eine gesamtgenealogie der griechisch-mediterranen mythologie
die göttinnen und götter und ihre nachkommen
home
genealogie
entstehung
lexikon
galerie
infos
kontakt
Die vorliegende Fassung der Texte ist nicht redigiert! Informationen dazu finden sie
hier
.
aristaios
ARISTAIOS Sohn des Apollon und der Kyrene 1, Gemahl der Autonoe 2, Vater des Aktaion 2. Aktaion beobachtete die göttliche Artemis während ihrem erholsamen Bade in einem Teich in der Ruhe des Waldes. Wegen dieses Verstoßes gegen die göttliche Ruhe, die Erholung und die Keuschheit, verwandelte sie ihn in einen Hirsch. Auf der Stelle wurde er von seinen eigenen Hunden zerrissen; Ovid met. 3,135ff. ….. Bakchylides, frg. 45, nennt Aristaios einen Sohn von Gaia und Uranos. Chiron erzog und unterrichtete ihn. ….. Ein sehr alter, der ursprünglichen Entwicklungsstufe dieser Religion angehörender Gott der Jäger und ein bäuerlicher Segensgott, der einen Teil seiner Funktionen an die späteren Gottheiten Zeus und Apollon abgab, aber trotzdem von Gaia und den Horen unsterblich gemacht wurde. Auf Keos und in Arkadien wurde er als Zeus und Apollon verehrt. In späterer Zeit wurde er zum bäuerlichen Heros personifiziert. Er lehrte den Bauern, wie er es von Chiron gelernt hat, die Kunst des Heilens, der Bienenzucht, des Anbaues von Olivenbäumen und der Käseherstellung. ….. Obwohl er Hirte von großen Herden, verlobt und glücklich war, verfolgte er in lüsterner Verliebtheit die schöne Dryade Eurydike 1. Eurydike ergriff die Flucht, trat dabei auf eine Schlange, wurde gebissen und verstarb (lies Orpheus > und Eurydike >). ….. Als einmal seine Bienen krank wurden und starben fragte er seine Mutter: Vergil, Georgica, 4,281ff: „Einstmals verließ Aristaeus, der Hirt, das peneische Tempe. Krankheit und Hunger, erzählt man, hatten geraubt ihm die Bienen. Niedergeschlagen trat er zum heiligen Quell des Penéus, richtete bitterlich klagend an seine Mutter die Worte: »Mutter, du, meine Mutter Kyrene, Bewohnerin dieser strudelnden Tiefe, warum gebarst du als Gegner des Schicksals mich, den ruhmreichen Göttersproß - wenn, nach deiner Behauptung, Phöbus von Thymbra mein Vater ist? Du liebst mich nicht länger? Wecktest umsonst mir die Hoffnung, man werde als Gott mich verehren? Nunmehr verliere den Ruhm ich sogar für mein sterbliches Dasein, den mir mein kluges Bemühen um Landbau und Viehzucht in manchem allseitig-zähen Versuche errang - und bin doch dein Sprößling! Reiße mit eigener Hand doch heraus gleich die stattlichen Bäume, wirf den zerstörenden Brand in die Stallung, vernichte die Ernte, lasse die Saaten verdorren, die Weinstöcke fälle mit schweren Axthieben, wenn dir mein Ruhm so bittere Abneigung einflößt!« Tief im Palaste des Flusses vernahm die Mutter den Anruf. Rings um sie saßen die Nymphen und zupften milesische Wolle, die überhaucht erschien von gesättigter glasgrüner Färbung, Drymo, Xantho, Ligéa, Phillódoke, deren gepflegte Haarlocken glänzend herabfielen über die schneezarten Nacken; weiter Nesaië und Speio, Kymódoke dann und Thaleía; auch Kydippe, ein Mädchen noch, und die blonde Lycorias, die schon die erste Bewährung Lucinas hinter sich brachte; Klio und Béroë, Schwestern, Okéanostöchter, mit goldnen Gürteln sie beide, auch beide in scheckige Felle gekleidet; Ephyra, Opis, dann Deiopéa vom asischen Sumpfe, schließlich noch Arethusa, die flinke, ohne die Pfeile. Eben erzählte in diesem Kreise Klymene, wie fruchtlos einst sich Vulcanus bemühte, wie Mars zur Geliebten