Die vorliegende Fassung der Texte ist nicht redigiert! Informationen dazu finden sie hier.
adrastos 1,2,4
ADRASTOS / ADRESTOS 1,2,4 „Der nicht Entrinnende“. Ursprünglich war Adrastos ein altgriechischer Gott. In der vorliegenden Literatur erscheint er nur noch herabgesunken als Heros, der in Sekyon mit einem Heroon verehrt wurde (1 A). In der Ilias 6,37ff erscheint ein Adrastos als Sohn des Merops 4, der den Menelaos auf Knien um das Leben bittend (1 B1) und später, Ilias 16,694, nur noch als nackter Name. ...... 1. A.) Sohn des Talaos und der Eurynome 7 oder Lysimache, Gemahl der Amphithea 5, der Tochter seines Bruders Pronax. Heros aus aiolischem Geschlecht in Argos. König von Sekyon, später von Argos. Seine Gemahlin Amphithea schenkte ihm die Töchter Argeia 5 und Deiphyle. Adrastos ist eine der Hauptfiguren des riesigen, sich über zehn Generationen erstreckenden vorhomerischen thebanischen Sagenkreises, der mit Agenor 1 beginnt und in dessen Zentrum die Sagen von OIDIPUS und der SIEBEN GEGEN THEBEN stehen. Sollten tatsächliche Ereignisse Bestandteil des Sagenkomplexes sein, so sind sie im Zeitraum zwischen ca. 1400 bis 1100 v. Chr. anzusiedeln. ….. Bei einem Streit der führenden Familien in Argos wurde Talaos, der Sohn des Königs von Argos, von Amphiaraos getötet. Die Söhne des Ermordeten wurden vertrieben; Pindar Nemeische Oden IX 11ff: „ …………………………………………………….Deren eingedenk will ich preisen mit rühmenden Ehren den Heros, Der damals dort König war und mit neuen Festen und Wettstreit der Männerkraft und geschweiften Wagen wies seine Stadt und ihr Ruhm schuf. Er war nämlich einst geflohen vor dem Kühnes planenden Amphiaraos und dem furchtbaren Zwist im väterlichen Haus und aus Argos. Und Herrscher waren nicht mehr des Talaos Söhne, bezwungen durch den Zwiespalt. Der mächtigere Mann stößt um das vorher geltende Recht.“ [Pindar: Nemeen. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 9431 (vgl. Pindar-D, S. 160 ff.) (c) Insel-Verlag] Adrastos 1, der älteste Sohn des Talaos, flüchtete zu seinem Großvater mütterlicherseits Polybos 6 nach Sekyon (Herodot Hist. V 67 nennt Polybos als Schwiegervater des Adrastos.). Nach dessen Tod übernahm er die Herrschaft in Sekyon. Nach der Aussöhnung mit Amphiaraos kehrte er als König nach Argos zurück und gab seine Schwester Eriphyle dem Amphiaraos zur Frau. Man versprach sich, dass bei irgendwelchen neuen Streitigkeiten Eriphyle Schiedsrichterin sein soll. Das Orakel weissagte Adrastos die Verheiratung seine Töchter Argeia 2 und Deipyle mit einem Löwen und einem Eber voraus, er war ratlos. Polyneikes, er war von seinem Bruder Eteokles von Thron in Theben gestürzt und (siehe Eteokles und Polyneikes >) aus der Stadt vertrieben worden. Tydeus, der Sohn des Oineus 1 und der Periboia 12, wurde von seinem Onkel Agrios wegen eines Totschlages verbannt. Beide waren auf der Flucht, trafen sich in dunkler Nacht vor dem Palast des Adrastos, hielten sich für Räuber und begannen miteinander zu kämpfen. Adrastos erwachte, eilte mit einem Licht vor das Tor, trennte die Kämpfer und sah vor sich auf den Schildern der beiden einen Löwen- und einen Eberkopf. Das Schild des Tydeus trug als Erinnerung an die kalyd. Eberjagd einen Eberkopf, das des Polyneikes in Erinnerung an Herakles ein Löwenhaupt. Adrastos erinnerte sich an das Orakel und gab Polyneikes Argeia und Tydeus Deipyle zur Frau. Zudem gab er beiden das