eine gesamtgenealogie der griechisch-mediterranen mythologie
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myrtilos 1
MYRTILOS Sohn des Hermes und der Klytie 8, der Theobule 2 / Kleobule 3, der Amazone Myrto 2 oder der Phaethusa 2; nach Schol. Euripides Orest 998 ist Klymene 9 von Zeus die Mutter des Myrtilos. Myrtilos war der Wagenlenker des Oinomaos und wurde erst sehr spät in die Oinomaos-Pelops-Legende eingebaut. ….. Nach Tantalos Tod wurde Pelops König von Lydien, wurde aber von Tros, dem Enkel des Dardanos 1 vertrieben. Der schöne Jüngling, als politisch Verfolgter herumirrend, hörte von der Schönheit der Hippodameia 1, der Tochter des Königs Oinomaos 1 von Pisa. Beflügelt von seiner Phantasie fühlte er ein heißes Verlangen, verließ sein Land und reiste nach Pisa (diese legendäre Stadt ist eine dichterische Erfindung, angelehnt an Pisatis, eine Landschaft im elischen Bereich). König Oinomaos hatte aber verkündet, dass, wer Hippodameia zur Frau und dazu das Königreich haben will, gegen ihn im Wagenrennwettkampf siegen müsse. Er selbst war nämlich, so erzählte man, in seine Tochter verliebt. Einige erzählten gar, er stille schändliche Gelüste. Jedenfalls war er nicht bereit sie herzugeben. Viele kamen schon und baten um die Hand der Hippodameia. Doch alle verloren das Wettrennen, denn Oinomaos besaß, Geschenke seines Vaters Ares, die Pferde Psylla, „der Floh“, und Harpinna, „die Raffende“, Pferde, die schneller waren als der Wind und Waffen die ihn unbesiegbar machten. Die so betrogenen Freier verloren jeden Wettkampf mit dem Vater. Und Oinomaos, grausam, ließ sie auf der Stelle köpfen. Mit den blutigen abgeschlagenen Köpfen schmückte er den Eingang seines Palastes. Einundzwanzig vertrocknete Köpfe blickten auf jeden der ankommenden Besucher. Als der junge und heiß verliebte Pelops vor den Palast des Oinomaios trat erschrak er angesichts dieses grauenvollen Hausschmuckes fürchterlich. Panische Angst erfasste ihn. In seiner Not bat er Poseidon, der alte Meeresgott liebte ja den jungen Pelops und es war noch Dank abzustatten für am Strand erwiesene Gunst (nach Pindar), um Hilfe. Der Gott des Meeres gab ihm gerne einen goldenen Wagen und geflügelte Rosse. Trotz dieses göttlichen Geschenkes war Pelops in Sorge. Er erschlich sich das Vertrauen des Myrtilos, des Wagenlenkers des Oinomaos, und versprach ihm im Falle der tatkräftigen Hilfe das halbe Königreich und eine Nacht im Bett der Hippodameia. Myrtilos war nämlich in das schöne Mädchen verliebt und willigte gerne ein. Hinterlistig ersetzte er beim Wagen seines Herrn die eisernen Achsnägel durch Nägel aus Wachs. ….. Der Moment vor dem Start ist auf dem Fries des Ostgiebels des Zeustempels in Olympia, aber ohne Myrtilos, dargestellt. Auch Pindar kennt den Myrtilos nicht. Der Grund: Die Geschichte mit den eingesetzten Nägeln aus Wachs dürfte erst eine Erfindung des Sophokles sein. ….. Nach kurzer rasender Wettfahrt lösten sich die Räder vom Wagen des Oinomaos, er kam zum Sturz, der Wagen des Königs zerbrach – und die windschnellen Pferde schleiften den Gestürzten zu Tode. Hephaistos entsühnte Pelops von diesem hinterlistigen Mord. Der göttlich Gereinigte heiratete glücklich Hippodameia und erhielt das Königreich Pisa. Als Myrtilos den versprochenen Preis einforderte, lud ihn Pelops zu einer Flugfahrt mit seinen geflügelten Pferden ein. Myrtilos, er war noch nie durch die Lüfte geflogen, freute sich, stieg in den Wagen, höher und höher flogen die Pferde und plötzlich stieß ihn Pelops aus dem göttlichen Gefährt. Der abstürzende Myrtilos verfluchte laut und für alle vernehmbar Pelops und seine Nachkommen, „Der Fluch des Myrtilos“, ein Fluch mit fürchterlichen Folgen. Dann schlug er auf dem Meer auf. Noch heute erzählt man es sei das Myrtoische Meer nach ihm benannt. Der Leichnam wurde in Pheneos an Land gespült und hinter dem Tempel seines Vaters Hermes bestattet. ….. Im Nationalmuseum in Damaskus befindet sich ein wunderschönes Pelops / Myrtilos – Mosaik.