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polydoros 1 bis 7
POLYDOROS 1 bis 7 1. König von Theben, der einzige Sohn von Harmonia 1 und Kadmos 4. Er heiratete Nykteis, die Tochter von Nykteus, ihre Söhne waren Labdakos und Haimon 7. Pausanias 9,5,3f erzählt, dass er nach der Abdankung seines Vaters König wurde. Die bekanntere Fassung aber ist (siehe das Drama „Bacchae“ von Euripides), dass vor ihm sein Neffe Pentheus König wurde. Als Pentheus sich dem Dionysosglauben widersetzte wurde er von seiner Mutter Agaue 3 und ihren Schwestern während einer Orgie zerrissen und Polydoros Nachfolger als König. Bevor Polydoros starb, sein Sohn Labdakos war noch ein Kind, setzte er seinen Schwiegervater Nykteus als Regenten ein. Obwohl bereits Hesiod theog. 978 Polydoros nennt, ist er dennoch nur, wie auch seine Gemahlin Nykteis, eine Füllfigur, um die Geschlechter des Oidipus und des Kadmos zu verbinden. 2. Sohn des Hippomedon 1 und der Euanippe, der Tochter des Elatos 9; Hygin fab 71. Nur Pausanias 2,20,5 zählt ihn zu den Epigonen. 3. Bei den Leichenspielen des Amarynkeus in Buprasion wurde dieser Grieche von Nestor im Speerwurf besiegt; Homer Ilias 23,637ff: „Wäre ich noch so jung und so stark wie einst, in den Zeiten, da in Buprasion die Epeier den König begruben, den Amarynkeus, und seine Söhne die Kampfpreise boten! Dort kam keiner mir gleich, kein Epeier, auch keiner der Pylier, meiner Landsleute, keiner der tapfren Aitoler. Im Faustkampf siegte ich über des Enops Sohn, Klytomedes, im Ringen über Ankaios aus Pleuron, der mir zum Kampfe sich stellte; dann überholte ich den tüchtigen Läufer Iphiklos, warf auch weiter den Speer als Phyleus und Polydoros.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5385 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 444) (c) Aufbau-Verlag] 4. Söhne des Priamos 1 (In der Literatur werden beide Söhne aber meistens als eine Person betrachtet, nur ihr Schicksal wird unterschiedlich dargestellt.). A. Jüngster Sohn des Priamos von Laothoe 3; Ilias 22,46ff: „Jetzt auch vermag ich zwei Söhne, Lykaon und Polydoros, nicht zu erblicken bei den zur Stadt geflüchteten Troern; beide gebar mir Laothoë, die waltende Herrin. Leben sie noch im griechischen Heer, so erkaufen wir ihnen Freiheit für Erz und Gold; wir besitzen es reichlich im Hause; …“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5327 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 411) (c) Aufbau-Verlag] Achilleus tötete ihn im Kampf um Troia; Ilias 20,407ff: „Vorwärts drang mit der Lanze Achilleus, auf Polydoros, den Priamiden; dem hatte der Vater verboten zu kämpfen, weil er sein jüngster Nachkomme war im Kreise der Kinder und sein Liebling; im Lauf übertraf er die anderen sämtlich. Heute durchsprang er, im kindlichen Wunsch, sein Können zu zeigen, stürmisch das vordere Treffen, bis er sein Leben verloren. Ihm durchschoß mit dem Speer der gewaltige, schnelle Achilleus, als er vorbeilief, den Leib, vom Rücken aus, dort, wo die goldnen Schnallen des Gürtels sich schlossen, der Panzer doppelt ihm wehrte. Neben dem Nabel drang hervor die Spitze der Waffe. Gellend schrie er und brach in die Knie, Dunkel umwob ihn, sinkend versuchte er vorn mit den Händen die Därme zu halten. Hektor gewahrte, wie Polydoros, sein Bruder, zu Boden sank, die eigenen Eingeweide zwischen den Fingern. Schwarz ward es ihm vor den Augen, …….