Versprechen, sie in ihre väterlichen Reiche und Rechte wieder einzuführen – ein tödliches Versprechen, denn „7 gegen Theben“ und „die Epigonen“ war die Folge. ….. Um das Versprechen, Polyneikes wieder in das Amt des Königs von Theben einzuführen, einzulösen, sammelte Adrastos ein Heer. Sieben Männer verpflichteten sich am Kampf teilzunehmen. In die Literaturgeschichte eingegangen sind sie unter dem Begriff SIEBEN GEGEN THEBEN. In der kykl. Thebais sind es: Polyneikes und Tydeus als Einzelkämpfer, die Brüder Adrastos, Mekisteus und Parthenopaios und ihr Neffe Kapaneus, sie brachten kampfbereite Mannschaften und Amphiaraos, der Schwager des Adrastos. Aischylos nennt in seinem „Sieben gegen Theben“ den Adrastos und Mekisteus nicht, dafür aber Eteoklos und Hippomedon 1. Euripides nennt in seiner Tragödie „Die Phoinikerinnen“, 1090ff, Parthenopaios, Amphiaraos, Hippomedon, Tydeus, Polyneikes, Kapaneus und Adrastos. ….. Der Seher Amphiaraos wehrte sich verbissen gegen diesen Krieg mit Theben, denn als Seher sah er den unglücklichen Ausgang des Unternehmens voraus: „Alle, außer Adrastos, werden bei diesem Krieg ihr Leben verlieren.“ prophezeite er und weigerte sich als Adrastos doch am Vorhaben festhielt daran teilzunehmen. Weil er auch seinen eigenen Tod voraus sah versteckte er sich. ….. Bei seiner Flucht aus Theben hatte Polyneikes das berühmte „Halsband der Harmonia“ und einen wunderschönen Umhang, Familienerbstücke der fünften Generation, mitgenommen. Der Feuergott Hephaistos hatte ein von ihm selbst gefertigtes goldenes und mit Edelsteinen verziertes Halsband und Aphrodite einen wunderschönen Pelops, einen mit Gold bestickten Umhang, der Harmonia anlässlich ihrer Hochzeit mit Kadmos geschenkt. Leider hatte dieses Halsband allen Besitzerinnen, nach Harmonia der Semele, der Iokaste und Argeia, nur Unglück gebracht. Polyneikes wollte Amphiaraos zwingen am Krieg gegen Theben teilzunehmen und erdachte sich eine List: Er wusste von der Abmachung, dass bei einem Zwist zwischen Adrastos und Amphiaraos Eriphyle die Entscheidung zu treffen hatte und bestach sie mit dem goldenen Halsband der Harmonia. Sie verriet nicht nur das Versteck ihres Ehemannes, sie entschied, bestochen, beim darauf folgenden Streit zwischen Amphiaraos und Adrastos auch noch dass ihr Ehemann am Krieg teilzunehmen habe und schickte ihn damit dem Gold zuliebe in den Tod. Bevor Amphiaraos in den Krieg zog beauftragte er, tief enttäuscht, seinen Sohn Alkmaion diesen Verrat und damit seinen Tod an der Mutter zu rächen. ….. Die Abschiedszene war auf der Kypseloslade, die sich im Heratempel in Olympia befand, abgebildet; Pausanias 5,17,7f: „….. Weiter ist das Haus des Amphiaraos abgebildet, und eine alte Frau, wer es auch sein mag, trägt den unmündigen Amphilchos. Vor dem Haus steht Eriphyle mit dem Halsband und neben ihr ihre Töchter Eurydike und Demonassa und der Knabe Alkmaion nackt. Asios hat in seinem Epos auch Alkmene zu einer Tochter des Amphiaraos und der Eriphyle gemacht. Baton, der Wagenlenker des Amphiaraos, hält die Zügel der Pferde und in der einen Hand eine Lanze. Amphiaraos steht mit dem Fuß schon auf dem Wagen, hat das Schwert gezückt und wendet sich gegen Eriphyle, vor Wut kaum imstande, von ihr abzulassen.