sich listig schlich, wie die Götter, vom Zeitpunkt des Chaos an, Liebe genossen. Während die Nymphen, vom Vortrag gefesselt, die wollenen Fäden ab von den Spindeln zogen, erreichten von neuem die Klagen des Aristaeus das Ohr der Mutter. Da stutzten sie alle auf den Kristallsesseln. Doch vor den anderen hob Arethusa aufwärts die Blicke, streckte den Blondkopf über die Wellen, rief dann von ferne: »Schwester Kyrene, nicht grundlos erschrickst du über den Klageruf! Dein Aristaeus, dein Liebling, dein Bester, steht an dem Ufer des Vaters Penéus, in schmerzlicher Trauer, weinend, und wirft dir Grausamkeit vor!« Von einer noch niemals früher empfundenen Furcht ergriffen, sagte die Mutter: »Führ ihn zu uns! Er darf ja die Schwellen der ewigen Götter stets überschreiten.« Zugleich befahl sie dem Fluß, für den Hirten einen bequemen Zugang zu öffnen. Da wölbte das Wasser, aufgetürmt wie ein Gebirge, sich um ihn, empfing ihn mit seinem gähnenden Schlunde und ließ in die Tiefe hinunter ihn schreiten. Während des Abstiegs schon staunte er über die Wohnstatt der Mutter, über das Reich des Wassers, die grottenumschlossenen Seen, plätschernden Haine. Verblüfft vom machtvollen Wogen der Fluten, sah er tief unter der Erde die Ströme sich teilen in ihre einzelnen Betten, den Phasis, den Lykos, den Hauptquell für viele, jenen, aus dem der tiefe Enípeus hervorbricht, der Vater Tiber, der Anio; weiter der Hýpanis, der durch die Felsen rauschend den Ausweg sich bahnt; im Mysierland der Kaïkos; dann der Erídanos, in der Gestalt des Stieres, mit beiden goldenen Hörnern; durch fruchtbare Fluren ergießt sich kein andrer Strom mit noch stärkrer Gewalt in die schimmernden Weiten des Meeres. Endlich erreichte er die gewölbte Grotte aus Bimsstein, und Kyrene vernahm den leicht zu stillenden Kummer ihres Sohnes. Dann gossen die Schwestern ihm über die Hände Waschwasser, reichten ihm Handtücher dar mit geschorenen Zotten. Andre beluden die Tische mit Speisen und stellten gefüllte Becher dazu; auf Altären erglühte panchäisches Feuer. »Greife zum Kelch des mäonischen Bacchus«, sagte die Mutter, »bringen ein Trankopfer wir dem Weltmeer!« Anschließend flehte sie zu dem Vater des Alls, dem Okéanos, und zu den Schwestern, die, als Nymphen, hundert Wälder und Ströme betreuen. Dreimal besprengte sie auf dem Altar die Flamme mit reinem Nektar, und dreimal züngelte aufwärts das Feuer zum Dachfirst. Durch dies erfreuliche Zeichen ermutigt, begann sie zu sprechen: »Auf dem karpathischen Meeresschlund haust ein Seher der Zukunft, Proteus, blauschimmernd wie Wogen. Zwei Rosse, zweibeinig, mit Flossen, ziehen sein Fahrzeug über die weiten Flächen der Salzflut. Dieser besucht zur Stunde Emathiens Häfen und seine Heimat Pallene. Wir Nymphen, der greise Nereus desgleichen, ehren ihn hoch. Denn alles umfaßt er in gründlicher Kenntnis, Gegenwart wie auch Vergangenheit wie auch die Bahnen der Zukunft. Derart beschloß es Neptunus, dessen riesige Herden häßlicher Robben Proteus tief in dem Meeresschlund weidet. Fesseln, mein Junge, mußt du den Seher, bevor er dir über Gründe der Bienenerkrankung berichtet und alles zum Guten wendet. Nur unter Gewalt erteilt er dir Auskunft, durch Bitten wirst du ihn niemals erweichen. Bezwinge und feßle ihn strenge; dadurch allein vermagst du sein listiges Sträuben zu brechen. Sendet die Sonne den glühenden Mittagshauch nieder und dürsten Gräser und Kräuter und findet das Vieh im Schatten Erquickung, führe ich selbst dich zum