“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5286 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 388) (c) Aufbau-Verlag] B. Seine Mutter war Hekabe. Auch hier wird er als der jüngste Sohn des Priamos bezeichnet. Er wuchs am Hofe des befreundeten Königs Polymestor 1 und seiner Frau Ilione, der ältesten Schwester des Polydoros auf. Weil sein Vater Priamos ihn mit viel Geld ausgestattet hatte, tötete Polymestor aus Habsucht seinen knabenhaften Schwager und warf die Leiche des Kindes in das Meer; Ovid met. 13,428ff: „Also sprach sie und ging mit wankendem Schritte, die weißen Haare zerrauft, an den Strand. »Reicht den Krug mir, Frauen aus Troja!« Hatte die Ärmste gesagt, daß flüssige Wellen sie schöpfte: Sieh, sie gewahrt, wie, zum Ufer gespült, tot liegt Polydorus Und von dem thrakischen Schwert weit klafft die entsetzliche Wunde. Laut schrein Trojas Fraun; stumm bleibt im Schmerze die Mutter; Stimme zugleich und Tränen, in ihrem Innern entstanden, Schluckt ihr der Schmerz hinab, und vergleichbar mit hartem Gesteine, Starrt sie und heftet den Blick bald vor sich hin auf die Erde, Bald auch richtet sie auf zum Äther das finstere Antlitz, Bald das Gesicht, bald schaut sie die Wunde des liegenden Sohnes, Aber die Wunde zumeist, und nährt und schüret den Ingrimm. Wie er zur Flamme gefacht, da füllt, als bliebe sie immer Königin, Rache ihr Herz, und sie lebt in Gedanken an Strafe. So wie die Löwin in Wut, der genommen das saugende Junge, Ohn ihn zu sehen, dem Feind nachjagt, des Spur sie gefunden: So nimmt Hekuba auch, da Zorn sich mengte mit Jammer, Nur ihres Stolzes gedenk, nicht ihrer Jahre gedenkend, Zu Polymestor den Weg, dem Verüber des gräßlichen Mordes, Und sie begehrt ein Gespräch: Gold wolle sie, das in der Heimat Läge versteckt, auf daß er es gebe dem Sohn, ihm verraten. Glaublich erschien's, und der Fürst der Odryser, gewöhnt an die Habgier, Findet allein sich ein. Arglistig mit schmeichelndem Munde Sprach er: »Hekuba, gib nur rasch für den Sohn die Geschenke. Was du mir gibst, was früher du gabst - bei den Himmlischen schwör ich -, Alles verbleibt für ihn.« Wie er redete, schuldig des Meineids, Schaut sie finster ihn an und wallt von steigendem Zorne. So nun packt sie ihn fest und ruft der gefangenen Mütter Menge herzu und stößt in die treulosen Augen die Finger, Reißt sie im Nu aus den Wangen heraus - stark macht sie der Ingrimm -, Bohrt mit den Händen und gräbt, mit dem schuldigen Blute besudelt, Nicht in den Augen, davon nichts blieb, in der Stelle der Augen.“ [Ovid: Verwandlungen (Metamorphoses). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 13051 (vgl. Ovid-W Bd. 1, S. 321 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Euripides „Hekabe“: Schiffslager der Griechen an der Küste der Thrakischen Chersones. Im Vordergrund die Zelte und Hütten der kriegsgefangenen troischen Frauen. POLYDOROS (als Schatten heranschwebend.) Gekommen bin ich von der Gruft der Toten und dem Tor der Nacht, wo Hades wohnt, den Göttern fern, ich, Polydoros, Sohn der Hekabe, der Tochter des Kisseus, und des Priamos, der mich, als durch den Griechenspeer die Phrygerstadt zu fallen drohte, vor Angst aus Troja heimlich schickte in das Haus des Polymestor, der sein Gastfreund war in Thrakien, der auf der Chersones das beste Land bebaut und ein