“ (Pausanias: Reisen in Griechenland. Band 2: Olympia, die Bücher V - VII in der Übersetzung von Ernst Meyer. Düsseldorf / Zürich: Artemis & Winkler Verlag, 2001.) ….. Ein großes Heer zog gegen Theben. Das Orakel weissagte, dass nur der von den Söhnen des Oidipus siegen werde, der die Unterstützung des Vaters habe. Oidipus aber verweigerte beiden die Unterstützung, verfluchte sie und prophezeite nochmals ihren gemeinsamen Untergang (Fragmente des verlorenen Epos THEBAIS weisen darauf hin, dass Oidipus seine Söhne u. a. verfluchte, weil sie ihn eingesperrt und ihm ein Stück minderwertigen Fleisches vorgesetzt hatten.) ….. Auf dem Marsch nach Theben, bei brütender Hitze, suchten die Krieger nahe der Stadt Nemea nach Wasser. Die Durstigen trafen eine einsame Frau mit einem Säugling und fragten sie nach einer Quelle. Hypsipyle 1 war es. Einst war sie Königin auf Lemnos, wurde jedoch von den Frauen der Insel vertrieben, von Seeräubern verschleppt und als Sklavin an Lykurgos 3, den König von Nemea, verkauft. Jetzt war sie die Amme des kleinen Opheltes, des Sohnes von Lykurgos. Zärtlich legte Hypsipyle den Kleinen in das Gras und zeigte ihnen eine Quelle. Als sie zurück kam war das Kind verschwunden. Nebenan im Gebüsch lag eine grauenhafte riesige Schlange mit prallem Bauch, eben ihr Mahl verdauend. Entsetzt schrie Hypsilype nach den Männern. Hippomedon tötete die Schlange, das tote Kind wurde aus der Schlange befreit und bestattet. Man gab ihm einen neuen Namen: Archemoros, „der Frühvollendete“, und führte ihm zu Ehren die heiligen nemeischen Spiele ein. Der Seher Amphiaraos deutete dieses Unglück als schlechtes Omen und forderte die Umkehr – vergebens. ….. Vor Theben angekommen nahm das Heer des Adrastos Aufstellung, Eteokles und Kreon rüsteten die Stadt für die Verteidigung. Die Thebaner befragten den Seher Teiresias und er weissagte, dass der Sieg nur dann errungen werden kann, wenn der Jüngste des Drachengeschlechtes sich dem Ares opfere. Menoikeus 2 war es, ein Jüngling noch, der jüngste Sohn des Kreon 1 und der Eurydike 5. Gegen den Willen des verzweifelten Vaters stieg Menoikeus auf eine Zinne der Burg, durchschnitt sich mit einem Dolch die Kehle und stürzte sich in die Drachenschlucht. Die Argiver begannen mit dem Sturm auf die Stadt, stürmten die sieben Tore, wurden aber zurückgeschlagen. Beim zweiten Ansturm zertrümmerte der Thebaner Periklymenos dem Parthenopaios mit einem riesigen Stein den Kopf. Kapaneus, mit dem frevelnden Ruf: „Nicht einmal Zeus kann mich hindern diese Mauern zu erklimmen!“, erstürmte mit einer Leiter die Stadtmauer, ein Blitz des Zeus, ein grauenhafter Donner und sein Körper war zerfetzt. Adrastos erkannte entsetzt, dass Zeus nicht auf der Seite der Argiver stand und befahl den Rückzug. Die Thebaner stürzten aus den Toren und vertrieben die Angreifer; Euripides „Die Phoinikerinnen“ 1076ff: BOTE. Als Kreons Sohn, der für das Vaterland gestorben, hoch auf der Turmesspitze, sich das dunkle Schwert, zur Rettung diesem Lande, durch die Kehle stieß, hat sieben Scharen samt den Führern zugeteilt dein Sohn den sieben Toren, Wächter gegen das Argeierheer, hat als Ersatz den Reitern Reiter, den Schildbewehrten Panzerträger beigesellt, daß dem bedrängten Mauerteil die Waffenhilfe sofort bereit sei. Von der hohen Burg herab erblickten wir die Streitmacht der Argeier, die den Teumesos verließ; und, nah dem Graben, griffen im Laufschritt sie des Kadmoslandes Hauptstadt an. Der Schlachtgesang und die Trompeten dröhnten laut, zu gleicher Zeit von dorther und von unsern Mauern. Zuerst