Graunvoll, was ich nun singe. Bleibt fern ihr Töchter, ihr Väter !“ beginnt Ovid seine Erzählung. „Daß sein Pfeil dich verletzt, o Myrrha, leugnet Cupido Selbst, und frei erklärt er von dieser Schuld seine Fackel. Dich hat mit stygischem Brand, mit geblähtem Viperngezücht der Furien eine behaucht. Ein Verbrechen, den Vater zu hassen ! – SO ihn zu lieben, größer Verbrechen als Haß !....“. Myrrha ist im heiratsfähigen Alter und ihr Vater stellt ihr die „würdige Menge der Freier“ vor. Sie will keinen. „............Er fragt sie, von welcher Art ihr Gatte sollt´ sein. `Dir ähnlich!` gibt sie zur Antwort. Und er lobt das nicht verstandene Wort: `Sei du immer`, Spricht er, `so kindlich fromm !`....... Myrrha erkennt aber ihre sündige Liebe, ihre aufwühlende Fleischeslust – „.......Doch Myrrha, verzehrt von unbändigen Gluten, Wacht und weckt sich stets auf neu ihr rasend Verlangen. Bald wirft sie ihr Hoffen, bald will sie es wieder versuchen, Schämt sich und wünscht zugleich, weiß nicht, was sie tu´. .....“ – verzweifelt und sucht als Erlösung – „Tod beschließt sie, erhebt sich, gewillt mit dem Strange sich die Kehle Zuzuschnüren, befestigt am höchsten Balken den Gürtel: `Cinyras, teurer leb´ wohl, erkenne den Grund meines Todes !` Ruft sie und paßt die Schlinge schon an dem erblassenden Halse.“. Ihre treue Amme betritt den Raum, hebt die Verzweifelte vom Strang, sich selbst auf den Schoß, umarmt sie und versucht sie zu trösten. Weinend bittet die alte Frau: „0 rede ! Mich laß Hilfe dir bringen ! ......“. Myrrha, weint, „überströmt mit Tränen der Alten Brust“, und offenbart nach langem Zögern der Amme ihr grauenvolles Verlangen. „.............. Da fuhr der Amme der kalte Schauder – denn sie begriff – in Mark und Bein. Auf dem ganzen Scheitel starrt das gebleichte Grau ihrer Haare zu Berge.“ Sie hatte Myrrha Hilfe versprochen, wenn sie den Grund ihrer Tat nenne. Nun musste sie helfen. Beim jährlichen Fest der Ceres war es den Ehefrauen neun Nächte lang verboten ihre Männer zu berühren. Die Männer feierten mit Weingenuss. Die Amme fand den betrunkenen König „in üblem Eifer“ und erzählte ihm, dass eine schöne junge Frau ihn heftig liebe und mit ihm das Nachtlager teilen möchte. Kinyras willigte ein, im Dunkel der Nacht wolle er sie empfangen. „.......... Schon berührt sie die Schwelle der Kammer, Öffnet schon die Tür, wird schon hineingeführt, da erzittert Plötzlich und bebt ihr der Kniee Gelenk, das Blut und die Farbe Flieht ihre Wangen, es sinkt ihr der Mut, noch weiter zu gehn, je Mehr ihrem Frevel sie naht, desto stärker graut ihr; es reut sie, Was sie wagt, und sie möchte noch unerkannt können entweichen. Da sie noch zögert, zieht das Weib an der Hand sie hinein, es Führt sie zum hohen Bette und spricht: `O Cinyras, nimm du Hier, was dein ist`, und gibt die verfluchten Leiber zusammen. ..............Schwanger vom Vater verläßt sie die Kammer, trägt im verfluchten Schoß den unseligen Samen, die Last des empfangenen Frevels. Und die folgende Nacht wiederholt – nicht als letzte – den Greuel.“ Kinyras möchte seine Geliebte einmal sehen. Er holt Licht – „......................................... – und seine Tochter Und das Verbrechen erkennt. Da der Schmerz ihm, Worte zu reden Wehrt, entriß er das blinkende Schwert der hangenden Scheide. Myrrha flieht und entrinnt, begünstigt vom Dunkel der finstern Nacht dem jähen Tod. Sie durchschweift die weiten Gefilde, Ließ die panchaeische Flur und Arabiens Palmen im Rücken.“ Myrrha bereut ihr abscheuliches Verhalten zutiefst. Nach neun Monaten des Herumirrens, die Stunde der Entbindung naht, fleht sie die Götter um Vergebung an: „............. O Götter, wenn jemals, dem der bekennt, das Ohr ihr geliehen: ich hab´ es verdient und versage der schwersten Strafe mich nicht; doch damit ich nicht die Lebenden lebend Kränke, die Toten tot, vertreibt mich aus beider Bereichen, Wandelt meine Gestalt und versagt so Leben wie Tod mir.“ Die Götter erhörten die Bekennende und verwandelten sie in einen Baum. Die Frucht im Leibe aber wuchs und wollte geboren werden. Myrrha konnte Lucina, die Göttin der Entbindung nicht rufen – „Doch einer Kreißenden gleich sich krümmend ächzte und stöhnte Oftmals der Baum und ward von fallenden Tränen gefeuchtet. Siehe ! Die milde Lucina, sie tritt zu den leidenden Zweigen, Legt an den Stamm ihre Hände und spricht die entbindenden Worte. Risse treibt der Baum und gibt aus dem Spalt seiner Rinde Los seine lebende Last; ein Knabe wird frei, .......“. A D O N I S W A R G E B O R E N !! „Loben musste der Neid seine Schönheit.“ Die Nymphen nahmen ihn in Empfang und salbten ihn mit den Tränen seiner Mutter. „Neulich geboren erst, noch eben das schönste der Kinder, Jetzt schon ein Jüngling, ein Mann, übertrifft schon an Schönheit sich selbst, wird Schon von Venus geliebt und rächt die Leiden der Mutter.“ „Denn als der Knabe, der köcherbewehrte (Eros), die Mutter einst küßte, da streifte ein Pfeil, der hervorstand, versehentlich ihr die Brust, ......“ – und Aphrodite verliebte sich leidenschaftlich in Adonis, genau so leidenschaftlich, wie Myrrha sich in ihren Vater verliebte, als Aphrodite sie bestrafte. Auch Adonis liebt die Göttin der Liebe, aber er liebte Persephone ebenfalls und mehr als Beide zusammen liebte er die Jagd – die Rache des Adonis; lies Adonis >. Kinyras suchte seine Tochter. Er fand den Baum und erhängte sich an einem Ast des Baumes. (Textausschnitte aus dtv-Verlag, Ovid, Metamorphosen, Übersetzer Erich Rösch)