eine gesamtgenealogie der griechisch-mediterranen mythologie
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tithonos
TITHONOS Ein Lichtgott, „der Leuchtende“. Mythische Darstellung des Verschwindens der Morgenröte. Er wird sehr oft mit Helios, dem Sonnengott, gleichgestellt. Er dürfte anatolischen Ursprungs sein und von dort in die troischen, ägyptischen und persischen Überlieferungen eingeflossen sein. Mit seinem erst sehr späten Eintritt in den griechischen Sagen- und Mythenkreis erfolgte seine Personifizierung. Es entstand der Mythos vom sterblichen Tithonos. Als Sterblicher wurde er in mehrere Genealogien eingebaut. Er wurde zum Sohn von - Laomedon 1; Homer Ilias 20,237: „…und Laomedon zeugte Tithonos, Priamos, Lampos, Klytios und Hiketaon als letzten, den Sprößling des Ares.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 5277 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 383) (c) Aufbau-Verlag] und anderen; als Sohn des Laomedon hat er viele Geschwister; - Kephalos 1 / 2, in diesem Fall als Sohn des Hermes und der Herse 1; Apollodor 3,181; - Ilos und Bruder des Laomedon; Dictys Cret. 4,22 u. a; - Strymo, der Tochter des Flussgottes Skamandros; Apollodor 3,146 u. a; - Plakia, der Tochter von Otreus; Apollodor 3,146; - Rheio, der Tochter des Flussgottes Skamandros; Tzetzes Alleg. Iliad. Prol. 173; - Rhoio 3; Schol. Lykophron 18; und Eos; Apollodor 3,181. Auch Hemera, die Göttin des Tages, bzw. des Tageslichts, wird einige male anstelle der Eos als Mutter des Tithonos mit Kephalos 1 / 2 als Vater genannt. ….. Tithonos war einer der vielen Geliebten der Eos, der Morgenröte, und Vater von Emathion 1 und Memnon. Eos hat ihn, wie viele andere schöne Jünglinge, offensichtlich wider seinem Willen entführt, denn auf vielen Vasen ist Eos abgebildet wie sie, die Geflügelte, den fliehenden Tithonos verfolgt. Er wohnte mit ihr dann doch bei den Aithiopen, in Aiaia, in Syrien, beim Okeanos und überall dort, wo die Sonne aufgeht; Homer Ilias 11,1ff: „Eos erhob sich vom Bett, von der Seite des edlen Tithonos, um ihr Licht den Göttern zu bringen wie auch den Menschen.“ [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4938 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 192) (c) Aufbau-Verlag] ….. Weil Zeus einst Ganymedes Unsterblichkeit und ewige Jugend verlieh, wollte Eos für ihren schönen Tithonos auch Unsterblichkeit und bat Gottvater Zeus um diese Gnade. Zeus, er mochte seine Cousine sehr gerne, entsprach natürlich ihrer Bitte. Nur, in ihrer Verliebtheit vergaß die gute Eos auch um ewige Jugend für ihren Geliebten zu bitten und Tithonos wurde älter und älter, nach und nach grauhaarig, faltig, liebeslahm und zittrig und Eos verlor ihr Interesse an ihm. Als er uralt und schrumpelig wurde, sperrte ihn Eos in eine dunkle Kammer, damit sie sein unaufhörliches Geplapper nicht mehr hören musste. Und dort sitzt er heute noch, plappert wirr und kann nicht sterben (Vergleiche mit der nordischen Sage des Königs Aun.). Man erzählt auch, sei habe den zusammenschrumpfenden Gemahl in eine Wiege gelegt und in einer Kammer aufgehängt; Hom. hym. 4,236. Und nach wieder einer anderen Legende verwandelte sie ihn in eine Zikade die zirpst und zirpst und…………, die Zikade war dem Sonnengott Helios heilig, weil sie nur bei praller Sonne zirpst. Der ehemals wunderschöne und von vielen geliebte Jüngling wandelte sich zum