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tartaros 1,2
TARTAROS 1,2 1. Er entstand aus dem Chaos, gleichzeitig mit der Gaia, der Mutter Erde; Hesiod Theogonie 116ff: „Wahrlich, am Anfang entstand das Chaos; danach aber Gaia mit ihrer breiten Brust, stets sicherer Wohnsitz für alle Ewigen, die im Olymp die schneereichen Gipfel bewohnen oder den düsteren Tártaros tief in der wegweiten Erde; und mit ihr Eros, der schönste unter den ewigen Göttern, er, der Gliederlöser, der allen Göttern und Menschen klaren Verstand und besonnenen Rat bezwingt in der Seele. Érebos aber und Nyx, die dunkle, entsprossen dem Chaos; aber aus Nyx wiederum entstanden Heméra und Aíther, die sie, in Liebe von Érebos schwanger geworden, ihm austrug.“ [Hesiod: Theogonie. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4492 (vgl. Hesiod-W, S. 7 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Ein Gebilde der frühen myth. Kosmologie. Er ist ein besonderer Teil des Alls, liegt unter dem Hades und so tief unter der Erde wie der Himmel über ihr ist. Neun Nächte und neun Tage bräuchte ein Ambos um im freien Fall von der Erdoberfläche bis in den Tartaros zu fallen. Ein finsterer modriger Raum, von Wirbelstürmen erfüllt, umgeben von eisernen Mauern und dreifacher Dunkelheit, versperrt mit eisernen Türen, von den Göttern gefürchtet und gehasst, so dachten sich die Menschen den Tartaros. Bis zu ihm reichen die Wurzeln von Erde und Meer. In ihm wohnen Hypnos und Thanatos. Seit dem verlorenen Kampf mit den Kroniden sind die Titanen hier eingesperrt. Er dient auch als Gefängnis für meineidige Götter. Später trat der Hades in den Vordergrund und wurde schließlich, außer dem Elysium, mit ihm identifiziert. ….. Mit Gaia soll Tartaros den Giganten Peloreus gezeugt haben; Hygin fab. praef.; Claud. Claudianus Gig. 79. Der Name dürfte vom Sparten Pelor entlehnt worden sein. Bei Nonnos Dionysiaka 48,37ff wirft er den Berg Pelion auf Dionysos: „Dieser entriß dem Meeresstrand eine steinerne Höhe, jener der salzflutumbrandeten Landenge einen Gebirgskamm, trugen sie eilig zum Schlachtfeld. Pelóreus raffte mit seinen zahllosen Armen den mächtigen Pelionberg in die Höhe, legte dabei die Grotte Philyras frei. Der betagte Cheiron erzitterte, als man des schützenden Dachs ihn beraubte, er, dem der menschliche Körper in einen Pferdeleib auslief.“ [Nonnos: Leben und Taten des Dionysos. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 9182 (vgl. Nonnos-W Bd. 2, S. 249) (c) Aufbau-Verlag] Am großen Altar von Pergamon war er abgebildet und mit dem Namen Peloreus angeschrieben. Poseidon hat ihn im Fluss Spercheios getötet. In der Gigantomachie des Claudianus 79 erleidet er den Tod durch Mars, der ihn mit einer Lanze durchbohrt. 2. Ein Tyrann von Melite. In die Stadt Melite kam ein fremder Mann, brutal und gewalttätig, und schwang sich zum Herrscher auf. Die Menschen kannten nicht einmal seinen Namen und fürchteten sich vor ihm. Die Fremden nannten ihn Tartaros 2. Wenn eine Jungfrau der Stadt wegen ihrer Schönheit gerühmt wurde ließ er sie entführen und tat ihr Gewalt an. Eines Tages befahl er seinen Knechten die bildhübsche Tochter des Argaios, Aspalis, zu entführen, aber Aspalis wurde gewarnt und erhängte sich vor Scham. Ihr noch knabenhafter Bruder Astygites schwor Rache. Bevor der Tod des Mädchens in der Stadt bekannt wurde zog er eines ihrer Kleider an, versteckte ein Schwert am Körper und schlich sich so als unschuldiges Mädchen in das Haus des Tyrannen. Niemand erkannte ihn. Blitzschnell tötete er den Überraschten. Die Meliteer jubelten, warfen den Leichnam des Tartaros in einen Fluss, bekränzten Astygites und zogen mit ihm zu seinem Elternhaus um seine tote Schwester schön aufzubahren und für die Bestattung vorzubereiten. Doch niemand fand die Tote; die Götter hatten sie entrückt - dafür stand ein Holzbild von ihr neben der Statue der Göttin Artemis. Die Bevölkerung verehrte Aspalis, nannten dieses Bildnis Aspalis Ameilete (die Fernwirkende) und hängte zur ewigen Erinnerung jedes Jahr einen jungen Ziegenbock der noch nie eine Geiß besprungen hatte neben dem Bildnis auf. Auch Aspalis war ja jungfräulich gestorben; nach Antoninos Liberalis 13 (nach Nikandros 2. Buch der „Verwandlungen“). ….. Der Fluss der durch die Stadt Melite floss hieß Tartaros.