nun führte auf das Tor der Neïs zu die Schar, die von den dichtgedrängten Schilden starrte, der Sohn der Jägerin, Parthenopaios. Als sein Wappen trug er Atalante mitten auf dem Schild, wie sie, mit fernhintreffenden Geschossen, den Eber von Aitolien erlegt. - Zum Tor des Proitos zog, mit Opfertieren auf dem Wagen, der Seher Amphiaraos, kein stolzes Wappen aufweisend, nein, bescheiden wappenlos den Schild. Zum Tor des Ogygos schritt Fürst Hippomedon, als Wappen führte mitten auf dem Schilde er Panoptes, der mit bunt gemalten Augen schaute; ein Teil der Augen blickte mit dem Sternenaufgang, der andre war geschlossen mit den sinkenden, wie man nach seinem Tode es betrachten konnte. Am Tore des Homoloeus hielt Tydeus die Abteilung, auf dem Schild ein Löwenfell mit wild gesträubter Mähne, schwang die Fackel in der Rechten wie ein Prometheus, um die Stadt in Brand zu stecken. Dein Polyneikes führte hin zum Quellentor die Kriegerschar; auf seinem Schild, als Wappen, scheuten vor Angst in raschem Lauf die potniaischen Rosse, an Zapfen kunstvoll, innen, grad am Griff, sich drehend, so daß es schien, sie seien wirklich toll geworden. An Kampfesmut geringer nicht als Ares, führte zum Tor Elektras Kapaneus die Schar; ins Erz des Schildes eingetrieben, trug ein erdentsproßner Gigant auf seinem Rücken eine ganze Stadt, die er mit Hebeln aus dem Grund gerissen, uns ein Sinnbild dessen, was die Stadt erleiden soll. Am siebten Tore stand Adrastos, seinen Schild von hundert draufgemalten Schlangen wimmelnd voll, an seinem linken Arm das Bild der Hydra tragend, den Stolz von Argos; mitten von den Mauern rafften die Schlangen mit den Rachen fort die Kadmoskinder. Die alle anzuschaun, war mir vergönnt, als ich den Führern unsrer Scharen die Parole brachte. Am Anfang kämpften wir mit Pfeilen und mit Spießen, mit Schleudern, die im Fernen wirkten, und dem Schmettern von Steinen. Und als wir uns überlegen zeigten im Kampf, rief Tydeus plötzlich und dein Sohn: »Ihr Kinder der Danaer, bevor Geschosse uns zerfleischen, was säumt ihr, allesamt die Tore zu bestürmen, du Fußvolk und ihr Reiter und ihr Wagenkämpfer?« Sobald den Ruf sie hörten, blieb nicht einer müßig, und viele stürzten hin, die Schädel blutbefleckt, von uns auch hättest du sie zahlreich von den Mauern kopfüber, tot zur Erde sinken sehn; sie tränkten den dürren Boden mit den Strömen ihres Blutes. Der Sohn der Atalante, der Arkader, kein Argeier, stürzte wie ein Sturm aufs Tor und »Feuer und Hacken!« schreit er, unsre Stadt zu schleifen. Doch es hemmte ihn im Toben Periklymenos, des Meeresgottes Sohn, warf einen Stein aufs Haupt ihm, der einen Wagen füllte, ein Stück Mauerkranz; das blonde Haupt zermalmte er, zerbrach die Nähte der Knochen, tauchte gleich in Blut das dunkle Kinn. Er wird sein Leben nicht zurück der Mutter bringen, die ihren schönen Bogen führt am Mainalos. Als nun dein Sohn dies Tor mit Glück gerettet sah, da ging er zu den anderen, ich folgte ihm. Und Tydeus sehe ich und Schildbewehrte, die in dichter Schar mit den Aitolerspeeren auf den Rand der Mauern schießen, daß man flüchtend von der steilen Brustwehr weicht. Doch wie ein Jäger sammelt dein Sohn von neuem sie und läßt zum zweiten Male die Mauern sie besetzen. Und wir eilten zu den andern Toren, als wir hier die Not behoben. Wie soll das Wüten ich des Kapaneus beschreiben? Den Sturmweg einer langen Leiter schleppend, zog heran