Inbegriff des uralten Greises. ….. Tithonos ist eine Allegorie des Tages, der am Morgen jugendlich frisch und munter, mit Eos, einer wunderschönen Morgenröte, und kräftigem Eros, hoch sichtbar beim jungen Mann, beginnt, sich während des Tages in der Sonne verzehrt und am Abend, am Ende eines körperlich und geistig anstrengenden Tages, die Mattheit und die Müdigkeit verkörpernd, greisenhaft zu Ende geht. ……………… Ovid, Liebeselegien 1,13: Über den Ozean kommt, blondlockig, vom greisen Gemahle Sie, die den nahenden Tag bringt mit bereiftem Gespann.- Wohin so rasch, Aurora? O bleibe! So sühne den Schatten Memnons der Vöglein Schar jährlich durch festlichen Mord! Jetzt erst liegt sich's so schön in der Herrin weicher Umarmung, Jetzt, wenn je, schmiegt sanft mir an die Seite sie sich. Jetzt ist wonnig der Schlaf, jetzt sind voll Kühlung die Lüfte, Und aus dem Kehlchen entquillt frischer dem Vogel sein Lied. Was enteilst du, verhaßt den Männern, verhaßt auch den Mädchen? Zieh den betaueten Zaum straff mit der purpurnen Hand. (Ehe du aufgehst, blickt der Schiffer nach seinen Gestirnen Sichrer, und ratlos nicht irrt er inmitten der Flut. Wenn du nahst, erhebt sich - wie sehr auch ermüdet - der Wandrer, Streckt nach den Waffen die Hand - waffengewohnt - der Soldat.) Du zuerst siehst ziehn mit dem Karst den beladenen Landmann, Rufest den langsamen Stier zu dem gebogenen Joch, Stiehlst dem Knaben den Schlaf und lieferst ihn aus an den Lehrer, Daß von grimmigem Hieb schwelle die zärtliche Hand. Du auch schickst, den der Bürgschaft Bann festhält, vor die Hallen, Daß ihm ein einziges Wort bringe gewalt'gen Verlust. Weder dem Anwalt kommst du genehm noch genehm auch dem Redner, Da zu neuem Prozeß beide zu eilen du zwingst. Du, wenn billig einmal aufhörte die weibliche Arbeit, Rufst zum Rocken zurück wieder der Spinnerin Hand. Alles ertrüg ich gern - doch daß früh aufstehen die Mädchen, Duldet wohl keiner, als wer selber kein Mädchen besitzt. Oft schon hab ich gewünscht, es möchte die Nacht dir nicht weichen Und kein Stern im Lauf fliehen vor deinem Gesicht; Oft schon hab ich gewünscht, es zerbräche der Wind dir die Achse Oder es stürzte dein Roß strauchelnd im dicken Gewölk. (So ist's, als hätte ihr Herz für Cephalus niemals geschlagen. Wie? Oder glaubt sie wohl gar, unbekannt sei ihr Vergehn?) Neidische, wozu eilst du? Dein Sohn war schwarz - und natürlich! Trug die Farbe doch schon vor ihm dein mütterlich Herz. Wär es Tithonos nur erlaubt, von dir zu erzählen: Nicht im Himmel ein Weib wäre so schändlich wie du. Nur, um ihm recht weit zu entfliehn, weil hoch er bei Jahren, Eilst du vom Greise so früh auf dein verhaßtes Gespann. Hieltest du Cephalus nur, den lieber du magst, in den Armen, Riefst du gewiß: »Oh, lauft langsam, ihr Rosse der Nacht!« Soll ich Verliebter es büßen, daß schwach vom Alter dein Mann ist? Bist du auf mein Geheiß etwa vermählt mit dem Greis? Siehe, wie lange verlieh nicht Luna Schlaf dem geliebten Jüngling, und ihre Gestalt weichet der deinen in nichts. Selbst auch der Vater der Götter, daß nicht so oft er dich sähe, Hat zwei Nächte sogar, sich zu ergötzen, vereint.- Also schloß ich den Streit; sie ward, als ob sie es hörte, Rot - doch nicht später darum kam als gewöhnlich der Tag. [Ovid: Liebeselegien (Amores). Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 13213 (vgl. Ovid-W Bd. 2, S. 27 ff.) (c) Aufbau-Verlag]