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nike 2,3
NIKE 2,3 „Sieg“. 2. Der Sieg als Sache, Personifizierung des Sieges, aber auch Siegesgöttin. Tochter der Styx und des Pallas 1. Nach Hans Schwabl, unter Berufung auf Himer. or. 19,3, ist Nike eine Tochter des Zeus. Hesiod theog. 383-388: „Styx, des Okeanos Tochter, verband sich mit Pallas und gebar im Palaste Zelos (Ehrgeiz) und Nike (Sieg) mit den schönen Fesseln, gebar auch Kratos (Macht) und Bie (Gewalt), die herrlichen Kinder. Diese wohnen nicht fern von Zeus, und sie nehmen nicht Sitz noch Weg, wo der Gott sie nicht anführt, sondern verweilen immer beim schwer donnernden Zeus.“ ….. Nach dem Sieg des Zeus über die Titanen rief er alle unsterblichen Göttinnen und Götter die ihm beim Kampf geholfen haben zu sich und versprach ihnen, dass sie ihre Wirkungsbereiche behalten dürfen. Denjenigen, die keine hatten, versprach er Ehre und Vorrecht. Auf Anraten ihres Vaters Okeanos kam Styx mit ihren Kindern als erste auf den Olymp, um im Kampf dem Zeus beizustehen. Zeus verlieh ihr dafür die Ehre des Götterschwures. Für alle Zeiten musste man mit „Bei den Wassern der Styx !“ schwören. Ihre Kinder, sie sind als jene Kräfte zu verstehen auf denen Macht beruht, behielt er bei sich. Mit ihnen hatte Zeus nun alle Macht, die Gewalt, den Ehrgeiz und mit Nike die Entscheidung über Sieg und Niederlage in der Hand – nun war er „König der Götter“! Auch Pallas 4 wird als ihr Vater genannt. …… Dort wo die Nike in der Mehrzahl auftritt, unterstreicht die Anzahl der Niken die Qualität des Sieges. ....... Obwohldie Nike-Vorstellung sehr alt ist, wurde sie als Siegesgöttin Nike erst sehr spät und kaum kultisch verehrt. Mythos hatte sie keinen, auch Sagen umgaben sie nicht. Sie verdankt ihre Verehrung vorwiegend ihren grandiosen bildlichen Darstellungen. ....... Eindrucksvoll waren und sind die Nike-Darstellung in der bildenden Kunst. Eine gewaltige weibliche Figur in einem langen wallenden Gewand. Stehend, schwebend, über, oder im Kreis der Götter oder Menschen verkündete sie den Sieg. Auch siegreich vorwärts stürmend oder fliegend, mit eng anliegendem Gewand, wurde sie dargestellt. Der Bildhauer Archermos aus Chios schuf als erster ca. 550 v. Chr. eine geflügelte Nike (Frühere Darstellungen mit oder ohne Flügel sind unbekannt oder verschollen.). Vom Maler Aglaophon, ca. 420 v. Chr., ist das erste Bild überliefert. Der von Archermos geschaffene Typ der Nike wirkte über das Ende der archaischen Zeit bis zur Victoria Romana und darüber hinaus bis zu den Darstellungen der Engel in der christlichen Kunst (z. B. die Engel Berninis auf der Engelsbrücke). Als Attribute trug sie, meist mit hoch erhobenem Arm, das Siegeszeichen oder einen Siegespreis, einen Kranz, eine Binde, seit dem 4. Jh. auch den Palmzweig. Seit ca. 550 v. Chr. wird Nike auch auf Vasen abgebildet. Auf Münzen erscheint sie meist wie sie, mit dem Kranz in der Hand, auf das Gefährt des zu Bekränzenden zufliegt oder über ihm schwebt. Die berühmtesten Niken waren (auch mit ihrer Wirkung auf die Nachwelt): Von Pheidias die Nike auf der Hand der Athena Parthenos. Auch von Pheidias die Nike auf der Hand des Zeus in Olympia, beide ca. 440 v. Chr. und beide stehende Niken. Die Niken mit Stieren auf der Nikenbalustrade in Athen, 5. Jh. v. Chr. Die Nike des Bildhauers Paionios von Mende. Dieses erhaltene Werk stand ursprünglich vor der Ostfront des Zeustempels in Olympia auf einer 9 Meter hohen Säule und war ein Weihgeschenk der Messenier und Naupaktier nach der Schlacht bei Sphakteria 424 v. Chr. Sie stand auf einem unter ihren Füßen durchfliegenden Adler, sie flog also, mit weit ausgebreiteten Flügeln, die Kleidung eng am Körper und der Mantel vom Flugwind verweht; Pausanias 5,26,1. Die Nike vom großen Fries aus Pergamon. Die berühmteste der erhaltenen Niken, die gewaltige Nike von Samothrake, wurde im 2. Jh. v. Chr. von rhodischen Bildhauern geschaffen und steht heute im Louvre in Paris. Fest steht sie auf der Spitze eines Kriegsschiffes, ihr Kleid