Winkel, in den sich der Alte ermattet aus den Wellen zurückzieht: Du kannst ihn im Schlaf überrumpeln. Hältst du ihn dann mit den Armen umschlungen und sicher gefesselt, wird er in mancherlei Tiergestalten zu täuschen dich suchen, plötzlich sich wandeln zum borstigen Eber, zum gräßlichen Tiger, schuppigen Drachen, zur Löwin sogar mit bräunlichem Nacken, oder er lodert prasselnd als Flamme und schlüpft aus den Banden, löst sich in reines Wasser gar auf und rinnt auseinander. Aber je öfter der Alte zu andrer Gestalt sich verwandelt, um so stärker, mein Junge, halte ihn fesselnd umschlungen, bis er, nach letzter Verwandlung, genauso sich zeigt, wie er aussah, als ihm die Augen zu seinem Mittagsschläfchen sich schlossen.« Derart sprach sie und ließ ambrosische Düfte verströmen, die den Körper des Sohnes wie Salbe ganz überzogen. Köstlichen Hauch verbreiteten seine zierlichen Locken, Kraft und Geschicklichkeit spornte die Glieder. Am Berghang, von Wogen ausgenagt, findet sich eine mächtige Grotte. Die Winde treiben dort Wasser hinein; dies teilt sich in längliche Buchten, bietet vor Stürmen den Seeleuten eine vorzügliche Zuflucht. Hier verbirgt sich Proteus gewöhnlich im Schutze der hohen Felsen. Die Nymphe versteckte den Sohn dort in finsterem Winkel, blieb in der Nähe, vor wallendem Nebel nicht sichtbar, dann stehen. Heftig schon glühte der Sirius, der die dürstenden Inder quält, und erklommen hatte die flammende Sonne den Himmel; Gräser schmachteten, unter der Hitze dörrten die Strahlen grausam die Flußbetten, die bis zum schlammigen Grunde schon trocken lagen. Da trat, wie üblich, Proteus vom Meer in die Grotte. Heiter umsprangen ihn triefende Wesen der riesigen Fluten, spritzten die Tropfen des salzigen Wassers weithin. Und während nunmehr die Robben, verstreut am Gestade, zum Schlummer sich streckten, setzte sich Proteus - wie oft im Gebirge ein Wächter der Hürden, wenn von der Weide der Abend die Kälber den Stallungen zuführt und durch ihr Blöken die Schafe den Wolf zum Anschleichen reizen - nieder auf einen Felsblock inmitten der Höhle und zählte gründlich die Tiere. Jedoch Aristaeus nutzte die Stunde, gönnte es grad noch dem Alten, die müden Glieder zu strecken, brach dann hervor mit Geschrei und umschlang den Liegenden kraftvoll. Dieser besann sich sehr wohl auf seine tückischen Kniffe, zeigte sich, ganz erstaunlich, in allerlei Schreckensgestalten, Feuer und furchtbaren wilden Tieren und fließendem Wasser. Aber die Kniffe erlaubten ihm nicht, zu entkommen. Geschlagen, nahm er Gestalt an wie vorher und sprach, so wie Sterbliche sprechen: »Wer, du verwegener Bursche, befahl dir, meine Behausung aufzusuchen? Was möchtest du haben von mir?« Aristaeus gab ihm zur Antwort: »Du weißt es doch, Proteus. Du läßt dich nicht täuschen. Täusche auch du mich nicht länger! Ich kam in göttlichem Auftrag, um mir im Unglück Hilfe durch dein Orakel zu holen.« Soviel nur sagte er. Krampfartig rollte der Seher jetzt plötzlich seine in bläulichem Schimmer glühenden Augen und knirschte wild mit den Zähnen, erteilte dann seine prophetische Auskunft: »Eine bedeutende Gottheit verfolgt dich im Zorn. Ein Vergehen hast du zu büßen: Der schuldlos ins Elend geratene Orpheus legt die Bestrafung dir auf - sofern nicht das Schicksal noch hemmte -, voller Erbitterung grollt er über den Tod der Gemahlin. Diese entrann dir über den Strom in kopflosem Fliehen; dabei erblickte das Mädchen, dem Tode geweiht schon, am Ufer nicht die entsetzliche, tief