er, und so übermütig prahlte er: Ihn hindre schwerlich selbst des Zeus erhabne Flamme, die Stadt vom Gipfel ihrer Burg herabzureißen. Dies rief er aus und klomm zu gleicher Zeit, von Steinen umschwirrt, dicht an den Schild den Leib geschmiegt, hinan, die glatten Leiterstufen Schritt für Schritt gewinnend. Schon stieg er über das Gesims der Mauer. Da traf Zeus ihn mit dem Blitz. Die Erde dröhnte, daß ein jedermann erschrak. Und von der Leiter wurden geschleudert, auseinander, seine Glieder, zum Olymp die Haare, und sein Blut zu Boden; Arme und Beine kreisten wie das Schwungrad des Ixion. Hinab zur Erde stürzte der verbrannte Leichnam. Adrast sah ein, daß Zeus dem Heere zürnte: Vor dem Graben ließ er halten das Argeierheer. Wie Unsre das von Zeus gegebne Glückeszeichen erkannt, da drängten sie, zu Roß, zu Fuß, im Ausfall zurück des Feindes Wagen, drangen ein in die Argeierreihen. Alle Schrecken gab's zugleich: Man fiel und starb, man stürzte nieder von den Wagen, die Räder sprangen, Achsen über Achsen, und die Leichen türmten über Leichen sich zuhauf. Den Sturz der Burgen unsres Landes haben wir bis jetzt verhindert. Ob in Zukunft auch das Land noch glücklich sein wird, das liegt bei den Göttern. Denn auch jetzt hat einer der Daimonen es gerettet. [Euripides: Die Phoinikerinnen. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 3712 (vgl. Euripides-W Bd. 2, S. 338 ff.) (c) Aufbau-Verlag] ….. Amphiaraos, der Seher, flüchtete mit seinem Wagen. Als er den Fluss Ismenos erreichte warf ein Verfolger einen Speer nach ihm, aber Zeus, er ist der Gott und Beschützer der Seher, öffnete die Erde, Amphiaraos verschwand mit Wagen, Pferd und Begleiter in der Tiefe und wurde zum Gott. ….. Nach dieser ersten Niederlage sammelten sich die Argiver wieder und zogen, geschwächt, erneut gegen Theben. Auch die Verteidiger hatten schwere Verluste zu beklagen. Eteokles schickte deshalb einen Kurier zu Adrastos mit dem Vorschlag, das grauenhafte Abschlachten zu beenden; Eteokles und Polyneikes sollen im Zweikampf die Entscheidung bringen. Wer siegt, wird König von Theben. Adrastos war einverstanden, die Kämpfer und das Volk jubelten, ein Vertrag wurde abgeschlossen, der Zweikampf vorbereitet. Antigone, nach dem Tod ihres Vaters Oidipus war sie nach Theben zurückgekehrt, erbebte vor panischem Entsetzen: Sie wusste von der fürchterlichen Prophezeiung ihres Vaters und dem Fluch des Pelops. Die beiden Brüder stellten sich: Nach einem langen und grauenhaften Kampf durchbohrte Polyneikes Eteokles das rechte Bein mit dem Schwert. Eteokles stieß im Gegenschlag dem Bruder den Speer in die Schulter und das Schwert durch den Leib. Polyneikes stürzte – verblutend. Eteokles, bereits triumphierend, beugte sich über den Sterbenden, da stieß Polyneikes ihm mit letzter Kraft das Schwert in das Herz. Tot sank Eteokles neben den sterbenden Bruder. Antigone, die Schwester, stürzte aus der Menge, umarmte weinend Polyneikes. Er flüsterte ihr seine letzten Worte: „Erst jetzt erkenne ich, dass ich meinen Bruder immer geliebt habe.