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polyphemos 1,2,3
POLYPHEMOS 1,2,3 1. Lapithe aus Thessalien, Sohn des Elatos 3, Bruder von Kainis und Dotis, verheiratet mit Laonome 2, der Schwester seines Freundes Herakles. Er war der jüngste Kämpfer gegen die Kentauren, Ilias 1,264, und nahm an der Fahrt der Argonauten teil, Apollonios von Rhodos 1,40ff. In Mysien wurden er und Herakles auf der Suche nach Hylas zurückgelassen. Nach Clemens 5,14 war er ein Liebhaber des Herakles. Er gründete Kios. Bei einer Schlacht gegen die Chalyber (Chalybes – ein großer Volksstamm, der wegen seiner Metallgewinnung berühmt war.) verlor er sein Leben. Bei Euphorion ist Polyphemos 1 ein Sohn des Poseidon und Liebhaber des Hylas; lies Hylas. 2. Sohn des Poseidon und der Phorkystochter Thoosa 1, Vater der Elpe. Ein gewaltiger Riese und Menschenfresser, bekannt als der einäugige Kyklop aus der Odyssee 9,106ff. 166ff, der mit Schafen und Ziegen in einer Höhle im Ätna wohnt und von Odysseus geblendet wurde. ……………….. Nach drei Tagen Rast und gutem Schmaus, auf der Insel hatten sie viele wilde Ziegen gefangen, teilte Odysseus seine Mannschaft und fuhr mit einem Schiff auf die Suche nach Menschen und fand den Kyklopen Polyphem; Odyssee 9,181ff: „Als in der Frühe die rosenfingrige Eos sich zeigte, rief ich meine Gefährten zusammen und sagte zu ihnen: 'Bleibet jetzt hier, ihr anderen teuren Gefährten! Ich selber möchte mit meinem Schiffe und meiner Besatzung die Insel der Kyklopen besuchen und ihre Bewohner erkunden: Sind sie Verbrecher und Wilde und Feinde des rechtlichen Handelns oder Bewahrer des Gastrechts und dienen voll Ehrfurcht den Göttern?' Damit ging ich an Bord und befahl auch meinen Gefährten, einzusteigen und die haltenden Taue zu lösen. Sie auch gingen sogleich an Bord und besetzten die Bänke, peitschten in ihren Reihen die schäumende See mit den Rudern. Wir erreichten die nahe gelegene Insel und sahen vorn an der Küste, dicht am Meere, eine sehr hohe Grotte, von Lorbeer beschattet. Dort pflegte zahlreiches Kleinvieh, Schafe und Ziegen, nächtlich zu lagern. Die ragende Mauer ringsum war errichtet aus tief vergrabenen Steinen, mächtigen Fichten und Eichen mit hohen, laubreichen Kronen. In der Höhle lebte ein Riese, der ständig die Herden für sich allein auf die Weiden trieb. Er verkehrte mit andern gar nicht, er hauste gesondert und billigte keinerlei Satzung. Einen erstaunlichen Anblick gewährte der Unhold, nicht einer, der sich vom Brote ernährt, nein, ein bewaldeter Gipfel mitten im hohen Gebirge, der einsam vor allen emporragt. Nunmehr erteilte ich Weisung den übrigen teuren Gefährten, dort bei dem Schiffe zu bleiben und streng zu bewachen das Fahrzeug. Zwölf, die Tüchtigsten, wählte ich mir und begab mich landeinwärts, hatte den ziegenledernen Schlauch dabei mit dem dunklen köstlichen Wein, den Maron mir gab, [….].“ Nach einer kurzen Wanderung; Odyssee 9,216ff: „Wir erreichten geschwind die Höhle, doch fanden den Riesen nicht zu Hause; er weidete schon die üppigen Herden. Und wir betraten die Grotte und musterten alles mit Staunen. Horden waren mit Käse belastet, und Lämmer und Böckchen drängten sich wimmelnd in Buchten; gesondert waren in Pferchen jeweils die älteren Schafe, die Tiere mittleren Alters und die erst kürzlich geworfenen. Schwappend füllte die Molke alle Gefäße, Eimer und Bütten, in die er zu melken pflegte. Da baten zuerst mich flehentlich meine Gefährten, Käse zu nehmen und dann zu gehen, doch schließlich, in Eile Böckchen und Lämmer heraus aus den Ställen zu treiben zum schnellen Schiffe und fort mit der Beute über die Salzflut zu segeln. Aber ich gab nicht nach - und es wäre doch besser gewesen! -, wollte den Riesen noch sehen und seine Bewirtung erfahren. Gar nicht willkommen sollte er meinen Gefährten sich zeigen!