vorzüglich Reitervolk im Kampfe führt. Und vieles Gold gab mir der Vater mit im stillen, auf daß, wenn einmal Trojas Mauern fallen sollten, die Söhne, die noch lebten, keinen Mangel litten. Ich war der jüngste Sohn des Priamos: Deshalb hat er mich heimlich fortgeschickt. Ich konnte ja nicht Schild noch Speer mit meinem jungen Arme tragen. Solange nun der Heimat Mauern aufrecht standen und ungebrochen Trojas Türme waren und mein Bruder Hektor siegreich sich im Kampfe hielt, wuchs trefflich bei dem Thraker, meines Vaters Gastfreund, ich auf, gleich einem Schößling, gut gepflegt, ich Armer! Doch als vernichtet Troja war und Hektors Leben, des Vaters Herd zerstört und selber er gestürzt am gotterrichteten Altar, gemordet von dem blutbefleckten Sohne des Achilleus, da erschlug mich Unglücklichen, um des Goldes willen, des Vaters Gastfreund, warf mich nach der Tat ins Meer, damit er selbst das Gold in seinem Haus besäße. Bald liege ich am Strand, bald in der Meeresbrandung, oft hin und her geschleudert von den Wogen, nicht beweint und ohne Grab. Jetzt schwebe ich zu Häupten der teuren Mutter Hekabe. Verließ ich doch den Leib und flattre schon zwei Tage lang umher, seitdem hier auf der Chersones, von Troja fort, sie angekommen, meine unglückliche Mutter. Und die Achaier alle sitzen ruhig, mit der Flotte, hier am Strand des Thrakerlandes. Denn auf seinem Grab erschien der Peleussohn Achilleus und hat dem ganzen Griechenheere Halt geboten, als übers Meer es in die Heimat rudern wollte: Polyxene verlangt er, meine Schwester, für sein Grab als teures Opfer und als Ehrenlohn. Er wird sein Ziel erreichen, seine Freunde werden die Gabe ihm nicht vorenthalten; heut noch soll das Schicksal meine Schwester hin zum Tode führen. Zwei Leichen zweier Kinder wird die Mutter sehen, mich und das unglückliche Mädchen. Ich will mich - damit ich Armer noch ein Grab erhalte - vor den Füßen einer Sklavin zeigen in der Brandung. Der Herr der Unterwelt gewährte mir die Bitte, daß ich bestattet werde und in Mutters Hand gerate. So wird meine Sehnsucht sich erfüllen. Jedoch der greisen Hekabe will aus dem Weg ich gehen. Aus dem Zelte Agamemnons kommt heraus sie eben, voller Furcht vor meinem Schatten. Ach, Mutter, die du, fern dem Königshaus, den Tag der Knechtschaft sehen mußtest! Schlecht ergeht es dir, wie einstmals gut. Dich stürzt ein Gott in das Verderben zum Ausgleich für das Glück in der Vergangenheit. [Euripides: Hekabe. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 3011 (vgl. Euripides-W Bd. 1, S. 149 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Auch Vergil erwähnt Polydoros; Aeneis 3,22ff: „Opfer für Venus, meine Mutter, wollte ich bringen, auch für die Götter, die uns begünstigten, schließlich am Strande einen recht stattlichen Stier dem Fürsten der Himmlischen schlachten. Nahe der Stätte erhob sich ein Erdhaufen; buschartig wuchsen Kirschen darauf, dicht starrten, gleich Lanzen, auch Äste von Myrten. Näher trat ich heran, um grünende Zweige zu pflücken, wollte mit dichtbelaubtem Gesträuch die Altäre bedecken. Etwas Entsetzliches mußt ich da, wie ein Wunder, erblicken. Denn von dem Busch, den als ersten ich über dem Wurzelstock abbrach, perlten tiefdüstere Blutstropfen nieder und bildeten Flecke, eitriges Gift, auf dem Boden. Ein eisiger Schrecken durchzuckte schlagartig mich, vor Furcht gerann