“. Beiden schloss Antigone die Augen. Weil Polyneikes länger lebte beanspruchten die Argiver den Sieg für sich. Die Thebaner widersprachen, weil Eteokles seinen Bruder zuerst zu Fall gebracht hatte. Auf der Stelle begann eine fürchterliche Schlacht. Brutal und blutrünstig kämpfte Tydeus. Beim Zweikampf mit Melanippos wurde er schwer verletzt. Trotz dieser Verletzung tötete Tydeus seinerseits den Melanippos. Als Liebling der Athene wäre Tydeus unsterblich geworden, als aber die Göttin den schwer Verletzten beobachtete wie er dem toten Melanippos den Schädel öffnete und das Hirn schlürfte, wendete sie sich angeekelt von ihm ab und ließ ihn sterben. Bestattet wurde er in Theben; Homer Ilias 14,114: „….. - Tydeus, den der Grabhügel deckt in thebanischer Erde.“ Unter schweren Verlusten töteten die Thebaner fast alle Argiver. Von den SIEBEN GEGEN THEBEN kehrte nur, wie Amphiaraos prophezeite, Adrastos zurück. Entgegen dem Auftrag seines Vaters tötete Alkmaion jedoch seine Mutter nicht. .......... Die Epigonoi: „Die später Geborenen“. Zehn Jahre nachdem die „Sieben gegen Theben“ den Krieg gegen Theben verloren hatten rüsteten deren Söhne zum Rachefeldzug. Alkmaion und Amphilochos, die Söhne des Amphiaraos, beide hatten schon (in einer späteren Version der Sage) am Zug der „Sieben“ teilgenommen, Aigialeus 1 und Kyanippos, die Söhne des Adrastos (Kyanippos kann auch Enkel des Adrastos sein), Sthenelos 4, der Sohn des Kapaneus, Polydoros 3, Sohn des Hippomedon, Euryalos 1, der Sohn des Mekisteus, Promachos oder Tlesimenes, des Parthenopaios Sohn, Theresandros, der Sohn des Polyneikes und Diomedes, der Sohn des Tydeus – die Namen werden in der Literatur verschieden angegeben. Pausanias erwähnt z. B. noch Adrastos und Timeas, die Brüder des Thersandros. Auch der alte König Adrastos, er war der einzige Überlebende der „Sieben“, gesellte sich zu ihnen, das Kommando übergab er aber Alkmaion. Alkmaion hatte das Orakel des Apollon in Delphi befragt was er tun solle, das Kommando übernehmen oder, gemäß dem Auftrag seines Vaters, seine Mutter töten. Das Orakel befahl: „Beides!“. Seine Mutter Eriphyle hatte auch ihn und seinen Bruder Amphilochos überredet am Zug der Epigonoi teilzunehmen. Er wusste nicht, dass sie vom Sohn des Polyneikes, Thersandros, mit dem zweiten Verderben bringenden Geschenk, das Aphrodite vor Generationen der Harmonia zur Hochzeit geschenkt hatte, dem goldenen Schleier, neuerlich bestochen worden war. Mit einer starken Streitmacht der sich viele angrenzende Städte anschlossen zogen die Epigonoi nach Theben. Die Thebaner zogen ihnen entgegen und bei der Stadt Glisas kam es zu einer kurzen, aber heftigen Schlacht. Die Epigonoi siegten. Nur einer der Spätergeborenen fiel, Aigialeus, der Sohn des alten Adrastos, er wurde von Laodamas, dem Sohn des Eteokles, erschlagen. Alkmaion rächte sich und tötete Laodamas. Die Thebaner flohen in die Stadt zurück, schlossen die Tore und befragten Teiresias. Er sah Unheil und empfahl die Stadt heimlich in der Nacht zu verlassen. Sie packten heimlich ihr Habe und zogen in der Dunkelheit ab. In der Nähe von Haliartos machten sie an der Quelle Telphusa halt. Teiresias, der Seher, er lebte schon seit sieben Generationen, trank daraus Wasser und starb. Nach der Bestattung wanderten sie weiter und ließen sich, wie ihre Ahnen Kadmos und Harmonia vor Generationen, in Illyrien nieder. Nach Tagesanbruch zerstörten die Sieger die verlassene Stadt Theben. Nach Pausanias I,43,1 starb der alte Adrastos auf dem Rückweg nach Argos aus Kummer über den Tod seines Sohnes Aigialeus und wurde in Megara begraben. In Megara wurde ihm zur Ehre ein Totenkult gefeiert. ..... Als Sieger gekehrt Alkmaion nach Argos zurück und tötet als Rache für den Tod seines Vaters und des