“ Odysseus und seine Gefährten labten sich am Käse, versteckten sich in der Höhle und warteten. Polyphem kam zurück, versorgte seine Herden, verschloss seine Behausung mit einem riesigen Stein, bereitete sich ein Abendmahl und erspähte die vor Angst bebenden Männer. Bereitwillig gab Odysseus Auskunft über ihre Herkunft, bat um Gastfreundschaft und Schutz und erwähnte die Strafen des Zeus, des Beschützers der Schutzflehenden. Er erhielt zur Antwort; Odyssee 9,273ff: „ 'Fremdling, du bist ein Dummkopf oder von weither gekommen, wenn du mich anweist, die Götter zu fürchten oder zu scheuen! Die Kyklopen kümmern sich nicht um den Träger der Aigis, nicht um die seligen Götter; wir sind ja wesentlich stärker! Schwerlich verschonte ich dich aus Scheu vor dem Groll des Kroniden, dich und deine Gefährten, [….].“ Der Kyklop sprang auf; Odyssee 9,288ff: „ [….] und reckte die Arme nach meinen Gefährten, packte zwei und schlug sie, wie Hunde, gegen den Boden; auf den Felsgrund spritzte ihr Hirn und netzte die Erde. Glied für Glied zerlegte er sie, zum Schmaus für den Abend, schlang sie restlos hinunter, vergleichbar dem Löwen der Berge, alles, die Eingeweide, das Fleisch wie das Mark mit den Knochen.“ Heilloses Entsetzen erfasste die Männer. Der Gesättigte legte sich nieder und schlief. Odysseus dachte während der vor Angst durchwachten Nacht an Mord, doch waren sie gegenüber dem Riesen zu schwach; Odyssee 9,306ff: „Als in der Frühe die rosenfingrige Eos sich zeigte, machte der Riese sich Feuer und melkte die Schafe und Ziegen, ganz nach Gebühr, und legte den Müttern die Jungtiere unter. Als er voll Eifer die nötigen Arbeiten ausgeführt hatte, packte er wiederum zwei der Gefährten und fraß sie zum Frühstück. Nach dem Essen entfernte er leicht den gewaltigen Türstein, trieb das üppige Vieh aus der Höhle und stellte den Felsblock wieder zurück, als schlösse ein Schütz mit dem Deckel den Köcher. Unter gellendem Lockruf trieb er die prächtige Herde fort ins Gebirge. Ich blieb zurück in eifrigem Grübeln, ob ich mich rächen, Athene Erfolg mir zuschanzen könne. Folgender Plan erschien mir bei meiner Erwägung als bester: Neben den Pferchen lag des Kyklopen mächtige Keule, grün noch, vom Holze des Ölbaums. Er hatte zurecht sie geschnitten, um sie, sobald sie ausgedörrt wäre, zu tragen. Wir konnten sie dem Maste des zwanzigrudrigen Schiffes vergleichen, das die Tiefen der See überquert als geräumiger Frachter; ebenso lang und ebenso dick bot sie sich den Augen. Davon hieb ich ein Ende heraus, so lang wie die Klafter, gab den Gefährten es hin und befahl, es glättend zu schaben. Sie erfüllten den Auftrag. Ich schärfte den Pfahl an der Spitze, drehte die Spitze sodann bis zum Glühen in lodernder Flamme. Schließlich verbarg ich den Pfahl recht sorgfältig unter der Mistschicht, die den Boden der Höhle in reichlicher Stärke bedeckte. Meinen Gefährten befahl ich, das Los darüber zu werfen, wer sich entschließen sollte, mit mir dem Kyklopen die Spitze tief in das Auge zu stoßen, wenn köstlicher Schlaf ihn befallen.“ Abends kam Polyphem zurück, versorgte seine Herde und verspeiste wieder zwei Männer. Odysseus, der listenreiche, bot dem Menschenfresser köstlichen Wein an; Odyssee 9,352ff: „ Er nahm und trank und freute sich maßlos über den köstlichen Wein und verlangte aufs neue zu kosten: 'Gib mir noch einmal, gefälligst, und nenne sogleich mir auch deinen Namen: Ein Gastgeschenk will ich, zu deiner Freude, dir geben!