im Grase lauernde Schlange. Aber der Chor der Dryaden, so alt wie die Tote, erfüllte gellend mit Klagen die Berge. Laut weinten Rhódopes Höhen, die pangäischen Gipfel, die tapfere Heimat des Rhesos, weinten die Geten, der Hebros, die Tochter Athens, Oreithyia. Orpheus jedoch, allein am Gestade, besang, sich in seinem Kummer zu trösten, zum Harfenspiel dich, du teure Gemahlin, tat es bei Tagesanbruch und tat es beim Sinken der Sonne. Auch in den Schlund von Taenarum stieg er, den ragenden Eingang Plutons, gelangte zum finsteren Hain, den Entsetzen umdüstert, und zu den Manen und ihrem schreckenerregenden Herrscher, die sich noch niemals erweichen ließen durch menschliches Flehen. Angelockt aber vom Liede, tauchten aus Erebostiefen schwebend die Schatten empor, die lichtlosen Totengespenster, wie sich die Vögel zahllos unter den Blättern verstecken, wenn sie der Abend, ein Wintersturm auch von den Bergen herabscheucht: Mütter und Gatten und längst schon vom Leben geschiedene tapfre, stattliche Helden, auch Knaben, Mädchen dazu, die der Hochzeit harrten, und Jünglinge, schon auf dem Holzstoß vor Augen der Eltern. Alle umschloß der Kokytos mit düsterem Schlamm und mit seinem häßlichen Schilf und dem widrigen Sumpfstrom, der träge dahinschleicht, alle umringte die Styx mit neunmal gewundenem Bogen. Staunend lauschten dem Liede das Reich des Todes, die tiefsten Gründe des Tartaros, die Eumeniden auch, bläuliche Schlangen wimmelnd im Haar; ja der Zerberus starrte mit offnen drei Rachen, jeglicher Windhauch erstarb, es verharrte das Rad des Ixion. Orpheus befand auf dem Rückweg sich bald, den Gefahren entronnen, hatte Eurýdike wiedererhalten; sie folgte dem Gatten aufwärts zur Oberwelt, wie es Prosérpina festgelegt hatte. Doch da verließ den törichten Liebenden plötzlich die Vorsicht - sicher verzeihlich, sofern bei den Manen Verzeihung noch lebte; fast schon im Sonnenlicht, blieb er stehen, vergaß sich und blickte, Opfer der Sehnsucht, zurück nach seiner Eurýdike. Damit ward sein Bemühen zunichte, gebrochen des grausamen Herrschers Weisung, und dreimal hörte man es vom Avernersee donnern. 'Was für ein Wahnsinn', so klagte sie, 'hat mich Arme vernichtet, dich auch, mein Orpheus? Da ruft mich das schreckliche Schicksal schon wieder, sollen die brechenden Augen im Todesschlummer erstarren! Lebe jetzt wohl, ich muß der mächtigen Finsternis folgen, recke noch, kraftlos, die Arme nach dir, nicht länger die deine!' Damit entschwand sie den Augen des Gatten, wie Rauch in die Lüfte aufwärts sich kräuselnd verweht, und bekam ihn nicht wieder zu sehen; ohne Erfolg versuchte die Schatten er noch zu umarmen, wollte so vieles noch sagen. Doch ließ ihn der Fährmann des Orkus nicht mehr den hemmenden Sumpf überqueren. Was sollte er nunmehr tun, und wohin, nach dem zweiten Verlust der Gemahlin, noch gehen? Wie noch durch Jammern die Manen, durch Flehen die Götter erweichen? Glitt doch Eurydike fort, schon erstarrt, im stygischen Nachen. Sieben Monate lang, so erzählt man, weinte der Sänger unter hochragendem Felsen am öden Ufer des Strymon, sang in eiskalter Grotte vom eigenen Schicksal, wodurch er Tiger besänftigte, Eichen aus ihrem Wurzelbett lockte. Ebenso singt im Schatten der Pappel die Nachtigall traurig, weil sie die Jungen verlor, die der ackernde Landmann entdeckte, ohne Gefühl dann, so nackt wie sie waren, herausriß vom Neste; nächtelang weint sie, singt auf dem Aste ihr Klagelied immer wieder und läßt den Ausdruck