zweimaligen Verrates gegen Gold und als Vollzug des Orakelspruches mit dem Schwert seine Mutter. Trotz dieser Ausübung eines göttlichen Befehles wurde er von den Erinyen mit Wahnsinn geschlagen. ..... In Sikyon wurde Adrastos kultisch verehrt. Auf dem Marktplatz errichtete man ihm ein Heroon. Nach Pindar sollen ihm zur Ehre die Sikyonischen Spiele eingeführt worden sein. Auch mit Gesängen die sein Leben und Leiden beschrieben erwies man ihm Ehre. Herodot, Historien V 67, schreibt, dass der Tyrann Kleisthenes, ca. 600 v. Chr., versucht hat diesen Kult abzuschaffen und Adrastos, weil er ein Argeier war "aus dem Land zu vertreiben". Weil das dazu befragte Orakel ihm aber mitteilte dass Adrastos König, er aber nur Peiniger von Sikyon sei, verbot er die Verehrung des Adrastos und übertrug die Gesänge auf Dionysos und die übrige Verehrung auf die von Theben her überführten Gebeine des Melanippos, eines Feindes des Adrastos. Vergebens, denn in der zweiten Hälfte des 5. Jh. v. Chr., zur der Zeit als Herodot sein Werk schrieb, existierte das Heroon noch. ..... Auch quintus v. Smyrna 4,569ff erwähnt Adrastos kurz: "Von seiner Herkunft war es nicht schlecht, sondern hatte die göttliche Abstammung vom schnellen Arion, den als weitaus besten von allen Pferden Harpyia dem lautlosen Zephyros gebar, als er wetteiferte mit raschen Füßen mit den schnellen Stürmen seines Vaters; und dies erhielt Adrastos von den glückseligen Göttern zum Geschenk. ....." (Quintus von Smyrna: Der Untergang Troias. Band I. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Ursula Gärtner. Edition Antike. Herausgegeben von Thomas Baier, Kai Brodersen und Martin Hose. WBG Darmstadt, 2010.) 1 B1.) Sohn des Merops 4. Obwohl sein Vater, ein Seher, ihn warnte, unterstützte er mit seinem Bruder Amphios 1 die Troianer. Menelaos bezwingt den vom Wagen gestürzten Adrastos. Der Gestürzte wirft sich auf die Knie und bietet Gold für sein Leben. Menelaos, gewillt ihn lebend gefangen zu nehmen, wird von Agamemnon zur Seite geschoben. Agamemnon ersticht Adrastos mit der Lanze, steigt ihm mit dem Fuß auf die Brust und zieht die Lanze wieder heraus. Nestor befielt keine Gefangenen zu machen, sondern zu töten und sich nachher, beim Ausrauben der toten Feinde, zu bereichern. Homer Ilias 6,37ff : " Lebend gefangen nahm Menelaos, der Meister im Schlachtruf, den Adrastos. Dessen Gespann floh scheu durch das Blachfeld, hatte, gehemmt durch ein Tamariskengestrüpp, am geschweiften Wagen vorne die Deichsel zerbrochen und stürmte jetzt, ohne Fahrzeug, zur Stadt, zusammen mit anderen scheuenden Rossen, während Adrastos vom Wagen geschleudert ward, neben das Rad hin, auf das Gesicht, in den Staub. Der Atreussohn Menelaos trat auf ihn zu und hob zum Stoß die gewaltige Lanze. Da umschlang Adrastos die Knie ihm und flehte: »Lebendig fang mich, Atride, laß dir gebührendes Lösegeld geben! Zahlreiche Kleinode ruhen im Haus des begüterten Vaters, Stücke aus Erz und Gold und fleißig geschmiedetem Eisen. Davon wird er dir Lösegeld, unermeßlich, verehren, nimmt er zur Kenntnis, daß ich bei den Schiffen der Griechen noch lebe.