mir das Blut in den Adern. Weitre geschmeidige Ruten noch wollte, an anderer Stelle, ich aus dem Boden ziehen, des Erdreichs Geheimnisse lüften. Aber auch hier entquollen blutige Tropfen der Rinde. Sorgenvoll wandte ich flehend mich gleich an die Nymphen des Hügels wie an den Schutzherrn der getischen Fluren, den Vater Gradivus, gnädig das unheilverkündende Zeichen zum Segen zu wenden. Aber sobald ich zum dritten Mal, kräftiger zupackend, pflücken wollte, dabei die Knie gegen den Sandboden stemmte - spreche ich? schweige ich? -, scholl aus der Tiefe des Hügels ein bittres klägliches Stöhnen, drangen zum Ohre mir folgende Worte: 'Warum zerfleischst du mich Armen, Aeneas? Gönn mir des Grabes Ruhe, beflecke nicht deine noch reinen Hände! Trojaner bin ich, kein Fremder für dich, das Blut entströmt nicht dem Holze - meide dies grausame Land und meide die Küste der Habgier! Hör: Polydoros bin ich! Die zahlreichen Waffen, die tödlich hier mich durchbohrten, sie schlugen Wurzeln in mir, und sie trieben!' Zwiespältig waren meine Gefühle, ich stand vor Entsetzen wie ein Betäubter, mir sträubte das Haar sich, mir stockte die Stimme. Priamos hatte, der Elende, seinen Sohn Polydoros, goldene Schätze dazu, einst heimlich dem thrakischen König sorglich in Pflege gegeben, die Niederlage für Troja ungewiß fürchtend, vor Augen die schon umzingelte Festung. Als dann die Macht der Teukrer zerbrach, ihr Glücksstern verblaßte, schlug sich der thrakische Fürst auf die Seite der Sieger, verletzte Gastrecht und Blutsbande, mordete den Polydoros und raubte schamlos den goldenen Schatz. Was tust du den Menschen für Zwang an, Goldgier, verfluchte! Sobald mein Entsetzen sich legte, erzählte ich den erwählten Fürsten des Volks und vor allen dem Vater, was für ein Wunder geschehen, und bat sie, dazu sich zu äußern. Einstimmig schlugen sie vor, das Land des Verbrechens, des schnöden Bruches des Gastrechts, zu meiden, den Winden uns anzuvertrauen. Ordnungsgemäß noch beerdigten wir Polydoros. Ein Hügel wurde, recht stattlich, errichtet, Altäre zu Ehren der Manen gleichfalls, mit tiefblauen Bändern der Trauer und düstren Zypressen; feierlich standen rings troische Frauen mit offenen Haaren. Weihgüsse brachten wir, lauwarme Milch in schäumenden Schalen, heiliges Blut auch; wir bargen zu ewiger Ruhe den Toten, riefen die Worte des Abschieds ihm zu mit hallender Stimme.“ [Vergil: Lied vom Helden Aeneas. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 17610 (vgl. Vergil-W, S. 191 ff.) (c) Aufbau-Verlag] C. Ilione, das „Mädchen aus Ilion“, war die älteste Tochter des Priamos, Gattin des Königs Polymestor und Mutter des Deipylos. Gleich nach der Geburt ihres Sohnes Deiphylos hatte sie das Kind mit ihrem jüngsten Bruder Polydoros ausgetauscht. Priamos hatte aus Sicherheitsgründen seinen jüngsten Sohn sofort nach der Geburt zu seiner Tochter Ilione bringen lassen. Nach dem Ende des troianischen Krieges bewog Agamemnon den Polymestor durch große Versprechungen, diesen Sohn des Priamos umzubringen. Polymestor tötete den eigenen Sohn. Das ermordete Kind erschien seiner Mutter flehend als Schatten im Schlaf. Der inzwischen erwachsene Polydoros erfuhr die Wahrheit und bedrängte Ilione ihren Gatten umzubringen. Sie blendete und ermordete ihn. Man erzählte auch, dass sie Selbstmord verübte. D. Lies nach bei Gustaf Schwab ….. 