“ Becher um Becher trank er und Odysseus nannte einen falschen Namen; Odyssee 9,365ff: „Niemand lautet mein Name. Als Niemand bezeichnen mich meine Eltern, Mutter wie Vater, und alle meine Gefährten.' Derart sprach ich, und ohne Erbarmen gab er zur Antwort: 'Aufessen will ich den Niemand als letzten im Kreise der Seinen, vorher die anderen alle; das mag dir als Gastgeschenk gelten!' Damit sank er rücklings zu Boden, bog noch den feisten Nacken zur Seite und streckte sich hin. Der Schlummer, der jeden bändigt, bezwang auch ihn.“ Die Männer schritten zur Tat und stießen dem Schlafenden den glühenden Holzspieß in sein einziges Auge. Brüllend sprang der Geblendete auf und rief die anderen Kyklopen um Hilfe. Sie erschienen vor der Höhle und fragten, ob ihn jemand ermorden wolle; Odysseus 9,406ff: „Ihnen entgegnete aus der Grotte darauf Polyphemos: 'Niemand, ihr Freunde, tötet mich listig, schon gar nicht gewaltsam!' Da erwiderten sie die flugs enteilenden Worte: 'Wenn dich denn niemand bedrängt, so allein, wie du bist in der Höhle, ist es nicht möglich, der Krankheit, die Zeus verhängt, zu entrinnen; bete zu deinem Vater Poseidon, dem Herrscher des Meeres!' Derart rieten sie ihm und gingen.“ Odysseus jubelte. Polyphem, „mit Gestöhn sich windend in stechenden Schmerzen“, öffnete die Höhle und wollte vor dem Ausgang Odysseus und seine Gefährten fangen. Der Listenreiche und seine Gefährten hängten sich aber unter fette Schafe und als sie Polyphem nach der Morgenröte aus der Höhle trieb konnten sie entweichen und zu ihrem Schiff eilen. Als sie sich in sicherer Entfernung glaubten verhöhnte Odysseus den Kyklopen. Wütend riss Polyphem dem Ätna die Spitze ab und schleuderte sie vor das Schiff. Mit aller Kraft rudernd konnten sie dem Wütenden entfliehen. Aus sicherer Entfernung gab sich Odysseus dem Geblendeten zu erkennen. Polyphem aber betete zu seinem Vater; Odyssee 9,527ff: „'Hör mich, Poseidon, dunkelgelockter Träger der Erde, bin ich tatsächlich dein Sohn und rühmst du dich meiner als Vater, mache die Heimfahrt zunichte dem Städtezerstörer Odysseus, der auf Ithaka wohnt, dem listigen Sohn des Laërtes! Soll er freilich die Lieben wiedersehen und lebend in sein stattliches Schloß und seine Heimat gelangen, kehre er spät erst heim, im Elend und ohne Gefährten, fahrend auf fremdem Schiffe, und treffe zu Hause auf Unglück!' Derart flehte er, ihn erhörte der Träger der Erde.“ Von nun an verfolgte Poseidon den Streiter Odysseus und seine Männer mit blankem Hass. (Euripides schrieb ca. 415 v. Chr. das Schauspiel „Kyklop“, mit dem er die Polyphem-Sage auf die Bühne brachte.) ……… Polyphemos war auch in die schöne Galateia (siehe Galateia>) unglücklich verliebt; Ovid met. 13,738ff: „Während zum Kämmen das Haar ihr einst hinhielt Galatea, Redete diese zu ihr, tief seufzend, die folgenden Worte: »Doch sind die Männer, die dich begehren, nicht grausam, o Mädchen; Straflos darfst du sie doch, wie du tust, abschlägig bescheiden: Mir, die Nereus gezeugt und die bläuliche Doris geboren, Die sich geborgen dazu auch weiß von der Menge der Schwestern, War nicht anders vergönnt zu entgehn dem verliebten Zyklopen Als mit Jammer und Leid.« Und die Stimm erstickten ihr Tränen. Als sie mit schneeweißer Hand die hatte getrocknet der Göttin Und sie getröstet zugleich, sprach Scylla: »Erzähle mir, Liebste, Hehle mir nicht - mir darfst du vertrauen - den Grund der Betrübnis.« Also gab Antwort dem Kind der Crataeis die Tochter des Nereus: »Acis, von Faunus gezeugt mit einer symäthischen Nymphe, War herzinnige Lust für den Vater wie auch die Mutter, Aber für mich noch mehr: er hatte mich einzig gefesselt. Schön war Wuchs und Gesicht, und die zart gerundeten Wangen Zeichnete zartester Flaum nach dem zweimal achten Geburtstag. Nach ihm trachtete ich, nach mir endlos der Zyklope. Wolltest du fragen jedoch, ob ich mehr Liebe dem Acis, Ob mehr Haß dem Zyklopen gehegt, so möchte ich sagen: Gleich war beides in mir. Wie weit, holdselige