von den Wogen durchnässt, stürmt sie kraftvoll, unbezwingbar und siegesbewusst mit wehendem Mantel dem Feind entgegen. ....... Die Römer verehrten als Siegesgöttin die mit der Nike verwandte Victoria. Ihr Name leitet sich ab von „victor“ (= Kraft des Siegers). Damit wurde sie, im Gegensatz zu Nike, die Personifizierung der errungenen Siege. Ihr Kult wurde mit der Weihe eines Victoria-Tempels auf dem Palatin im Jahre 294 v. Chr. begründet. Als Siegesgöttin, als „Errungener Sieg“, wurde sie heroisch dargestellt, thronend, eine große kultische Gottheit. Sulla stiftete 82 v. Chr. die ersten Spiele für Victoria und ließ sich als erster mit ihr auf Münzen abbilden. Julius Cäsar ließ sich vom Senat Victoria zur persönlichen Schutzgöttin erheben. Octavian, als Nachfolger, richtete 44 v. Chr. die „ludi Victoriae Caesaris“ aus und unterstellte sich damit der „Schutzgöttin des Cäsars“. Zur Ehre der Victoria (der siegreichen Schlacht) bei Aktion am 02.09.31 v. Chr. weihte Octavian im Jahre 29 v. Chr. in der von Julius Cäsar neu errichteten Curia Iulia einen Victoria-Altar mit einer Victoria-Statue aus Tarent. Diese berühmte, auf einer Kugel stehende „Victoria von Aktion“, verkörperte die „Herrschaft über den geeinten Erdkreis“ unter der Macht des Octavian und wurde auf vielen Münzen abgebildet. Seit 12 v. Chr. wurde ihr vor den Sitzungen des Senates Opfer dargebracht. Die nach 27 v. Chr. von Oktavian / Augustus gestiftete „Victoria Augusti“ wurde zum „religiösen und rechtlichen Symbol des römischen Reiches“. Damit übertraf die römische Victoria mit ihrer Bedeutung die griechische Nike bei weitem. PS: Das Stehen auf einer Kugel kann auch als „Unsicherheit“ interpretiert werden. ….. Nach dem Erstarken der christlichen Religion wurde die „Victoria der Curie“ zum „Symbol des Heidentums“ erklärt. Constantius der II ließ den Altar 357 erstmals entfernen, weil „sein Anblick ihn beflecke“; Ambrosius epist. 18,32. Nach langem Streit kehrte er 392 wieder zurück, wurde aber 394 von Theodosius dem Ersten endgültig entfernt. ……. Hymnos auf Nike Mächtige Nike, dich ersehnen die Sterblichen innig, du allein beschwichtigst den Kampfeseifer der Menschen und den entsetzlichen Streit auf dem Schlachtfeld der feindlichen Heere durch die Entscheidung über das ringende Streben zum Siege, dem du die köstlichste Ehre verleihst in jähem Erscheinen. Bist du doch stärker als alle, du birgst, Gepriesene, jeden Zwistes herrlichen Ruhm, umtönt vom Jubel des Glückes. Komm, du Ersehnte, du Selige, kröne strahlenden Auges immer das ruhmvolle Werk durch einen erfolgreichen Ausgang! [Anonyma: Orphische Hymnen. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 144 (vgl. Griech. Lyrik, S. 456 ff.) (c) Aufbau-Verlag] 3. Eine der Töchter des Thespios, mit denen Herakles in einer Nacht 51 Söhne zeugte. Sie wurde in dieser Nacht des „Marathon des Herakles“ Mutter des Nikodromos; Apollodor 2,162. …………….. Thespios war Vater von 50 Töchtern, Epomym und König der Stadt Thespiai, westlich von Theben. Herakles, damals 17 Jahre alt, war Gast bei Thespios und tötete auf dessen Bitten den Löwen vom Kithairon. Um starke Nachkommen zu bekommen legte der König seine 50 Töchter nach und nach zu Herakles in das Bett; 51 Söhne wurden geboren. Apollodor 2,4,10 und Diodor 4,29 sprechen von fünfzig Nächten in denen je eine vom Vater dem Herakles in das Bett gelegt wurde. Herodoros spricht von sieben Nächten mit je sieben Töchtern. Bei Ephoros frg. 8 FHG 2,30 hat Herakles in einer Nacht mit allen 50 Frauen geschlafen und die 50 Söhne gezeugt. Mit 49 der Töchter hat Herakles bei Pausanias 9,27,7 in einer Nacht 51 Söhne gezeugt, zwei bekamen Zwillinge; die Fünfzigste kämpfte um den Erhalt der Jungfernschaft und wurde dafür für den Tempeldienst des vergöttlichten Herakles bestimmt. Die späteren katholischen Kirchenväter verwendeten natürlich als Beweis der höchsten Unmoral die Eine-Nacht-Fassung und trugen dazu bei, dass diese Nacht als „MARATHON DES HERAKLES“ Eingang in die Fantasie der Männer gefunden hat.