« So sprach er und vermochte ihn durch sein Wort zu gewinnen. Und Menelaos wollte ihn schon durch seinen Gefährten abführen lassen zur Flotte der Griechen. Da trat ihm in Eile Fürst Agamemnon entgegen und schalt ihn mit folgenden Worten: »Du, Menelaos, mein Lieber, warum begünstigst du derart unsere Feinde? Die Troer behandelten dich wohl daheim aufs beste? Nicht einer von ihnen entrinne dem jähen Verderben, keiner unseren Fäusten! Auch nicht das Knäblein im Schoß der Mutter, auch das nicht! Nein, sie sollen verschwinden aus Troja, ausnahmslos alle, verschwinden ohne Bestattung und spurlos!« Damit stimmte der König den Bruder um, mit dem Ratschlag traf er das Richtige. Und es stieß mit der Faust Menelaos von sich den edlen Adrastos. Fürst Agamemnon durchbohrte ihm die Weichen. Rücklings stürzte er hin, der Atride trat auf die Brust ihm und riß heraus die eherne Lanze." [Homer: Ilias. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 4790 (vgl. Homer-W Bd. 1, S. 106) (c) Aufbau-Verlag http://www.digitale-bibliothek.de/band30.htm ] Im Gegensatz dazu Ilias 11,328ff: „Zwei der besten Männer des Volkes auf einem Gespanne, Merops´, des Perkosiers, Söhne, dann sie erlegten. Dieser kannte die Seherkunst und wollte die Söhne Nicht in den Krieg ziehen lassen, den mordenden, aber die beiden folgten ihm nicht, von den Keren des schwarzen Todes getrieben. Beiden nahm Diomedes, der lanzenberühmte Tydide, Leben und Kraft hinweg und raubte die herrlichen Waffen;…“ 1 B2.) Homer Ilias 16,694: „Wen hast du als den ersten und wen als den letzten erschlagen, O Patroklos, als da die Götter zum Tode dich riefen ? Den Adrastos zuerst und Autonoos, Echeklos ferner, .....“. ….. Adrastos scheint hier nur noch als nackter Name, ohne jeden Bezug zu einer Geschichte auf. Der Gott aus der frühgriechischen Zeit wurde zuerst vermenschlicht, dann entseelt und verschwand schließlich gänzlich. ….. Als Aineias, dem Auftrag des Geistes seines Vaters folgend, nach der Ankunft in Italien mit der Sibylle von Cumäa in die Unterwelt hinab stieg, traf er in der Abteilung der Kriegshelden den Schatten des Adrastos; Aeneis 6,482ff: „Weiter verfolgte er den ihm gewiesenen Weg und erreichte nunmehr als letzte die Stätte berühmter Helden des Krieges. Tydeus begegnete ihm hier, der als Kämpfer berühmte Parthenopaios, der Schatten sodann des bleichen Adrastos; auch die gefallenen, einstmals in Troja innig beweinten Dardaner, deren lange Reihe ihm bittre und schwere Seufzer entlockte: Glaukos, Thersílochos, Medon, Antenors tapfre drei Söhne, danach Polypoites, der Priester Demeters, weiter Idaios, auch hier noch zu Wagen, im Schmucke der Waffen. Zahlreich umdrängten sie ihn, zur Rechten wie Linken, mit kurzen Blicken allein nicht zufrieden, nein, gerne verweilten sie länger, wollten Geleit ihm geben und wissen, warum er gekommen.“ [Vergil: Lied vom Helden Aeneas. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 17766 (vgl. Vergil-W, S. 283) (c) Aufbau-Verlag] Auch hier, bei Vergil, ist Adrastos nur noch nackter Name. RE I, 1 Seite 411 2. Sohn des Polyneikes; Pausanias 2,20,6. Er wird von Pausanias unter den Epigonenstatuen in Argos aufgezählt. In allen sonstigen Epigonenlisten fehlt er. Es dürfte sich um einen Irrtum des Pausanias handeln. RE I, 1 Seite 416 4. Sohn des phrygischen Königs Gordios 4. Nach der Ermordung seines Bruders wird er von seinem Vater verstoßen und sucht Hilfe beim lydischen König Kroisos. Kroisos entsühnt ihn, nimmt ihn in sein Haus auf, aber Adrastos tötet unabsichtlich Kroisos einzigen Sohn und Nachfolger, Atys. Der „nicht Entrinnende“ verzweifelt an seinem Schicksal und tötet sich auf dem Grab des Jünglings; Herodot I 35,45. RE I, 1 Seite 416