Venus, Reicht nicht deine Gewalt! Selbst jener entsetzliche Unhold, Wäldern ein Grauen sogar, den straflos nimmer ein Fremdling Schaute, des großen Olymp und der ewigen Götter Verächter, Wird, was Liebe, gewahr, und zu mir von Verlangen ergriffen, Glüht er und hat nicht acht auf das Vieh und die bergende Höhle. Schon nun bist du bedacht auf Putz und bedacht zu gefallen, Kämmst dein borstiges Haar sorgsam mit dem Karst, Polyphemus, Und es beliebt dir, den struppigen Bart mit der Sichel zu schneiden, Auch dein wüstes Gesicht im Wasser zu schaun und zu ordnen. Wildheit, Liebe zum Mord und der unersättliche Blutdurst Rasten, ………………“ ….. Appianos gab in seiner Illyrica 2 dem Polyphemos 2 und der Galateia 1 die Söhne Illyros 1, Keltos 1 und Gaulos / Galas, die er aus ihrer Heimat Sizilien auswandern und zu Stammvätern der Illyrer, Kelten und Galater machte. Illyros 1 gab er als Söhne Encheleus, Autarieus, Dardanos 5, Maidos, Taulas 1 und Perrhaibos und die Töchter Dassaro, Partho und Daortho, alle Eponyme von illyrischen Volksstämmen. Ein Supereinfall der Geschichtenschreiber: Den Illyrossohn Dardanos 5 ließ man über Samothrake in die Tros auswandern und zum Stammvater der Dardaniden werden. Damit wird die Flucht des Aineias, eines Nachkommen des Dardanos, aus dem brennenden Troia zur Heimkehr eines verlorenen Sohnes verwandelt. Natürlich konnte er damit als Nachkomme des Gottes Poseidon (Poseidon – Polyphemos 2 – Illyros 1 – Dardanos – Erichthonios – Tros – Assarakos – Kapys – Anchises / Aphrodite – Aineias) einen Machtanspruch erheben, genau so, wie alle katholischen römischen Kaiser seit dem 25. 12. 8oo bis 1806 und die österreichischen Kaiser von 1804 bis zum 11.11.1918 ihren Machtanspruch vom christlichen Gott, der sich ja seinerseits wieder aus einem der vielen Belos / Baal entwickelte, abgeleitet haben. .…. Die Blendung des Polyphemos wurde schon im 7 Jh. v. Chr. auf Vasen dargestellt. Die dichterische Auswertung der Polyphemos-Gestalt folgte zuerst der homerischen Vorgabe, wandelte sich aber, speziell mit dem Dithyrambos des Philoxenos in das Tölpelhafte, Burleske. In allen Phasen seiner Entwicklung war Polyphem fester Bestandteil in der Literatur und der darstellenden Kunst. ……………….. Theokrit (3. Jh. v. Chr): Der verliebte Kyklop Gegen die Liebe, mein Nikias, gibt es kein Heilmittel, weder etwas zum Einreiben, meine ich, noch gar zum Aufstreuen - außer den pierischen Göttinnen. Unter den Sterblichen wirken sanft sie und angenehm; aber sie lassen nicht leicht sich entdecken. Aber du dürftest vortrefflich sie kennen, als Arzt wie als Dichter, den sich die Musen, sämtliche neun, zum Liebling erwählten. Derart lebte leichthin der Kyklop aus der Vorzeit, mein Landsmann, Held Polyphemos, als er noch in Galateia verliebt war; eben erst sproßten die Flaumhaare ihm um Lippen und Schläfen. Nicht mit Äpfeln, mit Rosen, mit Locken bewies er die Liebe, sondern er ging, wie rasend, aufs Ganze, nahm keinerlei Rücksicht. Oftmals kehrten die Schafe aus eigenem Antrieb von frischer Weide zurück in die Grotte. Er aber besang Galateia, härmte sich ab am Strande, den Tangmassen ständig umspielten, früh schon am Morgen; ihn quälte im Herzen die bitterste Wunde, die ihm zutiefst der Pfeil der mächtigen Kypris geschlagen. Doch er entdeckte das Heilmittel. Hoch auf der felsigen Küste sitzend, das Meer vor Augen, sang er folgende Verse: »Warum verschmähst du den Liebenden, leuchtendes Kind, Galateia, leuchtender, wahrlich, als Quark, noch zarter als Lämmchen, vergnügter als ein Kälbchen, und frischer als pralle, noch unreife Trauben? Doch du besuchst mich bloß, wenn der liebliche Schlummer mich festhält, ziehst dich dann wieder zurück, wenn der liebliche Schlummer mich losläßt, fliehst wie