5. Der erste geschichtlich beweisbare spartanischer König aus dem Hause der Agiaden, Sohn des Alkamenes, Vater des Eurykrates1; Herodot 7,204; Pausanias 3,3,1ff; siehe Agis 1 < und Leonidas 2 >. Unter seiner Herrschaft begann der Messenische Krieg, der mit einem Sieg der Spartaner endete. Wegen seiner Güte und Gerechtigkeit wurde er von seinem Volk hoch geehrt und in ganz Griechenland berühmt. Ein angesehener Spartaner, Polemarchos, ermordete Polydoros. 6. Baton von Sinope nennt einen Sohn von Herakles und Megara 1 Polydoros. ….. Die Thebaner unter ihrem schwachen König Kreon waren den Minyern tributpflichtig. Herakles half ihnen, zog allein, von Pallas Athene mit Waffen ausgerüstet, gegen die Minyer, schlug sie in die Flucht, verfolgte sie, zerstörte ihre Stadt Orchomenos, verlangte doppelte Tributzahlung und befreite damit Theben. König Kreon gab ihm dafür seine Tochter Megara 1 zur Frau. Herakles führte sie feierlich heim in den Palast des Amphitryon. Zudem überließ ihm Kreon die Herrschaft über Theben. Megara schenkte Herakles mehrere Söhne; die Schriftsteller nennen die Zahlen 3, 5 und 8, gaben ihnen aber 27 verschiedene Namen: Baton von Sinope nennt Polydoros 6, Aniketos 2, Mekistophonos, Patrokleus, Toxokleitos, Menebrontes und Chersibios. Pherekydes kennt Antimachos, Klymenos 9, Glenos, Therimachos und Kreontiades. Apollodor nennt Therimachos, Deikoon und Kreontiades. Andere Schriftsteller geben ihnen noch die Namen Deion, Demokon, Deinias, Onites 2, Onytes, Demokoon, Ophites, Aristodemos, Amphimachos, Diopeithes, Leontiades, Oxeus, Oxeas und Toxeus. Euripides hat in seinem „Herakles“ die Zahl der Kinder aus bühnentechnischen Gründen auf drei beschränkt und nennt keine Namen. In einem Anfall von Wahnsinn tötete Herakles seine Söhne. Pindar, 5. Jh. v. Chr., spricht von „acht erzgetötet Gestorbene“ und sagt noch nicht wie die Söhne des Herakles ihr Leben verloren haben. ……. In der ältesten Version dieser Sage, Apollodor 2,70.72.127.165 ergriff Herakles seine Söhne und warf sie in das Feuer, vermutlich um sie, einem alten Mythos folgend, unsterblich zu machen. Erst als man den tief religiösen Sinn dieses Mythos, Unsterblichkeit durch Verbrennung, nicht mehr verstand, wurde die Tat des Herakles als Mord an seinen Söhnen aufgefasst und Megara, die Mutter der Söhne, erhielt als Beschützerin ihrer Kinder Bedeutung. In diesem Fall brauchte man natürlich eine Entschuldigung für den Halbgott und mordenden Vater Herakles und erfand die Geschichte von Hera, die Lyssa, die Göttin / Personifikation des Wahns, zu Herakles schickte und ihn mit Wahnsinn schlug. Wie und warum er seine Söhne von Megara tötete – die Fantasie der Schriftsteller war beinahe grenzenlos. Am wirkungsvollsten und nachhaltigsten überarbeitet und die einzelnen Sagenkreise des Stoffes zusammengeführt hat Euripides in seinem „Herakles“. Seneca hielt sich in seinem „Der rasende Herkules“ eng an Euripides und nahm nur geringe Änderungen vor. ….. Das Grab der ermordeten Kinder wurde in Theben neben dem Wohnhaus des Amphitryon gezeigt; Pausanias 1,41,1. 9,11,1f. ….. In der bildenden Kunst ist Megara bis Euripides nur, nach Homer, in der Unterwelt dargestellt. Nach Euripides ist sie mit ihren Kindern auf Vasen u. ä. sehr oft abgebildet. 7. Polydoros heißt auch einer der 44 Freier der Penelope aus Zakynthos; Apollodor epit. 7,29.