des Jammers weithin erschallen. Keine Venus und kein Hymenaeus mehr brachten ihm Freude. Einsam durchzog er hyperboreische Eisfelder, unter Schneemassen stöhnende Länder am Tanais, ständig vom Rauhreif weiße rhipäische Fluren, den Tod der Gattin beklagend, Plutos verscherztes Geschenk auch. Die thrakischen Frauen, durch solche Treue gekränkt, überfielen zur Nacht ihn beim Feste des Bacchus, rissen in Stücke den Sänger, zerstreuten weithin die Glieder. Aber auch jetzt, da der Hebros, der Freund des Oiagros, auf seinen Wellen den vom schimmernden Nacken gerissenen Schädel forttrug, stöhnte die Stimme: 'Eurydike', stöhnte die Zunge, fast schon erstarrt, mit stockendem Atem: 'Eurydike, Ärmste!', stöhnten die Ufer: 'Eurydike' über die Länge des Stromes.« Derart berichtete Proteus. Dann sprang er hinein in die Wellen, ließ an der Stelle des Sprunges die Fluten aufbrandend sprudeln. Aber Kyrene sagte zu ihrem erschrockenen Sohne: »Jetzt, Aristaeus, jetzt darfst du den schmerzlichen Kummer vergessen. Das dir Erzählte begründet die Krankheit, den Tod auch der Bienen, den, dir zur Trauer, die Nymphen verhängten: Die Gattin des Orpheus tanzte mit ihnen in heiligen Hainen! Mit Opfern erflehe Frieden, begütige fromm die freundlichen Nymphen der Weiden; Gnade werden sie schenken dem Flehenden, länger nicht zürnen. Wie du sie freilich anflehst, das will ich dir vorher erklären. Wähle vier Stiere, hervorragend stattliche, die noch zur Stunde hoch am Lycaeus weiden auf saftig grünenden Almen, ebenso viele noch niemals dem Joch unterworfene Kühe. Ihnen errichte Altäre beim hohen Tempel der Nymphen, ebenfalls vier, laß strömen das heilige Blut aus den Kehlen, lasse die toten Rinder zurück dann im laubreichen Haine. Wenn nach dem Opfer zum neunten Male Aurora sich zeigte, biete lethäischen Mohn als Totengabe dem Orpheus, schlachte ein schwarzes Lamm, geh wieder zum Haine der Nymphen, opfre ein Kalb noch, zur Ehre Eurydikes, der schon versöhnten!« Ohne zu säumen, vollzog Aristaeus die Weisung der Mutter, suchte den Tempel auf, baute, dem Auftrag getreu, die Altäre, trieb die vier Stiere, hervorragend stattliche, ebenso viele, niemals dem Joch unterworfene Kühe zur heiligen Stätte. Als dann zum neunten Male Aurora sich zeigte, erwies er Orpheus die Totenehren und kehrte zurück zu dem Haine. Ein unerwartetes, kaum in Worte zu fassendes Wunder trat hier vor Augen: Dem Leib der geopferten Rinder entbrausten, durch die verwesenden Därme und aus den gesprungenen Rippen, Bienen, sie summten, sie wogten gleich riesigen Wolken, sie ballten sich in der Baumkrone, hingen als Traube am schwankenden Aste! Derart besang ich Ackerbau, Viehzucht und Pflege von Bäumen, während der große Caesar am tiefen Euphrat im Kampfe funkelnde Blitzstrahlen schleudert, als Sieger den willigen Völkern Recht und Gesetze verleiht und den Weg zum Olympos beschreitet. Damals noch förderte mich, den Vergilius, liebreich Neapel - als in der Stille ich, unbekannt, glücklich der Dichtkunst mich weihte, spielerisch Hirtenlieder verfaßte und, jung noch und mutig, dich pries, Títyrus, unter der mächtigen Krone der Buche.“ [Vergil: Lied vom Landbau. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 17505 (vgl. Vergil-W, S. 128 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Nach dem Tode seines Sohnes Aktaion verließ Aristaios das Festland, wurde König der Insel Keos, wanderte weiter über Libyen nach Sardinien und Sizilien und lehrte die Menschen seine Künste.