ein Schaf, das den Wolf im tiefgrauen Fellkleid gesichtet. Damals schon, Mädchen, gewann ich dich lieb, als du kamest mit meiner Mutter, zum ersten Male, und Hyazinthen dir pflücken wolltest, hoch von den Bergen, und ich als Wegweiser diente. Seitdem vermag ich mich nicht, bis zum heutigen Tage, von deinem Anblick zu lösen. Doch du, beim Zeus, tust gar nicht dergleichen! Aber ich weiß ja, du reizendes Mädchen, warum du mich meidest: Weil sich mir lediglich eine zottige Braue im ganzen Antlitz, von Ohr zu Ohr, in mächtiger Länge dahinzieht, bloß ein Auge darunter, die Nase, ganz flach, auf der Lippe. Trotz der Mißgestalt weide ich Tausende trefflicher Tiere, melke die besten von ihnen und trinke die Milch mit Behagen; Käse habe ich reichlich, im Sommer, im Herbst wie im tiefsten Winter; es biegen sich unter den Lasten ständig die Darren. Wie kein andrer Kyklop vermag ich die Syrinx zu spielen, wenn ich dich, liebes Süßäpfelchen, und zugleich auch mich selber tief in der Nacht besinge. Elf Hirschkälbchen ziehe, mit Halsband, dir zum Vergnügen, ich auf, vier Bärenjunge desgleichen. Komm doch, bitte, zu mir, du sollst auch gar nichts entbehren! Lasse das tiefblaue Meer an die felsige Küste nur branden, wirst doch gemütlicher in der Grotte bei mir übernachten! Lorbeerbäume erheben sich dort und schlanke Zypressen, dunkelnder Efeu rankt und Wein mit köstlichen Früchten; kühlendes Wasser auch sprudelt, das mir der baumreiche Aitna als ambrosischen Trank aus den blendenden Schneefeldern zuschickt. Wer zieht solcherlei Freuden dem Meere nicht vor und den Wellen? Sollte mein Körper dir freilich allzu zottig erscheinen: Eichenholz liegt mir bereit und rastlose Glut in der Asche! Ließe ich mir doch von dir sogar noch die Seele versengen und mein einziges Auge dazu, mein liebstes Besitztum! Ach, daß die Mutter mich nicht als Fisch, mit Kiemen, geboren! Untertauchen könnte ich dann und die Hände dir küssen, falls du den Mund mir verweigerst, und leuchtende Lilien dir bringen oder den zarten Mohn mit den roten Blättern zum Klatschen. Aber der Mohn gedeiht ja im Sommer, die Lilie im Winter; deshalb kann ich dir schwerlich alles zusammen verehren. Jetzt, mein Mädchen, will ich sogleich das Schwimmen erlernen, falls nur ein Fremdling zu Schiffe hierherkommt - ich möchte ja gerne wissen, warum euch das Wohnen am Meeresgrund Freude bereitet. Komme heraus, Galateia, und bist du gekommen, vergiß nur, sitzend, gleich mir, auf diesem Platze, nach Hause zu gehen! Ziehe doch, bitte, mit mir auf die Weide und melke die Tiere, lasse die Milch dann durch bitteres Lab zu Käse gerinnen! Unrecht tut mir die Mutter allein, ich tadle sie deshalb; niemals fand sie bei dir zu meinen Gunsten ein gutes Wörtchen - und sah doch, von Tag zu Tag, wie ich bitter mich härmte! Jammern will ich, daß Kopf und Füße im Fieber mir zucken; soll sie dann endlich sich grämen, weil ich auch so furchtbar mich gräme! Ach, Kyklop, wohin nur schweifst du mit deinen Gedanken? Wolltest du Körbe dir flechten und frisches Grünfutter deinen Lämmchen besorgen, bewiesest du wesentlich größere Klugheit. Melke das Tier, das du sicher besitzt. Was jagst du den Flüchtling? Wirst wohl ein zweites, noch schöneres Kind Galateia entdecken! Zahlreiche Mädchen ermuntern mich zu nächtlichem Spiele, kichern alle zusammen, sobald ich ihnen willfahre. Freilich, in diesem Lande gelte ich zweifellos etwas!« Derart täuschte im Lied Polyphemos sich über die Liebe weislich hinweg - und erfolgreicher als durch Bezahlung des Arztes.“ [Theokrit: Gedichte. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 10189 (vgl. Theokrit-SD, S. 93 ff.) (c) Insel-Verlag] 3. Ein von Hygin p. 10. 12 Sch. genannter Gigant; einer der, nach M. Mayer, „Statisten-Giganten“.